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Die Choreographie "Love Songs" von William Forsythe - Eine vergleichende Bewegungsanalyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 24 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Stück „Love Songs“
2.1. Besonderheiten der Fernsehfassung
2.2. Struktur und Aufbau
2.3. Kostüme und Raum

3. Bewegungsanalyse Nr.1 : If You Gotta Make a Fool of Somebody
3.1. Liedtext
3.2. Raumskizze
3.3. Tabellarisches Bewegungsprotokoll
3.4. Erste Beobachtungen
3.5. Analyse der Konstitution von Körperzeichen
3.5.1. Basisanalyse der Körperzeichen
3.5.2. Räumliche Qualität der Körperzeichen
3.5.3. Dynamische Qualität der Körperzeichen
3.6. Die Konkatenation und Signifikation von Körperzeichen
3.6.1. Basisprinzip der syntagmatischen Organisation
3.6.2. Relationen: Raum – Basismerkmale – dynamische Qualitäten – filmische Mittel

4. Bewegungsanalyse Nr.2 : Make it Easy on Yourself
4.1. Liedtext und Inhalt
4.2. Raumskizze
4.3. Tabellarisches Bewegungsprotokoll
4.4. Erste Beobachtungen
4.5. Analyse der Konstitution der Körperzeichen
4.5.1. Basisanalyse der Körperzeichen
4.5.2. Analyse der räumlichen Qualität der Körperzeichen
4.5.3. Analyse der dynamischen Qualität der Körperzeichen
4.6. Konkatenation und Signifikation der Körperzeichen
4.6.1. Basisprinzip der syntagmatischen Organisation
4.6.2. Relationen: Basismerkmale – Raum – Dynamik – filmische Mittel
4.6.3. Wiederholungen und Spiegelungen

5. Fazit

6. Literatur- und Filmverzeichnis

1. Einleitung

Der amerikanische Tänzer und Choreograph William Forsythe (*1949) ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Choreographen. Einst als enfant terrible des Balletts bezeichnet, genießt er heute Ruhm und Anerkennung in Europa und der ganzen Welt. (Vgl. Gaby von Rauner, S.7).

Forsythe ist bekannt für seine neue Art des Tanztheaters und ganz eigene Tanzphilosophie:

Er sieht den Tanz und somit auch ein Tanzstück nie als ein vollendetes und somit statisches Werk an, sondern als einen stetigen Prozess. Zudem sind viele seiner Werke selbst auf der Bühne noch stark von Improvisation geprägt. Das Stück „Artifact“ zum Beispiel entstand in den 80er Jahren und ist seitdem ständig weiterentwickelt und verändert worden. (Vgl. S.19). Aufgrund dieser Tanzphilosophie vermeidet Forsythe es, seine Werke auf Video aufzeichnen zu lassen, da diese Aufzeichnung die Aufführung sozusagen einfrieren und nur eine der möglichen Fassungen wiedergeben würde. Hieraus ergibt sich für eine Bewegungsanalyse des „Forsytheschen Stils“ das Problem, dass nur wenige Aufzeichnungen von Forsythe-Stücken existieren. Für eine genaue Analyse sind Videoaufzeichnungen jedoch nicht nur hilfreich, sondern nahezu unverzichtbar.

1979 entstand am Stuttgarter Ballett jedoch das Stück „Love Songs“, für das William Forsythe später eine spezielle Fassung für das Fernsehen ausarbeitete. Er ließ das Stück also nicht einfach bei einer Aufführung abfilmen, sondern studierte mit den Tänzern eine ganz neue Version ein, in der mit filmischen Mitteln bewusst gearbeitet und gespielt wird.[1] Aufgrund dessen und auch aufgrund der Tatsache, dass „Love Songs“ eine eher frühe Choreographie ist, kann man es nicht unbedingt als ein typisches Forsythe-Werk bezeichnen. Dass das klassische Ballett und dessen Bewegungssprache der Ausgangspunkt und das Reflexionsgebiet für Forsythe darstellen, ist an diesem Stück noch sehr deutlich zu erkennen

In dieser Arbeit sollen zwei Lieder bzw. Tänze aus diesem Stück – jeweils ein Solo von einer Tänzerin – analysiert und miteinander verglichen werden. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf der spezifischen Raumausnutzung und den dynamischen Qualitäten der Bewegungsaktionen im Zusammenspiel mit den anderen Merkmalen, durch die die Emotionen der Liedtexte visualisiert werden. Dabei werde ich unter anderem auf die Besonderheiten der Fernsehfassungen eingehen, also darauf, inwieweit verschiedene Kameraeinstellungen und -positionen sowie andere filmische Mittel eine Rolle spielen.

Ich werde das Vokabular und die Analysemethode benutzen, die Peter M. Boenisch in seinem Buch körPERformance 1.0 : Theorie und Analyse von Körper- und Bewegungsdarstellungen im zeitgenössischen Theater in dem Kapitel 03. RESET_: Ein Modell zur Analyse von Körperzeichen. (S.88-152) vorstellt . Boenisch wiederum stützt sich hauptsächlich auf Rudolf von Labans Vokabular, Notations- und Analysemethoden, u.a. aber auch auf Janet Adshead und Claudia Jeschke.

2. Das Stück „Love Songs“

2.1. Besonderheiten der Fernsehfassung

Wie schon erwähnt handelt es sich bei dem Stück um eine spezielle Fernsehfassung des Bühnenwerkes „Love Songs“. Die„Love Songs“ sind aneinander gereihte Choreographien zu Liedern über Liebe und Liebeskummer, gesungen von Aretha Franklin und Dionne Warwick. Nach eigenen Aussagen Forsythes wurde bei der Bildschirmfassung der Schwerpunkt im Vergleich zur Bühnenfassung auf die besondere Nähe des Fernsehzuschauers zu den Tänzern gelegt. Da der Zuschauer aufgrund der besonderen filmischen Mittel, wie z.B. Nahaufnahme oder Zeitlupe, neben den tänzerischen Bewegungen auch den mimischen Ausdruck gut wahrnehmen kann, wurde diese Art des Gefühlsausdrucks ebenfalls benutzt und die Tänzer stärker schauspielerisch gefordert als in der Bühnenfassung.

„Die Fernsehfassung von Love Songs unterscheidet sich stark von der Bühnenversion. Auf der Bühne ist das Stück abstrakter. Im Film, in der Fernsehfassung wollte ich etwas realisieren, was ich in den Proben erlebt hatte, etwas das das Theaterpublikum nicht mitbekommt, nämlich das hautnahe dabei Sein und Zuschauen, während die Beziehungskisten ablaufen. Diese Nähe ist aufregend, das Zuschauen bekommt etwas Voyeuristisches.“[2]

2.2. Struktur und Aufbau

Das Stück spielt in einer Nachtbar, in der sich Männer und Frauen amüsieren. Es ist zusammengesetzt aus sieben Liedern, gesungen von Aretha Franklin und Dionne Warwick über die Liebe. Die Songs und die dazugehörigen Choreographien reihen sich nahtlos durch filmische Montage aneinander. Die einzelnen Szenen wären untereinander austauschbar, da kein logisch-kausaler oder chronologischer Zusammenhang zwischen ihnen besteht. Somit kennzeichnen sich die „Love Songs“ nicht durch eine klassische Handlung, sondern setzen sich aus einzelnen Episoden zusammen, die jedoch ebenfalls nicht als narrative Elemente, sondern eher als eine Darstellung von Gefühlszuständen bezeichnet werden können.

Das erste Lied „If you gotta make a fool of somebody“ wird solo von einer Tänzerin getanzt. In dem Lied geht es um eine von ihrem Partner verletzte, vielleicht betrogene Frau. Das zweite Lied „Make it easy on yourself“ handelt von der Schwierigkeit eine Beziehung zu beenden und wird ebenfalls von einer Tänzerin auf der Bühne dargestellt. Im dritten Lied „Out of my head“ tritt zum ersten Mal ein Paar auf, das offenbar nicht mit und nicht ohne einander leben kann. Im vierten Lied „I’ve got love“ tritt eine Tänzerin als „die von Liebe erfüllte Protagonistin“ auf, umringt von anderen Tänzern, die synchron eine Art Modetanz tanzen und eher zur Kulisse beitragen, da sie der Tänzerin zumeist den Rücken zudrehen und wenig mit ihr interagieren. „Always something there to remind me“, getanzt von einem Mann, ist das fünfte und „You’re all I need to get by“, getanzt von einem Paar, das sechste Lied. Das letzte Lied „Baby I love you“ wird von allen acht Tänzerinnen und acht Tänzern getanzt.

Über den Inhalt und die Struktur des Stücks sagt William Forsythe: „Den Texten populärer Musik liegen nicht selten - wenn auch unbeachtet - potente Alltagsdramen zugrunde. Dieses Ballett reiht Situationen aneinander, die sich aus der latenten Ironie dieser an der Oberfläche naiven und sentimentalen Lieder ergeben haben.“[3]

2.3. Kostüme und Raum

Der Raum ist relativ schlicht gestaltet. Die Wände und der Fußboden sind schwarz. Hinten in der Wand gibt es eine zweiteilige Schwingtür, mit einem Fenster in Kopfhöhe auf jeder Seite, durch die grelles Licht strahlt. Ganz zu Anfang sieht man, dass sich hinter dieser Schwingtür eine Küche befindet. Ansonsten wird hinter dieser Tür jedoch nicht getanzt oder gefilmt.

Die Tische und Stühle der Bar sind je nach Lied unterschiedlich angeordnet. Zu den hier analysierten Liedern habe ich jeweils eine Skizze angefertigt.

Von der Decke hängen Lampen, die sehr punktuelles Licht werfen. Im Strahl dieser Lampen wie auch im Lichtstrahl, der aus den Fenstern in der Schwingtür geworfen wird und im Scheinwerferlicht (Spot), der auf die Tänzer gerichtet ist und ihre Bewegungen durch den Raum verfolgt, wird die vernebelte Luft reflektiert. Dadurch wird die typische Atmosphäre einer verrauchten Kneipe erzeugt. An den Tischen sitzen Gäste, die trinken und rauchen. Folglich stehen auch Gläser, Aschenbecher u.ä. auf den runden Tischen.

Die Tänzerinnen tragen unterschiedliche Abendkleider in schwarz, knielang und schulterfrei oder mit Trägern, schwarze Strumpfhosen und Ballettschuhe. Die langen Haare tragen fast alle offen, und ihre Gesichter sind stark geschminkt. Beim letzten Lied tragen die Frauen alle Ausgehschuhe mit hohen Absätzen. Während der anderen Lieder tragen die Frauen, die nicht in der „Hauptrolle“ des Liedes tanzen auch Absatzschuhe. Die Männer sind in dunkle Hosen, helle Hemden und dunkle Krawatten gekleidet, dazu Tanzschuhe mit fester Sohle.

3. Bewegungsanalyse Nr.1 : If You Gotta Make a Fool of Somebody

3.1. Liedtext

If You Gotta Make a Fool of Somebody
If you got to make a fool of somebody
If you have to make a fool of someone
tell me why did you need to hurt me
When I’m the one that worries
About you
Daytime
Nitetime
Anytime at all
I'll rush to your side
Anytime that you call
Just to be with you
Darling, You know
any place you go
How could you hurt me so
If you got to make a fool of somebody

3.2. Raumskizze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Tabellarisches Bewegungsprotokoll

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Information aus dem Interview in der Sendung Joffrey – Visitenkarte einer Kompagnie (s. Filmverzeichnis)

[2] Aus einem teilweise synchronisierten Fernsehinterview in der Sendung Joffrey –Visitenkarte einer New Yorker Kompagnie. (s. Filmverzeichnis)

[3] Aus: www.frankfurt-ballett.de /frame.html unter William Forsythe / Time Line

[4] Ausrichtung der Figur im Raum → in [eckige Klammern] (Vgl. Boenisch, S.95)

[5] Richtung der körperlichen Aktion, betrachtet vom Körperzentrum aus → kursive Schreibweise

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638270113
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24034
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Theaterwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Choreographie Love Songs William Forsythe Eine Bewegungsanalyse Hauptseminar

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