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Kaiser und Papst im Konflikt. Zur Vorgeschichte des Investiturstreites

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Das Canossabild

2. Die christliche Kirche organisiert sich – Das Papsttum

3. Die Christianisierung der Germanen – Die Germanisierung der christlichen Kirche

4. Der König sichert die Macht – Das Reichskirchensystem

5. Die Clunyziazensische Reformbewegung – „Die Kirche gehört frei“

6. Kaiser und Papst im Streit – Der Canossagang

7. 1000 Jahre später – Ausblick

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung – Das Canossabild

Heinrich IV. war in seiner Zeit weltlicher König über das mächtigste Reich des christlichen Abendlandes. Ebenso wie seine Vorgänger, fühlte auch er sich als Stellvertreter Christi auf Erden berufen sowohl über Volk und Adel als auch über die Kirche zu herrschen. Dieser Heinrich – sonst ausgestattet mit allen Insignien der königlichen Macht und Würde – fleht im Büßergewand um Gnade. Die Burg Canossa war der Ort an dem sich vor etwa 900 Jahren im Januar des Jahres 1077 dramatische Ereignisse abspielten. Das gesamte mittelalterliche Europa war direkt oder indirekt betroffen. Bis heute gilt der „Gang nach Canossa“ als sprichwörtliches Beispiel für Bußfertigkeit und Reue. Ende des Jahres 1076 musste sich Heinrich IV. entschließen, den Gang über die Alpen nach Italien zu wagen. Im allgemeinen und normalerweise war Solches nicht ungewöhnlich gewesen. Auch seine Vorgänger[1][2] hatten dies wiederholt getan. Beritten und mit prächtig ausgestattetem Gefolge führten sie mächtige Heere an. Ihr Ziel jedoch war es, sich die Schätze des reichen Italien anzueignen. Es ging ihnen darum, den Machtbereich nach Süden weiter auszudehnen oder man wollte sich in Rom die Kaiserkrone abholen. Das ein oder andere Mal diente der Feldzug auch der Ein- oder Absetzung der Päpste. Heinrich IV. Beweggründe und Umstände waren deutlich anders gelagert. Bei seinem Zug nach Italien war so gut wie alles verblüffend.

Ein König mutet seiner Gemahlin, seinem zweijährigen Sohn und einem kleinen Gefolge zu, bei Schnee und klirrendem Frost über ein Hochgebirge zu marschieren. Ungenügendes Schuhwerk sowie ein schlichtes wollenes Gewand vermitteln einen jämmerlichen Anblick den Heinrich bot. Von königlicher Würde ist nichts zu spüren. Unter Tränen erbittet er drei Tage lang die Fesseln des Bannfluches zu lösen und um Wiederaufnahme in den Schoß der heiligen Mutter Kirche.

Warum belegte Papst Gregor VII.– er befand sich innerhalb der Mauern der Canossaburg – den deutschen König mit dem Kirchenbann? Woher nahm er die Macht einen Herrscher wie Heinrich IV. zu bestrafen und zu demütigen? Dies sind die Fragen die ich im Folgenden zu beantworten versuche.

2. Die christliche Kirche organisiert sich – Das Papsttum

Nachdem das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion geworden war[3], wurden beständig neue christliche Gemeinden gegründet. An deren Spitze stand stets ein Bischof. Ursprünglich verstanden sich alle Bischöfe der Christenheit als gleichrangig. Sie hatten im Auftrag Gottes die Herde der Christen zu führen. Die Übertragung des Amtes erfolgte durch Überreichung des Krummstabes als Zeichen der Hirtensorge sowie des Ringes als Zeichen für die Vermählung mit der Kirche. Trotz der Gleichrangigkeit aller Bischöfe in der katholischen Kirchenhierarchie kam dem Bischof von Rom schon sehr früh eine besondere Stellung zu. Er hatte seinen Sitz am Grabe des heiligen Petrus. So verstanden die römischen Bischöfe sich schnell als die Stellvertreter des heiligen Petrus auf Erden. In den Bischofsversammlungen führten sie unter der Bezeichnung „papa“ stets den Vorsitz. Hieraus leitet sich unser Wort Papst her. Tatsächlich wandten sich viele Gemeinden bei Schwierigkeiten und Problemen nach Rom. Sie wollten sich Rat von nur der Gemeinde holen, die sich auf die Apostel Petrus und Paulus beruft. Natürlich dürfte ebenso der Nachhall der einstigen Mächtigkeit des römischen Weltreiches mit der Stadt Rom seine Wirkung nicht verfehlt haben.

Als eben diese Weltmacht aus den verschiedensten inneren und äußeren Gründen zusammenbrach[4], war das nicht automatisch das Ende der päpstlichen Kirche in Rom. Im Chaos des Untergangs, im Chaos der Völkerwanderung behielt der Bischof von Rom immer den Überblick. Er stellte eine feste stabilisierende Größe im politischen Wirrwarr dar. Weil sich die Bischöfe von Rom (Innozenz I., Leo I.) schützend vor die Bevölkerung stellten – als zum Beispiel die Goten, die Hunnen bzw. auch die Vandalen Land und Leute bedrohten – wuchs die Ehre und Autorität der päpstlichen Kirche. Verhandlungsgeschick führte dazu, dass die Goten keine katholische Kirche stürmten. Hunnen und Vandalen setzten keinen Fuß in die ewige Stadt Rom. Der Papst erwies sich in kriegerischen Zeiten als einzige Garantie für die Zivilisation. Den römischen Bischöfen erwuchs die Rolle, eine Ordnungsmacht zu sein.

Autorität und Ehre reichten aber für diese Aufgabe nicht immer aus. Die militärische Schutzmacht dieser Kirche war mit dem Zerfall des weströmischen Reiches nicht mehr existent. Mit den germanischen Völkern sollte eine neue Macht entstehen, mit der es sich zu arrangieren galt.

3. Die Christianisierung der Germanen – Die Germanisierung der christlichen Kirche

Die Franken, die im fünften Jahrhundert gegen die römischen Truppen in Gallien kämpften, siedelten jetzt auf dem Gebiet des ehemaligen weströmischen Reiches. Sie gehörten vielen kleinen verschiedenen Stämmen an, angeführt von Stammesfürsten. Einer dieser Stammesfürsten war Chlodwig. Er machte sich bald (482) zum König über alle Franken[5].

Mit List und dem Schwert unterwarf er Nachbarfürsten und erweiterte beständig sein „kleines“ Königtum. Chlodwig erkannte schnell, dass er sein Reich nur mit Unterstützung der gallischen Bischöfe regieren konnte. Diese Geistlichen waren schon unter den Römern erfolgreiche Verwaltungsbeamte gewesen. Auch deshalb fiel es den Franken relativ leicht das Christentum anzunehmen. Viele ihrer romanischen Mitbürger waren ja bereits seit langem Christen. Andere germanische Stämme hatten es bei der Annahme des Christentums bedeutend schwerer.

Trotzdem war der Prozess der Christianisierung natürlich auch bei den Franken ein schwieriger, langwieriger und oft auch blutiger. Die heidnischen Götter (Odin u.a.[6]) hatten starke Wurzeln. Alle Germanen und Ihre Vorfahren waren keine großen Theologen. Sie bekannten sich dankbar zum stärksten Gott. Sie waren sehr ehrfürchtig mit einer tiefen sentimentalen Komponente. Emotionen beherrschten oft das Rationale.

Ein fränkischer König hatte nach Überzeugung vieler Franken das Königsheil. Er sicherte und vermehrte das Wohl seines Stammes. Dieses Heil zeigte sich im Kampf.

Siegte der König im Krieg, dann wurden die fränkischen Mannen mit Schätzen oder auch mit Land in den eroberten Gebieten belohnt.

Chlodwig selbst machte sich seinen Übertritt zum Christentum nicht leicht. Unter anderem bat ihn seine katholische Frau christliche Kriegsgefangene zu schonen. Überhaupt beeinflusste sie ihn sehr. Den Ausschlag für seine Bekehrung gab aber wohl eine schon fast verloren geglaubte Schlacht gegen die Alemannen.

[...]


[1] vgl. Epperlein, Siegfried : Der Gang nach Canossa. Berlin 1978, S.2.

[2] vgl. Engel, Evamaria / Holtz, Eberhard: Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters. Leipzig 1989, S.22ff.

[3] Kleinert, Jochen: Geschichte und Kultur der Römer – Ergänzungsstoffe für den lateinischen Unterricht. Berlin 1976.

[4] Vgl. Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Wien 1932.

[5] Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich“ 2001.

[6] Simrock, Karl (Hrsg.): Die Edda. Berlin 1987.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638267397
ISBN (Buch)
9783656269298
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23660
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Kaiser Papst Konflikt Vorgeschichte Investiturstreites Proseminar Bodenseeraum Einführung Geschichte Kulturlandschaft

Autor

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