Lade Inhalt...

Hypertext - Eine textlinguistische Untersuchung

Magisterarbeit 1998 124 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 MOTIVATION UND PROBLEMSTELLUNG
1.2 ANGABEN ZUM KORPUS, METHODISCHE UND TECHNISCHE EINSCHRÄNKUNG DER UNTERSUCHUNG
1.3 ZUR LITERATURLAGE
1.3.1 Hypertext
1.3.2 Textlinguistik
1.3.3 (Text-)Linguistik und Hypertext

2 HYPERTEXT: GRUNDSÄTZLICHES ZUR ENTWICKLUNG UND STRUKTUR
2.1 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND
2.1.1 Herkunft des Terminus’ Hypertext
2.1.2 Bedeutung von {hyper}
2.1.3 Bedeutung von {text}
2.1.4 Definition der Sekundärliteratur
2.1.5 Intension und Extension
2.2 KOMPONENTEN EINES HYPERTEXTES
2.2.1 Knoten
2.2.1.1 Struktur
2.2.1.2 Inhalt und Größe
2.2.1.3 Darstellungsform der Knoten
2.2.1.4 Knotenarten
2.2.2 Verweise
2.2.2.1 Allgemeine Eigenschaften
2.2.2.2 Formal: Beziehungsverhältnisse zwischen Ausgangs- und Zielpunkt
2.2.2.3 Inhaltlich: Organisatorische Verweise vs. Referentielle Verweise
2.2.2.3.1 Unterscheidung der beiden Verweisklassen
2.2.2.3.2 Referentielle Verweise
2.2.2.3.3 Organisatorische Verweise
2.2.2.4 Kritik der Verweistypologie
2.2.3 Navigations- und Orientierungskomponenten
2.2.3.1 Textsequenzierung, Navigation und Browsing
2.2.3.2 Orientierungsprobleme und kognitive Mehrbelastung
2.2.3.3 Traditionelle Orientierungshilfen
2.2.3.3.1 Verzeichnisse
2.2.3.3.2 Metainformationen
2.2.3.3.3 Typographische Auszeichnungen
2.2.3.4 Hypertextspezifische Orientierungs- und Navigationshilfen
2.2.3.4.1 Browsersoftware
2.2.3.4.2 Backtracking, Historie, Lesezeichen, Verweismarkierung
2.2.3.4.3 Grafische Übersichten: Browser und Fish-Eye-Views
2.2.3.4.4 Anfrage- bzw. Suchmechanismen: Information Retrieval
2.2.3.4.5 Guided Tours
2.3 ZUSAMMENFASSUNG: DER BEGRIFF HYPERTEXT UND DIE EIGENSCHAFTEN EXISTIERENDER HYPERTEXTE

3 TEXTLINGUISTIK: GRUNDSÄTZLICHES ZUR METHODIK
3.1 UNTERSUCHUNGSGEBIETE DER TEXTLINGUISTIK, EIN ALLGEMEINER TEXTBEGRIFF
3.2 UNTERSUCHUNGSKRITERIEN
3.2.1Kriterien der Textualität
3.2.2Textthema: Makrostrukturanalyse
3.2.3Textstruktur, Textfunktion und Textsorten
3.2.3.1 Textstruktur
3.2.3.2 Textfunktion
3.2.3.3 Textsorten
3.2.3.4 Exkurs: Textsorten als Prototypen für die Texterkennung
3.2.4Referenzbeziehungen in Texten
3.3 ZUSAMMENFASSUNG: ANALYSESTRATEGIE

4 HYPERTEXT: EINE LINGUISTISCHE ANALYSE
4.1 KRITERIEN DER TEXTUALITÄT
4.1.1Intertextualität: Text, Hypertext und Textgrenzen
4.1.2Lokale Kohäsion/Kohärenz vs. Kontext
4.1.3Intentionalität, Informativität, Situationalität und Aktzeptabilität
4.2 MAKROSTRUKTURANALYSE
4.3 TEXTFUNKTION UND TEXTSTRUKTUR
4.3.1Kontextanalyse
4.3.2Analyse der Textfunktion
4.3.3Analyse der thematischen Textstruktur
4.4 REFERENZSTRUKTUREN IN HYPERTEXTEN
4.4.1Modell der referentiellen Bewegung
4.4.2Referentielle Bewegung in Hypertexten
4.4.3Bedeutung der Quaestio für Kohärenzphänomene zwischen einzelnen Knoten
4.5 HYPERTEXT ALS TEXTSORTE?

5 INTERPRETATION DER ERGEBNISSE

6 TABELLE DER EINZELERGEBNISSE

7 LITERATURVERZEICHNIS
7.1 KORPUS
7.2 SEKUNDÄRLITERATUR

8 ERKLÄRUNG

9 LEBENSLAUF

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: EIN HYPERTEXT-SYSTEM

ABBILDUNG 2: PRINZIP EINES EINFACHEN HYPERTEXTES

ABBILDUNG 3: KNOTENSTRUKTUR

ABBILDUNG 4: INTRA-, INTER- UND EXTRA-HYPERTEXTUELLE VERWEISE

ABBILDUNG 5: VERWEISKLASSIFIZIERUNG NACH LOKALITÄT VS. GLOBALITÄT

ABBILDUNG 6: OBERFLÄCHE DER BROWSERSOFTWARE I NTERNET E XPLORER 3.0 VON M ICROSOFT

ABBILDUNG 7: HYPERTEXTKNOTEN MIT EXTRA-HYPERTEXTUELLEN VERKNÜPFUNGEN

ABBILDUNG 8: KOHÄRENZNETZ EINES HYPERTEXTES

ABBILDUNG 9: ANALYSEMODELL FÜR REFERENTIELLE BEWEGUNG

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: INTERNET-ADRESSEN VON HYPERTEXT-RESSOURCEN

TABELLE 3: MAKROSTRUKTURANALYSE VON KNOTEN B UCHVORSTELLUNG

TABELLE 4: MAKROSTRUKTURANALYSE VON KNOTEN S EEBOLD

TABELLE 5: REFERENTIELLE BEWEGUNG IN EINEM HYPERTEXT

TABELLE 6: ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

Klammerkonvention

[...] eckige Klammern für :

Semantische Merkmale

Elemente, die auf textueller Oberflächenstruktur nicht repräsentiert sind Ergänzende Angaben in Zitaten

{...} geschweifte Klammern für:

Morpheme

Abkürzungen

NP:Nominalphrase PP:Präpositionalphrase

1 Einleitung

1.1 Motivation und Problemstellung

„1990 entwickelten Robert Cailliau und Tim Bernes-Lee im europäischen Kernfor- schungszentrum bei Genf (CERN) das World Wide Web (WWW), ein auf der Sprache Hypertext basierendes Informations- und Quellensystem mit einer grafi- schen Benutzeroberfläche.“1

Seit dem globalen Siegeszug des Internets2 sind Begriffe wie Multi- media, Hypermedia, und Hypertext in aller Munde.3Das obenstehende Zitat ist ein Beispiel von vielen für die Verbreitung falscher Vor- stellungen und Definitionen von Hypertext: Es handelt sich bei dem Untersuchungsgegenstand weder um eine Sprache natürlicher oder formaler Art, noch um ein Software- bzw. Hardwareprodukt. Der Wortbestandteil {text} legt vielmehr die Vermutung nahe, daß es sich bei Hypertext in irgendeiner Art und Weise um ein textuelles Gebilde handle. Dem Nachgehen dieser Vermutung ist der Hauptteil der vor- liegenden Arbeit gewidmet.4Dabei stellen sich aber teilweise gravierende Probleme:

(1) Die Beweisführung, daß es sich bei einem Hypertext um einen Text handelt, wird durch das Fehlen einer eindeutigen Textdefinition er- schwert. So ist es nämlich grundsätzlich fraglich, ob es sich bei dem Begriff Text überhaupt um eine linguistische Größe - vergleichbar mit Morphem, Satz etc. - handelt oder nicht.5 Aber auch wenn man sich entschließt, Text als sprachliche Größe zu betrachten und daher mit linguistischen Mitteln zu untersuchen, muß man erkennen, daß ein einheitlicher sprachwissenschaftlicher Textbegriff nicht existiert. Es stehen sich vielmehr strukturelle und funktionale Ansätze konkurrie- rend gegenüber. Zwar wurde in neuerer Zeit versucht, diese beiden Richtungen zu einem integrativen Textbegriff zu vereinen (Brinker 1997), jedoch ist dieser Textbegriff sehr weit gefaßt („very general approach“ Ehlers/Preu 1998), erweist sich in vielen Situationen als zu vage und ist dadurch in seiner Aussagekraft beschnitten. Dennoch wird der Textbegriff von Brinker 1997 als Arbeitsdefiniton für die vorliegende Untersuchung dienen. Die Verwendung erfolgt dabei aber unter bestimmten Prämissen und Einschränkungen: Die Ergebnisse der text- linguistischen Untersuchung von Hypertext dürfen nicht als absolut, sondern immer nur im Kontext mit dem verwendeten Ar- beitsinstrumentarium gesehen werden. Man muß sich stets vor Augen halten, daß das jeweilige Textverständnis einen dominierenden Einfluß auf die Beantwortung der Frage hat, ob es sich bei einem speziellen Gebilde um einen Text handle oder nicht.

Für bestimmte Teilfragen des Textbegriffes werden weiter Autoren herangezogen (van Dijk, Vater, de Beaugrande/Dress ler): Der jeweils herausgegriffene Teilbereich des komplexen Phänomens Text wird in der erwähnten Literatur mit einem spezielleren - oft sehr formalen -Er- klärungsmodell zu deuten versucht, welches zumeist für das ent- sprechende Teilgebiet durchaus wertvolle Aussagen liefert. Allerdings ist zu beobachten, daß diese Erklärungsmodelle oft den „Blick fürs Ganze“ zugunsten einer erhöhten Aussagekraft in Teilbereichen auf- geben. Aus diesem Grund verwendet die vorliegende Arbeit zum größten Teil die zwar allgemeinere, aber auch den Text als Ganzes besser beschreibende Definition von Brinker und greift nur bei gewissen Teilfragen auf speziellere Methoden anderer Autoren zurück.

(2) Das spezielle Gebilde, das auf seine Texthaftigkeit hin untersucht werden soll, wird Hypertext genannt. Während die Ausführungen in (1) die Probleme andeuten, die sich beim Bau des textlinguistischen Fun- daments als Untersuchungsmethode ergeben, und die Abhängigkeit des erzielten Ergebnisses von der verwendeten Arbeitstheorie klarstellen, so befaßt sich dieser Abschnitt mit den Besonderheiten, die dem Untersuchungsgegenstand zu eigen sind. Hier ist als erstes anzumerken, daß es sich als schwierig erweist, Intension und Exten- sion von Hypertext zu ermitteln. Daraus ergibt sich das Problem, den Untersuchungsbereich exakt abzustecken: Es ist offen, welche kon- stituierenden Elemente bzw. Eigenschaften ein Gebilde besitzen muß, um als Hypertext zu gelten. Da Hypertexte im WWW oft mit zahlreichen weiteren elekronischen Dokumenten verknüpft sind, gestaltet sich das exakte Festlegen von Textgrenzen als ebenfalls kompliziert. Auch ist fraglich, welche Erscheinungen ganz allgemein unter den Begriff Hypertext fallen. Es wird sich zwar im Laufe der Untersuchung erweisen, daß ein Hypertext zumeist über Knoten und Verweise verfügt, er im elektronischen Medium realisiert ist und zumeist über einen eher nicht-linearen Informationszugang verfügt; allerdings wird sich ebenso zeigen, daß nicht alle, auf den ersten Blick als hy- pertextuell erscheinenden Gebilde über sämtliche Komponenten und Eigenschaften eines Hypertextes verfügen: Es gibt elektronische Texte, deren Information nicht in Knoten aufgeteilt ist und in denen keine Verweise realisiert sind.6 Ferner existieren weitere Exemplare, deren Text in einem einzigen Knoten enthalten ist, der allerdings über zahlreiche „interne Verweise“ verfügt.7 Es wird sich zeigen, daß ein

„Proto-Hyperte xt“ nicht existiert, sondern daß es vielmehr viele Varian- ten des Phänomens gibt. Eine allgemeine Hypertextdefinition steht noch aus. Daraus ergibt sich die Problematik, daß ein in Frage kom- mendes Untersuchungsobjekt zuerst auf seine Hypertexthaftigkeit hin untersucht werden muß, um festzustellen, ob es Gegenstand der fol- genden Textanalyse ist.

(3) Wie oben erläutert, erweist es sich als schwierig, sowohl den Untersuchungsgegenstand konkret festzumachen als auch ein solides Fundament an Arbeitsinstrumenten zu schaffen. Diese Probleme allge- meiner Natur wurden durch den Hinweis auf die strenge Abhängigkeit der Ergebnisse von Methodik und Auswahlkriterien ein wenig entschärft. Allerdings existieren weitere Probleme, speziellerer Art: Einigen hypertext-spezifische Erscheinungen - insbesondere den Verweisen - ist mit vorhandenem textlinguistischen Instrumentarium nur schwer gerecht zu werden. Die Verweise sind neben den Knoten aber eine Hauptkomponente des Hypertextes und darüber hinaus dessen wohl auffälligstes Charakteristikum: Mittels Mausklick auf einen bestimmten Begriff eines am Bildschirm dargestellten Textes (Knoten) kann zu einem anderen Knoten gewechselt werden, der im Idealfall zusätzliche Information zu besagtem Begriff enthält. Durch das Benut- zen der Verweise erschafft der Leser in gewisser Weise den Text zum Teil selbst: Aus einem einzigen Fundus von Knoten und Verweisen können durch individuelles Folgen einer bestimmten Verweissequenz verschiedene Texte generiert werden.8Wo setzt nun die text- linguistische Untersuchung an? Wirft sie nur einen Blick auf die Struktur der einzelnen Knoten samt ihrer Verweise, oder verfolgt sie die möglichen Lesevarianten? Letzteres würde freilich schon bei wenigen Knoten und Verweismöglichkeiten eine Explosion des Arbeits- aufwandes mit sich bringen. In vorliegender Arbeit wird ein Mittelweg beschritten: Analysiert wird einerseits die Struktur der Knoten samt deren Verweise sowie andererseits eine geringe Anzahl exem- plarischer Lesevarianten. Deutlich soll aber werden, daß ein Hypertext auf mehreren Ebenen untersucht werden muß, da bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher geklärt ist, ob denn die Struktur oder der vom Leser eingeschlagene Lektüreweg mit dem Begriff Hypertext zu be- zeichnen ist.

1.2 Angaben zum Korpus, methodische und techni- sche Einschränkung der Untersuchung

Als Korpus dienen die in Kapitel Korpus aufgeführten Hypertexte aus dem WWW sowie das vom Verfasser konstruierte Beispiel aus Abbildung 2.

Diese Arbeit beschäftigt sich nicht, oder nur am Rande im Rahmen einer textlinguistischen Fragestellung mit folgenden Problemfeldern von Hypertext: Technische Grundlagen von Softwarerealisierungen, kognitive Plausibilität des elektronischen Lernmediums, kulturelle Auswirkungen des Verlustes der Zentralperspektive im nicht-linearen Text und ebensowenig mit Anwendungen des Hypertextprinzips zur Wissensrepräsentation. Werden entsprechende Fragestellungen im Verlauf dieser Arbeit berührt, so wird stets auf weiterführende Literatur verwiesen.

Wichtig zu erwähnen ist ebenfalls, daß sich diese Arbeit nicht mit als Hypertext realisierter Belletristik, sogenannter Hyperfiction, befassen wird. Hyperfiction wird weder untersucht noch als Teil des Korpus’ be- trachtet. Für literaturwissenschaftlich relevante Fragestellungen in Be- zug auf das neue Medium wird auf die in Kapitel Zur Literaturlage vor- gestellte Sekundärliteratur verwiesen. Das Korpus setzt sich aus elek- tronisch realisierten Fachtexten zusammen.

Zahlreiche Softwaresysteme stehen zur Implementierung eines Hyper- textes zur Verfügung (vgl. Schnupp 1992 S. 97 f.). Als derzeit mit Ab- stand bedeutendste elektronische Realisierung darf das WWW gelten (vgl. Fußnote 2). Alle anderen Hypertext-Systeme führen mehr oder weniger ein Nischendasein.9 Aus diesem Grund wird sich die Arbeit in

Die Hypertexte können mit der im Hinblick auf das Betriebssystem unabhängigen Hypertext-Beschreibungssprache HTML auf einer nahezu beliebigen Rechnerarchitektur implementiert werden.

Die erstellten Hypertexte werden in das weltweite Computernetz Internet eingespielt, das noch immer mit einem exponentiellen Wachstum der Benutzerzah len aufwarten kann.

Die zur Ansicht von WWW-Hypertexten notwendige Browser-Software wird von den großen Firmen aus Marketinggründen verschenkt.

erster Linie mit im WWW präsenten und in der Sprache HTML ge- schriebenen Hypertexten beschäftigen. Nur bei speziellen Besonder- heiten anderer Systeme, die für textlinguistische Fragestellungen in- teressant sind, wird am Rande auf diese Implementierungen einge- gangen. Als Browsersoftware wird der Internet Explorer Version 3.0 der Firma Microsoft verwendet (siehe Fußnote 75).

Die Bindung an das elektronische Medium bringt gewisse Besonder- heiten mit sich: Hypertexte sind ähnlich wie „normale“ Texte in natür- licher Sprache verfaßt, allerdings sind sie, wie erwähnt, an eine for- male, operationale Sprache (etwa HTML) gebunden. Auf der Spei- cherebene des Computers sind einzelne Knoten als HTML-Dateien abgelegt und enthalten neben dem eigentlichen, natürlichsprachlichem Knoteninhalt noch HTML-Beschreibungselemente (etwa für Layout, Verweise, Sonderzeichen). Die Benutzerschnittstelle übersetzt die HTML-Befehle in der Form, daß der Leser einen rein natürlich- sprachlichen Text zu Gesicht bekommt. Die vorliegende Arbeit be- schäftigt sich lediglich mit dem Produkt der Übersetzung, ohne auf die sicherlich vorhandenen Auswirkungen der Gebundenheit natürlicher Sprache an eine operationale Beschreibungssprache einzugehen.

Da der vorliegenden Untersuchung ausschließlich HTML-Hypertexte des Internets als Korpus dienen, rückt eine spezielle textlinguistische Fragestellung in den Mittelpunkt: das Problem der Textgrenzen. Hy- pertexte im WWW besitzen prinzipiell Verweisstrukturen, die über den jeweiligen Einzel-Hypertext hinausverweisen (siehe Kapitel Formal: Beziehungsverhältnisse zwischen Ausgangs- und Zielpunkt) Zwischen besagten Einzel-Hypertexten und dem WWW als Geflecht dieser Hy- pertexte wird zu unterscheiden sein.

Eine wichtige letzte Einschränkung ist, daß sich folgende Untersuchung lediglich mit Erscheinungen befaßt, die unter den Begriff Hypertext zu subsumieren sind. Hypertexte können aber auch multimedial ausgerichtet sein: Prinzipiell kann alles, was digitalisierbar ist, als Knoteninhalt eines elekronischen Hypertextes fungieren. Stehen multimediale Inhalte im Vordergrund, spricht man nicht mehr von

Hypertexten sondern von Hypermedia. Die Arbeit beschränkt sich auf Hypertexte mit rein textuellen Inhalten.10

(vgl. auch Münz 1997 a Dokument: htxt212.htm)

sprengen, andererseits sind Fachtexte im WWW immer noch textzentriert und längst nicht so multimedial, wie allgemein gerne behauptet wird. Als sekundäres Zeichensy-

1.3 Zur Literaturlage

1.3.1 Hypertext

Nach allgemeiner Meinung begründete Vannevar Bush mit seinem 1945 veröffentlichten Artikel „As we may think“ (Bush 1945) seine Po- sition als „ Vater des Hypertext-Konzepts“(Gerdes 1997 S. 1). Bush entwirft hier ein futuristische System namens „memex“, mit dem In- formation in der Form gespeichert werden kann, wie es heute auch für Hypertexte üblich ist:

„ Consider a future device for individual use, which is a sort of mechanized prvi ate file and library. It needs a name, and, to coin one at random, "memex" will do. A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory. [...]

Thereafter, at any time, when one of these items is in view, the other can be instantly recalled merely by tapping a button below the corresponding code space. Moreover, when numerous items have been thus joined together to form a trail, they can be re- viewed in turn, rapidly or slowly, by deflecting a lever like that used for turning the pages of a book. It is exactly as though the physical items had been gathered together from widely separated sources and bound together to form a new book. It is more than this, for any item can be joined into numerous trails.“

(Bush 1945 S. 107f.)

Die Idee der Memex ist also, daß atomare Informationseinheiten sepa- rat gespeichert werden. Da diese zumeist für mehrere Kontexte rele- vant sind, können sie stets in neuen Kombinationen zusammengefügt werden. Den dadurch entstehenden Wissenspfad bezeichnet Bush als

„new book“.

Die Bedeutung dieses Grundsatzartikels arbeiteten Nyce und Kahn in einem von ihnen herausgegebenen Sammelband heraus (Nyce u. Kahn 1991) Der Begriff Hypertext als solcher ist auf eine Prägung von Theodor Nelson aus dem Jahr 1965 zurückzuführen11, der später mit

„Dream Machines: new freedoms through computer screens - A mino- rity Report“ (Nelson 1974) die Hypertextidee politisierte:

stem werden lediglich Bilder bzw. Abbilder verwendet. Für die Bildanalyse in Fachtex- ten soll auf Hagge 1994 S. 184 f., Ott 1996 S. 59 f. und Labarta Postigo 1997 S. 64 f. verwiesen werden.

„ Nelson vertrat (und vertritt) die Auffassung, daß alle Informationsquellen in einer demokratischen Informationsgesellschaft frei zugänglich sein sollten. Er meinte, daß ein freier Zugang dann am besten gesichert sei, wenn alle Dokumente in einer Art gi- gantischem Hypertext miteinander verknüpft seien.“

(Hasebrook 1995 S. 169)

Die erste elektronische Realisierung des Hypertext-Konzepts gelang Douglas C. Engelbart, deren Grundlagen er in seinen Publikationen be- schreibt (Engelbart 1963 u. 1968).12

Ab 1987 war Hypertext Gegenstand zahlreicher Fachkonferenzen, deren Berichte zum Teil veröffentlicht wurden.13

Seit dem Erfolg des World Wide Web ist die Sekundärliteratur zum Thema unüberschaubar geworden. Einen Überblick über die For- schung bis 1990 gibt die kommentierte Bibliographie von Atkinson und Knee (Atkinson 1990). Die historische Entwicklung beschreiben Berk und Devlin (Berk 1991). Einen geschichtlichen Abriß, der das WWW einschließt, gibt Lennon (Lennon 1997). Grob kann man eine Dreiglie- derung der vorhandenen Literatur vornehmen:

(1) Die meisten Untersuchungen zum Thema stammen aus dem Gebiet der Informatik. Als deutschsprachiges Standardwerk auf diesem Gebiet gilt der Titel Hypertext - Ein nicht-lineares Medium zwischen Buch und Wissensbank von Rainer Kuhlen (Kuhlen 1991). Kuhlen beschäftigt sich neben Fragestellungen der Informationswissenschaften auch am Rande mit textlinguistischen Problemen wie der Kohärenz von Teil- texten. Das Buch von Schnupp dagegen befaßt sich besonders aus- führlich mit der technischen Implementierung von Hypertexten (Schnupp 1992). In weiteren Titeln der Informatik14geht es haupt- sächlich um die Verbindung der Hypertext-Idee mit Konzepten der Künstlichen Intelligenz, der Wissensrepräsentation sowie der Informationsbeschaffung.

(2) Ferner existieren einige Arbeiten aus der Psychologie, die kognitionswissenschaftliche und didaktisch-pädagogische Fragen an die neue Technologie stellen. Hierbei soll hauptsächlich das Vorhandense in eines potentiellen Mehrwertes von Hypertext als Lernmedium untersucht werden. Ansel Suter dokumentiert den

Versuch, Kenntnisse der englischen Sprachwissenschaft mittels eines Hypertextes zu vermitteln (Ansel Suter 1995). Heike Gerdes faßt de Forschungsstand psychologisch-pädagogischer Disziplinen zusammen, zitiert die Ergebnisse der wichtigsten Fallstudien und kommt aufgrund eigener Experimente zu einer kritischen Einschätzung des sogenannten kognitiven Mehrwerts von Hypertexten (Gerdes 1997). Mit allgemeinen, erziehungswissenschaftlich relevanten Fragen des Informationsproblems in elektronischen Datennetzen aller Art beschäftigt sich Astleitner (Astleitner 1996).15

(3) Auch die Literaturtheorie hat sich des Themas angenommen. Offen ist hierbei vor allem das veränderte Verhältnis Autor-Leser, da jeder Benutzer eines Hypertextes einen eigenen „Lesepfad“ durch das Werk wählen kann. Hypertext wird hier als neue Kulturtechnik verstanden und als solche analysiert. Bolter untersucht die Auswirkungen des Computers als „writing space“ und geht dabei besonders auf die nicht- lineare Repräsentationsform von Wissen in Hypermedien ein (Bolter 1991). Landow untersucht den Bezug zwischen hypertextuellen Schreib- und Denkarten und der Kritischen Theorie (Landow 1992 u. 1994), während Gaggi 1997 eine Dezentralisierung des Subjekts durch die bzw. innerhalb der neuen Medien sieht und gleichzeitig Nelsons’ Vision eines alle Texte umfassenden Hypertextes neu belebt.16

Neben den Printmedien existiert noch eine stetig wachsende Anzahl elektronischer Dokumente zum Thema im WWW. Folgende Tabelle listet die wichtigsten Dokumente auf.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Internet-Adressen von Hypertext-Ressourcen

1.3.2 Textlinguistik

Als allgemeine linguistische Nachschlagewerke dienen Bußmann 1990, Eisenberg 1994 und Engel 1996.

Eine erste Annäherung sowie einen Einblick in die Geschichte der Textlinguistik bringt der von Wolfgang Dressler herausgegebene Sammelband „Textlinguistik“ (Dressler 1978). Grundlegende textlin- guistische Gesamtdarstellung für diese Arbeit ist Brinker 1997. Neben weiteren spezifischen Darstellungen18 sind für unsere Belange besonders Spezialuntersuchungen interessant, die das Vorkommen von Texten in technischen Distributionen untersuchen (Ott 1996, Labarta Postigo 1997). Desweiteren sind Untersuchungen bzw. Dar- stellungen wertvoll, die sich mit den Bereichen Thematische Strukturen (van Dijk 1980 a u. b) und Textgrenzen (Linke u.a. 1991) beschäftigen. Auch in der oben vorgestellten Sekundärliteratur zu Hypertext finden sich - sporadische - Versuche, einen linguistischen Textbegriff als Untersuchungsinstrument zu definieren.

1.3.3 (Text-)Linguistik und Hypertext

Einen ersten systematischen Beitrag der Germanistischen Linguistik zum Thema „Die Sprache der Internet-Kommunikation“ liefert die gleichnamige Arbeit von Stefan Rabanus (Rabanus 1996). Er unter- sucht die Anwendungsformen computervermittelter Kommunikation wie zum Beispiel Computerkonferenz, Elektronische Briefe, Mailing Lists oder Elektronische Diskussionsforen. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Vorhandensein „konzeptioneller Mündlichkeit in der Schriftlichkeit“ der Internetkommunikation. Hier wird also hauptsächlich Dialog- und nicht Textanalyse betrieben.

Ebenfalls mit den Besonderhe iten von Sprache im Internet sowie den Eigenschaften schriftlicher Texte in multimedialen Kontexten beschäf- tigt sich Schmitz (Schmitz o.J. a u. b).

Eine explizit linguistisch ausgerichtete Hypertextanalyse läßt sich bei Freisler (Freisler 1993, 1994 u. 1995) und Ehlers/Preu 1998 finden.

2 Hypertext: Grundsätzliches zur Entwicklung und Struktur

Die nächsten Kapitel beinhalten eine erste Annäherung an den Untersuchungsgegenstand. Hierbei wird nach Herkunft und Bedeutung des sprachlichen Zeichens Hypertext gefragt. Ausgehend von den dabei erlangten Ergebnissen sowie Definitionen der Sekundärliteratur soll anschließend versucht werden, den Gegenstand in intensionaler sowie extensionaler Hinsicht weiter festzulegen. Wie sich jedoch zeigen wird, erweist sich dieses Unterfangen beim jetzigen Stand der Forschung als schwierig. Allerdings kann durchaus eine für unsere Belange halbwegs brauchbare Arbeitsdefinition für Hypertext formuliert werden.

2.1 Untersuchungsgegenstand

Der Begriff hyper-text wurde, wie bereits erwähnt von Ted Nelson 1965 in den USA geprägt und ins Deutsche entlehnt. Zumeist wird ein neuer Fachterminus durch Derivation aus einem bereits bestehenden sprachlichen Zeichen gebildet bzw. setzt sich als Komposition aus mehreren, bereits existierenden Zeichen zusammen. In unserem Fall liegt eine Zusatzbildung (bzw. ein Präfixkompositum; vgl. Fußnote 23) vor, bestehend aus den Morphemen {hyper} und {text}. Wichtig ist an- zumerken, daß es sich bei der Wortprägung um einen bewußten, mo- tivierten19 Vorgang des Wortschöpfers handelt. Um die Bedeutung des Terminus’ Hypertext zu erfahren, muß daher zuerst die Intention des

„Wortschöpfers“ betrachtet werden: Was ist das Bezeichnete, für welches von Nelson die Zeichenfolge hyper-text eingesetzt wurde? Im Anschluß daran muß hinterfragt werden, warum Nelson gerade die Morpheme {hyper} und {text} für die Prägung des neuen Terminus’ verwendet hat. Aus diesem Grund bedarf es eines genauen Blickes auf die Bedeutung der von ihm verwendeten Morpheme.

2.1.1 Herkunft des Terminus’ Hypertext

In dem Artikel Professor Nelson Talk Analyzes P.R.I.D.E. der Zeitung Vassar College Miscellany News vom 3. Februar 1965, wird ge- schrieben, Nelson habe in einem Vortrag das Wort hyper-text ver- wendet. Die Autorin, Laurie Wedeles, berichtet:

„[...] he [Nelson] reminded the audience of the problems of organizing material into a coherent piece of writing. As a new organization method Mr. Nelson has invented the PRIDE (Personalized Retrieval Indexing and Documentary Evolution) system.“

(Wedeles 1965)

Nelson wies auf mögliche Probleme hin, die sich bei der Linearisierung von Informationsmaterial zu einem einzigen „coherent piece of writing“ ergeben. Sein System PRIDE versucht, diese Probleme zu lösen:

„ In this system passages of material would be translated into machine language and filed in the machine in any sequence. With the proper instructions the machine would print out any sequence the writer wished to try, freeing him from the necessity of keeping the ideas in his head.“

(Wedeles 1965)

Nelson glaubte, diese Form der Informationsrepräsentation entspräche eher der menschlichen Form des Denkens als eine rein lineare Variante:

„ Mr. Nelson pointed out that we often do not think in linear sequences but rather in "swirls" and in footnotes. He introduced the concept of the hyper-text, which would be a more flexible, more generalized, non-linear presentation of material on a particular subject.“

(Wedeles 1965)

Der Schöpfer des Wortes hyper-text nahm also an, menschliches Denken verlaufe nicht in linearen Sequenzen, sondern sei vielmehr mit

„Wirbeln“ oder „Fußnoten“ zu vergleichen. Hypertext ist für Nelson eine nicht-lineare, verallgemeinerte und flexiblere Weise, Wissen über ein bestimmtes Thema zu repräsentieren. Während das Attribut „non- linear“ auch in fast jeder heutigen Definition eine entscheidende Ei-

genschaft von Hypertext darstellt und nahezu unumstritten ist20, so sind die Attribute „more flexible“ und „more generalized“ heute seltener in Definitionen zu finden und kritischer zu betrachten.21

Als zukünftiges Einsatzgebiet von Hypertext gibt Nelson folgendes an:

„ For example, it is possible that basic texts on a subject could be interindexed, so that the necessity and difficulty of tracing footnotes and rare sources would be eliminated.“

(Wedeles 1965)

Mittels Hypertext könnte es nach Nelson also möglich sein, die grund- legenden Abhandlungen zu einem bestimmten Thema in einem Verzeichnis aufzuführen, karteimäßig zu erfassen, mit Querverweisen zu versehen und so die Informationsbeschaffung zu erleichtern.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß Hypertext im Sinne des Wortschöpfers eine nicht-lineare Form der Wissensrepräsentation zu einem bestimmten Thema bedeutet. Aufgrund dieser nicht-linearen Form (und mittels geeigneter Implementierung) kann je nach Bedarf eine bestimmte Sequenz des gespeicherten Informationsmaterials abgerufen werden. Eine wichtige Beobachtung ist, daß die Linearisierung der Information erst im Moment des Lesens vollzogen wird: Aus einer bestimmten Menge von Informationseinheiten wird also eine Teilmenge (die eventuell auch identisch mit der ursprünglichen Menge sein kann) mittels Verweisen verbunden. Dadurch entsteht für den Leser der Text, bzw. dadurch entwickelt der Leser den Text zum Teil selbst. Wortwahl, Aufteilung der Gesamtinformation in kleinere Einheiten, sowie das Setzten der Querverweise bleibt Aufgabe des Autors. Das Aneinanderfügen dieser Informationspakete erfolgt aber

Repräsentationsformen. Ob Hypertexte aber tatsächlich flexiblere Medien sind als etwa Texte wird heute eher bestritten (hierzu Freisler 1994, Gerdes 1997; anders Nielsen 1990, Kuhlen 1991). Die genau Bedeutung von „more generalized“ im Bezug auf die Hypertext-Idee von Nelson ist nicht ganz klar. So kann ein Hypertext wohl kaum als mehr verallgemeinert betrachtet werden, da ja gerade die Möglichkeit zur speziellen Sequenzierung - und damit zu einer mehr spezialisierten Darstellung - einer vorhandenen Wissensbasis auch schon die Hypertextdefinition von Nelson bestimmt („[...] the machine would print out any sequence the writer wished to try [...]“ Wedeles 1965)

durch einen, im Wortsinn kreativen Akt des Lesens. Verschiedenes Kombinieren der Informationseinheiten führt somit zu unterschiedlichen Texten, die aber freilich immer eine Teilmenge des vom Autor zusammengestellten Gesamtfundus’ bleiben.

Auch die heutige de facto Beschränkung von Hypertexten auf das elektronische Medium wird bereits in dieser ersten Definition vorweg- genommen.22

Auffällig ist ferner, daß sich diese erste Definition nicht zwangsläufig auf eine textuelle Form von Information beruft, sondern vielmehr von

„material“ aller Art spricht. Hier kommt eine frühe multimediale Auffas- sung von Hypertext zum Ausdruck: „Programs can include words, pictures, printing, or strings of words“ (Wedeles 1965). Dies nimmt in gewisser Hinsicht den sich heute vollziehenden Wandel von Hypertext zu Hypermedia voraus.

2.1.2 Bedeutung von {hyper}

Im folgenden soll der Versuch unternommen werden, das sprachliche Zeichen Hypertext anhand der Bedeutung seiner Komponenten {hyper} und {text} zu erklären. Definitionen der Hypertext-Literatur sowie linguistische Textbegriffe werden in späteren Kapiteln den Ergebnissen dieser Bedeutungsanalyse vergleichend gegenübergestellt.

Aus Sicht der Wortbildung handelt es sich beim sprachlichen Zeichen Hypertext um eine durch einfache Präfigierung entstandene Zusatz- bildung23, die sich aus dem gebundenen Morphem {hyper} und dem lexikalischen Basismorphem {text} zusammensetzt. Im folgenden soll nun Etymologie und Semantik dieser beiden Komponenten untersucht werden.

{hyper} hat die Bedeutung [+über, über - hinaus, übermäßig], drückt also „die Überschreitung des normalen Maßes“ (Pfeiffer 1993 S. 568) aus. Es ist aus dem griechischen Präfix hypér entlehnt24 und urver- wandt mit lateinisch super, welches im Nhd. als Präfix {super} fungiert. Außerdem kann eine gewisse semantische Ähnlichkeit zum deutschen Morphem {über} angesetzt werden.

In der medizinischen Fachsprache bezeichnet {hyper} oft eine Über- funktion, wie zum Beispiel in Hypermnesie, was gleichbedeutend ist mit

„abnorm gesteigerter Gedächtnisleistung“. Als spezielles Adjektivpräfix tritt {hyper} in Verbindungen wie {hypergenau, hypersensibel, hyperaktiv} auf. Sowohl bei den medizinischen Begriffen als auch bei den vorgestellten Adjektiven ist festzustellen, daß {hyper} eine pejora- tive Bedeutungsverschiebung im Sinn von [+äußerst, in übertriebenem Maß] erfährt.25Die in der ursprünglichen Bedeutung vorhandenen positiven, bzw. zumindest neutralen Komponenten [+über, über - hinaus] sind hier nicht mehr existent.

Es wird zu klären sein, ob sich Hyper text eher mit der Umschreibung (I) Text, der über das Normale hinausgeht, mit (II) darüberliegender Text oder mit (III) übermäßiger Text paraphrasieren läßt.26 Faßt man die soeben vorgestellten Präfixe als Menge eines Paradigmas auf, so erhält man durch Austausch auf vertikaler Ebene die Formen (a) Hy- pertext, (b) Supertext und (c) Übertext. Ein anschließender Vergleich dieser Formen mit den heuristisch gefundenen Paraphrasen führt zu drei ersten Arbeitsdefinitionen von Hypertext:

(1) Verwendung von {hyper} mit [+über, über - hinaus]: Text, der (in welcher Form auch immer) über einen „normalen“ Text27hinausgeht = (I)+ (a)
(2) Verwendung von {hyper} als Synonym zu {super} mit [+obendrauf, darüber]: Text, der als übergeordnete Struktur einem Text (bzw. auf mehreren Texten) aufliegt = (II) + (b)
(3) Verwendung von {hyper} bzw. {über} mit [+übermäßig]: Text als Übermaß bzw. als „Zuviel“ an Text = (III)+ (a)/bzw.(c)

Als übereinstimmend mit (1) sind die ersten Versuche einer Hypertext- definition von Heike Gerdes und Rainer Kuhlen anzusehen:28

„ Wie das Wort andeutet, ist Hypertext Text, der irgendwie mehr ist als Text - ein Ultratext, Supertext, Übertext. Aber was soll man sich unter einem solchen Su- pertext vorstellen? Was läßt ihn über normalen Text hinauswachsen?“

(Gerdes 1997 S. 3)

„ Hypertexte gehen nach dem Sinn des Wortes über Text hinaus; aber was heißt das? Sind sie damit etwas ganz anderes als Texte? Fügen sie dem bisherigen Wert von Texten noch einen neuen, einen informationellen Mehrwert hinzu? Sind sie damit sozusagen Supertexte oder Ultratexte?“

(Kuhlen 1991 S. 2)

In Richtung der Definition (2) geht das Ergebnis der Untersuchung von Peter Schnupp:

„ Hypertext spannt über Textdokumente eine Hyperstruktur zur Unterstützung von Recherchen auf.“

(Schnupp 1992 S. 25)

2.1.3 Bedeutung von {text}

Beim zweiten Bestandteil von Hypertext handelt es sich um das Lexem

{text}.29

{text} wurde in spätmhd. Zeit aus lateinisch textus, das zum Verb texere gehört, entlehnt. Texere wurde als [+weben, flechten; fügen, kunstvoll zusammenfügen] gebraucht, textus entsprechend als [+Gewebe,

Geflecht; -übertragen] bzw. als [+Gefüge, Zusammenhang, Verbindung, Fortlaufende Darstellung, Zusammenhang der Rede;

+übertragen]. 30Eine etymologische Verwandtschaft besteht zu grie- chisch tékton mit der Bedeutung [+Zimmermann, Baumeister] sowie zu téchne als [+Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit].

In der heutigen Zeit verwendet man {text} als [+(I) Wortlaut eines Schriftstückes, Vortrags o.ä.; (II) Folge von Aussagen, die unterein- ander in Zusammenhang stehen; (III) Bibelstelle als Predigtgrundlage; Beschriftung; (IV) zu einem Musikstück gehörende Worte] (nach Drosdowski 1990 S. 776). Für unsere Zwecke interessant ist vor allem die inhaltliche Dimension (II).31

Aufgrund der etymologischen Untersuchung kann man zwei erste Ar- beitsdefinitionen von {text} geben. Definition (a) nimmt Bezug auf die ursprüngliche Bedeutung von textus als [+Gewebe], während sich (b) aus dem übertragenen Sinn als [+fortlaufende Darstellung, Zusam- menhang der Rede] herleiten läßt:

{text} als

(a)zusammengefügtes Gewebe, das über einen inneren Zusammenhang verfügt
(b)Folge von Aussagen, die untereinander in Zusammenhang stehen

Auffallend an dieser Definition sind folgende Punkte:

Die Bedeutung von textus sowie die Verwandtschaft zu téchne als [Handwerk, Kunst] macht deutlich, daß aus der Etymologie von {text} hauptsächlich die materielle Dimension der heutigen Bedeutung ab- geleitet werden kann.

Bemerkenswert bei (b) ist vor allem, daß es sich um eine Folge von Aussagen handelt. Eine Folge ist aber etwas lineares und deckt sich nicht mit der Vorstellung eines verflochtenen Gewebes.

Nimmt man Linearität als Vergleichsgröße, so stehen sich (a) und (b) antagonistisch gegenüber.

Schon bei der etymologischen Untersuchung begegnet man der für den Verlauf der Arbeit noch sehr wichtigen Dichotomie von linearer Folge auf der einen Seite und nicht-linearem Gewebe auf der anderen. Beide Dimensionen spielen bei einem wohlgeformten Text eine Rolle: Text manifestiert sich in der Regel in einer linearen Abfolge einzelner Aussagen (bzw. Sätzen). Diese lineare Sequenz ist aber andererseits durch ein komplexes Netzwerk kohäsiver und kohärenter Mittel auf nicht-lineare Weise miteinander verbunden. Dieser Kontrast läßt sich scheinbar schon in den Bedeutungsdifferenzen zwischen {text} und dessen etymologischen Wurzeln vorausahnen und erhält bei der Un- tersuchung von Hypertext eine neue Dimension: Unterschied zwischen netzwerkartiger Textstruktur und linearer Realisierung der jeweiligen Lesesequenz.

2.1.4 Definition der Sekundärliteratur

Im folgenden ist zu untersuchen, ob die Ergebnisse der soeben er- folgten Analyse der Morpheme {hyper} und {text} kompatibel zu Aus- sagen gängiger Hypertextdefinitionen sind.

Da Hypertext aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann, hat Heike Gerdes mit der Behauptung, daß es „in der Literatur fast so viele Definitionen von Hypertext wie es Autorinnen gibt, die über Hypertext schreiben“32 nicht ganz unrecht. Berücksicht werden aktuelle Definitionen aus der Informatik (2, 3, 9) Psychologie (1, 4), Linguistik (5) und Literaturtheorie (6, 7,8). Hierbei ist besonders auf Aussagen über die Texthaftigkeit hypertextueller Gebilde zu ach- ten.

(1) „ Ein Hypertext-System besteht aus einer Reihe von Komponenten: der Basis, dem Managementsystem, der Autorenkomponente und der Navigationskompnoente.“

(Astleitner 1996)

(2) „ Multimedia are synchronized media, such as moving images with sound. Hyper- media is interactive or linked multimedia. Hypertext as one specific type of hype-r media is interactive text or linked text. Hypermedia helps people organize and access information.“

(Rada 1995 a S. 11)

(3) „ Hypertext ist die Verknüpfung von Textdokumenten durch hierarchische Rela- tionen und/oder Verweisstrukturen. [... Hypertext dient der] Integration von rechne-r gespeichertem Textmaterial zur Repräsentation und einfachen Verfolgung irgend- welcher Beziehungen zwischen Texten, die in verschiedenen Dokumenten (=Dateien) gespeichert ist.“

(Schnupp 1992 S. 15)

(4) „ Grundlegend für das Hypertext-Konzept sind zwei Begriffe: Knoten und Verweise (Links) [...]. Knoten sind die atomaren Informationseinheiten von Hy- pertexten, die über Links auf nicht-lineare Weise miteinander verbunden sind.“

(Gerdes 1997 S. 6)

(5) „ Ein Hypertext-Hypermedia-System ist eine im elektronischen Medium real-i sierte Kommunikations- und Publikationsmaschine, die es erlaubt, synästhetisierte informationelle Einheiten dialogisch-flexibel in entlinearisierten Strukturen beliebig zu verknüpfen und zu manipulieren.“

(Freisler 1994 S. 106)

generische Femininum (vgl. e.d. Fußnote Nr.1).

(6) „ A hypertext is ideally a sort of topography of social construction. After all, a hypertext is fundamentally a linguistic entity that exists to be manipulated, trans- formed through a series of collaborative acts either between just one user and the original database [...] or among many users performing various operations upon a central core of texts. These operations (drawing new links or annotating existing blocks of text) imply a community of individual users each with a different set of assumptions, a different level of conceptual understanding, and different experiences.“

(Barrett 1989 S. Vi)

(7) „ A hypertext is like a printed book that the author has attacked with a pair of scissors and cut into convenient verbal size. The difference is that the electronic hy- pertext does not simply dissolve into a disordered bundle of slips, as the printed book must. [...] In general, the connections of a hypertext are organized into paths that make operational sense to author and reader. Each topic may participate in several paths, and its significance will depend upon which paths the reader has travelled in order to arrive at that topic.“

(Bolter 1991 S. 24)

(8) „ The very idea of hypertextuality seems to have taken form at approximately the same time that poststructuralism developed, but their points of convergence have a closer relation than that of mere contingency, for both grow out of dissatisfaction with the related phemomena of the printed book and hierarchical thought.“

(Landow 1994 S. 1)

Am weitesten holt Astleitner aus, indem er das komplette „Hypertext- System“ (1) anspricht. Er übernimmt die Bezeichnungen Autoren- komponente, Managementsystem, Navigationskomponente und Basis als Bestandteile eines solchen Hypertext-Systems von Kuhlen:

„ Mit Hilfe der Autoren-/Konversionskomponente bzw. deren entsprechenden Pr-o grammfunktionen sollen die Autoren (das können Personen, aber auch maschinelle Verfahren sein) von Hypertextbasen in die Lage versetzt werden, aus der Sequenz eines Textes oder aus der Gesamtheit der verfügbaren Materialien des Objektbereiches nicht-lineare Strukturen im Zusammenspiel von Einheiten und Verknüpfungen aufzubauen.“

(Kuhlen 1991 S. 23 f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ein Hypertext- System

Das Mangementsystem leistet die Verwaltung größerer Hypertextbasen auf der Grundlage von Datenbanken (siehe Kuhlen 1991 S. 18), wäh- rend die Navigations-

/Suchkomponente den Zugang zur gesuchten Information innerhalb der Hypertextbasis vermittelt (siehe Kuhlen 1991

S. 25). Die Hypertextbasis ist

„der materielle Teil eines Hypertextsystems, der Teil, in dem die Gegenstände des Objektbereichs in ent- sprechenden Einheiten dar- gestellt und verknüpft sind.“

(Kuhlen 1991 S. 17 f.). Im Rahmen der weiteren Untersuchung interessiert ausschließlich das Produkt eines Hypertext-Systems, also die Hypertext-Basis, auf die referiert wird, wenn im folgenden der Begriff Hypertext verwendet wird. Die an Produktion und Verwaltung beteiligten Software-Komponenten sind nicht Gegenstand einer linguistischen Analyse.33 Ein Blick auf das Hypertext-System als Ganzes war jedoch nötig um zu zeigen, inwiefern ein Hypertext als

„more flexible“ (vgl. Kapitel Herkunft des Terminus’ Hypertext) gegen- über einem „normalen“ Text gelten kann: Der Autor definiert mit Hilfe des Autorensyste ms (etwa mit einem HTML-Editor) eine bestimmte Menge miteinander verbundener „Informationsbrocken“, die von einem Managementsystem verwaltet werden. Mittels der Navigationskompo- nente kann der Leser diese Informationseinheiten stets auf ein Neues zu einem textuellen Ganzen zusammensetzen.34

[...]


1 Aus dem Artikel Die Geschichte des Internets der Süddeutschen Zeitung vom 24.11.1997 (S. 9).

2 Wenn in den Medien vom globalen Siegeszug des Internets gesprochen wird, so ist der Begriff in den meisten Fällen mit dem World Wide Web (WWW) gleichzusetzen.

Dabei handelt es sich bei besagtem WWW nur um einen Teil des Internets, nämlich um den multimedial-orientierten, der ein Hypertext-Informationssystem auf Client/Server-Architektur darstellt. Die in der Sprache HTML (Hypertext Markup Language) verfaßten Dokumente können Texte, Bilder, Animationen oder Klänge enthalten (Einen aktuellen Einstieg in die Programmiersprache HTML bieten Tolksdorf 1997 und Lemay 1997). Die Dokumentenbeschreibungssprache HTML sowie das Protokoll HTTP (Hyper Text Transfer Protokoll), welches den Transport der HTML-Seiten regelt, sind weltweit genormt und stellen damit einen globalen und einheitlichen Informationsaustausch sicher. Neben besagtem WWW existieren noch weitere, zum Großteil ältere Dienste mit weltweit einheitlichem Übertragungsprotoko ll im Internet: E-mail, FTP, Gopher, Telnet, WAIS. Da sich das WWW aber zunehmend durchsetzt, ist eine gewisse Integration dieser Dienste in die grafische Oberfläche des WWW zu beobachten. Daher ist für den Benutzer in naher Zukunft möglicherweise doch das Internet mit dem WWW gleichzusetzen.

3 Eine umfassende Einführung in die Bereiche Multimedia und Hy permedia sowie eine Prognose über die Perspektiven multimedialer Kommunikation geben Glowalla und Schoop in einem von ihnen herausgegebenen Sammelband (Glowalla u. Schoop 1996).

4 Somit befindet sich die gesamte Untersuchung freilich in einer prekären Situation: Sie ist textlinguistisch ausgerichtet, beschäftigt sich also lediglich mit textuellen Gebilden. Sollte der Nachweis erbracht werden, daß Hypertexte keine Texte sind, macht sich die Arbeit selbst überflüssig. Vorausgreifend kann aber schon hier angedeutet werden, daß sich lediglich bestimmte hypertextuelle Besonderheiten einer textlinguistischen Analyse entziehen.

5 Zwar sind auch Erscheinungen, die eindeutig in den sprachwissenschaftlichen Bereich fallen - etwa Sätze - , in ihrer konkreten Definition umstritten. Allerdings verfügen sie zumeist über eindeutige Begrenzungsmerkmale und sind somit für eine Analyse greifbarer als Texte, die sich bezüglich ihres Umfangs oft erheblich voneinander unterscheiden können (etwa sogenannte Einsatztexte vs. Romane) und oft über keine besagten Begrenzungsmarkierungen verfügen. Wohl auch aufgrund dieser Probleme hat sich erst relativ spät eine explizite Textlinguistik entwickelt.

6 Ein Beispeil hierfür ist der Text Graduiertenkolleg „Pragmatisierung/ Entpragmatisierung“ des Korpus’.

7 Exemplarische für diese Sorte ist der Text Sandbothe 1995 in das Korpus aufgenommen worden.

8 Auch der Leser eines traditionellen Textes hat die Möglichkeit, die lineare Lektüre aufzugeben und in dem Text „zu springen“. Auf diese Weise können verschiedene Leser aus ein und derselben „Textbasis“ ebenfalls verschiedene konkrete Texte gestalten. Der Unterschied zwischen diesem „in einem Buch stöbern“ und „durch einen Hypertext navigieren“ liegt in der Explizitheit der Hypertext-Verweise: Ein Verweis fordert den Leser konkret auf, sich zu entscheiden, die lineare Lektüre entweder fortzusetzen oder aber zugunsten eines Wechsels zum Verweisziel aufzugeben. So wird dem Leser ein großes Angebot an Navigationsmöglichkeiten gemacht, aus dem er schließlich den konkreten Text generiert.

9 Drei Gründe lassen sich nennen, wieso Hypertext-Realisierungen überwiegend im WWW stattfinden:

10 Das Einbeziehen weiterer Zeichensysteme würde einerseits den Rahmen der Arbeit

11 vgl. Kuhlen 1991 S. 38 Fußnote 38, Nielsen 1990 S. 33 u. Hasebrook 1995 S. 169; Nelson selbst bestätigt, daß die Begriffe Hypertext und Hypermedia von ihm stammen (vgl. hierzu den offiziellen Newsletter von Nelson im Internet unter der Adresse http://www.picosof.com/993); vgl. auch Kapitel Herkunft des Terminus’ Hypertext

12 Diese elektronische Realisierung war für die Hypertext-Idee als solche so prägend, daß die meisten heutigen Definitionen das elektronische Medium als notwendige Bedingung für Hypertext ansehen.

13 vgl. ACM Hypertext 1987/89, 1989, u. 1996; Gloor 1990, Rizk 1992, Bürsner 1995

14 z.B.: Sarre1991, Brown 1991, Cordes u. Streitz 1992, Neubert 1994, Agosti 1996, Haake 1997 und Riggert 1998

15 Weitere psychologisch bzw. erziehungswissenschaftlich motivierte Arbeiten sind die Untersuchungen von Ambron 1988, Marchioni1988, Jonassen 1990, Nix 1990, Retterer 1991, Fickert 1992, Hammwöhner 1993, McKnight 1993, Tergan 1993 u.

1995, Hasebrook 1994 u. 1995, Meyerhoff 1994, Glowalla 1995, Rada 1995 sowie Rouet 1996.

16 Weitere Titel aus der Literaturtheorie sind: Doland 1988, Bolter 1989 u. 1991 Moulthrop 1991, Andersen 1992, Idensen1993, Ramm 1994, Freitag u. Keller 1997, Wägenbaur 1997, Bruckmoser 1997 und Roth 1998

17 Die rasante Geschwindigkeit, mit der Information im Internet bereitgestellt und eingeholt werden kann, ist einer der Punkte, der von Fürsprechern der neuen Technologie oft als entscheidender Vorteil gegenüber den Printmedien genannt wird. Beim wissenschaftlichen Arbeiten kann sich dieser Vorteil allerdings auch als Nachteil erweisen: Eindeutiges Zitieren von Online-Quellen ist wegen häufiger Adreß- und Inhaltswechsel der Dokumente sowie fehlender Seitenangaben der Texte schwierig. Die hier referierten Adressen gehören fast ausschließlich zu Universitäten und wurden vom Autor über eine längere Zeit auf „Adreßstabilität“ hin getestet. Dennoch sind zukünftige Änderungen in Bezug auf Inhalt und Adresse natürlich nicht auszuschließen. Beim Zitieren von Internet-Inhalten halte ich mich an die Richtlinien von Bleuel 1996. Ebenso folge ich seiner Empfehlung zur Trennung längerer URL- Adressen mittels Bindestrich.

18 insbesondere: de Beaugrande/Dress ler 1981 und Vater 1994

19 Motiviert wird hier als Gegensatz zu arbiträr verwendet und soll veranschaulichen, daß zwar die Relation zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem eines sprachlichen Zeichens arbiträr ist, der Vorgang der Wortschöpfung eines neuen Fachterminus’ aus bereits existierenden sprachlichen Zeichen aber eben gerade nicht als arbiträr zu bezeichnen ist, sondern es sich dabei vielmehr um einen bewußten Vorgang der Kombination sprachlicher Zeichen handelt.

20 Über den tatsächlichen Grad von Linearität bzw. Nicht-Linearität in Texten bzw. Hy- pertexten besteht aber noch keine Klarheit. Unumstritten ist lediglich, daß Texte tendenziell linearer sind als Hypertexte (hierzu Kuhlen 1991).

21 Nelson sieht seinen Hypertext als „more flexible“ im Vergleich zu linearen

22 Dies bezeugt ebenfalls eine Stelle aus Nelson 1967. Hier definiert der Autor Hypertext als Sammelbegriff für „[...] any text, which cannot be printed [...] on a conventional page" (Nelson 1967, S. 195). Dieser Sammelbegriff schließt aber Printmedien, welche über „hypertextuelle“ Strukturen verfügen (etwa Enzyklopädien) nicht mit ein und steht somit für die Gebundenheit von Hypertext ans elektronische Medium.

23 In der Dudengrammatik wird diese Form der Wortbildung als Zusatzbildung bezeichnet und darauf hingewiesen, daß man „auch gelegentlich von Präfixkomposita spricht“ (Drosdowski 1984). Freisler gibt Komposition als Wortbil- dungstyp für Hypertext an (Freisler 1994). Da es sich bei einer Komposition um eine

„Verbindung von zwei oder mehreren sonst frei vorkommenden Morphemen oder Morphemfolgen“ (Bußmann 1990 S. 400) handelt, ist Hypertext aber aufgrund des gebundenen Morphems {hyper-} keine Komposition im eigentlichen Sinne.

24 siehe hierzu Pfeiffer 1993 S. 568, Kluge 1989 S. 323, sowie Drosdowski 1989 S. 297

25 In beschriebener pejorativen Bedeutung wird ebenfalls manchmal das Morphem

{über} gebraucht, so in überreagieren, Überempfindlichkeit.

26 Zur Etymologie von {hyper}, {super} und {über} vgl. Drosdowski 1989 S. 297, 728 u. 766

27 Eine Annäherung an eine Textdefinition wird in Kapitel Textlinguistik: Grundsätzliches zur Methodik unternommen.

28 Nach dem Verständnis der hier zitierten Autoren handelt es sich bei einem Hypertext zwangsläufig um einen Text. Prinzipiell muß aber ein Hypertext nicht über Elemente sprachlicher Kommunikation verfügen. Der Inhalt kann sich vollständig aus anderen Zeichensystemen zusammensetzen (Als Beispiel dient hier die hypermediale Anfangssequenz der interaktiven CD-ROM Ende Neu der Popgruppe Einstürzende Neubauten. Die im vorliegenden Kapitel analysierte Hyperstruktur ist bei nicht- textuellen Hypertexten aber eine vergleichbare.

29 Zur Etymologie von {text} vgl. Drosdowski 1989 S. 737 u. 742, Hau 1988 S. 1038

sowie Pfeiffer 1993 S. 1428

30 Gülich und Raible verweisen in diesem Zusammenhang auf die etymologische Ver- wandtschaft von textus mit textura [Gewebe] und beziehen darauf die kohäsive Ver- flechtung eines Textes (Gülich u. Raible 1977 S. 52).

31 Sie wird im Duden explizit den Sprachwissenschaften zugeschrieben.

32 Gerdes 1997 S. 5; Gerdes verwendet in ihrem Buch stets das sogenannte

33 Eine kurze Analyse der Navigationskomponenten muß allerdings erfolgen: Ebenso wie man die Funktionalität eines Buches (Umblättern; Orientierung durch Seitenzahlen, Verzeichnisse u.ä.) verstehen muß, um dieses gewinnbringend lesen zu können, müssen in ähnlicher Weise die Prinzipien der Navigation durch einen Hypertext durchschaut werden, um mit diesem neuen Medium umgehen zu können. Daher wird die Navigationskomponente eines Hypertext-Systems wenigstens einführend vorgestellt.

34 Die aus dieser grundlegendenen Eigenschaft von Hypertexten für eine linguistische Untersuchung resultierenden Probleme wurden bereits in Kapitel Motivation und

Details

Seiten
124
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638100113
Dateigröße
879 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Germanistik
Note
1.5
Schlagworte
Hypertext HTML Internet Linguistik Hypertextautor Webredakteur

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Hypertext - Eine textlinguistische Untersuchung