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Aby Warburg - Italienische Kunst und internationale Astrologie im Palazzo Schifanoja zu Ferrara

Seminararbeit 2003 18 Seiten

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Biographie

3. Aby Warburg und der Sternglaube

4. Die Fresken des Palazzo Schifanoja zu Ferrara
4.1 Die Transformation des ersten Dekan im März
4.2 Wege der Überlieferung
4.3 Das März – und Aprilfresko des Palazzo Schifanofa

5. Der Übergang von der Frührenaissance zur Hochrenaissance

6. Darstellungen seiner Untersuchungen

7. Warburgs Stellung in der Kunstgeschichte

8. Schlussbemerkung

9. Literaturnachweis

Abbildungen

1. Vorwort

In meiner Hausarbeit über Aby Warburg versuche ich, nach einer biographischen Grundlage, mich mit seiner Untersuchung an den Fresken des Palazzo Schifanoja auseinanderzusetzen und den Einflüssen der Antike auf die Frührenaissance.

Zunächst möchte ich sagen, das Aby Warburg einer der interessantesten und einflussreichsten Geisteswissenschaftler des 20. Jahrhunderts war. Folgendes Zitat von ihm dürfte am besten seine Ansichten über eine gute Forschung an einem Kunstwerk ausdrücken: „Der liebe Gott steckt im Detail.“[1]

In der Ausarbeitung versuche ich diese Ansicht so gut wie möglich darzustellen.

Schon Jacob Burckhardt (1818 – 1897) beschäftigte sich ausgiebig mit der italienischen Renaissance, wobei Raffael für ihn den Höhepunkt der Kunstgeschichte bildete. Durch seinen lebendigen Umgang mit der Kunst, sowie auch durch seine allgemeinverständlichen Vorlesungen erlangte er ein großes Ansehen. Burckhardt brachte als Erster die Kulturgeschichte in die Kunstgeschichte mit ein. Aby Warburg bewunderte ihn und knüpfte an seine Forschungen an. Vergleicht man beide aber miteinander, so kann man feststellen, dass Warburgs Untersuchungen bedeutend umfangreicher sind und die von Burckhardt weit übertreffen.[2]

Aby Warburg leitete mit seiner Arbeit eine neue Epoche der Bildüberlieferungen ein.

Bei seinen Ausarbeitungen hatte er sich immer das Staunen bewahren können und trug auch seine Ansichten mit solcher Leidenschaft vor, dass sein Publikum stets aufhorchte. Besonders erreichte Warburg dies bei seinem Vortrag über den Palazzo Schifanoja auf einem Kongress 1912 in Rom. Der Vortrag wurde zum Höhepunkt der Tagung, aber auch der seines öffentlichen Schaffens.[3]

Um den Wissenschaftler Aby Warburg etwas näher zu bringen und vielleicht auch besser zu verstehen, gehe ich nun auf seine Biographie ein.

2. Biographie

Aby Warburg wurde 1866 in Hamburg als Sohn eines Bankiers geboren und war der Älteste von sieben Kindern. Seine Familie war jüdisch, doch diesem Glauben konnte er nichts abgewinnen und rebellierte sogar gegen ihn.

Bei dem jungen Warburg zeigte sich schon früh ein Interesse an Büchern. Alles das, was ihn interessierte, wurde auch gelesen, selbst ein Lexikon von A – Z. Für diese Leidenschaft wollte er mit dreizehn seinem zwölfjährigen Bruder Max sein Erstgeborenenrecht verkaufen. Dieses offerierte, dass der Erstgeborene später in die Firma des Vaters eintreten kann. Sein Bruder Max war einverstanden, doch als Gegenleistung sollte er seinem Bruder Aby alle Bücher kaufen die er wollte.

Max gab seinem Bruder einen großen Blankokredit, da er nicht wusste, was später auf ihn zukommen würde.

Später entschied sich Warburg für das Studium der Kunstgeschichte. Bei seiner Familie stieß das auf Widerstand, doch er war nicht davon abzubringen und studierte zielstrebig.

Da er aber für die zeitgenössischen Vorstellungen des Fin de Siecle wenig übrig hatte, war er ein Außenseiter. In dieser Zeit wurde der Künstler als eine Art Übermensch auf ein Podest gehoben. Der Trend war, die Kunst und alles Schöne zu verehren, wobei aber die sozialen Bindungen in den Hintergrund rückten.

Warburg machte in seinen Forschungen keinen Unterschied zwischen einer Briefmarke und einem Gemälde. Für seine Arbeit besuchte er Theateraufführungen und sah sich Tänze und Riten an. Dies sind seiner Meinung nach alles äußere Einflüsse, die auf den Künstler einwirken, um sich später in seinem Kunstwerk widerzuspiegeln.

Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde Aby Warburg für die Öffentlichkeit interessant und erlangte Anerkennung. Andere Kunsthistoriker konnte er für sich gewinnen, wie zum Beispiel sein späterer Nachfolger Fritz Saxl und auch Erwin Panofsky.

Sein überzeugendstes Forschungsinstrument, war die Bibliothek.

Bereits im Alter von zwanzig Jahren begann er über seine Anschaffungen Buch zu führen. Ganz bewusst sammelte er Bücher für Nachfolger und Studenten. Sein Bruder Max spielte hierbei eine wichtige Rolle, denn er kaufte seinem Bruder immer mehr Bücher. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war sein Bestand bereits so groß, dass er es wagte, eine Bibliothek zu gründen. Seine Familie unterstützte ihn dabei. Die Bibliothek wurde von Warburg immer wieder umgewandelt und spiegelte deutlich seine Überzeugungen wider. Zu finden waren dort Bücher der Theaterwissenschaft, der Rechtswissenschaft, der Kunstgeschichte und auch anderer Richtungen. In ihr sollte die Geschichte der Menschheit verdeutlicht werden. Nachfolger und Studenten sollten eine Reise antreten, bei der sie immer mehr Fragen stellen konnten.

Nach Warburgs Tod, 1929, wurde die Bibliothek von Franz Saxl weitergeführt.

1933 wurde sie nach London gebracht, um sie vor den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zu schützen. In London blieb bis zum heutigen Tag das „Warburg – Institut“, das 1944 in die Universität dort eingegliedert wurde. In Hamburg selbst findet man heute das „Warburg – Haus“, eine halböffentliche Institution, die versucht an die kulturwissenschaftlichen Forschungen Warburgs anzuknüpfen.

3. Aby Warburg und der Sternglaube

Wie ich schon erwähnte, erlangte Aby Warburg seinen Triumph mit den Untersuchungen der Fresken des Palazzo Schifanoja, wobei es sich um einen astrologischen Wahrsagekalender handelt.

Wie kam er aber zur Astrologie? Warburg hatten Planetendarstellungen in deutscher und italienischer Graphik schon lange in den Bann gezogen. 1905 untersuchte er „Dürer und die italienische Antike“, worüber er auch in Hamburg einen Vortrag hielt. Schon Dürer versuchte, sich Einblicke in die antike Götterwelt zu verschaffen und wollte die Formvorstellungen der italienischen Kunst an seinem eigenen Stil messen.

1908 wandte sich Warburg der Fragestellung zu, mit der er berühmt wurde. Er wollte die Bilderwelt der Astrologie erforschen.[4]

Vor einem Kongress für hamburgische Geschichte hielt Aby Warburg einen Vortrag über den Renaissancekünstler Stefan Arndes. Arndes druckte 1519 einen Kalender mit Holzschnitten. Dieser Kalender enthielt Planetengötter, die nach dem Vorbild der oberitalienischen Tarocchikarten dargestellt wurden. (Siehe Abb. 1 u. 2)

Arndes lebte seit 1476 in Italien und konnte diese Darstellungen so kennen lernen und nach Deutschland bringen.[5]

In diesen Kalendarien fanden, wie Warburg selbst sagte „die Götter im Exil eine sichere Zufluchtsstätte“[6]

Nach dieser Untersuchung legte er sein Augenmerk auf die Interpretation der Renaissance, in der antike Götter in ihrer ursprünglichen Menschlichkeit und Schönheit wieder auftauchten.

Dafür reiste Warburg nach Rom und studierte in der vatikanischen Bibliothek mythographische Handschriften.[7]

Diese Untersuchungen standen unter der Problemstellung, was der Einfluss der Antike für die künstlerische Kultur der Frührenaissance bedeutete.

Aby Warburg verglich Bilder von Dürer, Botticelli und Fillipino Lippi miteinander. Bei allen drei Künstlern konnte er den gleichen Einfluss der Antike feststellen. Die menschliche Erscheinung hatte sich gegenüber der mittelalterlichen Darstellungen enorm verändert. Den Figuren wurde Leben eingehaucht, indem sie in der körperlichen Darstellung und in den Gewändern viel mehr Beweglichkeit bekamen. Diese Form der Darstellung lehnte sich stark an der antiken, bildenden Kunst und Poesie an.[8]

Die Konzentration lag dabei auf der Entdeckung verwandelter Gestalten der Antike, die in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder hergestellt sein wollten.

Warburg war ein Mensch, der bei seinen Forschungen in die Tiefe dringen wollte und nicht in die Breite. Er konzentrierte sich, wie in diesem Fall, auf ein Werk oder eine Frage und durchleuchtete sie nach allen Aspekten. Dadurch versuchte er, bisherige Grenzen zu überschreiten.[9]

Die Überlieferung von antiken Gottheiten hing eng mit dem Sternglauben zusammen, der es ihnen ermöglichte, weiter zu überleben. Jahrzehntelang tauchte Aby Warburg in die Welten der Astrologie ein, um sie zu erforschen. Die Untersuchungen an den Fresken des Palazzo Schifanoja spielten hierbei eine wichtige Rolle, denn er wollte durch eine ikonologische Analyse diese Überlieferungen aufdecken.[10]

4. Die Fresken des Palazzo Schifanoja zu Ferrara

In diesem Sommerschloß der Familie d’Este legte man sieben von zwölf Monatsbildern frei. Jedes Bild hat drei übereinander geordnete Bildflächen mit halb-lebensgroßen Figuren.

[...]


[1] Zitiert nach: Wuttke, 1978, Seite 41

[2] vgl. Naber, 1993, Seite 12

[3] vgl. Gombrich, 1984, Seite 254, 412

[4] vgl. Gombrich, 1984, Seite 35, 40, 411, 412, 424, 426, 429, 433, 448

[5] vgl. Oestmann, 1993, Seite 295

[6] Warburg. 1979, Seite174

[7] vgl. Gombrich, 1984, Seite 248

[8] vgl. Warburg, 1979, Seite 173

[9] vgl. Wuttke, 1978, Seite 44ff.

[10] vgl. Freund, 1993, Seite 168ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638275880
ISBN (Buch)
9783638760041
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24804
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Kunsthistorisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Warburg Italienische Kunst Astrologie Palazzo Schifanoja Ferrara Einführung Methoden Kunstgeschichte Aby Warburg Kunsttheorie Italien Fresken

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