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Ursachen von Unterrichtsstörungen

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Definition von „Unterrichtsstörungen“

3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw. Schülersicht

5. Ursachen von Unterrichtsstörungen
5.1. Entwicklungsverletzungen
5.2. Aktuelle Entwicklungskrisen (Pubertät)
5.3. Neurobiologische Störungen
5.4. Familiäre Erziehungsfehler
5.5. Lehrperson als „Störfaktor“
5.6. Gesellschaftliche Einflüsse

6. Ziele von Unterrichtsstörungen

7. Klärung von Unterrichtsstörungen

8. Unterrichtspraxis: Ursachen von Störungen im DaZ-Unterricht

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unterricht stellt ein sehr komplexes System dar, bei dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Zielen gemeinsam, innerhalb eines festen Rahmens an einem Lerngegenstand arbeiten. Dabei kommt es immer wieder zu Störungen des von der Lehrkraft geplanten Unterrichtsverlaufs. In einer Schulklasse eine angenehme und möglichst störungsarme Lernatmosphäre herzustellen, ist für die Lehrkraft wohl eine der größten Herausforderungen (vgl. Wollenweber 2011).

Eine Unterrichtsstudie hat ermittelt, dass in Deutschland eine Unterrichtsstunde zu 65% aus Lehr- und Lerntätigkeiten besteht. (vgl. Keller 2008) Die restlichen 35% werden darauf verwendet, für die Disziplin und Ruhe zu sorgen. Wenn es schuljährlich 635 Millionen Unterrichtsstunden an 45.000 Schulen in Deutschland sind, sind sozusagen 222 Millionen Unterrichtsstunden ineffektiv. Wenn man davon ausgeht, dass eine Unterrichtsstunde 75 Euro kostet, beläuft sich der unterrichtliche Qualitätsverlust auf 16,9 Milliarden Euro pro Schuljahr (vgl. Keller 2008: 28).

Störungen im Unterricht belasten die Lehrkraft, verringern die Effektivität des Unterrichts und daher werden viel echte Lernzeit sowie Geld verschwendet. Aus diesen Gründen ist es notwendig, einen guten Unterricht zu schaffen, wobei möglichst wenig Störungen im Unterricht auftreten. Um eine Problemlösung leichter zu entwickeln, sollen zunächst das Problemverhalten des Schülers und dessen Ursachen genau beobachtet werden. Dieser Problematik widmet sich die vorliegende Arbeit.

Im ersten Teil wird versucht, den Begriff „Unterrichtsstörungen“ zu definieren. Danach werden Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen gezeigt. Weiterhin werden die Unterschiede in der Erklärung und dem Empfinden von Unterrichtsstörungen zwischen Lehrer und Schüler behandelt. Der nächste Teil legt Fokus auf die Ursachen und die Ziele von Unterrichtsstörungen. Bevor die Lehrperson eine Lösung für die Unterrichtsstörungen finden kann, ist es notwendig, die Ursachen für das auftretende Problem zu analysieren. Die Klärung von Unterrichtsstörungen vollzieht sich in 5 Schritten und die werden in dem weiteren Teil dargestellt. Zum Schluss werden einige im DaZ-Unterricht auftretende Störungen aus eigenen Erfahrungen dargestellt.

2. Zur Definition von „Unterrichtsstörungen“

Wer sich mit dem Thema Unterrichtsstörungen beschäftigt, muss sich zunächst mit der Frage auseinandersetzen, wie sich Unterrichtsstörungen definieren lassen.

Der Begriff „ Unterrichtsstörung “ wurde vor den 1990er-Jahren in der pädagogischen Literatur vergleichsweise selten verwendet. (vgl. Winkel 2006) Begriffe wie „ Disziplinschwierigkeiten “ und „ Verhaltensstörungen “ bzw. „ Verhaltensauffälligkeiten “ herrschten anstelle dessen vor. Allerdings werden bei diesen begrifflichen Fassungen Ursachen und Auslöser eher den Schülern zugeschrieben. Sie gefährden gleichsam durch ihre Verhaltensmängel den reibungslosen Ablauf des Unterrichts. Dabei wird aber die Komplexität störungsverursachender Faktoren vernachlässigt. Mit dem Begriff Unterrichtsstörungen scheinen die weitesten Möglichkeiten gegeben, die Erscheinungen vom Lehr- und Lernprozess her zu sehen und Lehrer und Schüler gemeinsam als Verstehende und Konfliktlösende zu betrachten. Diese Auslegung ist von Winkel (2006) in folgender Abbildung veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Winkel fordert also die Unterrichtsstörungen vom Unterricht her zu interpretieren und nicht nur von Schülern oder Lehrern, denn eine solche Interpretation könnte willkürlich sein und zu neuen Konflikten führen. (vgl. Winkel 2006: 29) Nach ihm liegt eine Unterrichtsstörung vor, „ wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird “ . (Winkel 2006: 29) Mit anderen Worten definiert Lohmann Unterrichtsstörungen als „ Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen “ (Lohmann 2010: 14).

3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen sind nach Bewusstheitsgrad, Intensität, Häufigkeit und Effekten verschieden, sodass sich zahlreiche Formen abweichenden Verhaltens, die das Lehren und Lernen mehr oder weniger stark beeinträchtigen, beobachten lassen (vgl. Keller 2008: 21).

Ob der Unterricht jetzt gerade gestört wird, hängt noch von der Situationsauffassung und Bewertung des Lehrers ab. Eine Äußerung wie zum Beispiel „ Da blicke ich nicht durch “, kann vom Lehrer A als dankbarer Hinweis zur Stoffwiederholung und vom Lehrer B als unerlaubter Zwischenruf aufgefasst werden. Jenseits dieses subjektiven Ermessens- und Toleranzspielraumes gibt es jedoch Ereignisse wie das andauernde Schwätzen mit dem Banknachbarn, die den Unterrichtsprozess eindeutig stören und den Lernerfolg der Mitschüler gefährden.

Wenn man von schulpsychologischen Erkenntnissen und Beobachtungen ausgeht, sind nach Keller (2008: 21f.) fünf typische Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen zu unterscheiden:

- Akustische Störungen, wie z.B. Schwätzen mit dem Banknachbarn, Zwischenrufe, Summen, Singen, Schreien, Grölen, Handy, Uhrenalarm, etc.
- Motorische Störungen, wie z.B. Schaukeln, Zappeln, mit Arbeitsmitteln spielen, mit dem Stuhl kippen, Herumlaufen, etc.
- Aggressives Verhalten, wie z.B. Mitschüler/Lehrer verbal provozieren bzw. körperlich angreifen, fremde Sachen wegnehmen, Sachen beschädigen, zerstören, Wutausbruch, etc.
- Geistige Abwesenheit, wie z.B. stofffremde Arbeiten erledigen, zum Fenster hinausschauen, Tagträumen, Schlafen, etc.
- Verweigerung, wie z.B. fehlende Unterrichtsmaterialien, unerledigte Arbeitsaufträge, fehlende Hausaufgaben, Mitarbeitsverweigerung, Zuspätkommen, etc.
- Verst öß e gegen die Hausordnung, wie z.B. Essen, Trinken, Beschmutzen, etc.

Welche dieser unterschiedlichen Störformen als besonders störend erlebt werden, ist bisher erstaunlich selten empirisch untersucht worden. Ein paar Erkenntnisse kann man bei Tückes (2005) finden. Er hat aufgezeigt, dass sich Lehrpersonen besonders gestört fühlen, wenn Schülerinnen und Schüler miteinander streiten, stattdessen werden aus der Schülerperspektive akustische Störungen als besonders unangenehm empfunden (vgl. Tückes 2005: 408f.).

4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw. Schülersicht

Jürgens (2000) ist der Meinung, dass Schüler und Lehrer Unterrichtsstörungen sehr verschieden erklären und sie sehr unterschiedlich empfinden.

Aus der Lehrerperspektive hängen Unterrichtsstörungen gewissermaßen mit den Disziplinkonflikten zusammen. Dabei wird störendes Schülerverhalten häufig als Mangel an Disziplin angesehen. Unter Disziplin versteht man ein sich an vorgegebene Regeln und Normen orientiertes Verhalten. Im Schulalltag begegnen uns immer wieder Regeln und Normen, die den reibungslosen Ablauf des Schul- und Unterrichtsalltags gewährleisten sollen. Diese sind meist von der Schulleitung bzw. dem Lehrer vorgegeben. Kommt es von Schülerseite zur Verletzung dieser Normen und Regeln, spricht man von einem Disziplinkonflikt. Diese sogenannten Disziplinkonflikte sind unausweichlicher Bestandteil schulischen Lebens, da Lehrer und Schüler sehr unterschiedliche Erwartungen und Normvorstellungen haben. „Je weiter diese jeweiligen Normen voneinander abweichen, umso höher ist das Konfliktpotenzial“. (Lohmann 2003: 14) D.h. also, dass die Art, Häufigkeit und Intensität dieser Begleiterscheinungen als Maßstab gesehen werden können, der angibt, wie groß die Schere zwischen den Normvorstellungen und Erwartungen ist.

Wenn eine Störung im Unterricht auftritt, neigen Lehrer meistens dazu, die Störungen der Jungen und Mädchen auf eine vorliegende Verhaltensstörung zurückzuführen, suchen nach weiteren Gründen in deren Elternhaus und in der elterlichen Erziehung und ziehen daraus für sich die Konsequenz, zu ermahnen, zu strafen, unfreundlich zu sein und sich bei der Unterrichtsgestaltung weniger Mühe zu geben. (vgl. Wiater 2007: 271) Die Folge davon ist ein negativer Interaktionskreislauf und oft ein selffulfilling-prophecy-Effekt (= der freche, faule, unbeliebte Schüler). (vgl. Bründel/Simon 2003)

Die Schüler nehmen das Unterrichtsgeschehen ganz anders wahr und sehen in ihm zahlreiche Störungen auslösende Faktoren wie ständiger Leistungsdruck, langweiliger Unterrichtsverlauf, keine wirklichen Mitentscheidungsrechte, negativ empfundene Etikettierungen, Beschimpfungen und Bloßstellungen durch Lehrer, Lehrerautorität bei der Durchsetzung von Lehrinteressen und Ordnungen sowie die Behinderung der für sie besonders wichtigen Interaktionsbedürfnisse mit Gleichaltrigen im Unterricht. Solche Interpretation führt ständig zur Gegenherrschaft (siehe oben Abbildung von Winkel).

Da sich die Interpretation von Unterrichtsstörungen zwischen Lehrer und Schüler so deutlich unterscheiden lässt, hat Winkel gewissermaßen Recht, Unterrichtsstörungen nicht nur von Lehrer oder Schüler her zu betrachten, sondern noch den ganzen Lehr-Lern-Prozess mit einzubeziehen, um einen genaueren Einblick über die Thematik zu verschaffen.

5. Ursachen von Unterrichtsstörungen

Ebenso vielfältig wie die Störungen an sich sind deren Ursachen. Warum kommt Peter oft zu spät? Warum macht Daniel selten seine Hausaufgaben? Warum will Mona im Matheunterricht nicht mitmachen? Warum schwätzt Eva immer wieder mit ihrer Nachbarin? Für solche Störungen gibt es in den wenigsten Fällen die eine Ursache. Dabei spielen meist mehrere Bedingungen zusammen, damit sich ein unterrichtliches Verhaltensproblem entwickelt.

Winkel (2006) begründet jedes auffällige und störende (krankhafte) Verhalten eines Menschen mit konstitutionellen oder erworbenen Faktoren im somatischen Bereich; ungelösten innerpsychischen und sozialen Konflikten; gestörten Entwicklungsprozessen und aktuellen Bedrohungen (vgl. Winkel 2006: 32).

Daneben spricht Wiater (2007) von einem Zusammenhang zwischen Ursachen von Unterrichtsstörungen und: den Erbanlagen und der psycho-physischen Entwicklung oder aktuellen Konstitution des Kindes/Jugendliche, seiner Umwelt und Mitwelt/ im familiären und außerfamiliären Bereich (peergroups, Medien, Art der Freizeitgestaltung, usw.), Verhaltensregeln in der Schule, langweiligem, über- oder unterforderndem Unterricht, dem Führungsstil und dem Normkonzept des Lehrers, und der Rolle und Position des Schülers in der Klasse/Gruppe. (vgl. Wiater 2007: 272)

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656502289
ISBN (Buch)
9783656503347
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233624
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Schulpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
ursachen unterrichtsstörungen

Autor

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Titel: Ursachen von Unterrichtsstörungen