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Pater spectaculorum - Augustus und die Spiele

Seminararbeit 2001 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung
1. Aufführung literarisch belegter Spiele
2. Augustus als Zuschauer
3. Eingriffe des Kaisers Augustus in das Spielewesen
4. Die Spiele als Politikum

B Fazit

C Literaturverzeichnis

A Einleitung

Im Alter von sechsundsiebzig Jahren starb Augustus am 19. August 14 n. Chr. in den Armen Livias einen friedlichen Tod. Zusammen mit seinem Testament wurde nach seinem Tod ein von ihm selber verfasster Taten- und Leistungsbericht veröffentlicht, der nach Augustus Wunsch an seinem Mausoleum aufgestellt werden sollte. Von der Originalabschrift der Res gestae divi Augusti, die einst auf Bronzetafeln auf dem Marsfeld in Rom aufgestellt waren, ist leider nichts mehr erhalten geblieben. Jedoch entdeckten Forscher im Jahr 1555 auf einem antiken Bauwerk, dem Monumentum Ancyranum, im heutigen Ankara eine lateinische und griechische Inschrift, die sich bald als – allerdings lückenhafte, da beschädigte - Kopie des verschollen geglaubten Berichtes herausstellte. Bei weiteren Grabungen im 19. und 20. Jahrhundert wurden neue, umfangreicherer Bruchstücke gefunden, die die Abschriften des Monumentum Ancyranum, der „Königin der antiken Inschriften“[1] ergänzten. So konnte der Text der Res gestae divi Augusti weitgehend authentisch rekonstruiert werden.

Augustus dokumentiert darin neben seinen außen- und innenpolitischen Leistungen auch Maßnahmen der Fürsorge für das römische Volk[2], zu denen vor allem die Ausrichtung von Spielen gehörte.

Diese Spiele sind Thema der vorliegenden Arbeit.

Ausgehend von Augustus’ Tatenbericht und unter Heranziehung antiker römischer Historiker wie Cassius Dio und Sueton beschäftigt sich der Hauptteil der Arbeit mit einer chronologischen Übersicht über die wichtigsten Spiele, die unter der Herrschaft des Augustus, bzw. auf Veranlassung Octavians, veranstaltet worden sind. Aufgrund üppigeren Quellenmaterials wird auf die Säkularspiele und die Naumachie genauer eingegangen. Auch der hohe Seltensheitwert der beiden Ereignisse spielt hierbei eine Rolle.

Das zweite Kapitel untersucht die Funktion des Augustus als Zuschauer, wobei insbesondere der Frage nachgegangen wird, welche Rolle die (An-) Teilnahme des Kaisers an den öffentlichen Spielen hatte, bzw. wie Augustus selber – als Privatmensch – zu den Spielen stand.

Im dritten Teil wird dargestellt, wie der Kaiser Augustus einzelne Elemente des Spielewesens korrigierte und veränderte. Im Mittelpunkt stehen hierbei vor allem seine Eingriffe in das System der Platzaufteilung.

Der letzte Teil behandelt kurz die politische Funktion, die Augustus den Spielen zumaß, dieses höchst interessante Feld kann jedoch in Hinblick auf Rahmen und Umfang der vorliegenden Arbeit nur beispielhaft gestreift werden.

1. Aufführung literarisch belegter Spiele

In den res gestae divi Augusti zählt Augustus 67 ludi auf, die er in eigenem Namen, dem seiner Angehörigen – „in dem meiner Söhne oder Enkel“[3] – oder „anstelle von anderen Beamten“[4] als „Ausfluß der liberalitas princeps“[5] der Bevölkerung stiftete, darunter unter anderem acht Gladiatorenspiele, 26 Tierhetzen, eine Seeschlacht und die „Spiele des Mars“[6]. Augustus rühmt sich damit, für seine Schauspiele Athleten „von überall“[7] herbeigeholt zu haben.

Eines der ersten belegten Spiele, das Octavian/Augustus arrangierte, widmete er seinem Adoptivvater Gaius Iulius Caesar, der ermordet worden war[8]. Er „veranstaltete im Sommer 44 Siegesspiele [die ludi victoriae Caesaris, N.D.] zu Ehren Caesars und nutzte das zufällige Erscheinen eines Kometen als propagandistisch wertvollen Beweis für die nun erfolgte Aufnahme Caesars unter die Götter.“[9]. Auch Christ wertet die ludi victoriae Caesaris als „machtvolle politische Demonstration im Sinne des neuen Caesarerben“[10].

Cassius Dio erzählt in seiner „Römischen Geschichte“ von Spielen anlässlich der Einweihung des Tempels Caesars, Augustus’ Adoptivvaters, 29. v. Chr.: „Bei der Einweihung des Tempels des Iulius fanden Wettkämpfe aller Art statt.“[11]. Er berichtet von Pferderennen, dem „Troja- Reiterspiel“[12] und Tierhetzen. Dabei wurden unter anderem ein Nashorn und ein Nilpferd erlegt, „die man damals zuerst in Rom zu sehen bekam.“[13]. Unter den Gladiatoren befanden sich auch Daker, die nach einem unerfüllten Bittgesuch an Augustus zu dessen Rivalen Antonius übergelaufen waren, gefangengenommen wurden und nun in der Arena gegen Sueben kämpfen mussten[14]. Trotz einer Erkrankung Augustus dauerten die Spiele zur Einweihung des Tempels mehrere Tage.

Anlässlich des Sieges von Actium über Antonius am 2. September 31 v. Chr. fand 28 v. Chr.[15] das nächste belegte Fest, die aktischen Spiele, statt.

„Um die Erinnerung an seinen Sieg bei Actium auch für die Zukunft lebendig zu erhalten, legte er bei Actium die Stadt Nikopolis an und begründete dort Spiele, die alle vier Jahre stattfanden.“[16]. Cassius Dio berichtet von Pferderennen, an denen „Knaben und Männer der vornehmen Kreise“[17] teilnahmen. In einem eigens errichteten Stadion auf dem Campus Martius kämpften Gladiatoren gegeneinander. Auch hier erkrankte Augustus, so dass dessen Freund Agrippa die Spiele fortsetzten musste. Für die Kosten der Darbietungen kam Augustus persönlich auf.

[...]


[1] Theodor Mommsen, zitiert bei Augustus: Meine Taten. Res Gestae Divi Augusti. Ed. von Ekkehard

Weber. München 1989, auf S. 7.

[2] Über den Begriff „Volk“ in Bezug auf die Antike lassen sich sicher ganze Magisterarbeiten

schreiben, die Autorin verwendet ihn im Folgenden als Sammelbegriff für die stadtrömische Bevölkerung, ist

sich der Ungenauigkeit jedoch bewusst.

[3] Augustus: Meine Taten, IV, 22.

[4] ebenda

[5] Fortiun, Rigobert W.: Der Sport im Augusteischen Rom. Philologische und sporthistorische

Untersuchungen. (Palingesia LVII) Stuttgart 1996, S. 78.

[6] Augustus: Meine Taten, ebenda.

[7] ebenda, nach Thuillier bezieht sich dieses „überall“ v. a. auf das griechische Festland und Kleinasien

(vgl. Thuillier, Jean-Paul: Sport im antiken Rom. Darmstadt 1999, S. 44)

[8] Vgl. Suet. Iul. 88.

[9] Brandt, Hartwin: Octavian/Augustus – Totengräber und Friedensfürst. in: Hölkeskamp, Karl-

Joachim (Hrsg.): Von Romulus zu Augustus. Große Gestalten der römischen Republik. München

2000, S. 368.

[10] Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Konstantin. München 1995³,

S. 52.

[11] Cass. 51, 22, 4.

[12] Ebenda, beim Trojaspiel werden von jungen Reitern Bewegungen in kriegsähnlichen Formationen

durchgeführt. Eingeführt wurde es von Anaeas zu Ehren seines Vaters, Caesar erneuerte es.

[13] Cass. 51, 22, 5.

[14] vgl. Cass. 51, 22, 6 – 8.

[15] Über das Datum herrscht Uneinigkeit, Wolfgang Decker datiert das erste Stattfinden dieser Spiele

auf das Jahr 27 v. Chr. (Decker, Wolfgang: s.v. Aktia. in: DNP 1, S. 415), Fortuin dagegen auf 28

v. Chr. (Fortuin, Sport, S. 78)

[16] Suet. Aug. 18, 2.

[17] Cass. 53, 1, 4.

Details

Seiten
14
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638115254
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2500
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Philosophische Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Pater Augustus Spiele Proseminar Blut Arena Kaiserzeit

Autor

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