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Der Kalte Krieg aus der Sicht Willy Brandt's 1945 - 1953

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 25 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Forschungsgegenstand
1.1 Der Kalte Krieg
1.2 Schwerpunktsetzung und Fragestellung
1.3 Quellengrundlage

2. Willy Brandt: Die Stationen seines Lebens bis 1969
2.1 1912 – 1948
2.2 1948 – 1969

3. Der „Kalte Krieg“ aus der Sicht Brandts
3.1 1945: Das Ende des Zweiten Weltkriegs
3.2 1946/47: Eintritt in den Kalten Krieg
3.3 1948: Das Berlin –und Deutschlandproblem
3.4 1949: Geburt der Bundesrepublik
3.5 1950: Streit um die Eingliederung Berlins
3.6 1950/51: Korea-Krieg & deutscher Militärbeitrag
3.7 1952/ 53: Innerdeutsche Sperrzone und die Stalin-Noten

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Forschungsgegenstand

1.1 Der Kalte Krieg

Grob beschrieben stellt der Kalte Krieg einen weltweiten ideologischen und machtpolitischen Konflikt zwischen der UdSSR und der USA dar, der erst in der Auflösung der Sowjet-Union am 21.12.1991 sein Ende findet. Begonnen als Ost-West-Konflikt am Ende des Ersten Weltkrieges 1917/ 1918, zieht er sich, unter abweichenden Interessen, aber auch Hoffnungen, vorerst friedlich bis zum Zweiten Weltkrieg weiter. Wachsendes Misstrauen und die zusätzliche Belastung der künftigen Deutschlandregelung, rücken eine Einigung zwischen Ost und West in weite Ferne. Ausgangspunkt ist hierbei die Verbreitung des Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa, wodurch die Blockbildung und die Militarisierung der Ost-West-Beziehungen besiegelt werden. Aus dem anfänglichen Konflikt entsteht der Kalte Krieg.[1]

1.2 Schwerpunktsetzung und Fragestellung

Das Themenfeld des Kalten Krieges ist weit. In dieser Hausarbeit möchte ich mich deshalb einer Person mit zentraler Bedeutung für die Entwicklung, während der Auseinandersetzungen auf deutschem Territorium, widmen – Willy Brandt. Zwar rückt dieser erst mit Beginn seiner Kanzlerschaft 1969 in das allgemeine Blickfeld der politischen Öffentlichkeit, doch sind seine Wurzeln schon tiefer im politischen Boden des In- und Auslandes verankert. Genährt wurden diese durch seinen Aufenthalt in Norwegen und besonders durch seine Mitgliedschaft in der Berliner SPD.

Und genau um diesen Zeitraum soll es sich im Folgenden handeln: Die Jahre zwischen Kriegsende 1945 und dem Tod Stalins 1953. Dabei dreht sich alles um die Frage, wie Brandt aus seiner Sicht und seinem Wissen den Kalten Krieg und dessen Entwicklung, während seiner politischen Arbeit in dem besetzten Deutschland, beurteilte. Interessant hierbei, ob er von Anfang an eine Meinung vertrat?

Ich beginne mit einem Überblick über die Stationen seines Lebens bis zu der Wahl zum Bundeskanzler 1969, da die Informationen sonst den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würden. Die Biographie soll bereits einen Überblick über die Erfahrungen und Blickwinkel Brandts liefern.

In Kapitel 3 wird auf dieser Grundlage konkret die Frage nach seiner Gesinnung, bezüglich des Konflikts der Siegermächte, aufgegriffen. Hierbei geht es darum, seine Bewertung der gefassten Beschlüsse und Verhandlungen darzustellen. Der Schlussteil greift die Ausgangsfrage nochmals auf und dient letztendlich der Zusammenfassung und Abrundung der erarbeiteten Ergebnisse.

1.3 Quellengrundlage

Als Arbeitsgrundlage dieser Arbeit diente mir hauptsächlich das Buch „Kalter Krieg, Koexistenz und kleine Schritte“ von Wolfgang Schmidt. Leider sind zu den frühen Jahren Brandts ab 1945, im Bezug auf den Kalten Krieg, nicht viele weitere Bücher vorhanden. Deswegen werden von mir hauptsächlich die Beschlüsse behandelt, die mit der Deutschland –bzw. Berlinpolitik zu tun haben. Auch die Berliner Ausgabe, Band 2 und 4, haben sich durch ihre Quellen als nur bedingt hilfreich erwiesen. Ich möchte darauf hinweisen, dass Band 3 dieser Reihe „Berlin bleibt frei. Politik in und für Berlin 1947-1966“wahrscheinlich aufschlussreich gewesen wäre, jedoch erst Mitte des Jahres 2004 erscheint. Durch eine gut detaillierte Zeittafel des Kalten Krieges, erwies sich auch die Internetseite des Deutschen Historischen Museums als hilfreiche Quelle.

2. Willy Brandt: Die Stationen seines Lebens bis 1969

2.1 1912 – 1948

Nicht immer trägt der Lübecker den Namen Willy Brandt und muss aufgrund seiner politischen Gesinnung während des Dritten Reiches seine Ursprungs-Heimat verlassen. Mehr noch: er lebt zwei Jahre lang als Staatenloser.

Am 18. Dezember 1913 wird Willy Brandt unter dem Namen Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Im Gegensatz zu seiner Mutter, Martha Frahm, lernt er seinen Vater John Möller nie kennen und wird von seinem Großvater, einem Arbeiter und SPD-Mitglied, großgezogen. 1929 wird der junge Brandt Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Lübeck und tritt 1930 der SPD bei. Direkt nach der Gründung der „Sozialistischen Arbeiterpartei“ (SAP) wechselt Frahm zur selbigen und wird Vorsitzender ihres Jugendverbandes in der Hansestadt. Mit dem Abitur verlässt er 1932 das Lübecker Reform-Gymnasium „Johanneum“, beginnt ein Volontariat bei einer Lübecker Schiffsmaklerei und flieht bereits ein Jahr später vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Norwegen und 1940 nach Schweden. Fortan legt Frahm seinen Geburtsnamen ab und leistet unter dem Namen Willy Brandt Widerstand gegen das NS-Regime. In Norwegen ist er als Mitglied der Exil-Leitung des SAP-Jugendverbandes und des Internationalen Büros revolutionärer Jugendorganisationen tätig. Neben umfangreichen journalistischen Tätigkeiten, übernimmt er 1939 zusätzlich das Amt des Koordinators für die Inlandsarbeit der SAP. An seine schulischen Kenntnisse knüpft Brandt ein Geschichts-Studium in Oslo an.

Bereits 1936 befindet er sich wieder auf deutschem Boden. Illegal und getarnt als norwegischer Student reorganisiert er in Berlin die dortige Untergrundgruppe der SAP. Übertroffen wird dieser Aufenthalt 1937 durch seine Reise in das vom Bürgerkrieg durchzogene Spanien – als Berichterstatter für norwegische Zeitungen und Beauftragter der SAP. Nach Brandts Rückkehr 1938 wird er zum Sekretär der norwegischen Volkshilfe ernannt. Verliert jedoch im gleichen Jahr aufgrund seiner Ausbürgerung durch die Nationalsozialisten die deutsche Staatsangehörigkeit. Nach der Besetzung Norwegens 1940, durch deutsche Truppen, gerät der nun .„Staatenlose“ vorübergehend in deutsche Kriegsgefangenschaft – ohne erkannt zu werden. So kann er sich anschließend nach Stockholm absetzen, dort als Journalist weiterarbeiten und erhält im gleichen Jahr die Norwegischen Staatsbürgerschaft. Von 1942 bis 1945 wird er zum Sekretär der „Kleinen Internationale“ in Stockholm ernannt und tritt wieder der SPD bei. 1944 schließt sich Brandt der Landesgruppe deutscher Sozialdemokraten in Schweden an.

Als Korrespondent skandinavischer Zeitungen in Deutschland berichtet er 1945/46 über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und wird 1947 Presseattaché der norwegischen Militärmission in Berlin. Ein Jahr später, am 1. Juli 1948 erlangt der Wahlnorweger die deutsche Staatsbürgerschaft zurück, führt sein Pseudonym „Brandt“ jedoch weiterhin als amtlichen Namen. Zusätzlich vertritt er von nun an den Berliner SPD-Parteivorstand und ist somit auch während und nach der Berlin-Blockade 1948/1949 in Berlin anwesend.

2.2 1948 – 1969

Nach seiner Wiedereinbürgerung führt Willy Brandt sein Weg in der politischen Öffentlichkeit steil nach oben. Der Bundeskanzler in spe tritt nun in die aktive Mitarbeit der Berlingestaltung ein.

Besiegelt wird dieser Schritt mit der Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag 1949, die bis 1957 anhält. Von 1955 bis `57 wird er Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und regiert ab 1957 als Bürgermeister die Hauptstadt Deutschlands bis 1966. Auch übernimmt er 1957/58 den Vorsitz des Bundesrats. Darauf folgt die Wahl zum Landesvorsitzenden der Berliner SPD und zum Mitglied des Bundesvorstands der SPD.

In den Jahren 1961 bis 1963 entwickelt Brandt in Zusammenarbeit mit Egon Bahr, dem Leiter des Berliner Presse- und Informationsamtes, außenpolitische Leitgedanken, die unter den Titeln "Politik der kleinen Schritte" und "Wandel durch Annäherung" veröffentlicht werden und die Basis für seine spätere Neue Ostpolitik bilden. Parteivorsitzender der SPD (1964-87), Mitglied des Deutschen Bundestages (1965-92), Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler in der Großen Koalition Kiesingers (1966–69)stellen die weiteren Punkte seines politischen Lebens dar. Zwischen 1966 und 1969 handelt Brandt das deutsch-französische Truppenabkommen aus, plädiert für den Beitritt der BRD zum Atomwaffensperrvertrag und unterstützt den Beitrittswunsch Großbritanniens zur EWG.

In der Ostpolitik führt er die, von seinem Amtsvorgänger Schröder begonnene, Politik der normalen Beziehungen mit den Ostblockländern fort. Unter Ablehnung der Hallstein-Doktrin setzt er die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Rumänien und Jugoslawien und die Einrichtung von Handelsvertretungen in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn durch. Vor allem nach der Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Warschauer-Pakt-Staaten, erhält Brandt große internationale Anerkennung durch seine deutliche Absage an Gewalt und Drohung als Mittel der Politik auf der Genfer Konferenz der nicht-nuklearen Mächte (3.09.1968) und der UNESCO-Generalkonferenz am 6. November 1968 in Paris.

Nach bereits zweifacher Nominierung zum Kanzlerkandidaten, 1960 und 1964, weisen die Bundestagswahlen 1969 ein neues Ergebnis auf. Es beginnt die sozial-liberale Koalition von SPD und FDP mit Willy Brandt als Bundeskanzler und Walter Scheel als Vize-Kanzler und Außenminister. In seiner Regierungserklärung vom 28. Oktober verweist Brandt auf die Existenz zweier deutscher Staaten, die "füreinander aber nicht Ausland seien".[2] [3]

3. Der „Kalte Krieg“ aus der Sicht Brandts

3.1 1945: Das Ende des Zweiten Weltkriegs

Nach Ende des Krieges stellt sich für Brandt die Frage, in welchem seiner beiden Vaterländer er nun weiterleben möchte. In seiner Wahlheimat Norwegen oder in seiner Ursprungsheimat Deutschland?

Als neue Führungsmacht des Westens erkennt er 1945 zweifellos die Vereinigten Staaten von Amerika an, die er gleichfalls als Hoffnungsträger für Veränderungen in Mittel-Europa tituliert. Große Bewunderung findet das Land, welches von Brandt bereits während des Krieges als durchweg positiv beschrieben wurde, auch durch dessen materielle Überlegenheit und dessen wissenschaftlichen, als auch kulturellen Leistungen. Doch verliert Brandt gleichfalls die Sowjetunion nicht aus den Augen. Auch sie wird von ihm als entscheidende Weltmacht gesehen, die er mit hoffnungsvollen Erwartungen bestückt.[4]

Seine derzeitige, positive Einstellung zur Sowjetunion spiegelt gleichfalls die Hoffnungen des Westens wieder. Die Sowjetunion als friedliebende Macht, die Interesse an internationaler Kooperation beim Wiederaufbau hat. Auch Amerika und England sehen keinen Grund dafür „Uncle Joe“ etwas Negatives abzugewinnen.[5] Diese Illusionen sind es, die den Wandel Brandts – zurück zu einem Anhänger der Sowjetunion – bestärken. Seine vorherige Abneigung und Kritik, unter anderem durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, wird mit etwas gutem Willen zum Positiven gekehrt. So blendet Brandts Einheitssehnsucht die einst gewonnene Einsicht der verbrecherischen Politik Stalins aus.[6]

Geschaffen wird dieses Klima unter anderem durch die Konferenz von Teheran (1943), die durch vorläufige Einigungen eine gewisse Kompromissbereitschaft der Sowjets ausstrahlt. Doch werden bereits auf der Konferenz von Jalta (1945) unterschiedliche Auffassungen über eine künftige Weltordnung erkennbar.[7] Bereits vor den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki, im August `45, fürchtet Brandt einen Dritten Weltkrieg, der nach seiner Meinung in der Vernichtung aller Zivilisation enden würde. Auch deshalb befürwortet er umso mehr die Zusammenarbeit von Ost und West.

Das Bild, das sich letztendlich in der Zeit nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands in den besetzten Gebieten zeigt, schenkt Brandt wenig Hoffnung. Gerade die Politik der Westmächte, so der Politiker, laufe hierbei in die falsche Richtung. Während die Westalliierten die Deutschen als nazistische Gesamtheit auffassen, würden die Russen zwischen Nationalsozilisten und Deutschen unterscheiden.[8]

[...]


[1] Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik. München 2001

[2] Biographie: Vgl. Berliner Ausgabe, Band 4: Auf dem Weg nach vorn. Willy Brandt und die SPD 1947 – 1972. Hrsg. Helga Grebing, Gregor Schöllgen, Heinrich August Winckler. Bearbeitet von Daniela Münkel. Bonn 2000, S.7-9

[3] Biographie: Vgl. Deutsches Historisches Museum (DHM), Berlin. Biographie Willy Brandt 1913 – 1992; URL:http://www.dhm.de/lemo/htm/biografien/BrandtWilly/

[4] Schmidt, Wolfgang: Kalter Krieg, Koexistenz und kleine Schritte. Willy Brandt und die Deutschlandpolitik 1948 – 1963. 1. Auflage: Wiesbaden 2001, S. 40

[5] Loth, Wilfried: Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941 – 1955. 10. Auflage: München 2002, S.46

[6] Schmidt, Wolfgang: Kalter Krieg, S.41

[7] Deutsches Historisches Museum (DHM), Berlin. Zeittafel Kalter Krieg; URL:http://www.dhm.de/~roehrig/ws9596/texte/kk/dhm/zeit.html

[8] Schmidt, Wolfgang: Kalter Krieg, S.42

Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638273220
ISBN (Buch)
9783656202196
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24448
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Geschichte
Note
1,5
Schlagworte
Kalte Krieg Sicht Willy Brandt

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Titel: Der Kalte Krieg aus der Sicht Willy Brandt's 1945 - 1953