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Japan in der Liquiditätsfalle - eine selbstverstärkende Krise

Hausarbeit 2002 8 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ronald I. McKinnon

3. Japan im Mundell-Fleming-Modell

4. Makropolitische Optionen und McKinnons Vorschlag im Mundell-Fleming-Modell

5. Abschließende Betrachtung

Literaturquellen

- McKinnon, Ronald I. (2000): The Foreign Exchange Origins of Japan ’ s Liquidity Trap;

CATO Journal, Spring/Summer 2000, Vol. 20, Issue 1, 73-84

- McKinnon, Ronald and Kenichi Ohno (2000): The Foreign Exchange Origins of Japan ’ s

Economic Slump and Low Interest Liquidity Trap, IMES Discussion Paper No. 2000-E-19

- Spahn, Heinz-Peter (1999): Makro ö konomie, S. 213-247

- Keynes, J.M. (1936): The General Theory of Employment, Interest and Money. New York

- Felderer, B. / Homburg, S. (1999): Makro ö konomik und neue Makro ö konomik, Köln

1 Einleitung

Seit mehr als einem Jahrzehnt befindet sich die japanische Wirtschaft in einer Rezes- sion. Der Zins für kurzfristige Anleihen bewegt sich effektiv um Null, der Zins für langfristige Anleihen befindet sich auf seinem historischen Tief. Das Preisniveau fällt bereits seit nunmehr über zweieinhalb Jahren kontinuierlich. Das traditionelle geldpolitische Instrument der investitionsfördernden und damit wirtschaftsbeleben- den Zinssenkung lässt sich in der vorliegenden Situation des effektiven Nullzinses nicht mehr anwenden. Dieses Bild entspricht weitgehend dem 1936 von John May- nard Keynes beschriebenem Szenario der Liquiditätsfalle, in dem Erweiterungen der monetären Basis wirkungslos auf das Preisniveau und die aggregierte Nachfrage bleiben.

2 Ronald I. McKinnon

Nach Ansicht des amerikanischen Ökonomen Ronald I. McKinnon (2000) finden sich die zentralen Gründe für die anhaltende Rezession Japans in den internationalen Handelsbeziehungen des Landes, insbesondere zu den Vereinigten Staaten von Ame- rika. Die seiner Ansicht nach in der japanischen Bevölkerung vorherrschende Erwartung eines steigenden Yens, sowie den Umstand, daß sich die japanische Wirt- schaft in einer, die Bank of Japan ihres geldpolitischen Hauptinstrumentes beraubenden, Liquiditätsfalle befindet, führt McKinnon in der Hauptsache auf US- amerikanische Handels- und Geldpolitik zurück. Er unterstellt in seinen Ausführun- gen der Nordamerikanischen Politik jedoch nicht die absichtliche Verfolgung des Zieles, die japanische Wirtschaft zu schädigen, sondern geht vielmehr von einer zu- fälligen Entwicklung aus. So spricht er selbst vom „ incidental outcome of US policies “ im Zusammenhang mit den kontinuierlichen und an den Nullzins heranfüh- renden Zinssenkungen der Bank of Japan in der Mitte der neunziger Jahre.

McKinnons Analyse enthält eine Betrachtung der Wechselkurse zwischen Yen und US-Dollar seit Anfang der siebziger Jahre. Für den langfristigen Anstieg des Dollar- wertes des japanischen Yens macht er insbesondere die historisch tendenziell protektionistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika verantwort- lich. Die massive Aufwertung des Yens um das annähernd fünffache im Zeitraum von 1971 bis 1995 sei hauptsächlich aufgrund handelspolitischen Drucks der USA entstanden. Dies begründet er mit der wirtschaftspolitischen Absicht Nordamerikas, Importe japanischer Güter mit Hilfe von Handelssanktionen einzuschränken, und ei- ne Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar herbeizuführen. Während Mitglieder der Federal Reserve Bank in den späten achtziger Jahren noch eine Ab- wertung des US-Dollars verfolgten, leitete der im Jahre 1995 als Secretary of Treasury eingesetzte Robert E. Rubin eine Rückkehr zur „ strong dollar policy “ ein. McKinnons Ansicht zufolge jedoch beeinflusst dies die langfristige Erwartung eines steigenden Yen nicht, vielmehr ließen die negative Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten sowie die gleichzeitige, positive Leistungsbilanz Japans ein zu erwartendes Wiederaufkommen des „ mercantile pressure “ (McKinnon, Ronald 2000), des han- delspolitischen Drucks seitens der USA, zunehmend wahrscheinlicher werden. Weiterhin ist seit 1978 zu beobachten, daß der Nominalzins der Bank of Japan über- wiegend deutlich unter dem der Federal Reserve Bank liegt. Dies führt McKinnon ebenfalls auf die langfristige Erwartung eines steigenden Yen zurück und argumen- tiert, die Bank of Japan habe den Leitzins kontinuierlich senken und unter dem der US-Notenbank halten müssen, um der deflationären Entwicklung des Yen entgegen zu wirken. Als in den 1990er Jahren allerdings eine Stabilisierung des Preisniveaus in den USA zu verzeichnen war, und die Federal Reserve Bank den Leitzins signifi- kant senkte, sah Japan sich einer Situation entgegen gesetzt, in der die Möglichkeit weiterer proportionale Zinssenkungen mit jedem Zinsschritt schwand. Dies ist nach McKinnons Darstellung die der japanischen Liquiditätsfalle zu Grunde liegende poli- tisch-historische Entwicklung.

In der Liquiditätsfalle kommt es zu einem annähernd unendlichen Zuwachs der Spekulationskassen der Wirtschaftssubjekte. Aufgrund des niedrigen Leitzinses kommen Befürchtungen auf, der Zins langfristiger Anleihen werde zukünftig fallen. Daraus folgt, daß Geldmengenerhöhungen durch die japanische Zentralbank keinen oder zumindest einen vernachlässigbaren Effekt auf die kurz- und langfristigen Zinssätze haben. Hier liegt der Kern der Liquiditätsfalle.

McKinnon lehnt die nahe liegende und von vielen Seiten geforderte, generelle Ab- wertung des Yen gegenüber dem US-Dollar als Lösungsvorschlag in seinen Ausführungen ab. Gegen diese Maßnahme argumentiert er mit dem „ domino effect “, dessen Wirkung den gesamten asiatischen Wirtschaftsraum gefährden könne. Des weiteren seien der latente Protektionismus der USA ein, die Yen-Abwertung als Al- ternative unwirksam machendes, Hindernis. Daher schlagen McKinnon und Ohno (1997, 2000) eine Gesamtheit verschiedener Maßnahmen vor, um die Erwartung ei- nes steigenden Yen zu beseitigen. Der Kern des Vorschlages ist ein wirtschaftlicher Pakt zwischen den beiden Nationen. Eine Anforderung an diesen Pakt ist eine glaubwürdige und langfristige Festlegung der USA auf ihre strong dollar policy so- wie eine Limitierung möglicher zukünftiger Sanktionen gegenüber Japan. Auf dem Gebiet der Devisenpolitik schlagen McKinnon und Ohno eine Stabilisierung des Wechselkurses vor, der sich langfristig an der Purchasing Power Parity (PPP), also der relativen Kaufkraftparität, orientieren solle. Ein solcher Pakt sei erfolgreicher als eine bloße Abwertung des Yen, gegen die die genannten Einwände sprächen.

3 Japan im Mundell - Fleming - Modell

Im Folgenden sollen nun die Wirkungen einer Senkung des Weltmarktzinses auf die japanische Volkswirtschaft im Kontext des Mundell-Fleming-Modells betrachtet werden. Ein niedrigerer Auslandszins bewirkt primär eine Förderung des Kapitalzu- flusses, der Nettokapitalimport, K, nimmt dementsprechend zu. Die korrespondierende K-Gerade im Modell erfährt, in Abhängigkeit von der Zinsdiffe- renz, eine Verschiebung nach unten. Unter Annahme sich entsprechender Importneigungen im In- und Ausland fällt das Inlandseinkommen. Der Saldo der Leistungsbilanz hingegen nimmt aufgrund der im Verhältnis zur inländischen Nach- frage nach Gütern und Dienstleistungen gestiegenen Auslandsnachfrage einen höheren Wert an, es erfolgt eine diesen Zusammenhang reflektierende Verschiebung der Leistungsbilanz-Geraden nach oben. Der sinkende Auslandszins und das relativ höhere Auslandseinkommen haben einen expansiven Effekt auf die nationale Volks- wirtschaft. In der geometrischen Darstellung des Mundell-Fleming-Modells würde dies durch eine Verschiebung der Zahlungsbilanz-Geraden nach unten deutlich, die nun die neuen, geringeren Werte von Zins und Einkommen angäbe, bei denen sich die Zahlungsbilanz im Gleichgewicht befände.

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Details

Seiten
8
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638114615
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2393
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Öffentliche Finanzen und Sozialpolitik
Note
1,7
Schlagworte
Japan Liquiditätsfalle

Autor

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