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Berthold Otto (1859-1933)

Referat (Ausarbeitung) 2003 24 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL 1: EINLEITUNG

KAPITEL 2: EINBETTUNG IN DAS ZEITGESCHEHEN
Allgemeine Tendenzen
Die Reformpädagogik
Die Jugendbewegung
Die Kunsterziehungsbewegung
Die Arbeitsschulbewegung
Die Landerziehungsheimbewegung
Die Pädagogik „vom Kinde aus“

KAPITEL 3: BERTHOLD OTTO-LEBEN UND WERK
Biographie
Der freie Gesamtunterricht
Was ist Gesamtunterricht im Sinne Ottos?
Die Pädagogischen Motive
Der natürliche Unterricht

KAPITEL 4: DIE ENTWICKLUNG DES GESAMTUNTERRICHTS
Der „gebundene“ Gesamtunterricht in der Grundschule
Impulse für heutige Unterrichtsformen

KAPITEL 5: SCHLUSS

REFLEXION

LITERATURVERZEICHNIS

Anhang

EINLEITUNG

Diese Ausarbeitung behandelt vor allem den Reformpädagogen Berthold Otto. Zuvor jedoch wird in Kapitel 2 ein Einblick in die Zeit gegeben, in der er lebte. Es werden sowohl allgemeine Tendenzen der Zeitgeschichte berücksichtigt, als auch die pädagogische Epoche, die Reformpädagogik. Einen Überblick über diese Epoche gibt eine kurze Erläuterung der damaligen verschiedenen Bewegungen.

In Kapitel 3 wird zunächst auf das Leben Berthold Ottos ausführlich eingegangen. Wie eng sein Leben und sein Werk miteinander verbunden sind, wird sich darauf folgend zeigen. Ebenso wird hier ersichtlich, weshalb Otto als ein Vertreter der Pädagogik „vom Kinde aus“ gilt. Der zentrale Begriff Ottos Pädagogik Gesamtunterricht wird umfassend erklärt. Es werden sowohl dessen Durchführung und Prinzipien beschrieben, als auch eingehend über Ottos Motive, d. h. Begründungen für diese Unterrichtsform, berichtet. Außerdem werden die von Otto häufig verwendeten Begriffe Altersmundart und Natürlicher Unterricht im Kontext erläutert.

Durch Kapitel 4 soll die Frage beantwortet werden, inwieweit einzelne Ideen Ottos noch heute schulpädagogisch bedeutungsvoll sind. Es soll aber auch klar werden, dass Ottos Konzept als Ganzes den Einzug in das allgemeine Bildungssystem nicht finden konnte.

Einbettung in das Zeitgeschehen

Allgemeine Tendenzen

Im neunzehnten Jahrhundert erfolgte die Industrialisierung. Immer häufiger wurden Maschinen anstelle von Menschen zur Bewältigung von Arbeit eingesetzt. Diese technisch-wirtschaftliche Entwicklung lief im Übergang zum zwanzigsten Jahrhundert normal weiter, doch die Nachteile dieser Industrialisierung zeigten sich zu Beginn des neuen Jahrhunderts immer stärker, besonders bei den unteren Bevölkerungsschichten. Die Löhne waren zu niedrig, Frauen und Kinder waren zur Lebenserhaltung dazu gezwungen zu arbeiten, teilweise bis zu sechzehn Stunden am Tag. Die Säuglingssterblichkeit bei Arbeitermüttern lag ungefähr doppelt so hoch wie die in der Mittel- und Oberschicht. Durch starken Bevölkerungszuwachs (1880 wohnten 45 Millionen, 1910 bereits 60 Millionen Menschen im Reichsgebiet) kam es zu Landflucht und Verstädterung.

Das soziale Elend veränderte die Menschen. Es entstand ein neues Lebensgefühl. Man war deprimiert vom ständigen Fortschrittsglauben, von Mietskasernen, der Asphaltkultur der Großstadt, dem Qualm und Lärm der Fabriken und den gekünstelten Beziehungen der Menschen untereinander. Die Menschen sehnten sich nach der unbefleckten Natur, nach ihrer Ursprünglichkeit. Sie wollten ihr Leben wieder individuell gestallten.

Das zwanzigste Jahrhundert brachte sozusagen den Gegenschlag gegen die erstarrte, spießige Kultur. Man wendete sich wieder besonders gerne dem Irrationalen, dem Rätselhaften und dem Unbewussten zu. Das Interesse lag besonders beim Inneren des Menschen, bei seiner schöpferischen Kraft.

Durch dieses Interesse am Menschen bekam die Menschenbildung und dabei gerade das pädagogische Bemühen großes Gewicht. Es entstand eine pädagogische Reformbewegung.

(vgl. Arbeiterbewegung; Industrialisierung; Gudjons, 1995, S. 101;

Reble, 1995, S. 276 – 282)

Die Reformpädagogik (1900 - 1933)

Die Reformpädagogik war zunächst eine Bewegung, d.h. man wollte sich ausbreiten. Praxis und Tat standen im Vordergrund. Erst später dachte man daran zu dokumentieren, zu analysieren und Theorien zu formulieren.

Die Reformpädagogik entwickelte sich aus verschiedenen reformerischen Kreisen, welche nachfolgend beschrieben sind.

Die Jugendbewegung

In der Jugendbewegung wirkten zwei Momente zusammen. Zum einen das neue Lebensgefühl zum anderen das Generationenverhältnis. Die Bewegung war also zum einen gegen Entfremdung, gegen Großstadt, gegen bloße Wissenskultur, zum anderen war sie gegen die ältere Generation; gegen das autoritäre Elternhaus und gegen die autoritäre Erziehung der Schulen.

Ihre Einstellung drückten die Jugendlichen in Volksliedern und Volkstanz aus. Außerdem führten sie Wanderfahrten durch, um das Gefühl der Gemeinschaft zu erleben. Mit ihrer Heimat und der Natur fühlten sie sich stark verbunden.

(vgl. Gudjons, 1995, S. 102; Reble, 1995, 284 - 290)

Die Kunsterziehungsbewegung

Die Kunsterziehungsbewegung war sehr eng mit der Jugendbewegung verbunden.

Nachdem im neunzehnten Jahrhundert besonders die Phantasie unterdrückt worden war, ist diese Art des Gegenschlags nicht verwunderlich. Die Bewegung stellte das persönliche Gestalten gegen das maschinelle Fabrizieren, das individuelle Werk gegen die materielle Massenware des neunzehnten Jahrhunderts. Sie betonte die schöpferische Kraft und die persönliche Eigenart des Menschen und forderte für die Schule das eigene Darstellen, „statt der kunstgeschichtlichen Belehrung durch den Lehrer“ (Gudjons, 1995, S. 104). Als Erziehungsziel hatte sie „den durch Kunst freien, freudigen, lebendigen Menschen, der für alle Kunst aufgeschlossen und selbst schöpferisch ist“ (Reble, 1995, S. 293).

Eine besonders große Wirkung hatte diese Bewegung auf die Schule. Das Erleben gewann gegenüber der Belehrung an Bedeutung und zeigte sich z.B. im freien Aufsatz, der freien Zeichnung, in der selbstgefundenen Melodie, der gymnastischen Bewegung und in der mimischen Darstellung.

(vgl. Gudjons, 1995, S. 104 – 105; Reble, 1995, S. 290 - 295)

Die Arbeitsschulbewegung

Die Idee der Arbeitsschulbewegung war es die Kinder selbstständig arbeiten zu lassen. Arbeit als berufliche Tätigkeit war damit allerdings nicht gemeint.

Innerhalb dieser Bewegung gab es verschiedene Tendenzen. Kerschensteiner und Seinig betonten die Handarbeit. Kerschensteiner im Sinne des Handwerklichen, Seinig im Sinne des

werklichen Bastelns. Gaudig meinte mit dem Begriff der Arbeitsschule nur das Prinzip der geistigen Selbsttätigkeit.

Die Bewegung warb für Schulwerkstätten, Schulgärten und ähnliche Einrichtungen.

(vgl. Gudjons, 1995, S. 103; Reble, 1995, S. 301 - 302)

Die Landerziehungsheimbewegung

Landerziehungsheime waren ein neuer Schultyp. Sie sollten eine „echte Lebensstätte der Jugend sein“ (Reble, 1995, S. 313). Nicht nur der Unterricht sollte umgestaltet werden, sondern das gesamte Schulleben. Die Schule sollte nicht wie bisher eine unpersönliche Anstalt sein, man wollte ein Heim mit einer richtigen Lebensgemeinschaft, die Familie als Vorbild. Als Ausgleich für theoretische Dinge wurde hier, ähnlich wie in der Arbeitsschulbewegung, das Handwerken als sehr wichtig gesehen.

(vgl. Gudjons, 1995, S. 105; Reble, 1995, S. 313 – 314)

Die Pädagogik „vom Kinde aus“

Hier trat das Kind in den Mittelpunkt des erzieherischen Denkens und Handelns. Zuvor hatten Erwachsene die Bildungsinhalte bestimmt und waren nicht auf das Kind und seine Entwicklung eingegangen. Dies wollte die Bewegung radikal verändern.

Der Erwachsene dürfe das Kind nicht zu sich herauferziehen. Erziehung sollte sich nach den Interessen des Kindes richten, sollte mehr ein Wachsenlassen sein, als ein Aufzwingen von Bildungsinhalten, so die Vertreter dieser Pädagogik.

Bedeutende Vertreter dieser Pädagogik waren Ellen Key („Das Jahrhundert des Kindes“), Maria Montessori und Berthold Otto.

(vgl. Gudjons, 1995, S. 102; Reble, 1995, S. 295 - 296)

Durch die Betrachtung des Lebens und der Pädagogik Berthold Ottos wird erkennbar, warum er ein Vertreter der Pädagogik „vom Kinde aus“ war.

BERTHOLD OTTO – LEBEN UND WERK

Biographie

Berthold Ottos Lebensweg und sein Werk hängen sehr eng zusammen. Er selbst hat darauf immer wieder hingewiesen.

Am 6. August 1859 wurde Berthold Otto in Bienowitz im Kreise Guhrau in Schlesien geboren. Nachdem sein Vater, zuvor Gutsbesitzer, dann aktiver Offizier, 1870 nach Rendsburg versetzt worden war, besuchte Otto dort und später auch in Schleswig das Gymnasium bis zum Abitur. Anschließend studierte er in Kiel und Berlin klassische Philologie, Philosophie, Pädagogik, Volkswirtschaft und Sprachwissenschaft, um Hochschullehrer zu werden.

Letztendlich brach er das Studium 1883 wegen Schwierigkeiten mit einigen Professoren ab und wurde Hauslehrer. Vor allem in Latein gab er Schülern höherer Schulen Nachhilfe. Dieser Unterricht war für Otto sehr viel mehr als die Beschaffung seines Lebensunterhaltes. Er nutzte ihn zum ständigen Studium der geistigen Vorgänge beim Lernen und Lehren.

1887 entstand sein erstes Buch „Beiträge zum wissenschaftlichen des natürlichen Unterrichts“. Nachdem es von verschiedenen Verlagen abgelehnt worden war, erschien es 1901 unter dem Titel „Der Lehrgang der Zukunftsschule“.

Zur wirtschaftlichen Sicherung nahm er eine Stelle als Zeitungsredakteur in Hamburg beim Hamburgischen Correspondenten an. Danach, im November 1890, ging er nach Leipzig zum Verlag Brockhaus als Redakteur.

Schließlich weigerte er sich, seine Kinder in eine öffentliche oder staatlich anerkannte Schule zu schicken und unterrichtete sie selbst (In der Ehe mit Frida Mann wurden sechs Kinder geboren). Damit erwachte Ottos pädagogische Leidenschaft endgültig. Er bemerkte, dass er selbst in der Lage war, neue Unterrichtsweisen zu entwickeln.

Im März 1902 erreichte ihn ein äußerst großzügiges Angebot des Preußischen Kultusministeriums, das auf den Pädagogen aufmerksam geworden war. Daraufhin zog Otto mit seiner Familie nach Berlin-Lichterfelde, um sich dort seinen pädagogischen Arbeiten zu widmen. Sein Schülerkreis erweitere sich, bis die Anzahl der Schüler so groß war, dass er 1906 eine eigene Schule in seinen Wohnräumen eröffnete: die Hauslehrerschule.

Als seine Wohnung dafür nicht mehr ausreichte, zog die Schule Ottos in ein nach seinen Vorstellungen gestaltetes Gebäude um. Dort unterrichtete er bis zu seinem Tod und führte mehrmals in der Woche den Gesamtunterricht durch.

Am 29. Juni 1933 starb Berthold Otto im Alter von 73 Jahren.

Während seines gesamten Lebens verfasste Berthold Otto pädagogische, politische und volkswirtschaftliche Schriften, insgesamt etwa sechzig Titel. Zum Beispiel:

- „Die Schulreform im 20. Jahrhundert“ (1898)
- „Mütterfibel“ (1903)
- „Geistiger Verkehr mit Schülern im Gesamtunterricht“ (1907)

(vgl. Henningsen, 1991, S. 127 - 131; OttoLeben; Scheibe, 1969, S. 9 - 10)

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Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638270649
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24120
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Pädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Berthold Otto

Autor

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Titel: Berthold Otto (1859-1933)