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Spracherwerb bei Kindern

Seminararbeit 2004 7 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriff Spracherwerb

2. Der Spracherwerb und die Nachahmung

3. Charakteristische Merkmale des kindlichen Spracherwerbs

4. Denkrichtungen bei der Erklärung des kindlichen Spracherwerbs

5. Wozu lern das Kind die Sprache?

6. Literaturverzeichnis

1. Begriff Spracherwerb

Das Erlernen der Sprache bei Kindern ist eine der wichtigsten und interessantesten Fragen in ihrer Entwicklung. Wie lernt eigentlich das Kind sprechen, was ist der Spracherwerb und welche Grundlagen er hat?

Laut dem Universalwörterbuch Duden wird der Begriff Spracherwerb folgenderweise definiert:

Spracherwerb: Das Erlernen der Muttersprache“.[1]

Die Sprache selbst fungiert als unabdingbarer Vermittler zwischen dem Menschen und seiner Umwelt; die Interpretation der Umwelt hängt also wesentlich von der sprachlichen Konvektion ab.[2] Um die Sprache zu erwerben, muss sich der Mensch in dieser Umwelt befinden, da nur die Umwelt ihm die Sprache vermitteln kann.

2. Der Spracherwerb und die Nachahmung

Die meist bekommene Antwort auf die Frage „Wie lernen Kinder sprechen?“ ist folgende: „Aber das sei doch ganz klar – Kinder hören Erwachsene sprechen, sie machten nach, was sie hören, erst noch sehr fehlerhaft, dann aber immer getreuer, bis ihre Sprache schließlich der Erwachsenensprache gliche. Kindersprache sei defekte Erwachsenensprache. Es ist dies die populäre Imitationstheorie des Spracherwerbs, und klar ist an ihr überhaupt nur eines: das sie nicht richtig sein kann“.[3] Dieses Phänomen Nachahmung spielt beim Spracherwerb eine sehr untergeordnete Rolle. In frühen Phasen können zumindest manche Kinder nur Wörter imitieren, was nicht über die grammatischen Formen zu sagen ist. Aber das ist nicht die Imitation der Wörter, die Kinder noch nicht kennen, sondern der Wörter, die sie bereits verstehen. Und imitiert wird nicht um Neues zu erfassen, zu lernen, sondern um gerade Gelerntes aktiv zu üben.

Vor allem wurde nach den Beobachtungen von vielen Linguisten festgestellt, dass das Kind beim Sprachlernen irgendein Vorwissen mitbringen muss. „Wenn es erst alle denkbaren Grammatiken durchprobieren müsste, käme es nie ans Ziel. Allen natürlichen Sprachen liege eine einzige und universale Grammatik zugrunde, und die rekonstruiere das Kind nicht aus dem unverlässlichen Sprachmaterial, das ihm angeboten wird. Vielmehr trage es sie im Keim von Anfang an in sich, und in der Zeit, in der es eine Sprache zu lernen scheint, reiften ihre Regeln eine nach der anderen in ihm“.[4] Aber solche Sicht der Sprachentwicklung bedeutet nicht, dass der Spracherwerb auch von allein vonstatten gehen kann. Wichtig ist es auch, dass das Kind die vorsprachliche Kommunikation mit seinem sozialen Umfeld hat, da der gemeinsame Dialog des Kindes mit seinen Bezugspersonen ein Grund für den Erwerb der Sprache ist.[5]

3. Charakteristische Merkmale des kindlichen Spracherwerbs

Der Prozess des kindlichen Spracherwerbs läuft sehr schnell und unabhängig von der jeweiligen Muttersprache (wobei sich die Sprachen der Welt ganz unterschiedlich sind). Man beobachtet folgende Phasen der sprachlichen Entwicklung:

- „Von Geburt an sind Kinder notorische Geräuschproduzenten. Zunächst ist die Variationsbreite ihrer Laute ziemlich dürftig. Ihre Vokalisationen bestehen fast ausschließlich aus einem ah - Laut“.[6] Mit 20 bis 30 Tagen erkennt das Kind die Stimme der Mutter, ebenfalls mit 2 Monaten unterscheidet es bekannte und unbekannte Stimmen, die Tonfälle der Freude und der Wut. „Sein rechtes Ohr und mit ihm die linke Hemisphäre reagiert stärker auf Sprachlaute als auf andere akustische Reize, für die eher das linke, direkt mit der rechten Hemisphäre verbundene Ohr zuständig zu sein scheint“.[7]
- Mit etwa 6 Monaten fängt das Kind zu lallen. Diese Phase dauert circa 6-8 Monate. Mit etwa 8 Monaten verdoppelt das Kind die Laute, z.B.: dada, mama, papa, tata, nana, baba, es schafft sich auch eine Verknüpfung zwischen Hören und Sprechen: hört, wie das klingt, was es selber hervorbringt, spricht, was es hören will. Etwa vom 11. Monat an beginnt es seine Laute absichtsvoll zu differenzieren.
- Die ersten Worte werden erst mit etwa einem Jahr ausgesprochen. Diese Phase nennt man die Einwort – Phase, die circa 6 Monate dauert. Die ausgesprochenen Worte bezeichnen noch gar nichts. Das Wort Mama, zum Beispiel, ist zunächst kein Wort für die Mutter, sondern wird als allgemeine Klage oder Bitte gebraucht. Die Kinder drücken mit einem Wort einen ganzen Gedanken aus. Und gesprochen wird auch davon, was sich bewegt, was bewegt wird und dann von Besitzer, Empfänger und Orte.

[...]


[1] Drozdowski, G. (Hrsg.): Deutsches Universalwörterbuch, S. 1439.

[2] Vgl. Francescato, G. (1973), S. 7.

[3] Zimmer, D. (1999), S. 11.

[4] Zimmer, D. (1999), S. 14.

[5] Vgl. Kolonko, B. (1996), S. 40.

[6] Anderson, J. R. (1996), S. 362.

[7] Zimmer, D. (1999), S. 27.

Details

Seiten
7
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638267649
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23688
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Psychologie
Note
sehr gut
Schlagworte
Spracherwerb Kindern

Autor

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Titel: Spracherwerb bei Kindern