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Auf der Suche nach der Mejicanidad

Seminararbeit 2003 13 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwischen Einsamkeit und Revolution

3. Mexikanische Besonderheiten
3.1. Das kulturelle Erbe
3.2. Totenkult – ein Lebenskult
3.3. Mexikanisch – eine informelle Leidenschaft
3.4. „Viva, México, hijos de la chingada!
3.5. Mais – ein Heiligtum der Mayas und Azteken

4. Die Frau in den Zwängen einer patriarchalischen Gesellschaft

5. La fiesta mejicana

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mexiko ist ein Land mit zahlreichen regionalen und kulturellen Besonderheiten, was vor allem auf die Vielfalt der indianischen Kulturen und Glaubensvorstell-ungen zurückzuführen ist. Vor 4000 Jahren zählte Mexiko gerade 25 Millionen Einwohner, heute leben so viele Menschen in einer einzigen Stadt, in Mexiko-Stadt, der größten Agglomeration der Welt. Die Gesamtbevölkerung Mexikos ist heute auf 100 Millionen angestiegen, wovon sich nach Landflucht und der daraus resultierenden Verstädterung 70 Prozent in städtischen Siedlungen niedergelassen haben.

Geschichtlich gesehen ist Mexiko, von der Unabhängigkeit 1821 bis zum Aus-bruch der Revolution im Jahr 1910 ein Land, welches durch wirtschaftliche und politische Diskon-tinuität geschwächt wurde; es litt unter Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie unter der Herabwirtschaftung eines einstmals florierenden Handelsmarktes und der damit verbunden Zerschlagung der indigenen Bevöl-kerung in ihrer Kultur und Identität. Die mexikanische Revolution war der Beginn der Suche nach der wahren Identität der Nation, das Hervorlocken des Mexika-ners aus seiner Isolation und aus der Unmündigkeit. Besonders in der Literatur ge-winnt die Auseinandersetzung mit der verschütteten Identität unter Samuel Ra-mos, Juan Rulfo und Octavio Paz an Bedeutung.

„Werde, der Du bist!“ ruft Ramos den Mexikaner in seinem BuchDas Profil des Menschen und die Kultur in Mexiko,1934 auf. Er möchte den Mexikaner dazu gewinnen, sich auf seiner selbst zu besinnen, die mexikanische Kultur wiederzu-entdecken und neu zu beleben. Das Vertrauen der Mexikaner zum Mexikanertum muß verstärkt und ihr Problem des Minderwertigkeitskomplexes abgebaut wer-den. Ein schwaches Selbstbewußtsein, dessen Gründe in der Geschichte zu finden sind. .

Es gilt die Einzigartigkeit der Kultur zu entdecken, die sich von anderen Kulturformen unterscheidet. Auf der Suche nach dermejicanidadsollen dabei ausgewählte mexikospezifische Sachverhalte näher beschrieben und untersucht werden

2. Zwischen Einsamkeit und Revolution

Die Mexikaner sind ein Volk ohne Identität, da sie weder bei den Spaniern noch bei den Indios ihren Ursprung nehmen wollen. Grund dafür kann die auf die Unabhängigkeit 1821 folgende liberale Reform gewesen sein. Die Unabhängig-keitserklärung ließ einerseits die politische Verbundenheit mit Spanien zerbrechen und die Reform stoppte andererseits die Entwicklung der mexikanischen Nation nach kolonialen Vorbild. Der neubegründete Staat sah keinen Unterschied mehr zwischen Indios, Mestizen und Kreolen, sondern nur noch einen Menschen. Die-ser Geschichtsprozess ist für die Mexikaner ausschlaggebend mit ihrer Ver-gangenheit zu brechen und ihren Ursprung zu verleugnen – sie wurden einsam und identitätslos.

Diese Identitätslosigkeit beschreibt Octavio Paz an der Gestalt desPachuco, ein in die USA emigrierten Mexikaner. Auch wenn sie schon viele Jahre in den Staaten leben, sind sie trotzdem leicht von der nordamerikanischen Bevölkerung abzu-grenzen. Das Extrem, was denPachucoausmacht ist sein Widerwille sich der nordamerikanischen Kultur anzupassen, aber auch die gleichzeitige Verleugnung seines mexikanischen Ursprungs. DerPachucoverkörpert eine widersprüchliche und zugleich rätselhafte Figur, dessen Namen auch keine genaue Bedeutung zukommt.

Der Extremismus der mexikanischen Revolution von 1910 war getragen von dem eisernen Streben des Volkes zum Ursprung zurückzukehren. Seit derindependen-ciabis zur Revolution wurde Mexiko von über dreißig Präsidenten regiert. Es war ein Aufstand gegen Unterdrückung, Mißbrauch und Korruption der Liberalen sowie der Konservativen, der das Volk wieder in die Vergangenheit einzugliedern trachtete. Jahrelang sind die Mexikaner in eine politische Form gepreßt worden, in der sie sich nicht verwirklichen konnten. Der Volksaufstand galt als eine totale Umwälzung und eine Enthüllung des wahren Wesen des Mexikaners, eine Rück-besinnung auf lokale Traditionen, eine Entdeckung seiner selbst und seiner Beson-derheiten. Die mexikanische Kultur ist in den nachrevolutionären Jahren durch volkstümliche Sitten und Bräuche neu wiederbelebt worden und erhielt neue Impulse in Malerei und Poesie.

3. Mexikanische Besonderheiten

3.1. Das kulturelle Erbe

In der Alltagskultur der mexikanischen Bevölkerung sind noch heute kulturelle und ethnische Besonderheiten anzutreffen, die weit in die vorkoloniale Zeit zurückführen. Das von den indianischen Vorfahren bis in die Gegenwart erhaltene Erbe, ist für den Mexikanern von besonderer Wichtigkeit, denn dieser kultureller Nachlaß bietet den Mestizen Gelegenheit zur kulturellen Identifikation. In den bewahrten Sitten und Bräuchen suchen sie Bestätigung ihrer Unverwechselbarkeit und Ausdruck ihrer selbst. Der sich mit der spanischen Eroberung vollziehende Synkretismus der aztekischen, indigenen und iberokatholischen Kultur ist heute kennzeichnend für die indianisch-spanische Volkskultur. Trotz der Unterdrüc-kung der autochthonen Bevölkerung des eroberten Landes durch die Spanier konnten sich die indianischen Traditionen bis heute bewahren.

3.2. Der Totenkult - ein Lebenskult

In den vorspanischen Kulturen bedeutete das Leben ein ständiges Leiden und nur allein der Tod war die Erlösung davon. Signalisiert durch den Glauben an die Wiederauferstehung ist der Tod ein Neubeginn des wirklichen Lebens. Der Mexikaner fühlt sich den Toten tief verbunden so wie auch Leben und Tod untrennbar sind. Das Totenfest am 1./2. November nimmt eine besondere Stellung in der Auseinandersetzung mit dem Tod ein.

Zu Allerheiligen und Allerseelen Festen werden Schaufenster mit Totenköpfen,calaveras, aus Zuckermasse oder Pappmaché geschmückt und in den Backstuben werden Brote in Skelett – und Knochenform gebacken. Auch die Straßen werden zu diesem Anlaß mit Skeletten aus Seidenpapier verziert, die Zeitungen veröffentlichen passend zu diesen Feiertagen Karikaturen und humoristische Artikel. Der Friedhof ist an diesen beiden Tagen der Schauplatz Nummer eins, denn hier wird ausgiebig getanzt, getrunken und gefeiert.

Diese Tradition der Verherrlichung des Todes ist ein Form die den Mexikanern auferlegt wurde, da sie auf Indios und Spanier zurückzuführen ist, aber dennoch mit dem Mexikanertum untrennbar ist. So ist der Umgang mit dem Tod ein wesentliches Merkmal, welches den Charakter des Mexikaners ausmacht.

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Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638272001
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24292
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Suche Mejicanidad Proseminar Landeskunde/Literatur

Autor

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