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Annelies Schwarz: Meine Oma lebt in Afrika. Buchanalyse

Hausarbeit 2001 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biografie der Autorin

3. Inhaltliche Analyse
3.1 Inhaltsübersicht
3.2 Realismus
3.3 Ursachen
3.4 Zukunftsperspektiven

4. Stilanalyse
4.1 Äußere Aufmachung
4.2 Struktur / Aufbau des Buches
4.3 Sprache
4.4 Adressatenbezug

5. Didaktisch-methodische Fragestellungen

6. Schluss

1. Einleitung

Vor Beginn der Buchanalyse möchte ich kurz einleitend zu meiner Buchauswahl Stellung beziehen:

Bevor ich mich letztendlich für das vorliegende Buch „Meine Oma lebt in Afrika“ von Annelies Schwarz entschieden habe, habe ich einige andere Bücher in der engeren Auswahl gehabt. Wie im Seminar besprochen, gibt es Bücher, von deutschen Autoren geschrieben, die über das Leben in einem außereuropäischen Land berichten und Bücher, in denen Einheimische das Leben in ihrem Land beschreiben, manchmal autobiografisch, manchmal nicht. Beides haben wir im Seminar besprochen. Diese Tatsache machte mir die endgültige Entscheidung einfacher. Ich entschied mich für das oben genannte Buch, weil es nicht nur von einer Deutschen geschrieben ist, sondern auch Ghana aus der Sicht eines deutschen Kindes (Eric) beschreibt.

Im Folgenden werde ich zunächst auf die inhaltlichen Aspekte des Buches eingehen, da bei diesen der Schwerpunkt dieses Buches zu sehen ist. Danach wird der Stil des Buches untersucht, um schließlich noch auf didaktische und methodische Fragestellungen in Bezug auf das Buch zu sprechen zu kommen.

2. Biografie der Autorin

Annelies Schwarz wurde 1938 in Trautenau, einer kleinen Stadt, in der Tschechoslowakei am Rande des Riesengebirges geboren. Sie wuchs in Prausnitz, einem Dorf, das ganz in der Nähe liegt auf und verbrachte dort ihre gesamte Kindheit. Nach der Vertreibung besuchte sie die Schule in Gößnitz und Hannover. Später studierte sie in Hannover und Berlin Pädagogik und Bildende Kunst, um danach in Berlin und Bremerhaven als Lehrerin und freischaffende Malerin tätig zu sein. Während dieser Zeit bekam sie drei Kinder. Von 1972 bis 1980 hatte sie einen Lehrauftrag für Spiel und Kindertheater in Bremen. Seit 1973 lebt Annelies Schwarz mit ihrer Familie in Bremen und unterrichtet dort an einem Schulzentrum.

Annelies Schwarz reiste selbst mehrere Male nach Ghana, um dort mit verschiedenen ghanaischen Künstlern in Projekten zusammen zu arbeiten. Eine Reise führte sie auch zur afrikanischen Großmutter ihres Enkelkindes.[1]

Seit 1981 schreibt Annelies Schwarz Kinder- und Jugendbücher und hat bisher ca. 20 Bücher veröffentlicht. Zu ihnen zählen ihre drei „Afrikabücher“: „Akuabo, sei willkommen“, „Ich wär so gern bei dir in Afrika“ und „Meine Oma lebt in Afrika“.[2]

3. Inhaltliche Analyse

3.1 Inhaltsübersicht

Das Buch „Meine Oma lebt in Afrika“ von Annelies Schwarz handelt von dem Jungen Eric, dessen Vater Afrikaner und Mutter Deutsche ist. Eric fliegt in den Ferien mit seinem Vater und seinem Freund Flo nach Ghana, um endlich seine Oma und die anderen Verwandten, die in einem kleinen Dorf leben, kennen zu lernen. Eric und Flo merken schnell, dass das Leben in einem afrikanischen Dorf sich in vielen Dingen vom Leben in Deutschland unterscheidet. Flo ist plötzlich derjenige, der auf Grund seiner Hautfarbe auffällt. Die beiden Jungen, die schnell Freundschaft mit den einheimischen Kindern geschlossen haben, erleben aufregende Ferien, die sie so schnell nicht wieder vergessen werden.

3.2 Realismus

Annelies Schwarz beschreibt in ihrem Buch durchweg Situationen, von denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Kinder, wie Eric und Flo, sie tatsächlich so erleben und wahrnehmen könnten. Aus diesem Grund konzentriert sich die Darstellung fast ausschließlich auf die Beschreibung sozialer bzw. kultureller Verhältnisse. Völlig außen vor gelassen werden Politik und Religion. Es fällt auf, dass die gemachten Erfahrungen meistens unkommentiert beschrieben werden. Lediglich in zwei Situationen bietet Erics Vater Erklärungsansätze. Als sich die beiden Jungen über die spärliche Ausrüstung der Küche wundern, in der es noch nicht einmal einen Kühlschrank gibt, obwohl es doch so heiß ist, erklärt der Vater, ohne Gründe dafür zu nennen, dass es in den Städten schon Leute gibt, die sich ihre Küchen wie in Europa einrichten, die Leute auf dem Dorf allerdings würden in ihrem ganzen Leben nicht genug Geld verdienen, um sich einen leisten zu können. Der Vater und die Jungen beschließen außerdem das kleine Haus der Oma zu streichen. Kurz wird erwähnt, dass das Beschaffen der Farbe eventuell ein Problem darstellt, da es in den Dörfern keine gibt. Der Vater muss also extra in die Großstadt Takoradi fahren, um sie zu besorgen.

Die beschriebenen sozialen Verhältnisse im Dorf der Oma stehen stellvertretend für Ghana (63% der Bevölkerung lebt auf dem Land), da die Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerungsmehrheit ist und ca. 40,1% ausmacht. Die Industrie, die immerhin 28,7% ausmacht, wird völlig ausgeklammert.[3] Beim Ausflug in die Großstadt Takoradi, sehen die Kinder nur den Markt, auf dem Händler ihre Waren feilbieten. Die Oma und die Tante bauen Tomaten auf ihrem kleinen Feld an, auf den angrenzenden Feldern werden Zuckerrohr und Bananen angebaut. Diese Früchte gehören nicht zu den wichtigsten Agrarprodukten, welche sind: Kakao, Mais, Maniok, Jams, Süßkartoffeln, Hirse und Reis.[4] Auffallend ist, dass es ausgerechnet Kakao ist, welchen die Mutter von Eric als Überraschung für die beiden mitgegeben hat. Diese Stelle zeigt, dass das wichtigste Exportprodukt für die einfachen Landbewohner zum eigenen Verzehr nicht zur Verfügung steht. Das ganze Vermögen der Oma besteht aus ihrem Hof mit vier kleinen Hütten und ihrer Farm, ein Feld, für dessen Bestellung sie den Regenwald eigens hat roden müssen.

Wie oben schon beschrieben, bauen Oma Jennifer und Tante Liz Tomaten an, um von deren Erlös zu leben. Zusätzlich wird beschrieben, dass die Oma Kleidung näht, die sie ebenfalls verkauft, dafür hat sie eine winzige Hütte, die an den Wänden ganz mit Stoff behangen ist und in der eine Nähmaschine steht. Tante Liz muss sich zusätzlich noch um ihr Baby kümmern, das sie mit auf die Farm nimmt, wenn die Tomaten geerntet werden. Doch nicht nur die Erwachsenen tragen zum Unterhalt der Familie bei, auch die Kinder haben ihre bestimmten Aufgaben innerhalb der Familie zu erfüllen, so ist zum Beispiel John Kwame dafür zuständig, dass immer frisches Wasser auf dem Hof vorhanden ist, Aba hilft beim Kochen und ist für ihre kleine Schwester zuständig, wenn Tante Liz verhindert ist, bzw. das Baby krank ist. Dafür muss sie dann auch gegebenenfalls die Schule ausfallen lassen. Im Buch werden keine Aufgaben der Männer benannt. Erics Opa ist schon seit vielen Jahren tot und der Mann von Tante Liz findet keine Erwähnung. Lediglich Augustin, ein Mann aus dem Dorf, der einige Zeit in Deutschland verbracht hat, arbeitet, wie die Frauen, auf seinem Feld. Es bleibt also unklar, ob Oma und Liz „Männerarbeit“ übernommen haben, um ihre Familien zu ernähren.

Eric und Flo, die scheinbar beide Einzelkind sind, treffen in Ghana auf eine andere Familienstruktur. Oma Jennifer hatte sechs Kinder, von denen drei an Malaria gestorben sind, dies verdeutlicht die Kindersterblichkeitsrate von 6,6% in Ghana[5], außerdem werden drei Kinder von Tante Liz erwähnt: John Kwame, Aba und Baby Patricia, ob weitere Geschwister vorhanden oder gestorben sind bleibt offen.

Die Beschreibung der geografisch-ökologischen Verhältnisse, beschränkt sich auf den, für die Jungen so faszinierenden, Regenwald, auf die Aussage, dass es schwül-heiß ist und sich das Meer in unmittelbarer Nähe zum Dorf befindet. Dies entspricht der Realität, da der Südwesten Ghanas von einem feuchtheißem Klima geprägt ist und dementsprechend die Regenwaldlandschaften vorherrschen.[6] Als die Jungen mit zu der Farm der Oma gehen und Eric fragt, ob die Oma ein Stück Regenwald für ihr Feld roden musste, wird zum ersten und letzten Mal die Frage nach Umweltproblemen angerissen. Die Oma bejaht dies wie selbstverständlich, hängt doch die Existenz ihrer Familie an dieser Farm. Eric macht sich Gedanken um diese Tatsache, tröstet sich aber damit, dass die Felder ja nicht so groß sind: „Aber was ist, wenn die Leute hier das alle so machen?“ (S.67). Mit dieser Frage, die auch an keiner anderen Stelle beantwortet wird, wird die Problematik bei Seite gelegt und nicht weiter verfolgt. Natürlich wäre eine Lösung für dieses Problem an dieser Stelle völlig unpassend, allerdings bin ich der Meinung, dass man die Leser an dieser Stelle ruhig mit dem ganzen Ausmaß der Regenwaldrodung hätte vertraut machen können.

Im Bereich der Kultur wird, wie oben schon erwähnt, die Religion und die höhere Kultur ganz ausgeklammert. Detailreiche und realistische Beschreibungen gibt es allerdings, was die Alltagskultur betrifft. Schon bei der Begrüßung der drei Gäste aus Deutschland wird klar, dass die Oma innerhalb des Dorfes eine einflussreiche Respektsperson ist. Außerdem wird eine Art von Körperlichkeit beschrieben, sie werden von allen herzlich begrüßt und umarmt, worauf die Kinder zunächst noch befremdet und verlegen reagieren. An diesem Abend sitzen alle auf dem Hof und hören gespannt den Erzählungen des Vaters über Deutschland zu. Dabei machen die Kinder erste Erfahrungen mit neuen Lebensmitteln: die Erwachsenen trinken Palmwein, die Kinder bekommen Kokosmilch, die sie direkt aus der frisch aufgeschlagenen Kokosnuss trinken. Auch in den folgenden Kapiteln werden die Speisen und deren Zubereitung so beschrieben, dass man es sich gut vorstellen kann. Durch die Beschreibung aus Sicht der Kinder, haben die Leser gute Identifikationsmöglichkeiten. Dabei werden auch immer zunächst befremdende Gefühle gegenüber dem Neuen zugelassen. An einer Stelle bekommen die Jungen zunächst Löffel hingelegt, um ihren Fufubrei zu essen. Als sie aber sehen, wie die anderen Familienmitglieder essen, lassen sie ihre Löffel liegen, und beginnen wie sie mit den Händen kleine Fufubällchen zu formen, mit denen sie dann die Soße schöpfen. Genau wie das Essen, wird auch die Wohnsituation der Dorfbewohner gut beschrieben, so finden tatsächlich die Dinge große Beachtung, die Kindern wahrscheinlich sofort auffallen würden, wie z.B. schon die oben beschriebene fehlende elektrische Ausrüstung der Küche etc. Vom Freizeitverhalten der Kinder wird außer den täglichen Besuchen am Meer und John Kwames großes Hobby, dem Fußballspielen, nichts weiter berichtet. Die Kinder besuchen täglich die Schule, tritt allerdings z.B. ein Krankheitsfall in der Familie ein, so muss zunächst an den Lebensunterhalt der Familie gedacht werden und der Besuch der Schule ausfallen. Dies zeigt wirklichkeitsnah, dass der Erhalt der Familie von jedem Tag auf der Farm abhängt. Flo, Eric und sein Vater stehen oft als gute deutsche Touristen im Mittelpunkt, zum Beispiel, wenn sie großzügigerweise Omas Haus streichen, oder Flo mit seiner Kamera John Kwame und seine Mannschaft fotografieren soll. Im Gegensatz dazu stehen die Schilderungen Augustins, der einige Zeit in Düsseldorf in einem Asylbewerberheim verbracht hat und von seinen, weniger guten, Erfahrungen berichtet. Dass Augustin ausschließlich mit einem Kind Freundschaft schließen konnte, und nun wiederholt auf die Rolle der Kinder als Botschafter zwischen den Nationen eingeht, wirkt ein wenig konstruiert. Allerdings versucht die Autorin an dieser Stelle konkrete Verhaltensweisen aufzuzeigen, an denen sich die Leser orientieren können.

[...]


[1] vgl. http://www.wvo-dill.de/schwarz/

[2] vgl. http://www.bol.de/cec/cstage

[3] vgl. http://www.erdkunde-online.de/0501.htm

[4] vgl. http://www.erdkunde-online.de/0501.htm

[5] vgl. http://www.erdkunde-online.de/0501.htm

[6] vgl. http://www.dse.de/za/lis/ghana/seite1.htm

Details

Seiten
19
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638270960
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24157
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Deutsch
Schlagworte
Annelies Schwarz Meine Afrika Buchanalyse Kinder- Jugendbücher Thema Interkultureller Erziehung

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