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Immanuel Kants Analytik des Schönen

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Die Analytik des Schönen in Kants "Kritik der Urteilskraft"
3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils
3.2 Die Quantität des Geschmacksurteils
3.3 Untersuchung nach der Relation der Zwecke
3.4 Zur Modalität des Wohlgefallens an dem Gegenstand

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während der eine ein bestimmtes Kunstwerk, ein Haus, ein Lied, eine Blume schön findet, findet der andere es hässlich. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch was ist eigentlich „Geschmack“? Und was ist überhaupt „schön“?

Bereits seit der Antike stellen sich Kunstkritiker und Philosophen immer wieder dieselbe Frage: „Was ist schön?“ So hat das Schöne für Platon seinen Ursprung im Reich der Ideen und offenbart sich zwar in den schönen Erscheinungen, bleibt selbst aber übersinnlich. Im Mittelalter wird das Schöne von Gott abgeleitet, denn Gott als Schöpfer der Welt ist gut und schön und alle Schönheit dieser Welt ist nur ein Abglanz seiner wahren und vollkommenen Schönheit. Auch in der Renaissance glaubte man, Schönheit käme durch Gott in die von ihm geschaffene Welt, wobei dem Auge und dem Sehen eine besondere Rolle zukommt, denn mit dem Auge kann man die Schönheit sehen, wahrnehmen und genießen und es wird bei Leonardo sogar zum „Fenster der Seele“. Mit der kopernikanischen Wende und dem Beginn der modernen Ästhetik ändert sich dann die Schönheitsauffassung. Das Schöne ist nun die Erfahrung der Übereinstimmung mit sich und der Welt – das Gefühl der Lust. Die kopernikanische Wende ist nichts anderes als ein Perspektivwechsel hin zum Subjekt und hin zu den Erkenntniskräften, die eingeleitet wurde durch Immanuel Kant. Denn auch Kant beschäftigte die Frage nach dem Schönen und er widmet ihr in seinem Werk „Die Kritik der Urteilskraft“ ein eigenes Kapitel unter der Überschrift „Analytik des Schönen“. In diesem Abschnitt entwickelt er stufenweise den Begriff des Schönen, indem er das Geschmacksurteil nach vier Kriterien analysiert.
Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, sich mit Kants Analyse des Geschmacksurteils auseinanderzusetzen und seinen Begriff des Schönen herauszuarbeiten, wobei ich mich eng an die Gliederung des Textes und den Text selbst halten werde, um Kants Sichtweise so unverfälscht wie möglich wiederzugeben.

Ich werde zunächst kurz auf die Biographie Kants eingehen, um dann anschließend zu seiner „Analytik des Schönen“ zu kommen, die ich schrittweise analysieren und erläutern werde, um Kants Begriff des Schönen zu erarbeiten und in einer Zusammenfassung auf den Punkt zu bringen, die gleichzeitig der Abschluss meiner Arbeit sein wird.

2. Biographie

Immanuel Kant (eigentlich Immanuel Cant) war ein bedeutender Philosoph, der mit seiner Begründung des so genannten „kritischen Idealismus“ zu einem der einflussreichsten Denker der Neuzeit aufstieg. Die Wirkung Kants war und ist weitreichend und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele namhafte Philosophen wie z.B. Fichte, Hegel und Schelling an die Philosophie Kants anknüpften.

Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad in Russland, geboren. Von 1732 bis 1740 besuchte er das Collegium Fridericianum, im Anschluss daran studierte er bis 1745 die klassischen Wissenschaften Physik und Mathematik an der Universität Königsberg. 1746 debütierte er mit einer Schrift über Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte. Nach dem Tod seines Vaters sah er sich jedoch gezwungen, sein Studium zu unterbrechen, um seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer zu verdienen. 1755 kehrte Kant schließlich an die Universität zurück und promovierte in Philosophie mit einer Meditation über das Feuer (De Igne). Noch im selben Jahr folgte die Habilitation über „Die ersten Grundsätze der metaphysischen Erkenntnis“ (Nova dilucidatio), woraufhin er zunächst als Privatdozent an der Universität Königsberg tätig wurde. Von 1766 bis 1772 arbeitete Kant dann als Unterbibliothekar der königlichen Schlossbibliothek und legte 1770 mit einer Studie „Über Formen und Gründe der Sinnes- und Verstandeswelt“ eine weitere Dissertation vor. Durch seine Vorlesungen und Publikationen konnte sich Kant bereits frühzeitig den Ruf eines herausragenden Philosophen erwerben, schlug jedoch mehrere Lehrstuhlangebote renommierter Universitäten – u. a. Erlangen (1769) und Jena (1770) – aus, bevor er 1770 eine Professur für die Fächer Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg annahm. 1786 bzw. 1788 wurde er sogar zum Rektor der Einrichtung ernannt und zog eine große Zahl von Studenten an. Zehn Jahre lang veröffentlichte Kant sehr wenig, bis 1781 sein Werk „Kritik der reinen Vernunft“ erschien, das sich jedoch bei den Lesern wegen der ungewohnt schweren Terminologie und der komplizierten Sätze zuerst nur sehr schwer durchsetzen konnte. 1788 veröffentlichte er dann die „Kritik der praktischen Vernunft“, in der er die Grundlagen der praktischen Philosophie behandelte. Schließlich vollendete er 1790 sein drittes großes Werk, die „Kritik der Urteilskraft“, das die Grundlage dieser Arbeit darstellt. Durch seine von Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff geprägte rationalistische Religionsauffassung geriet Kant bald in Konflikt mit der preußischen Regierung und wurde nach der Veröffentlichung seiner Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (1793) durch den preußischen König Friedrich Wilhelm II. mit einem Lehr- und Publikationsverbot belegt, das allerdings auf religiöse Themen beschränkt war. An dieses Verbot war Kant bis zum Tod des Königs 1797 gebunden. 1796 gab Kant seine Lehrtätigkeit auf und starb sechs Jahre später am 12. Februar 1804 in Königsberg. (Vgl.: Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corporation.)

3. Die Analytik des Schönen in Kants „Kritik der Urteilskraft“

Wie bereits erwähnt, vollendete Kant die „Kritik der Urteilskraft“ 1790. Dieses Werk gliederte er in zwei Haupteile: die „Kritik der ästhetischen Urteilskraft“ und die „Kritik der teleologischen Urteilskraft“, wobei letztere für meine Arbeit nicht von Interesse sein wird.

Die „Kritik der ästhetischen Urteilskraft“ unterteilt sich wiederum in die „Analytik des Schönen“ und die „Analytik des Erhabenen“. Letztere ist für Kant zwar weniger von Bedeutung, aber dennoch hielt er es für nötig, dem Begriff des Erhabenen in seinem Werk eine eigene Untersuchung zu widmen, denn er ist der Ansicht, dass sich das Erhabene vom Begriff des Schönen unterscheidet. Während sich das Schöne beispielsweise auf die Form eines Gegenstands bezieht, kann das Erhabene weitgreifender, ja sogar gegenstands- und formlos sein. Doch sowohl das Schöne als auch das Erhabene sind Gegenstände eines ästhetischen Urteils. Da meine Arbeit aber die Ausarbeitung von Kants Begriff des Schönen zum Ziel hat, werde ich auf eine genauere Betrachtung des Erhabenen verzichten.

In der „Analytik des Schönen“ stellt sich Kant nun die Frage „Was ist schön?“, „Was bedeutet es, wenn man von einem Objekt behauptet, es sei schön?“. Er nennt eine solche Behauptung ein „Geschmacksurteil“, das er als das Vermögen, etwas als „schön“ zu beurteilen, definiert. Um jedoch dieses Vermögen zu erlangen, ist zunächst eine stufenweise Analyse des Geschmacksurteils erforderlich, die sich in folgende vier Abschnitte gliedert: die Qualität des Geschmacksurteils, die Quantität, die Relation der Zwecke sowie die Modalität des Wohlgefallens.

3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils

Um zu beurteilen, ob etwas schön sei oder nicht, muss zunächst herausgefunden werden, welcher Art das Wohlgefallen am Objekt ist, das heißt, es muss die Qualität des Geschmacksurteils analysiert werden. Dieser Aufgabe widmet sich Kant in den Paragraphen 1 bis 5 in seiner „Analytik des Schönen“.

Vorab stellt er die These auf „das Geschmacksurteil ist ästhetisch“ (Kant: Kritik der Urteilskraft, S.67). Was aber heißt das? So wie man umgangssprachlich das Wort „ästhetisch“ mit „schön“ gleichsetzt, ergibt die Aussage „das Geschmacksurteil „x ist schön“ ist ästhetisch“ keinen Sinn. Kant aber versteht ästhetisch nicht als gleichbedeutend mit schön und er beschreibt auch, wie man die Frage, ob etwas schön sei oder nicht, überprüfen kann: „Um zu unterscheiden, ob etwas schön sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Objekt zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subjekt und das Gefühl der Lust und Unlust desselben.“ (Kant: Kritik der Urteilskraft, S.67). Um also Schönheit beurteilen zu können, soll man nicht vom Objekt bzw. Gegenstand ausgehen und es in seiner Form oder seiner Beschaffenheit beschreiben, sondern ganz allein von seinen Empfindungen, von seinem Gefühl der Lust oder Unlust, die man in Bezug auf das Objekt empfindet. Ersteres wäre nach Kant ein „logisches Urteil“ - ein Erkenntnisurteil. Für die Beurteilung der Schönheit kommt demnach nur noch das „ästhetische Urteil“ in Frage, weshalb man auch sagen kann: „x ist schön“ ist ästhetisch. Weiterhin bedeutet dies, dass das Urteil „schön“ keine Beschreibung der Eigenschaften eines Gegenstandes ist, sondern sich auf den Gefühlszustand des Subjekts in Bezug auf das Objekt bezieht.

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Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638274210
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24577
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Kulturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Immanuel Kants Analytik Schönen Schönes Erhabenes Doppelte Moderne

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Titel: Immanuel Kants Analytik des Schönen