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Einsatzmöglichkeiten und Nutzenpotentiale von IP-Telefonie

Studienarbeit 2003 37 Seiten

Informatik - Technische Informatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

EINLEITUNG

1 GRUNDSATZLICHES UBER IP TELEFONIE
1.1 Begriffsbestimmungen
1.2 IP Konvergenz
1.3 VoIP im Vergleich zur klassischen TK Anlage

2 WICHTIGE VOICE OVER IP PROTOKOLLE
2.1 Das H.323 Protokoll
2.2 Das Session Initiation Protocol
2.3 H.323 contra SIP
2.4 MGCP und Megaco

3 DIENSTGUTE, KODIERUNG UND SICHERHEIT BEI VOIP
3.1 Quality of Service
3.1.1 Probleme der digitalen Sprachubvertragung
3.1.2 Verbesserung des Ubertragungsverhaltens und der Sprachverstandlichkeit
3.2 Kodierung und Komprimierung von Sprache
3.3 Sicherheit mit Voice Over IP

4 EINSATZMOGLICHKEITEN DER IP TELEFONIE
4.1 Unified Messaging
4.2 Eigene Applikationen mit XML
4.3 Computer Telephony Integration
4.4 Video Conferencing
4.5 Standortubergeifende Kommunikation
4.6 Voice over WLan als Ersatz fur DECT Telefonie

5 NUTZENPOTENTIALE VON IP TELEFONIE
5.1 Kostensenkung durch den Einsatz der VoIP Technik
5.1.1 Senkung der Infrastrukturkosten
5.1.2 Telefongebuhreneinsparungen durch VoIP
5.1.3 Senkung der laufenden Betriebskosten
5.2 Investitionssicherheit
5.3 Verbesserung der Prozesse

6 KRITISCHE SCHLUSSBETRACHTUNG

ANHANG
Anlagenverzeichnis
Anlage 1: Grunde fur die Einfuhrung von VoIP
Anlage 2: Marktentwicklung VolP-TK-Anlagen in Deutschland
Anlage 3: Umstellungsstrategie auf VoIP

LITERATURVERZEICHNIS
Bucher
Andere Quellen

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Sprachubertragung im Netzwerk

Abbildung 2: Die Schichten der H.323 Protokollsuite

Abbildung 3: ITU Empfehlung maximaler Verzogerungszeit

Abbildung 4: Sprachkodierungen im Vergleich

Einleitung

Wenn es um die Sprachkommunikation geht, wollen Unternehmen keine Risiken eingehen oder Experimente wagen. Trotz der inzwischen hohen Bedeutung von eMail und Fax fur die Kommunikation ist die gesprochene Sprache fur Anwender nach wie vor das wichtigste Medium, weil davon der laufende Betrieb stark abhangt.[1] Kein Wunder also, wenn es schon schlagkraftiger Argumente bedarf, um eine Firma zu uberzeugen, ihre bewahrte TK Anlage gegen eine IP-basierende Losung auszutauschen. Dennoch steigt die Zahl der Anwender, die diesen Schritt wagen kontinuierlich an.

Die Moglichkeiten, die paketbasierte Datennetze heutzutage bieten, beschranken sich nicht mehr nur darauf PC's und Server fur die gemeinsame Nutzung zu vernetzen. Gleichzeitig beginnen die Grenzen zwischen Computer- und Telefoniesystemen zu verschwinden. Der Gedanke liegt nicht fern, die Telefoniedienste vollstandig in Computernetze zu integrieren. Hierbei wird das Internet Protokoll (IP) zum gemeinsamen Nenner um alle Sprach- und IT- Systeme sicher und zuverlassig miteinander zu verzahnen. Zahlreiche Unternehmen machen es vor und ersetzen ihre Telekommunikationsinfrastruktur durch die Voice over IP (VoIP) Technik. Diese Sprach-Daten-Integration verspricht Produktivitatssteigerungen und Kostenreduzierungen im Unternehmen: Nur noch ein Netz, statt zwei, Computer Integrated Telephony, intelligentere Endgerate, direkte Anbindung an ERP Systeme und Datenbanken - zahlreiche Vorteile, die zu einem kostengunstigen und effizienten Workflow fuhren sollen.

Diese Arbeit beschaftigt sich mit den Grundlagen der VoIP Technik, den Einsatzmoglichkeiten von IP Telefonie und wie Unternehmen, hier speziell XXX GmbH, davon profitieren konnen.

Dazu werden zuerst Grundsatzliches zur IP Telefonie wie Begriffsbestimmungen und Vergleiche zur klassischen TK Anlage beschrieben, bevor in Kapitel 2 auf die verschiedenen VoIP Protokolle wie H.323, SIP, MGCP und Megaco eingegangen wird.

In Kapitel 3 werden Dienstgute, Kodierungsverfahren und Sicherheit in VoIP Systemen behandelt. Kapitel 4 widmet sich den Einsatzmoglichkeiten der IP Telefonie im professionellen Unternehmenseinsatz. Dort werden unter anderem Themen wie Computer Telephony Integration, Unified Messaging oder Video Conferencing behandelt. In Kapitel 5 wird schlieBlich darauf eingegangen, wie Unternehmen durch Kostensenkung, Investitionssicherheit und Verbesserung der Prozesse von der IP Telefonie profitieren konnen. AbschlieBend erfolgt eine kritische Schlussbetrachtung mit einem kurzen Aublick auf aktuelle und zukunftige Entwicklungstendenzen.

1 Grundsatzliches liber IP Telefonie

In diesem Kapitel sollen die Grundlagen der Telefonie mit Hilfe des Internet Protokolls (IP) erklart werden. Dazu werden grundlegende Begriffe erklart und Voice over IP von der klassischen TK Anlage abgegrenzt.

1.1 Begriffsbestimmungen

Zunachst einmal gilt es die verschiedenen Begrifflichkeiten rund um das Thema IP Telefonie zu erklaren und zu unterscheiden, denn in der Literatur findet man fur die Sprachubertragung uber IP neben IP Telefonie noch die Begriffe Voice over IP und Internet Telefonie.

Unter "IP Telefonie" versteht man sowohl die Telefonie selbst als auch alle mit ihr verbundenen Applikationen uber ein hochqualitatives privates oder offentliches IP-Netz mit garantierter Qualitat und Sicherheit.[2] Dieser Name hat sich als Uberbegriff fur die

paketvermittelte Sprachtelefonie etabliert. IP Telefonie umfasst sowohl die Systeme, als auch die Signalisierung- und Ubertragungsstandards, die dieser Art der Telefonie zugrunde liegen.

"Voice over IP" (VoIP) wird das Verfahren genannt, welches Sprache in IP Pakete zerlegt und uber ein paketorientiertes TCP/IP Netzwerk schickt.[3] Dieser Begriff wird immer dann verwendet, wenn die Technologie der Sprachubertragung gemeint ist. IP Telefonie basiert somit auf VoIP.

Der Begriff "Internet Telefonie" stammt aus der Anfangsphase der Entwicklung paketbasierter Telefonie. Er bezeichnet die Sprachubertragung im offentlichen Teil des Internet unter Verwendung der VoIP Technologie.[4]

1.2 IP Konvergenz

Das Bereitstellen von Sprach- und Datenanwendungen uber eine gemeinsame Netzwerkinfrastruktur auf Basis des IP Protokolls wird auch als IP Konvergenz bezeichnet.[5] Die Integration zweier Kommunikationswelten unterscheidet ein solches Netzwerk von klassischen Architekturen, in denen Sprach- und Datendienste uber 2 voneinander getrennte Netze ablaufen: Das Telefonnetz und die Nebenstellenanlage fur Sprache einerseits und ein Computernetzwerk fur die Daten andererseits. Kernfunktion eines Konvergenznetzes ist es, Sprache in Datenpakete umzuwandeln. Diese Datenpakete werden ubermittelt wie andere

Daten auch: Digitale Pakete gelangen uber die Datenleitung an durch IP Adressen eindeutig identifizierbare Ziele und werden dort wieder in Sprache zuruckverwandelt. Der IP Kommunikationsserver ersetzt oder erganzt die Nebenstellenanlage und steuert wie die klassische Telefonanlage alle Verbindungsprozesse. Er ubersetzt IP Adressen in Telefonnummern und berucksichtigt beim Verbinden die Auslastung des Netzwerkes. Es muss nur noch ein einziges Netz administriert werden. Die Stimme ist nahtlos in andere Kommunikationsprozesse eingebunden. Durch die Verknupfung von PDA, Laptop, Mobil- und IP Telefon mit Geschaftsanwendungen wie Unified Messaging gibt es keine Medienbruche mehr.

1.3 VoIP im Vergleich zur klassischen TK Anlage

In heutigen Netzen verwendet man zwei grundlegend unterschiedliche Vermittlungsarten: die Leitungs- und die Paketvermittlung. Bislang kommt die Leitungsvermittlung fast ausschlieGlich bei der Telefonie zum Einsatz, die Paketvermittlung dagegen in Datennetzen.[6] Bei der Leitungsvermittlung der klassischen Telefonie wird uber spezifische Leitungen eine pysikalische Verbindung zwischen zwei Endpunkten aufgebaut.[7] Man spricht hierbei von einem verbindungsorientierten Modus. Diese durchgeschaltete Leitung steht wahrend des Telefonats exklusiv fur die Teilnehmer zur Verbindung, was bedeutet, dass sie sich die Bandbreite nicht mit anderen Benutzern teilen mussen. Nach Beendigung des Gesprachs wird die Leitung wieder freigegeben.

Die paketvermittelten Netze fur die reine Datenubertragung sind dagegen verbindungslos aufgebaut.[8] Sie verschicken Datenpakete zur Kommunikation und mussen unterschiedliche Datenmengen meistern. Dazu werden die Sprachsignale mit bestimmten Verfahren digital kodiert, gegebenenfalls komprimiert und in Pausen- und Sprachblocke aufgeteilt.[9] Die Sprachblocke wiederum werden zu Paketen fester Lange zusammengefasst und mit einem IP Header versehen. Auf dem Weg durch das Netz zum Ziel werden die Datenpakete durch Netzwerkknoten wie Router oder Switches, die den optimalen Weg ermitteln, weitergeleitet. Nach der Ubertragung wandelt ein Dekodierer diese digitalen Bitfolgen in analoge Sprache zuruck.

Reproduziertes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Sprachubertragung im Netzwerk

Die Ubertragungsbandbreiten und Vermittlungskapazitaten werden dynamisch zwischen den Teilnehmern aufgeteilt. Aus diese flexiblen Struktur resultieren aber hohere Verzogerungszeiten und schwankende Ankunftszeiten der Pakete, was durch sogenannte Quality of Service Mechanismen, auf die in Kapitel 3.1 naher eingegangen wird, ausgeglichen werden muss.

2 Wichtige Voice over IP Protokolle

Es existieren unterschiedliche Protokolle, die von verschiedenen Standardisierungsgremien definiert wurden. Die momentan wichtigsten Standards fur Voice over IP sind:

H.323, SIP, MGCP und Megaco. Diese Protokolle werden nachfolgend kurz vorgestellt.

2.1 Das H.323 Protokoll

Grundlage der Signalisierung in der IP Telefonie bildet das Protokoll H.323, das im Jahr 1996 von der ITU verabschiedet wurde. Hierbei handelt es sich eigentlich um eine ganze Protokollsuite, die ursprunglich fur die Videokommunikation uber TCP/IP entwickelt wurde.[10] Jedoch hat sich fur diese ganze Protokollfamilie im Sprachgebrauch die Bezeichnung H.323 Protokoll eingeburgert. Es beschreibt den Transport von Multimedia Daten in Echtzeit uber IP-Netze, die keine garantierte Servicequalitat (Quality of Service - QOS) haben.[11] Der H.323 Standard definiert die Komponenten und Verfahren, die zum Telefonieren uber paketbasierende Netzwerke notwendig sind.[12] Dazu gehoren Terminals, Gateways und Gatekeeper. Ein Terminal ist in einer H.323 Umgebung der Endpunkt zur Kommunikation, z.B. ein Soft Phone. Uber das Gateway wird ein paketorientiertes Netzwerk (z.B. Ethernet/IP) mit einem Switched Circuit Network (PSTN, ISDN) verbunden. Der Gatekeeper kummert sich um den Aufbau und die Kontrolle der Verbindungen.

Die Mechanismen zum Telefonieren im IP Netz werden durch die Einbindung weiterer Protokolle realisiert und ermoglichen Verbindungsaufbau, -uberwachung und -abbau, den Abgleich des nutzbaren Funktionsumfangs zwischen den an der Kommunikation beteiligten Einheiten sowie die Uberwachung stattfindender Konferenzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Schichten der H.323 Protokollsuite[13]

Die H.323 Protokollsuite lasst sich in drei Funktionsblocke unterteilen:[14]

- Registrierung, Erlaubnis- und Zustandssignalisierung (RAS = Registration, Admission, Status):

Die RAS Signalisierung ermoglicht die Kontrolle im Vorfeld eines Anrufs. Der RAS Kanal wird geoffnet, bevor irgendwelche anderen Kanale eingerichtet werden. Hierfur registriert sich ein Endgerat beim Gatekeeper oder holt sich fur einen Verbindungsaufbau die Zugangsberechtigung (Admission).

Anruf-Kontroll-Signaliserung (H.225):

Durch die H.225 Empfehlung werden Anrufe zwischen den Endpunkten uber einen ungesicherten UDP Kanal verbunden, aufrechterhalten und getrennt.

Medienkontrolle (H.245) und Medientransport (RTP / RTCP):

Die End-to-End Kontrollmeldungen zwischen den H.323 Einheiten werden durch den Kanal H.245 uber das zuverlassige TCP verarbeitet. RTP ermoglicht die Echtzeit- Ubertragung von Audio-, Video- und Datenstromen im H.323. RTCP uberwacht die Datenanlieferung und kontrolliert und identifiziert Dienste. Der Medienkanal wird mit Hilfe des unzuverlassigen UDP erzeugt.

Eine H.323 Verbindung besteht somit nicht nur aus einem Kanal, dem Medienstrom, sondern aus einer Ansammlung von gesicherten TCP und ungesicherten UDP Kanalen.[15] Die Summe aller hierbei benotigten Kanale ergibt die erforderliche Bandbreite.

2.2 Das Session Initiation Protocol

Als Alternative zu H.323 kann zum Verbindungsaufbau und zur Signalisierung auch das Session Initiation Protocol (SIP) eingesetzt werden. Es hat in den letzten beiden Jahren enorm an Popularitat gewonnen, da es einfach zu implementieren ist und einen groBeren Definitionsumfang als H.323 besitzt. SIP basiert in seinen Grundzugen auf SMTP und HTTP, d.h. es verwendet fur die Kommunikation zwischen SIP-Client und SIP-Server textbasierte Nachrichten und ist ahnlich wie die Webseitenbeschreibungssprache HTML aufgebaut.[16] Die Entwicklung von Protokollsoftware erleichtert sich in soweit, als eine Orientierung an Web Browser Technologien moglich ist. SIP wurde entwickelt, um uber eine Netzinfrastruktur zusatzlich zur Sprachubertragung auch den Zugriff auf personalisierte Dienste, wie ein personliches Adressbuch oder Kurzwahlverzeichnis zu ermoglichen. Das Session Initiation Protocol ist ein Signalisierungs-Kontroll-Protokoll der Applikationsschicht, mit dem Multimedia Sitzungen eingerichtet, unterhalten und beendet werden.[17] Es unterstutzt Unicast- und Multicast Ubertragungen sowie Point to Point und Multipoint Verbindungen.

Wie auch H.323 ist SIP nicht auf ein bestimmtes Transportprotokoll fixiert, sondern kann sowohl TCP als auch UDP nutzen. Es bietet keine fertigen Dienste an, sondern stellt lediglich die Mechanismen zur Implementierung von Diensten bereit. Beispielsweise integriert SIP keine Steuerung fur Multimedia Konferenzen, aber es besteht die Moglichkeit, Konferenzen mit einer separaten Steuerung und SIP als Signalisierungsprotokoll zu implementieren.

Die Komponenten in einem SIP System sind:[18]

- User Agent Client (UAC) und User Agent Server (UAS),
- Proxy Server,
- Redirect Server und
- Registrar.

User Agents sind vergleichbar mit den Terminals in H.323. Sie stellen folglich die Endgerate dar. Der SIP Proxy Server hat primar die Aufgabe, die Protokollelemente mittels Routing weiterzuleiten. Er bewirkt in dieser Vermittlerrolle die Weiterleitung von Anforderungen in Richtung des User Agent Server bzw. Ruckleitung der Antworten zum User Agent Client. Dazu ist er Client und Server zugleich. Des Weiteren ist der Proxy fur das

Rechtemanagement zustandig, das hei&t er ermittelt ob der Benutzer uberhaupt die Berechtigung besitzt, einen Anruf durchzufuhren. Der Redirect Server ist selbst ein UAS, der eine Nachricht mit einer Weiterleitungsinformation an den UAC beantwortet, damit der UAC die Nachricht an eine alternative Adresse sendet. Ein Registrar nimmt Nachrichten fur die Registrierung von Benutzerinformationen entgegen und leitet diese an einen Location Service Dienst weiter, der die Lokalisierung von Teilnehmern ermoglicht.

2.3 H.323 contra SIP

Nachdem nun die Grundlagen der zwei wichtigsten VoIP Protokolle beschrieben wurden, stellt sich die Frage welchem von beiden denn nun bei einer VoIP Implementierung der Vorzug gegeben werden sollte. Anhand folgender Merkmale soll eine Abgrenzung der beiden Ansatze vorgenommen werden:[19]

1. Aufbau:

SIP ist im Gegensatz zu H.323 keine Suite, sondern ein einziges, modular aufgebautes Protokoll. Die Basisfunktionalitat beschrankt sich dabei auf die Gesprachssignalisierung und Lokalisierung von Anwendern. Fur die Sicherung der Dienstgute, Verzeichniszugriffe, die inhaltliche Beschreibung von Sitzungen und die Konferenzkontrolle sind bedarfsorientiert entsprechende Module im Einsatz.

2. Codecs:

Bei H.323 werden zentral registrierte Audio und Video Codecs verwendet. SIP kann mit allen Codecs zusammenarbeiten, da sich die Endgerate die verwendeten Codecs mitteilen.

3. Transport:

Sowohl SIP als auch H.323 konnen uber UDP transportiert werden. Jedoch wird bei H.323 zumeist TCP verwendet, was den Server durch das Aufrechterhalten der Verbindungen stark belastet.[20]

4. Verbindungsaufbau:

Der Verbindungsaufbau mit H.323 erfolgt mit mehreren Protokollen, was zu entsprechenden Verzogerungen fuhrt. Eine SIP Anfrage enthalt bereits alle benotigten Informationen, daher ist der Zeitaufwand geringer.

5. Verzeichnisdienste:

Wahrend die Zusammenarbeit von H.323 mit Verzeichnisdiensten noch nicht detailliert genug ist, arbeitet SIP mit DNS, LDAP und programmierbaren Verzeichnisdiensten zusammen.

6. Telefondienste:

Im Gegensatz zu H.323 ermoglicht SIP zusatzliche Telefonsdienste durch die Verwendung von einfachen standardisierten Mechanismen. Ein Beispiel hierfur ist "Blind Transfer": Anwender A befindet sich in einem Gesprach mit Anwender B. A ubergibt das Gesprach an C ohne zu wissen ob die Ubergabe erfolgreich war.

Resumierend kann man zusammenfassen, dass SIP aufgrund seiner Eigenschaften in Bezug auf Einfachheit und Eignung fur eine schnelle Implementierung neuer Leistungsmerkmale immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

2.4 MGCP und Megaco

Das Media Gateway Control Protocol (MGCP) und dessen Nachfolger H.248/Megaco sind wie der Name schon sagt Gateway Protokolle. Das bedeutet, dass sie im Gegensatz zu den sogenannten Peer-to-Peer Protokollen H.323 und SIP den Ansatz verfolgen, die Intelligenz eines Netzwerkes im Zentrum zu konzentrieren.[21] Die Endgerate besitzen hier wenig Funktionalitat.

Als Gateway wird im Allgemeinen eine Kommunikationskomponente bezeichnet, die zwei unterschiedliche Domanen verbindet.[22] Sie sorgen fur die Umsetzung der Nutzdatenstrome, beispielsweise von PCM auf IP.[23]

MGCP wurde als Protokoll zur Steuerung der Media Gateways entwickelt. Die grundlegenden Konzepte sind identisch mit den Konzepten in Megaco. Trotzdem sind Unterschiede in verschiedenen Details zu finden, so dass keine Interoperabilitat moglich ist.

3 Dienstgute, Kodierung und Sicherheit bei VoIP

3.1 Quality of Service

VoIP Systeme setzen mit IP auf einem Netzprotokoll auf, das aufgrund seiner Konzeption zunachst fur Sprachubertragung wenig geeignet erscheint. Da es keine dedizierte Verbindung zwischen Sender und Empfanger gibt, ist der Weg des Pakets durch das Netz nicht beeinflussbar. Wenn mehrere Pakete fur den selben Empfanger unterwegs sind, gibt es keine Garantie dafur, dass wirklich alle Pakete, in der richtigen Reihenfolge, auf gleichem Weg das gemeinsame Ziel erreichen. Bei unterschiedlicher Wegwahl, auch als Routing bezeichnet, konnen sich Datenpakete gegenseitig auf dem Ubertragungsweg uberholen. Eine zufriedenstellende Echtzeitsprachkommunikation ware so unmoglich.

Unter dem Begriff "Quality of Service" (QoS) versteht man nun die Fahigkeit, eine gewisse Sicherheit bezuglich der Erfullung von Dienstanforderungen (z.B. kein Echo) bieten zu konnen.[24] Bezuglich der IP Telefonie muss QoS folgende Bedingungen fur eine ausreichende Verstandlichkeit erfullen:

- Ausreichende und dauerhaft zur Verfugung stehende Bandbreite des Ubertragungswegs
- Verzogerungszeiten (Delay) und Verzogerungszeitschwankungen (Jitter) durfen die jeweiligen Grenzwerte nicht uberschreiten
- Geringer Prozentsatz an verloren gegangenen Daten

Quality of Service muss auf dem gesamten Weg durch das Netz von allen Netzelementen unterstutzt werden.

3.1.1 Probleme der digitalen Sprachubvertragung

Im Gegensatz zu leitungsvermittelnden mussen sich bei paketorientierten Technologien alle Teilnehmer die insgesamt zur Verfugung stehende Bandbreite teilen. Falls diese nicht ausreichend zur Verfugung steht, kommt es zu Verzogerungen oder Paketverlusten.

Die Ende-zu-Ende Verzogerungszeit (Delay) fur eine sehr gute Sprachqualitat sollte nach der Empfehlung der ITU maximal 150 ms betragen. Obwohl selbst bei einer Verzogerung zwischen 150 ms und 400 ms noch eine akzeptable Sprachqualitat erreicht wird, ist es ratsam derartige nur bedingt zu tolerieren.[25] Der Bereich uber 400 ms sollte unbedingt vermieden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: ITU Empfehlung maximaler Verzogerungszeit[26]

[...]


[1] vgl. o.V. (2003a) S.16

[2] vgl. Strawe, O. (2003) S.4; Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 37; Detken, K. (2002b) S.4.

[3] vgl. Nolle, J. (2003) S.11; Strawe, O. (2003) S.4; Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 37; Detken, K. (2002b) S.5.

[4] vgl. Nolle, J. (2003) S.11; Strawe, O. (2003) S.4; Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 37.

[5] vgl. o.V. (2003d) S.5

[6] vgl. Sikora, Dr. A (2002a)

[7] vgl. Detken, K.(2002) S. 307; Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 35

[8] vgl. Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 38

[9] vgl. Detken, K.(2002) S. 308

[10] vgl. Nolle, J. / Ziegler, P. (2001) S.156 ff.

[11] vgl. Nolle, J. (2003) S.60

[12] vgl. Hein, M. / Reisner, M. / VoB, A. (2002) S. 71 und S. 230 ff.; Detken, K. (2001) S.1 ff.

Enthalten in: Davidson, J. / Peters, J. (2000) S.289

[14] vgl. Davidson, J. / Peters, J. (2000) S.290

[15] vgl. Hein, M. / Reisner, M. / VoB, A. (2002) S. 237

[16] vgl. Nolle, J. (2003) S. 71

[17] vgl. Davidson, J. / Peters, J. (2000) S.307

[18] vgl. Nolle, J. (2003) S. 73

[19] vgl. Detken, K.(2002) S. 349 ff.

[20] vgl. Detken, K.(2002) S. 349

[21] vgl. Nolle, J. (2003) S.112; Sikora, Dr. A (2002b).

[22] vgl. Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002 S. 314

[23] vgl. Detken, K.(2002) S.560

[24] vgl. Hein, M. / Reisner, M. / VoG, A. (2002) S. 179; Nolle, J. (2003) S. 32.

[25] vgl. Nolle, J. (2003) S.39

[26] Enthalten in: Swyx Communications AG (2000): Leitfaden IP Telefonie S. 8

Details

Seiten
37
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638266673
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23568
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Wirtschaftsinformatik
Note
1,0
Schlagworte
Einsatzmöglichkeiten Nutzenpotentiale IP-Telefonie

Autor

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Titel: Einsatzmöglichkeiten und Nutzenpotentiale von IP-Telefonie