Lade Inhalt...

Erziehungsmittel und Erziehungsziele in der schwarzen Pädagogik

Hausarbeit (Hauptseminar) 1999 13 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erziehungsmittel und Erziehungsziele in der „Schwarzen Pädagogik“

2. Einleitung

3. Erziehungsmittel in der „Schwarzen Pädagogik“
3.1 Lob als Erziehungsmittel in der „Schwarzen Pädagogik“
3.2 Den kindlichen Willen brechen mit der Prügelstrafe
3.3 Die Stigmatisierung von Kindern
3.4 Überwachung und Entblößung des Kindes

4. Erziehungsziele in der „Schwarzen Pädagogik“
4.1 Verinnerlichung ewiger Schuld
4.2 Der Mensch als vernunftgeleitetes Wesen
4.3 Abhärtung fürs Leben

5. „Schwarze Pädagogik“ stellt die Erziehung im ganzen in Frage. Kann die Antipädagogik eine logische Alternative sein?

6. Schlußwort

7. Literaturangabe

1. Erziehungsmittel und Erziehungsziele in der „ Schwarzen Pädagogik“

Erziehungsmittel:

- Entblößung und Überwachung
- absolute Kontrolle
- Einreden von Schuld
- Stigmatisierung
- Demütigung
- Prügelstrafe

Erziehungsziele:

- absoluter Gehorsam
- Autoritäten anerkennen
- Dienen
- Fleiß
- Ordnungssinn
- Pünktlichkeit
- sich „Anpassen“ können

Folgen:

- Selbstzweifel
- geringes Selbstwertgefühl
- Minderwertigkeitsgefühl
- Kränkung der Lebensfreude
- natürliche Neugier des Kindes wird gebrochen
- ständige Angst vor Strafe und Entdeckung

2. Einleitung

Gerade weil wir davon ausgehen, daß es nur schwer möglich ist unabhängig von seiner eigenen Kindheit selber Kinder aufzuziehen, interessiert uns die Frage inwiefern unsere Generation von schwarzen Erziehungstraditionen geprägt ist.

Methoden der Schwarzen Pädagogik mögen sich zwar in allen Gesellschaften zu allen Zeiten finden lassen, dennoch sollte vorweg gesagt werden, daß sie zu keiner Zeit eine etablierte populäre Erziehungsform einer bestimmten Gesellschaft war. Sie ist in erster Linie eine Theorie über die seit den Anfängen der Pädagogik viel diskutiert wurde und die auch immer wieder aufgegriffen wird. Trotzdem darf sie nicht verharmlost werden, da sie verheerende Auswirkungen auf die Persönlichkeit eines Kindes haben kann. Jeder wird sich wohl schon Gedanken über Erziehung, aufgrund seiner eigenen Erfahrungen, gemacht haben. Fast jeder wurde bestimmt auch schon mit Praktiken und Theorien konfrontiert, die in der Schwarzen Pädagogik anzusiedeln sind, wie z.B.: Gehorsam, Abhärtung, Fleiß und unterdrückte Sexualität.

Welche Konsequenzen der Einzelne daraus zieht und wie weit er sich von seinen inneren Zwängen tatsächlich befreien kann, hängt von den Erfahrungen seiner Kindheit ab.

Wenn man aus unserer heutigen Sichtweise die Erziehungsmittel der Schwarzen Pädagogik betrachtet, stellt man fest, daß es sich hierbei keineswegs um Erziehung in unserem heutigen Verständnis handelt.

Katharina Rutschky, Verfasserin des Buches „Schwarze Pädagogik“, stellte eine Vielzahl ärgerlicher pädagogischer Texte aus dem 18. Und 19. Jahrhundert zusammen, die nach unseren heutigen Erkenntnissen in der Erziehungswissenschaft „Dem humanen Sinn der Erziehung – nämlich der Führung des Kindes zur Mündigkeit – widerstreitet; was zwar den Namen der Erziehung beansprucht, aber genauer gesehen nicht für Leben und Freiheit der Kinder, sondern vielmehr für die Bändigung und Kränkung ihrer Lebensfreude sorgt.“[1] Dazu sollte noch angefügt werden, daß die Sammlung und Bearbeitung tendenziös und Flittners Angaben zufolge teilweise sogar stark in ihrer ursprünglichen Absicht verändert wurden.

Primäres Erziehungsziel war damals und auch noch vor nicht allzu langer Zeit, absoluter Gehorsam. Auch Martin Luther hatte eine bestimmte Vorstellung von „Erziehung“. Das zu erziehende Kind sollte sich ohne kritisches Hinterfragen in die Ordnung der kirchlichen, politischen und moralischen Wertvorstellung einfügen. In Martin Luthers „Deutschem Katechismus“ unterstreicht er sein Verständnis von Erziehung mit den Worten „Willst du nicht Vater und Mutter gehorchen und dich lassen ziehen, so gehorche dem Henker... gehorche dem Streckbein, das ist der Tod“[2]

Alle Ratschläge der schwarzen Pädagogik zusammennehmend stellt Rutschky fest, daß es sich um eine „Anleitung zur systematischen Drangsalierung der Kinder unter dem Namen der Erziehung handelt“. Der Wille des Kindes soll gebrochen, die natürliche Neugier eines Kindes, auch in Bezug auf die Entdeckung seiner Geschlechtlichkeit, unterbunden und absoluter Gehorsam antrainiert werden. Das Kind soll, den Erziehungsratschlägen der schwarzen Pädagogik folgend, auf Schritt und Tritt bewacht, überprüft und bloßgestellt werden. Die moralischen Maßstäbe, welche bei Kindern angesetzt wurden, könnte wahrscheinlich noch nicht einmal ein Erwachsener standhalten. Der Erwachsene soll in den Augen der Kinder als absolut unfehlbar gelten, wobei den Kindern Boshaftigkeit, ständige Gefährdung und „Neigung zur Unart“ unterstellt wurde. Mit welchen Mitteln Erwachsenen dieses gelang möchte ich nun darstellen.

3. Erziehungsmittel in der schwarzen Pädagogik

Bei den Erziehungsmitteln der schwarzen Pädagogik könnte man eine Unterteilung in psychische Demütigung durch Überwachung, Entblößung und körperliche Züchtigung, von der Prügelstrafe bis zur schweren Mißhandlung mit Todesfolge feststellen. Das Kind unterlag der ständigen Kontrolle des Erziehers und war demütigenden Verhören ausgesetzt. Auch wenn Erziehungsmittel benutzt wurden, die auch noch in unserer heutigen Erziehung zu finden sind, so wurden sie doch ganz anders angewandt. Das nun folgende Beispiel soll dieses noch verdeutlichen.

3.1 Das Lob als Erziehungsmittel in der schwarzen Pädagogik

Ein wichtiges Erziehungsmittel stellt das Lob und die Belohnung dar. Unter Lob und Belohnung verstehen wir heutzutage vom Erzieher eingesetzte Verhaltenskonse- quenzen, die von dem Zu-Erziehenden positiv aufgenommen werden und erreichen sollen, daß das gewünschte Verhalten häufiger gezeigt oder erlernt wird. Die Belohnung bzw. das Lob wurde auch in der Schwarzen Pädagogik praktiziert, jedoch mit einem anderen Verständnis.

Ein Abschnitt aus Rutschkys Texte der „Schwarzen Pädagogik“ behandelt die Thematik des Lobes. Pockels (1811) beschreibt unter dem Titel „Richtig schenken, richtig loben“ die damalige Bedeutung der Geschenke und des Lobes. Kinder brauchen seiner Meinung nach nicht für die „Pflicht und Schuldigkeit belohnt werden, sondern nur für außerordentliche Anstrengungen, für Auszeichnungen ihres Fleißes, ihrer Ordnungsliebe, ihrer edleren Gutmütigkeit“.[3] Weiter beschreibt Pockels, daß Kinder von Natur aus selbstsüchtig seien, wobei sie aus den Gefälligkeiten ihrer Erzieher ein Recht ableiten würden. Hier an dieser Stelle kommt wieder zum Ausdruck, daß Kindern im Allgemeinen absolute Böswilligkeit unterstellt wurde. Dem vorzubeugen wurde dem Erzieher nahegelegt, keine verdienten Geschenke zu überreichen, welche „ihre Leidenschaftlichkeit aufregen, ihren Launen schmeicheln, ihren Eigenwillen frönen“. Nach Pockels würde ein Kind schon alleine dadurch gelobt werden, daß man es nicht tadele. Zuviel Lob fördere den Egoismus und die Eitelkeit des Kindes. Noch gravierender empfand Pockels es, wenn fremde Personen seine Kinder lobten. Er vertrat die Auffassung, daß diese nur den Eltern einen Gefallen erweisen wollen.

[...]


[1] Flittner, (1982) „Konrad sprach die Frau Mama...“ Über Erziehung und Nicht-Erziehung Berlin: Severin und Siedler (Seite 15)

[2] Flittner, (1982) „Konrad sprach die Frau Mama...“ Über Erziehung und Nicht-Erziehung Berlin: Severin und Siedler (Seite 15)

[3] K. Rutschky (Hrsg.) Schwarze Pädagogik, Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung, Frankfurt, Berlin, Wien 1977 (Seite 34-37)

Details

Seiten
13
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638266796
ISBN (Buch)
9783638788823
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23583
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf – Fachbereich Sozialarbeit
Note
1,0
Schlagworte
Erziehungsmittel Erziehungsziele Pädagogik

Autor

Zurück

Titel: Erziehungsmittel und Erziehungsziele in der schwarzen Pädagogik