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Die Geschichte der Betriebswirtschaftslehre

von Christian Voigt (Autor) Thomas Henze (Autor)

Hausarbeit 2004 17 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „alte“ Betriebswirtschaftslehre
2.1 Die Vorläufer der Entwicklung einer systematischen BWL bis 1675
2.1.1 Die Untersuchung in der Antike
2.1.2 Die patristische Wirtschaftsliteratur
2.1.3 Die scholastische Wirtschaftsliteratur
2.1.4 Die Zeit bis zur frühkapitalistischen Entwicklung
2.2 Die Zeit der systematischen Handlungswissenschaft von 1675 - 1804
2.3 Die Niedergangszeit der Handelswissenschaften im 19. Jahrhundert

3. Die „neue“ Betriebswirtschaftslehre
3.1 Die Aufbauzeit der neuen BWL von 1898 - 1909
3.2 Die Systematisierung und Ausweitung der BWL von 1910 - 1932
3.3 Die Situation in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 - 1945

4. Entwicklungstendenzen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Betriebswirtschaftslehre ist neben der Volkswirtschaftslehre die zweite Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften. Sie untersucht den Aufbau von Betrieben sowie betrieblichen Vorgängen.

„Die Beschäftigung mit einer Wissenschaft setzt die Kenntnis ihrer historischen Entwicklung voraus, da der heutige Stand der Wissenschaft das Ergebnis dieser Entwicklung ist.“1

Der Begriff ist erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, die geschichtlichen Wurzeln reichen jedoch bis weit vor unserer Zeitrechnung zurück. Die Literatur diskutiert die Anfänge der heutigen Betriebswirtschaftslehre sehr kontrovers. Überwiegend wird die Gründung der ersten Handelshochschulen in Leipzig, Aachen und Wien, im Jahre 1898, als das Geburtsjahr der BWL als Wissenschaft betrachtet.2 Dieter Schneider, Universitätsprofessor der BWL, schreibt hingegen: „Entgegen gängigen Lehrbuchdarstellungen darf die Gründung der Handelshochschulen nicht als Wiege der heutigen akademischen Betriebswirtschaftslehre angesehen werden.“3 Um die Frage nach den Anfängen korrekt beantworten zu können, muss eine Unterscheidung in die sogenannte „alte“ und „neue“ Betriebswirtschaftslehre vorangestellt werden.4 Vor diesem Hintergrund ist die Hausarbeit in Epochen unterteilt, um die Geschichte systematisch aufzuarbeiten. Der Untersuchungszeitraum ist sehr groß gewählt, dies ist damit zu begründen, dass die BWL als Wissenschaft nicht von einem Einzigen oder einer Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen wurde. Sie musste bis zu dem heute erreichten Erkenntnisstand eine jahrhundertlange Entwicklung durchlaufen.

2. Die „alte“ Betriebswirtschaftslehre

2.1 Die Vorläufer der Entwicklung einer systematischen BWL bis 1675

2.1.1 Die Untersuchung in der Antike

Es zeigten sich erste Ansätze kaufmännischen Denkens in Aufzeichnungen der Hochkulturen des alten Orients in der Zeit um 3000 - 2800 v. Chr., wie z.B. der älteste Buchhaltungsbeleg in Gestalt einer kleinen Tontafel mit kaufmännischen Daten.

Aus Mesopotamien, dem heutigen Irak, stammt die älteste Fabrikbuchhaltung mit monatlicher Gewinn- und Verlustrechnung und einem kontinuierlich geführten Inventar. Im Jahre 1728 v. Chr. gab es in dieser Region (Babylonien) bereits eine Buchführungspflicht für Kaufleute.5

Weitere Grundzüge betriebswirtschaftlichen Denkens spiegeln sich z.B. in den Schriften von Xenophon6 wieder. Seine landwirtschaftliche Betriebslehre „Oikonomikos“ gilt als bedeutendste Arbeit dieser Zeit. Bereits darin betonte er die Notwendigkeit, Überschüsse anzustreben und auf die Vermehrung des Reichtums bedacht zu sein.7 In diesem Zusammenhang weist er auch auf den Einsatz einer bewussten Betriebsführung hin. Xenophon sieht als Ursache für den Untergang von Betrieben die mangelnden Fachkenntnisse.

Im Gegensatz dazu geben Platon8 und Aristoteles9 eine allgemeine Lehre vom antiken Wirtschaftsbetrieb. Platon erörtert in seinem Werk „Die Gesetze“ seine Ansichten über den Händler und dessen Tätigkeit und gibt einen Überblick über die Abwicklung eines Kaufgeschäfts. Aristoteles baute auf den Erkenntnissen von Xenophon auf und behandelte in seiner Schrift „Über Hauswirtschaft“ wichtige Aspekte betriebswirtschaftlicher Tätigkeiten, wie z.B. das Prinzip der ständigen Zahlungsbereitschaft. Außerdem setzte er sich mit dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip und dem Grundsatz der Sicherung gegen Risiken auseinander.10 In „Politeia“ unterscheidet er zwei Arten der Erwerbskunst. Zum einen die notwendige oder natürliche Erwerbskunst (Oikonomia), die sich mit dem Bestreben des Menschen nach Befriedigung der primären Lebensbedürfnisse beschäftigt und zum anderen die nicht notwendige Erwerbskunst (Chrematistik). Sie bezeichnet die Kunst des Gelderwerbs mit dem Ziel der Vermehrung des Reichtums.11 Auch bei Sokrates und Epikur (ebenfalls griechische Philosophen) sind methodische Grundlagen, die für spätere Betriebslehren Bedeutung hatten, zu finden.12

Neben der griechischen Wirtschaftslehre haben sich auch römische Schriftsteller, wie Cato der Ältere (243-149 v. Chr.), Varro (116-27 v. Chr.) und Columella (0-70 n. Chr.), mit Fragen der Betriebsstruktur auseinandergesetzt. Vor allem Columella war mit seinem ersten Ansatz zur Wirtschaftlichkeits- bzw. Investitionsrechnung um eine Minimierung der Produktionskosten in landwirtschaftlichen Großbetrieben bemüht.13

2.1.2 Die patristische Wirtschaftsliteratur

Nach dem fortschreitenden Verfall des römischen Reiches war die Entstehung und Ausbreitung des Christentums und die daraus hervorgehende Entwicklung der Kirchen von entscheidender Bedeutung für die Umgestaltung der antiken Wirtschafts- und Sozialumstände. Durch die Bil

dung von zwei Machtträgern, Kirche und Staat, teilte sich die Welt in eine irdische und geistige Sphäre. Im Gegensatz zu den antiken Anschauungen wird bei den Patristikern14 der Wert der Arbeit hervorgehoben. Sie wird als produktiv und gewinnbringend angesehen. Allerdings lehnen die Kirchenväter das Nehmen von Zinsen einerseits mit dem Argument von Aristoteles ab, dass Geld kein Geld hervorbringen kann. Andererseits werden zur Begründung die christlichen Gebote des Alten und Neuen Testaments herangezogen. Kritisch wird von den Kirchen der Handel betrachtet. Sie sehen in den Handelstätigkeiten in anderen Ländern, mit anderen Religionen, die Gefahr, dass die Händler vom rechten Glauben abgebracht werden. Nach ihrer Auffassung ist der Handel auch für das maßlose Streben nach Reichtum, verbunden mit Lüge, Betrug und Übervorteilung, verantwortlich. Die späteren Kirchenväter kommen zu einer grundsätzlich positiven Beurteilung, da sie die wirtschaftliche Rechtfertigung des Handels erkennen. Jedoch weisen sie auch auf die sittlichen Gefahren hin, die damit verbunden sein können.15

2.1.3 Die scholastische Wirtschaftsliteratur

Durch die Kreuzzüge, die von etwa 1096 - 1270 andauerten, entwickelte sich der Fernhandel und führte zur Ablösung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Europas und der Zunahme der Bevölkerung kam es zum Aufblühen des Städtewesens. Es bildete sich als neue soziale Schicht das Bürgertum heraus. Dies führte zur Epoche der Scholastik16. Im Rahmen ihrer theologischen Untersuchungen haben sich die Scholastiker intensiver mit verschiedenen wirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen auseinandergesetzt, als bereits die Kirchenväter. Neben der Analyse der Handelstätigkeit beschäftigten sich die Scholastiker mit der Preisfestsetzung im Handel. Grund für die Untersuchung war die mangelnde „Sichtbarkeit“ der Werterhöhung des Gutes durch die Tätigkeit des Kaufmanns, im Vergleich zur Landwirtschaft oder zum Handwerk. Daneben beschäftigten sie sich mit dem Problem des gerechten Lohnes und mit dem Nehmen von Zinsen, die hier als Einkommen interpretiert werden und nicht durch Arbeit erwirtschaftet wurden. Als der bedeutendste Scholastiker kann Thomas von Aquin (1225-1274) angesehen werden, der seine Lehre auf der aristotelischen Philosophie und den Lehren der Kirchenväter aufbaute. Kernaussage dieser ist, das Äquivalenzprinzip, das auf dem Kostenprinzip beruht. Für ihn ist der Preis, als Voraussetzung für einen gerechten Tausch, abhängig von den objektiven Wertbestimmungsfaktoren, Arbeit und Kosten, und dem subjektiven Faktor mit der Berücksichtigung des Bedürfnisses des Kunden nach einem Gut. Zu

mit den Kirchenvätern sowohl im Hinblick auf ihre Person, als auch auf ihre Lehre beschäftigt

Schulsystem zu begründen und auszubilden sucht (von 9.-15. Jh.)

[...]


1 Wöhe, G. (2000), S. 57.

2 Vgl. Wöhe, G. (2000), S. 56.

3 Schneider, D. (2001), S. 192.

4 Vgl. Klein-Blenkers, F. (1988), S. I.

5 Vgl. Schweitzer, M. (2000), S. 1.

6 griechischer Geschichtsschreiber und Schriftsteller (430-354 v. Chr.)

7 Vgl. Deges, F. (1993), S. 15.

8 griechischer Philosoph (427-347 v. Chr.)

9 griechischer Philosoph in Athen (384-322 v. Chr.)

10 Vgl. Rosemeier, K. (1993), S. 23-25.

11 Vgl. Deges, F. (1993), S. 16.

12 Vgl. Schweitzer, M. (2000), S. 1-2.

13 Vgl. Rosemeier, K. (1993), S. 26-27.

14 Patristik (griech. „Vaterlehre“) auch: Patrologie; eine streng theologische, wissenschaftliche Disziplin, die sich

15 Vgl. Rosemeier, K. (1993), S. 32-35.

16 von lat: schola, „Schule“; Philosophie und Theologie des Mittelalters, die die Kirchenlehre als wissenschaftl.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638274890
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24671
Institution / Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Wolfenbüttel – FH Wolfsburg / Fachbereich Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Geschichte Betriebswirtschaftslehre Wirtschaftswissenschaftliche Methodik

Autoren

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