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Kreatives Schreiben

Seminararbeit 2003 21 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Was ist kreatives Schreiben?

2. Der Kreativitätsbegriff

3. Geschichtliche Ursprünge des kreativen Schreibens

4. Organisatorische Bedingungen des kreativen Schreibens

5. Methoden des kreativen Schreibens
5.1 Das assoziative Schreibverfahren „Cluster“
5.2 Das Schreibspiel „Reihum-Gedicht“
5.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern am Beispiel des Elfchens
5.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten am Beispiel des „Löchergedichts“
5.5 Schreiben zu Stimuli am Beispiel der „Fantasiereise“
5.6 Weiterschreiben an kreativen Texten am Beispiel desVerfahrens „Über den Rand hinaus schreiben“

6. Kreative Schreibübungen des Workshops
6.1 Le cadavre exquis
6.2 Gefüllte Kalbsbrust
6.3 Dadaistisches Gedicht

7. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Was ist kreatives Schreiben?

Die heutige „Krise“ der Schriftkulutr zeigt sich durch die stetig steigende Analphabetenrate der Erwachsenen, die Zunahme der Lese- und Rechtschreibschwäche bei Kindern und den Prestigeverlust des Buches durch die hohe Bedeutung des Fernsehen als Informationsmedium. Die Anforderungen an die Schriftsprachkompetenz jedoch steigen und bilden die Grundlage für das Leben in der Gesellschaft. Das kreative Schreiben kann einen ganz neuen grundlegenden Zugang zum Schreiben bieten.1 Kreative Schreibexperimente können den Schülern verschiedene Möglichkeiten des Denkens, Empfindens und Formulierens aufzeigen.

Schüler müssen motiviert werden den Umgang mit Sprache für sich neu zu entdecken. Die Freude am Selbstausdruck und mit Sprache schöpferisch umzugehen sollte geweckt werden. Der Schreib- und Sprachunterricht kann nicht nur Sprachkompetenz vermitteln, sondern die Schüler zur eigenen sprachlichen Gestaltung anregen, ihre eigenen Erfahrungen aufzuschreiben und seine Persönlichkeit dabei zu stärken.

Die kreative Schreibdidaktik stellt den Schreibprozess und seine Methoden, die zum Schreiben anregen, in den Fordergrund. Das Kind wird als subjektive Instanz ernstgenommen und kann seinem spontanen Selbstausdruck nachgehen. Kreatives Schreiben bietet einen Spielraum für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit und um Erfahrungen und Umwelterlebnisse zu reflektieren.

Kreative Lernprozesse finden im Rahmen eines „integrativen und fächerübergreifenden Lernens (statt) und verbinden kognitive, emotionale und imaginative Lernprozesse.“2

Im heutigen Deutschunterricht überwiegt immer noch das entfremdete Schreiben und berücksichtigt persönliche Schreibleistungen der Kinder nur in geringem Maße. Subjektive Erlebnisschilderungen werden im Schulalltag häufig von allgemeinen Informationen zurück gedrängt, so dass ein Abstraktionsvorgang der Lebenszusammenhänge der Schüler statt findet. So wird das Ausdrucksbedürfniss der Schüler unterdrückt, das sie sonst eigene, authentische Texte schreiben lässt, mit denen sie sich identifizieren können.

Im weiteren sollen die Möglichkeiten des kreativen Schreibens aufgezeigt werden, die dem ansonsten unpersönlichen Lernalltag individuelle Energien verleihen können und dem subjektiven Selbstausdruck der Schüler gerecht werden.

2. Der Kreativitätsbegriff

Kreativität ist die Fähigkeit, Neues zu erschaffen, Ideen zu verwirklichen, neue Möglichkeiten und Lösungen für Probleme zu finden. Mit dieser Eigenschaft kann Denken, Empfinden und Handeln neu entwickelt werden. Dabei ist noch ungeklärt, ob das „Neue“ grundsätzlich neu sein muss oder nur in der bestimmten Situation. Der Kreativitätsbegriff umfasst viele verschiedene Bereiche, die sich durch Spontaneität, Originalität, Innovativität, Generativität, Produktivität, Genialität, Fantasie, Inspiration, Intuition und auch durch Sensibilität auszeichnen.

Vor etwa 50 Jahren erlebte das Konzept Kreativität in den westlichen Staaten einen regelrechten Boom. Damals setzte man den Begriff jedoch eher in Verbindung mit überindividuellen, gesellschaftlichen Taten und keinesfalls subjektorientiert ein. Damals galt es die Bevölkerung gesellschaftlich organisiert kreativ werden zu lassen, um unter anderem einen wirtschaftlichen Aufschwung des Staates zu unterstützen. Dabei wurden kommunikative Aspekte der Kreativität nicht berücksichtigt.3

Das Konzept der kreativen Gesellschaft ist längst überholt. Man hat erkannt, dass Kreativität in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft keine ständigen Neuerungen hervorbringen kann. Der Kreativitätsbegriff wird nun eher in Verbindung mit einzigartigen Handlungen eines Individuums gesehen.

Kreativität beschreibt die Entstehung eines Produkts, dass durch die Beziehung zwischen dem Individuum und seiner situativ bestimmten Umwelt bestimmt wird. Dieses Produkt oder auch die Handlung wird aber erst dann als kreativ bezeichnet, wenn es neuartig und wertvoll, der Weg zum Produkt neuartig oder etwas auf neuartige Weise wahrnehmbar ist.4

Um kreativ handeln zu können, muss man offen gegenüber neuen Erfahrungen sein, Vieldeutigkeiten und gegensätzliche Informationen akzeptieren und sich ein selbständiges Urteil bilden können. Der Mut, Ideen und Beziehungen spontan und spielerisch auf unmöglich scheinende Weise zu entwickeln und zu kombinieren, gehört zum kreativen Handeln. Neue Denkschemata eröffnen Wege in unerwartete Richtungen und lassen Brücken zwischen völlig kontroversen Elementen entstehen. Kreativität beschreibt das Überschreiten von Grenzen.5

Kreatives Schreiben arbeitet mit den beschriebenen Bereichen der Kreativität und erschafft Neues durch Phantasie und Produktivität auf verschiedene Art und Weise.

3. Geschichtliche Ursprünge des kreativen Schreibens

Das kreativ-experimentelle Schreiben kann auf eine lange Tradition zurück blicken. Bestimmte Sprachspiele lassen sich bis in die Antike zurück verfolgen. Viele professionell Schreibende aus allen Zeiten haben neue Techniken erprobt und eingeführt. Die Lateinschulen des 17. und 18. Jahrhunderts boten neben den rhetorischen Übungen auch poetische an.6

In den vergangenen Jahrhunderten wurde in den Schulen der traditionelle Aufsatzunterricht zur Vermittlung des Schreibens und der schrift-sprachlichen Fähigkeiten genutzt. Aufsatzunterricht bedeutete das Einüben von klassischen Textsorten, wie die Erzählung, der Bericht und die Beschreibung. Aufsätze waren so immer an fremde Erfahrungen und Gedanken gebunden, da man die Schüler als unreife Menschen betrachtete, denen keine eigenen Gedanken zugesprochen wurden. Zum Ende des 19. Jahrhunderts fordern Pädagogen die Respektierung der Persönlichkeit des Schülers und damit einen Aufsatzunterricht, der die Schüler frei gestalten lässt. Die Erlebniserzählung wurde dem Sachbericht gegenübergestellt. Der „freie Aufsatz“ war der erste Schritt zum kreativen Schreiben, der die Schülerpersönlichkeit in den Fordergrund stellte und ihnen die Möglichkeit gab, ihre eigenen Gedanken, Erlebnisse und Beobachtungen aufzuschreiben. Heute werden vor allem in Grundschulen immer noch Phantasiegeschichten und Erlebniserzählungen geschrieben.7

Die Reformpädagogen des beginnenden 20. Jahrhunderts begannen, das kreative Schreiben durch experimentelle Schreibtechniken und Sprachcollagen vor einem dadaistischen und surrealistischen Hintergrund zu entdecken. In den 50er und 60er Jahren entwickelte eine internationale Künstlergruppe Schreibmethoden mit strengen mathematischen Regeln.

In den USA ist das kreative Schreiben schon seit Jahrzehnten reguläres Schulfach und ein eigenständiger Studiengang. Daraufhin entwickelte sich auch in Deutschland in den 70er und 80er Jahren eine außerschulische Schreibbewegung. Durch diese außerschulischen Tendenzen und die Wiederentdeckung der reformpädagogischen Ansätze, wurde die Didaktik des kreativen Schreibens Bestandteil des Deutschunterrichts aller Schulformen und später auch fächerübergreifend angewandt.8

Der traditionelle Aufsatzunterricht gibt, im Gegensatz zum Kreativen Schreiben, die sprachlichen, inhaltlichen und schulorientierten Normen für die Produktion und Bewertung vor. Es werden keine individuellen Bedingungen für den Umgang mit sprachlichen Mitteln geschaffen. Um diesen traditionellen Unterricht umzustrukturieren, rückte in den 70er Jahren zunächst das kommunikative Schreiben in den Vordergrund. In möglichst realen Schreibsituationen sollten die Schüler leserorientierte Texte verfassen. Dabei stellten die Schreibanregungen Probleme dar, die es originell zu lösen galt.

In den 80er Jahren berücksichtigte man dann stärker den Schreibprozess und die Schreiberpersönlichkeit, um ein personales, kreatives und freies Schreiben zu ermöglichen. Der Schreiber sollte sich individuell entfalten und seine Identität durch das Schreiben finden.

Obwohl man den traditionellen Aufsatzunterricht heftig kritisierte und inzwischen die Lehrpläne aller Schulformen neue Ansätze des kreativen und freien Schreibens beinhalten, ist diese traditionelle Schreibdidaktik immer noch die häufigste Art das Schreiben zu vermitteln. Vor allem die weiterführenden Schulen öffnen sich nur sehr langsam den neuen Ideen.

[...]


1 vgl. Böttcher, Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Berlin: Cornelsen Scriptor 1999. S. 9 f..

2 Böttcher, Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Berlin: Cornelsen Scriptor 1999. S. 7.

3 vgl. Brenner, Gerd: Kreatives Schreiben. 2. Aufl.. Frankfurt a. M.: Cornelsen Scriptor 1994. S. 16.

4 vgl. Böttcher, Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Berlin: Cornelsen Scriptor 1999. S. 11.

5 vgl. Brenner, Gerd: Kreatives Schreiben. 2. Aufl.. Frankfurt a. M.: Cornelsen Scriptor 1994. S. 20.

6 vgl. Merkelbach, Valentin (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag 1997. S. 6.

7 vgl. Merkelbach, Valentin (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag 1997. S. 12 ff..

8 vgl. Böttcher, Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Berlin: Cornelsen Scriptor 1999. S. 13 f..

Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638274111
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24565
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Literaturwissenschaft
Note
2.0
Schlagworte
Kreatives Schreiben Workshop

Autor

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Titel: Kreatives Schreiben