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Frauen, Geschlecht und Militär in Israel

Hausarbeit 2004 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Vorwort

B) Hauptteil
1. Feministische Friedensarbeit
2. Militär und Geschlecht in Israel
3. Die soziale Stellung der Frau in der israelischen Gesellschaft
4. Die Diskussion über die Integration von Frauen in das israelische Heer
5. Gesetzliche Grundlagen zur Wehrdienstpflicht für Frauen in Israel
6. Geschlechterkonstruktionen im israelischen Kontext des Militärs
7. Auswirkungen der Geschlechterkonstruktionen auf die Friedensarbeit

C) Literatur- und Quellenverzeichnis

A) Vorwort

- Gegenstand
- Motivation
- Zielstellung

Zu Beginn meiner noch folgenden Ausführungen zum Israel-Palästina-Konflikt soll voran gestellt werden, dass als Zugang für diese Arbeit von der feministischen Friedensforschung ausgehend, auch Phänomene wie Gewalt und Friedfertigkeit, also auch unter Miteinbeziehung von Militär und Geschlechterkonstruktionen eine entscheidende Rolle spielen.

Aufgrund der immens starken Differenzierungsausprägungen des Konfliktes in alle möglichen gesellschaftspolitischen Bereiche, verbunden mit einer Fülle von analysierter fachwissenschaftlicher Literatur, erscheint es mir in diesem Zusammenhang für wichtig, das zu behandelnde Forschungsinteresse weiter zu konkretisieren.

Somit richtet sich mein Betrachtungsfokus eher auf die Frage, welche Funktion Frauen im israelischen Militär besitzen und wie Geschlecht in diesem Zusammenhang im Israel-Palästina-Konflikt gesellschaftlich konstruiert wird. Außerdem soll kurz zu ergründen versucht werden, wie sich die daraus schlussfolgernden Geschlechterverhältnisse auf die Friedensarbeit von Frauen im Nahen Osten auswirken.

Wien, im April 2004

B) Hauptteil:

1. Feministische Friedensforschung:

Als Grundlage der Betrachtung dieses Themenrahmens soll von der bzw. mit durch Vorurteile geprägten Auffassung, dass Frauen weniger kriegerisch als Männer sind, abgegangen werden, sodass hierbei der These Uta Kleins zugesprochen wird, dass „[…] Frauen [gegenüber Männern nicht] als friedfertiger anzusehen [sind]“ (Klein, 2001, S. 44). Wie auch bereits von feministischen FriedenstheoretikerInnen erwähnt, ergeben sich direkte Parallelen zwischen der Konstruktion von Geschlecht, Frieden und Krieg, samt den damit verknüpften militärischen Maßnahmen. Auch Frauen können daher in gleicher Weise dem Krieg zuarbeiten, währenddessen auch Männer pazifistische Grundinhalte vertreten können (vgl. Klein, 2001, S. 44-47).

Feministische Friedensforschung für sich gesehen, stellt jedoch in keiner Weise den Anspruch, universalistische Wirkungskraft auszustrahlen, sondern greift vielmehr kritisch auf die Ergebnisse der Frauengeschichtsforschung zurück, in der durch die Betrachtung einer Mitgliedschaft im Militär eine Basis für friedens- und konfliktforschende Analysen etabliert worden ist. Frauen, aktiv involviert in einen Krieg, sollen somit in der organisierten Friedlosigkeit sichtbar gemacht werden (vgl. Batscheider, 1993, 132). Schlussendlich jedoch, setzt sich die feministische Friedensforschung vielmehr die Zielstellung, rollentypische Ausgangspositionen von Frauen im Kriegs- und Friedensprozess zu analysieren, um auch Frauen innerhalb von Gewaltverhältnissen sichtbar machen zu können.

In gegenseitiger Opposition zu einander stehend, sollen differenzierte Geschlechterbilder, die zum weiteren Bestehen konstituierter Friedlosigkeit führen, ausgearbeitet werden. Zentral kann demnach konstatiert werden, dass eine Abschaffung patriarchaler Geschlechterverhältnisse durch die feministische Friedensforschung angestrebt wird, da dies in der letztlich geführten Friedensforschungsdebatte nicht mit einbezogen wurde (vgl. Kunz, 1994, S. 9).

In den drei auftretenden Phasen der Entwicklung feministischer Friedensforschung lässt sich ein Wandel der Zielstellungsvorhaben deutlich erkennen. Nach Birgit Kunz wird in der ersten Phase eine Beleuchtung der unterschiedlichen Geschlechterdifferenzen erklärt und die bereits beschriebene „von Natur gegebene Friedfertigkeit“ von Frauen diskursiv thematisiert. Die zweite Phase beschreibt als Zielvorgabe eine Auslöschung frauenpolitischer Diskriminierung und beansprucht eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Bereich der Politik und des Militärs (vgl. Kunz, 1994, S. 14-15).

Zurückzukommen auf Uta Klein, bietet sich in diesem Diskurs ergänzend ihre Kategorisierung der Geschlechtertheorien an. Bedingt dadurch, dass „[…] Frauen in der Geschichte nur selten eine aktive kriegerische Rolle spielten und sich das Gros der Soldaten und Krieger aus Männern formierte, […] verführt [dies zu leicht dazu], Frauen als friedfertiger anzusehen“ (Klein, 2001, S. 44).

Klein kritisiert in diesem Kontext auch, dass sich die feministische Theoriebildung nicht unbeeinflusst davon entwickelt hat, da über einen langen Zeitraum der Mythos des „patriarchalen Opferdiskurses“ aufrechterhalten blieb, der wiederum Frauen einen eigenen Subjektcharakter nicht zukommen ließ. Die Autorin unterteilt daher die Geschlechtertheorien wie folgt in drei vorzufindende Wissenschaftsfragmente (vgl. Klein, 2001, S. 44ff):

1) Jene, die essentialistische Grundannahmen über die zu differenzierenden Geschlechter definieren, die also ein unterschiedliches Verhaltens- und Empfindungsvermögen von Männern und Frauen behaupten, sodass den letztgenannten in diesen Wissenschaftskonzeptionen mehr Friedfertigkeit ausgegeben wird. Demnach liegt nach Klein das Konfliktpotential in einer zu vereinfachten biologischen Sichtweise der Friedfertigkeit von Frauen.

2) In dieser Ausdifferenzierung herrschen nach Klein insbesondere solche Geschlechtertheorien vor, die Vorurteile über Weiblichkeit zurückweisen, sodass „die friedfertige Frau“ als ein ideologisches Konzept des patriarchalen Frauenbildes dominiert. Zentral kann daher Kritik auf die männliche Alleinherrschaft über Gewalt zum Ausdruck gebracht werden, sodass nicht so sehr eine ausübende Gewaltherrschaft im Zentrum dieser kritischen Beurteilung steht, sondern vielmehr das mögliche Potential, Gewalt bzw. Macht wenn nötig ausüben zu können, auch aktiv umzusetzen. BefürworterInnen dieser Konzeption setzten sich zum Beispiel verstärkt für die Etablierung des Wehrdienstes für Frauen ein.

3) Wissenschaftliche Arbeiten dieser letzten Kategorie basieren auf einer Konstruktion von Geschlecht im Kontext des Krieges, Militärs und Friedens. Hierbei wird eine von Natur aus gegebene Orientierung von Frauen und Männern in Frage gestellt, sodass diese (die Frauen) demnach durchaus in der Lage gesehen werden, aktiv an militärischen Vorhaben mitzuwirken und eine Fixierung auf ausschließlich „vermeintlich friedfertige Aufgaben des mütterlichen Denkens“ fehl am Platz ist.

Ergänzend dazu verdeutlicht Tordis Batscheider, dass Phänomene wie Krieg, Militär oder stark verallgemeinerte Sichtweisen zu Gewaltausübung, eben nicht gänzlich alleiniger Ausdruck von Männlichkeit sind und Frauen in diesem Prozess eine entscheidende Rolle ausüben. Weibliche „Zuarbeitsleistungen“ sind demnach für die männliche Welt des Krieges unabdingbar (vgl. Batscheider, 1993, S. 107).

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638272612
ISBN (Buch)
9783656452454
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24371
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
2
Schlagworte
Frauen Geschlecht Militär Israel Unerhörte Zugänge Nahostkonflikt Gender Palästina

Autor

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Titel: Frauen, Geschlecht und Militär in Israel