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Glaube und Sakrament - Wie wirken Sakramente?

Hausarbeit 1999 13 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Sakramente - notwendig für den Erhalt der Gnade?
2.2 Sakramente - Thema bei kirchlichen Versammlungen
2.2.1 Definition der Begrifflichkeit „ex opere operato“
2.2.2 Das Konzil von Konstanz (1414 - 1418)
2.2.3 Das Konzil von Florenz (1489)
2.2.4 Das Konzil von Trient (7. Sitzung 1547)
2.3 Glaube - Bedingung für die Wirksamkeit der Sakramente?
2.3.1 Forderungen an den Spender
2.3.2 Forderungen an den Empfänger

3. Schluß

1. Einleitung

Eins von vielen Themen in der Sakramententheologie, ist die Frage nach ihrer Wirksamkeit. Wann bzw. wie wirken Sakramente? Eine häufige spontane Antwort wird wahrscheinlich sein, daß der Glaube für die Wirksamkeit verantwortlich sei. Wäre der Glaube eine der Voraussetzungen, um ein Sakrament wirksam werden zu lassen, so stellt sich im nächsten Augenblick die Frage nach der Wirksamkeit der Säuglingstaufe. Diese kurzen Überlegungen zeigen schon, daß es sich bei diesem Thema um ein sehr brisantes handelt, bei dem es viele Ansatzmöglichkeiten gibt.

Im Folgenden werde ich von den Sakramenten im Allgemeinen sprechen, also nicht auf die Wirksamkeit eines speziellen Sakraments eingehen. Ausgehend von der Frage, ob Sakramente für den Erhalt der göttlichen Gnade unter allen Umständen notwendig sind, werde ich dann darauf zu sprechen kommen, wie und warum dieses Thema bei Versammlungen der Kirche behandelt wurde, bzw. welche Beschlüsse zur Wirksamkeit erlassen wurden. Im vierten Kapitel werde ich dann auf konkrete Voraussetzungen eingehen, die vom Spender und vom Empfänger gefordert werden, um das Sakrament wirken zu lassen.

2. Hauptteil

2.1 Sakramente - notwendig für den Erhalt der göttlichen Gnade?

Als Einleitung zur Beantwortung dieser bereits sehr komplexen Fragestellung sei eine kurze Definition des Begriffs „Sakrament“ vorangestellt. Grob umrissen könnte man sagen, daß ein Sakrament ein Symbol für die Verbindung zwischen Gott und den Menschen ist, es wird bei entscheidenden Ereignissen im Leben der Menschen eingesetzt, wie z.B. das Sakrament der Ehe, zum Beginn einer Partnerschaft. Um die Anzahl und die Definition der Sakramente gab es bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts immer wieder heftige Diskussionen. Schließlich wurde deren Anzahl auf sieben festgelegt. Diese Tatsache stellt einen nach außen hin deutlichen Unterschied zur evangelischen Auffassung der Sakramente dar, da diese nur zwei Sakramente haben. Der Unterschied zwischen Sakrament und Zeichen, nach Hugo von St. Victor, sei der, daß der Begriff „Zeichen“ nicht das vermittle, was es anzeige, „im Sakrament dagegen ist nicht nur Zeichenhaftigkeit, sondern auch Wirksamkeit“[1]. Das heißt, daß das Sakrament nicht die Verbindung zu Gott darstellt, sondern die Verbindung ist.

Man spricht außerdem von der „göttlichlichen Gnade“, bzw. vom „göttlichen Heil“. Da die Offenbarung des göttlichen Heilswillens (Röm 11,32; 1 Tim 2,1-6) davon spricht, daß allen Menschen das Heil wirksam gilt stellt sich die Frage, ob und warum die Sakramente dann noch nötig sind, um die göttliche Gnade zu erhalten. Vorgrimler spricht in diesem Zusammenhang von einem Unterschied zwischen „ungeschaffene[r] Gnade“[2] und der „sakramentale[n] Gnade“[3]. Die „ungeschaffene Gnade“[4] sei Gott selbst. Da Gott immer gegenwärtig sei, sei diese Gnade auch für alle Menschen zugänglich. Diese abstrakte Gnade werde in den Sakramenten konkret, da diese „auf menschliche Weise einsichtig, vernehmbar und gangbar sind“[5]. „Diese Konkretion geschieht in den liturgischen Symbolhandlungen der Sakramente“[6] Gottes nicht zu umfasssende Gegenwart komme somit in den wichtigsten Situationen des Menschen an. Da es sieben verschiedene Sakramente gibt, stellt sich die Frage, ob es sich bei allen Sakramenten um dieselbe Gnade handelt, oder ob es sich um eine Gnade handelt, die man nach und nach, also von Sakrament zu Sakrament erlangt. Vorgrimler sagt dazu, daß „die Verschiedenheit der Situation“ ein „unterschiedliches Wirksamwerden der Gegenwart Gottes“[7] bewirke, d.h., daß es sich also um keine der beiden oben angenommenen Thesen handelt, sondern, daß sich die göttliche Gnade auf ganz verschiedene Arten zeigt.

Was ist mit den Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Möglichkeit haben, Gottes konkrete Gegenwart in den Sakramenten zu empfangen? Bleibt ihnen

das Heil vorenthalten? Vorgrimler zitiert zu diesem Thema hochscholastische Theologen des 13. Jahrhunderts und das Trienter Konzil. Nach diesen Aussagen scheint festzustehen, daß auch diesen Menschen die Gnade zuteil werden kann, „wenn [..] [sie] - von Gott getragen - einen ernsthaften, positiven, auf Kirche und Sakrament gerichteten Willen ha[ben]“[8], da „Gott seine Gnade nicht ausschließlich an die Sakramente gebunden habe“[9]. Dies heißt allerdings nicht, daß man die Gnade auf mehrere verschieden Weisen erhalten kann, sondern nur, daß „diese Sakramente durch das Verlangen nach ihnen ersetzt werden können“[10], wenn dem Empfang des Sakraments ein Hindernis entgegensteht. Sobald der Mensch die Wichtigkeit eines Sakrament erkenne, dürfe er es nicht versäumen dieses Sakrament zu empfangen[11]. Die Ausgangsfragestellung muß also verneint werden, da es unter genannten Voraussetzungen also auch möglich ist die göttliche Gnade ohne den Empfang der Sakramente zu erlangen.

2.2 Sakramente - Thema bei kirchlichen Versammlungen

2.2.1 Definition der Begrifflichkeit „ex opere operato“

„Ex opere operato“ bedeutet wörtlich übersetzt: aufgrund des Vollzugs des Ritus. Diese Begrifflichkeit ist in der Theologie im direktem Bezug zur Frage nach der Wirksamkeit der Sakramente zu sehen. Wenn man also davon spricht, daß ein Sakrament ex opere operato wirke, dann ist damit gemeint, daß wenn „der sakramentale Ritus vollzogen ist und die heiligen Symbole gesetzt sind, [..] Jesus Christus [...] in unsere Mitte [kommt].[...] [A]ufgrund des Versprechens, das Gott gegeben hat“[12]. Diese Formulierung führte nicht selten zu Mißverständnissen, weshalb das Thema Sakramente in der Vergangenheit ein häufig diskutiertes Thema waren. Im Folgenden wird nun davon berichtet, wie dieses Thema bei drei wichtigen Versammlungen behandelt wurde.

2.2.2 Das Konzil von Konstanz (1414 - 1418)

Nach Schneider bereitete zur Zeit dieser Kirchenversammlung die Tatsache, daß viele Kirchenmänner keine guten Seelsorger waren, den Menschen Sorgen, da sie sich fragen mußten, ob denn von sündigen Priestern gespendete Sakramente überhaupt wirksam seien. Immer mehr Menschen ließen sich von neuen Glaubensbewegungen in ihren Bann ziehen, da diese diese Furcht vor der Ungültigkeit weiter schürten. Um dieser Erscheinung entgegen zu wirken wurde auf der Kirchenversammlung von Konstanz ein Fragenkatalog erstellt, der den Anhängern dieser Bewegungen vorgelegt werden sollte[13]. Dieser Fragenkatalog enthielt insgesamt 39 Fragen, die sich genauestens damit auseinandersetzten, ob „ [..] im Sakrament das Entscheidende von Seiten Gottes oder von der Seite des spendenden Menschen [geschehe]“[14]. Wäre der Spender letztendlich für das Wirken des Sakramentes verantwortlich, so müsse jeder Mensch nach dem Empfang eines Sakramentes auf die Aufrichtigkeit und den Glauben des Spenders vertrauen, was zur Folge hätte, daß das eigentliche grenzenlose Vertrauen in Gott, der uns seine Gnade in den Sakramenten gibt, verloren gehen würde. Auf der Kirchenversammlung von Konstanz kam man also zu folgender Antwort: „Die Sakramente wirken als solche aus dem richtig gesetzten Vollzug heraus, ex opere operato.“[15]. Es wurde also festgelegt, daß es bei der Frage um die Wirksamkeit nicht auf den Glauben des Spenders ging, sondern die Wirksamkeit Kraft des vollzogenen Ritus gesichert sei.

[...]


[1] Hugo von St. Victor, Dialogus de sacramentis legis naturalis et scriptae, 34 D.
(zitiert nach: Nocke, F.-J., Sakramententheologie. Ein Handbuch, Düsseldorf 1997, S.56)

[2] Vorgrimler, H., Sakramententheologie, Düsseldorf ³ 1992, S. 106.
(zitiert als: Vorgrimler 1992)

[3] Vorgrimler 1992, S. 107.

[4] Vorgrimler 1992, S. 106.

[5] Vorgrimler 1992, S. 106.

[6] Vorgrimler 1992, S. 107.

[7] Vorgrimler 1992, S. 107.

[8] Vorgrimler 1992, S. 109.

[9] J. Finkenzeller I 144 - 147.
(zitiert nach: Vorgrimler 1992, S. 108.)

[10] Konzil von Trient, NR 371 / DS 3870ff..
(zitiert nach: Vorgrimler 1992, S. 109.)

[11] Konzil von Trient, NR 509 / DS 1604.
(zitiert nach: Vorgrimler 1992, S. 108.)

[12] Boff, L., Kleine Sakramentenlehre, Düsseldorf ¹° 1989, S. 96.
(zitiert als: Boff 1989)

[13] Scheider, T., Zeichen der Nähe Gottes. Grundriß der Sakramententheologie, Mainz 1992, S. 64.
(zitiert als: Schneider 1992)

[14] Schneider 1992, S. 64.

[15] Schneider 1992, S. 65.

Details

Seiten
13
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638270946
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24155
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholische Theologie
Schlagworte
Glaube Sakrament Sakramente Einführung Sakramententheologie

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