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Social Media Marketing in der Eventbranche

Das Marketingpotential von Facebook und seine Nutzung durch Veranstalter

Diplomarbeit 2013 74 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau

2. Marketing

3. Social Media
3.1 Vom Web 1.0 zu Social Media.
3.2. Social Media Marketing
3.2.1. Die Regeln des Social Media Marketing
3.2.2 Content statt Ein-Weg-Unterbrechung
3.2.3 Dialog statt Monolog - Zuhören und Antworten
3.2.4 Social Media Marketing - Chancen und Risiken
3.3 Social Media Anwendungen
3.4 Soziale Netzwerke

4. Facebook
4.1 Die Nutzer
4.2 Marketingpotential von Facebook

5. Die Eventbranche - Diskotheken und Clubs in Deutschland
5.1 Die Bedeutung von Social Media Marketing für die Eventbranche.
5.2 Die Nutzung von Facebook in der Eventbranche
5.2.1 Methodik und Ziele des Vergleichs auf Facebook
5.2.3 Vergleich der Pinnwandaktivitäten.
5.2.4 Vergleich der Facebook Seitenstatistiken
5.2.6 Vergleich der Reaktionen auf Kritiken und Fragen.
5.2.7 Auswertung Experteninterviews
5.2.8 Auswertung des Vergleichs

6. Erfolgreiches Social Media Marketing auf Facebook für die Eventbranche
6.1 Ziele definieren
6.2 Seite gestalten.
6.3 Fans gewinnen.
6.4 Content bieten.
6.5 Dialog anregen
6.6 Zuhören und reagieren
6.7 Veranstaltungen anlegen.
6.7 Werbeanzeigen schalten
6.8 Auswertung / Monitoring

7. Fazit und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einsatzgebiete von Social Media Marketing

Abbildung 2: Kategorisierung von Social Media Anwendungen

Abbildung 3: Top 10 der sozialen Netzwerke in Deutschland

Abbildung 4: Prozentualer Anteil der deutschen Facebookmitglieder nach Alter

Abbildung 5: Prozentualer Anteil der deutschen Facebookmitglieder nach Geschlechtern

Abbildung 6: Entwicklung der Zahl der Diskotheken und Clubs und der Zahl der Besucher

Abbildung 7: Bedeutung von Social Media Marketing für Eventveranstalter

Abbildung 8: Facebook Seite der "Drop The Bomb Party"

Abbildung 9: Facebook Seite der "Friday Club" Party

Abbildung 10: Pinnwandaktivitäten der "Drop The Bomb" Party

Abbildung 11: Pinnwandaktivitäten der "Friday Club" Party

Abbildung 12: Statistiken der „Friday Club“ Party und der „Drop The Bomb“ Party

Abbildung 13: Veranstaltungszusagen "Drop The Bomb" Party / "Friday Club" Party

Abbildung 14: Zielgruppeneingrenzung Werbeanzeigenmanager Facebook

Abbildung 15: Auszug aus internen Statistiken der "Friday Club" Seite

1. Einleitung

Social Media Marketing ist in aller Munde - die Zeiten, in denen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen vor allem über klassische Werbemedien wie Print und Rundfunk an den Mann brachten, scheinen endgültig vorbei.

Das Aufkommen und die Weiterentwicklung des Internet hat die Welt des Marketing, vor allem im Bereich der Kommunikationspolitik, grundlegend verändert: In den Zeiten des Web 2.0 funktioniert erfolgreiche Werbung nicht mehr als einseitige Ansprache des Kunden durch ein Unternehmen, sondern muss ihn einbeziehen, aktivieren und begeistern.

Musikveranstalter und Diskothekenbetreiber zählten schon zu den ersten Nutzern der Sozialen Netzwerke als Werbemedium, und mittlerweile gibt es kaum eine Clubnacht, zu der nicht online eingeladen wird.

Vor allem Facebook als größtes soziales Netzwerk scheint für Veranstalter heutzutage eine immense Bedeutung zu haben: Die Zahl der Zusagen zu einem Event kann entscheidend sein für Erfolg oder Scheitern desselben, und ebenso wichtig wie die Vorbereitung der eigentlichen Veranstaltung scheint die Maximierung der Reichweite eines neu geposteten Events.

Obwohl die meisten Veranstalter die Wichtigkeit dieser Plattform für sich erkannt haben, werden die zahlreichen Möglichkeiten zur Neukundengewinnung und Kundenbindung bisher noch kaum richtig genutzt.

Die Entwicklung des Web 2.0 und das veränderte Informationsverhalten der Kunden stellt die Eventbranche zunehmend vor die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, mit klassischen Werbemedien wie Anzeigen, Flyern und Plakaten zu arbeiten.

1.1 Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist es, das Marketingpotential von sozialen Netzwerken zu erforschen und zu bewerten sowie deren Bedeutung für die Vermarktung von Events. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Facebook, dem größten sozialen Netzwerk.

Dabei sollen die Elemente einer erfolgreichen Veranstaltungsbewerbung bei Facebook erarbeitet und eine Antwort auf die Frage gefunden werden, ob Social Media1 Marketing die klassische Bewerbung von Veranstaltungen zukünftig immer mehr verdrängen wird.

1.2 Aufbau

Die Arbeit ist in drei inhaltliche Hauptteile gegliedert und umfasst sieben Abschnitte. Im ersten Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen zu den Begriffen Marketing, Social Media Marketing und Facebook gelegt. Dies geschieht auf Basis aktueller Literatur, aber auch mit Hilfe von persönlich geführten Experteninterviews mit Vertretern von auf Social Media Marketing spezialisierten Werbeagenturen.

Darauf folgend wird die Eventbranche erläutert und welche Bedeutung das Marketing über soziale Medien und vor allem Facebook für Veranstalter hat. Die Nutzung von Facebook als Marketingkanal wird dafür anhand eines Vergleichs der Facebook Seiten zweier Berliner Veranstaltungsreihen untersucht.

Im dritten Teil werden die Elemente einer erfolgreichen Veranstaltungsbewerbung auf Facebook dargestellt. Abschließend wird ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung von Social Media Marketing und insbesondere Facebook für die Veranstaltungsbranche gegeben.

2. Marketing

Von Philip Kotler, dem populärsten Marketingwissenschaftler der USA, stammt die wohl bekannteste moderne Definition des Begriffs Marketing: „Marketing ist ein Prozess im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erstellen, anbieten und miteinander austauschen.“2

Anders als bei der Definition von Heribert Meffert aus dem Jahr 1977, die Marketing als „Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten“3 beschriebt, ist bei Kotler nicht nur von Aktivitäten des Unternehmens die Rede, sondern es wird auch die Einzelperson als aktiver Teil des Marketingprozesses gesehen, etwa als sich informierender potentieller Käufer.

Ausgehend von der Definition des Begriffes Marketing, der, auf Unternehmen bezogen, die Ausrichtung des Unternehmens an den Bedürfnissen des Marktes meint, gehört das Erkennen von Marktveränderungen und Bedürfnisverschiebungen, um rechtzeitig Wettbewerbsvorteile aufzubauen, zu den wohl wichtigsten Aufgaben des Marketings.4

Vor diesem Hintergrund scheint Social Media eine wertvolle Erleichterung für jedes Unternehmen zu sein. War doch die Kommunikation mit Kunden noch nie so schnell und direkt möglich wie über Social Media,5 der Markt so gut zu beobachten6 und die Werbung so kostengünstig platzierbar. Ob dem tatsächlich so ist, soll in den folgenden Abschnitten untersucht werden.

3. Social Media

Was ist eigentlich Social Media? Der Begriff Social Media steht für „Internet- Plattformen, auf denen Nutzer mit anderen Nutzern Beziehungen aufbauen und kommunizieren“7 und gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung: Kaum ein Deutscher unter 35, der noch keine eigene Facebook Seite hat - jeder vierte ist bereits dabei.8 Und wer schon nicht aktiv dabei ist, der informiert sich doch bei Wikipedia, liest Restaurantbewertungen bei Qype oder schaut Videos auf YouTube. Social Media ermöglicht es jedem, über leicht zugängliche Onlinetools mit jedem zu kommunizieren, Bilder, Videos und Musik zu veröffentlichen und zu konsumieren.9

Von den klassischen Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen unterscheidet sich Social Media erheblich: Während in traditionellen Medien nur monodirektional, also in eine Richtung kommuniziert wird10 und die Nutzer selbst keinen direkten Einfluss auf die veröffentlichten Inhalte haben, findet in den sozialen Medien eine „Many-to- Many“11 Kommunikation statt - der User selbst erstellt Inhalte (User Generatet Content) und sucht sich selbst aus, welche Inhalte anderer User er konsumieren will.

3.1 Vom Web 1.0 zu Social Media

Bis zur Jahrtausendwende war das Internet noch ein einseitiges Informationsmedium, ein sogenanntes „Lese-Web“ ohne User Generated Content. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase aber trat eine Entwicklung ein, die bis zum Jahr 2005 einen klaren Trend in der Onlinewelt erkennen ließ: Statt der unkommentierbaren, statischen Website wurde gebloggt, statt bei MP3.com zu kaufen bei Napster geshared und statt der Online- Enzyklopädie gab es Wikipedia, bei dem jeder veröffentlichen, verbessern und ergänzen durfte:12 Der User selbst produzierte und veröffentlichte Inhalte und vernetzt sich mit anderen - aus Web wurde Web 2.0.13

Zwischen 2004 und 2005 entstehen mit YouTube und Facebook schließlich Seiten, die ganz und gar auf dem Geist des Web 2.0 basieren. Hier werden dem User Plattformen geboten, die er selbst mit Inhalten füllen und mit deren Hilfe er sich online vernetzen kann. Vor allem Facebook wird in der Folge schnell zur weltweit größten Plattform dieser Art, und der Begriff Web 2.0 wird durch den Begriff Social Media abgelöst - das Internet wird vom Mitmach-Web zum sozialen Treffpunkt.14

Es wird geshoppt und gelästert, geliebt und diskutiert, bewertet und „geliked“15. Social Media ist heute schon in allen Lebensbereichen angekommen und, wie René Heymann, Geschäftsführer der Werbeagentur „Brandt de Gelmini“, betont „verändert unsere Kommunikationsgewohnheiten in allen Lebensbereichen grundlegend und nachhaltig“.16 Wie akzeptiert und präsent soziale Medien auch in Deutschland sind, zeigt die Statistik: So gehören nach Google auf Platz 1 mit Facebook (soziales Netzwerk) an zweiter und YouTube (Video-Sharing) an dritter Stelle gleich zwei Social Media Plattformen zu den drei meistbesuchten Websites in der Bundesrepublik.17

3.2. Social Media Marketing

Social Media Marketing umfasst die Nutzung sozialer Medien zur Erreichung von Unternehmenszielen sowohl aktiv durch strategisches Management wie auch passiv durch die Nutzung fremder Inhalte aus sozialen Medien, um etwa Nutzer- und Wettbewerbsaktivitäten zu erfassen und zu analysieren.18

Von Unternehmen wird Social Media Marketing häufig als reines Instrument der Kommunikationspolitik verstanden und genutzt. Dabei können soziale Medien, wie in folgender Abbildung dargestellt, für alle Elemente des Marketing-Mix eingesetzt werden - also auch in den Bereichen der Produkt-, Distributions- und Servicepolitik.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einsatzgebiete von Social Media Marketing20

So kann die Möglichkeit, direkt mit den Kunden Ideen für Produktverbesserungen zu entwickeln, positive Anstöße für die Produktpolitik bedeuten, die Absatzmenge kann durch direkten Verkauf in sozialen Medien erhöht werden und die Fähigkeit und Bereitschaft der Kunden, einen bestimmten Preis für ein Produkt zu zahlen, kann durch Analysen und Beobachtungen besser eingeschätzt werden.

Social Media Marketing scheint also ein ideales Instrument für alle Bereiche des Marketings zu sein - und hat dabei noch zahlreiche Vorteile gegenüber den traditionellen Medien: Während sich Werbung über Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen monodirektional an eine große Masse wendet, sehr teuer ist und hohe Streuverlusten hat,21 bietet Social Media Marketing hohe Reichweiten22 bei wesentlich differenzierteren Zielgruppen auch bei geringem Budget.

Während Werbeunterbrechungen im Fernsehen zunehmend als störend wahrgenommen werden,23 macht beim Social Media Marketing der Kunde selbst mit und empfiehlt, liked und lädt ein für das aktuelle Lieblingsprodukt.

Doch Social Media erleichtert eben die Marketingarbeit nicht nur, sondern verändert sie grundlegend und stellt damit Unternehmen und Marketingexperten auch vor große Aufgaben. Denn: Die alten Regeln für Marketing gelten nicht mehr.24

3.2.1. Die Regeln des Social Media Marketing

Das traditionelle Marketing lässt sich nicht einfach in den sozialen Netzwerken fortsetzen wie gewohnt - es muss sich den dort herrschenden Regeln und Gegebenheiten anpassen. „Viele Unternehmen sind beispielsweise bei Facebook aktiv, ohne wirklich eine nachhaltige Strategie zu haben, geschweige denn Social Media Marketing im Ansatz richtig verstanden zu haben“25 sagt Thomas Hutter, Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH und Verfasser eines Blogs zu Social Media Marketing.26

Social Media scheint also keine „Marketingwunderwaffe“ zu sein und Social Media Marketing nur erfolgreich, wenn die Grundlagen der Kommunikation in sozialen Netzwerken verstanden wurden.27 Die wichtigsten Unterschiede zwischen traditionellen Medien und sozialen Medien werden in den folgenden Abschnitten dargestellt.

3.2.2 Content statt Ein-Weg-Unterbrechung

Die traditionelle Werbung ist vor allem darauf ausgerichtet, zu unterbrechen: Sie ist darauf angewiesen, sich zwischen interessanten Inhalten wie spannenden TV-Filmen, Radiosendungen und viel besuchten Websites zu positionieren, um sie zu unterbrechen und von der durch sie erreichten Aufmerksamkeit zu profitieren.28

Das scheint in den sozialen Netzwerken nicht zu funktionieren: Denn hier werden nicht einem passiven User Inhalte von einem One-To-Many-Medium vorgesetzt, sondern der User selbst sucht sich die Inhalte, die. ihn interessieren und die er konsumieren möchte,29 und klickt den Rest einfach weg.

Laut Gorden Wübbe, Geschäftsführer der Agentur „Famefact“, sollte auf keinen Fall „einfach die klassische One-To-Many-Kommunikation der traditionellen Medien auf Social Media übertragen und etwa bei Facebook immer wieder zu einem Produkt „Jetzt kaufen“ gepostet30 werden.31

Denn: Im Social Media Marketing gilt „Content is King“.32 Das bekräftigen auch die Ergebnisse der Social Media Studie 2010 der Marketingagentur Ambuzzador:33 Hier nennen 77% der befragten User „Großteil der Postings sind Werbung“ als wichtigsten Grund dafür, eine Unternehmensseite nicht zu mögen, 66% bewerteten „keine News / kein Unterhaltungswert“ als den größten Negativfaktor, während 81% „laufend aktuelle Inhalte und Neuigkeiten“ als Grund dafür angaben, eine Seite weiter zu empfehlen.

Es scheint also wichtig, statt plumper Werbung wirklich interessante Inhalte anzubieten - und zwar regelmäßig. Um herauszufinden, welche Themen für die eigene Zielgruppe interessant und relevant sind, ist es unerlässlich, die eigene Zielgruppe zu kennen und zu wissen, was genau diese beschäftigt - man muss ihr also aufmerksam zuhören. (vgl.: Abschnitt 3.2.3)

Laut Tamar Weinberg in ihrem Buch „Social Media Marketing“34 sollte aber Content nicht nur interessant, sondern auch relevant sein - also etwas mit dem Produkt oder Unternehmen zu tun haben, von dem er angeboten wird. Denn eine Social Media Präsenz kann noch so viel Aufmerksamkeit durch witzige Filmchen und „Cat Content“35 erzeugen - wenn zwischen den meisten Posts36 und dem Produkt kein Zusammenhang besteht, wird auch der User keinen wahrnehmen. Zwar haben auch die sogenannten „nobrainers“, also das Posten einer dampfenden Tasse Kaffee am Montagmorgen oder der „Endlich Wochenende“ Post am Freitag ihre Berechtigung,37 aber nur dosiert und eingebettet in relevanten Content. René Heymann sagt dazu: „Letztendlich zählt nicht Masse oder Originalität, sondern wie interessant oder relevant der Content ist. […] Man muss für Social Media Marketing Storytelling beherrschen. […] Man muss eine Kommunikation wie unter Freunden führen.“38

3.2.3 Dialog statt Monolog - Zuhören und Antworten

Im Gegensatz zum traditionellen Marketing ist es beim Social Media Marketing unabdingbar, der eigenen Zielgruppe auch zuzuhören und mit ihr in einen Dialog zu treten.39

Im vorherigen Abschnitt wurde bereits darauf eingegangen, dass die Grundlage für das Generieren interessanten Contents für eine bestimmte Zielgruppe ist, die Interessen, Themen und Gewohnheiten dieser Zielgruppe zu kennen - und dass das vor allem dadurch funktioniert, dass man ihr zuhört.40

Gorden Wübbe sagt dazu: „Der Kunde will das Produkt diskutieren, empfehlen, empfohlen bekommen. Die Zielgruppen werden dadurch wesentlich differenzierter, so dass Unternehmen mehr auf die einzelnen Gruppen eingehen und ihnen zuhören müssen, um erfolgreich zu sein.“ und meint, dass Unternehmen froh sein sollten, wenn Kunden über soziale Medien Kritik äußern, denn „näher an den Kunden kann man kaum sein.“41

Allerdings ist es nicht immer so, dass enttäuschte oder auch begeisterte Kunden ihre Meinung direkt auf der Seite des Unternehmens kundtun. In unzähligen Chatrooms, Foren, Blogs und Bewertungsportalen werden die letzten Partys, neue Produkte und Unternehmen diskutiert. Zuhören ist auch hier wichtig - nicht nur, um die Meinungen der Kunden zum eigenen Produkt zu erfahren, sondern auch, um sich an diesen Diskussionen aktiv zu beteiligen.42

Zuhören allein reicht also nicht, um erfolgreiches Social Media Marketing zu betreiben: Man muss auch antworten - bei Kritik und Anregungen auf der eigenen Präsenz genauso wie bei Diskussionen auf anderen Plattformen.

Was passieren kann, wenn das nicht beherzigt wird, schildern Helmut van Rinsum und Frank Zimmer in ihrem Buch „Der Social Media Rausch“43 am Beispiel des Unternehmens Teldafax:

Auf massive Beschwerden und Kritik von Kunden auf der Facebookseite des Unternehmens reagierte man mit „Leute, die Seite ist echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen...“. Offensichtlich war nicht im Ansatz verstanden worden, wie Social Media funktioniert. Auch, der darauf folgenden Flut zorniger und höhnischer Kommentare zu begegnen mit „Es zwingt sie niemand diese Seite zu besuchen oder Fan zu sein!“ machte die Lage nicht wirklich besser. Nachdem Teldafax schon im Social Web kurze Zeit später „erledigt“ war, folgte vier Monate später die Insolvenz des Unternehmens.44

3.2.4 Social Media Marketing - Chancen und Risiken

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Social Media Unternehmen im Verhältnis zum traditionellen Marketing zahlreiche neue Möglichkeiten und Chancen bietet: Da nicht mehr ausschließlich die Größe des Werbebudgets entscheidend ist für erfolgreiches Marketing, minimiert es das Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen.45

Social Media Marketing ist dabei nicht nur eine kostengünstige Alternative zum traditionellen Marketing und kann die Zahl der Kunden und die Bekanntheit eines Unternehmens erheblich steigern, sondern ermöglicht darüber hinaus auch eine so unmittelbare Kommunikation und Interaktion mit dem Kunden wie nie zuvor. Diese Art der Kommunikation kann Unternehmen „verpersönlichen“46 und dem Kunden auch ganz menschlich sympathisch werden lassen, was den Aufbau sehr starker Bindungen zwischen Unternehmen und Kunden wesentlich begünstigen kann.47

Aber um all diese Chancen auch wirklich nutzen zu können, ist es entscheidend, Social Media Marketing richtig zu betreiben. Denn Fehlverhalten im Social Web führt nicht nur zu ausbleibendem Erfolg, sondern kann auch schwerwiegende Probleme für das Unternehmen nach sich ziehen, wie am Beispiel Teldafax im vorhergehenden Abschnitt dargestellt. Unternehmen, die sich ins Social Web wagen, sollte also klar sein, dass die offene Kommunikation eben hier nicht nur stattfindet, wenn der dafür zuständige Mitarbeiter grade Zeit dafür hat, sondern sich User immer und gern auch kritisch oder unerwartet äußern - und Antworten haben wollen. Damit richtig umzugehen ist die Anforderung, die sich zukünftig fast jedem Unternehmen stellen wird. Einfach nicht mitmachen ist da keine Option - denn irgendwo im Web wird fast jedes Produkt schon diskutiert und bewertet, egal, ob das jeweilige Unternehmen selbst in sozialen Netzwerken präsent ist oder nicht.

3.3 Social Media Anwendungen

Social Media Anwendungen lassen sich grundsätzlich in drei Kategorien unterscheiden (s. Abb. 2): In Plattformen, die vor allem der Kommunikation und dem Austausch dienen, in solche, bei denen zwar auch Kommunikation stattfindet, der Fokus aber auf den von den Usern erstellten und geteilten medialen Inhalten liegt und in Plattformen, bei denen der Schwerpunkt auf der Verbreitung von Informationen liegt.

Zu den informationsorientierten Plattformen gehören Blogs, mit denen sich Inhalte ohne großen technischen Aufwand erstellen und gebündelt auf einer Internetseite publizieren lassen,48 Microblogging Dienste wie Twitter, bei denen sehr kurze Texte von bis zu 140 Zeichen sehr schnell veröffentlicht und leicht gefunden werden können und Wikis wie Wikipedia - Sammlungen verschiedener Artikel, die online verfügbar sind und von den Usern nicht nur gelesen, sondern ständig direkt bearbeitet und verbessert werden können.49 Auch Plattformen wie Delicious und Digg gehören in die Kategorie der Informationsanbieter. Hier können Nutzer interessante Nachrichten und Neuigkeiten bewerten und empfehlen bzw. Browser-Lesezeichen verwalten.50

Eine weitere Kategorie der informationsorientierten Portale sind Bewertungsplattformen und Foren wie Ciao und Qype, auf denen zu Restaurants, Produkten und Dienstleistern Erfahrungsberichte und Bewertungen abgegeben werden können.51

Zu den contentorientierten Plattformen gehören Portale wie YouTube für die Veröffentlichung von Videos sowie Flickr und Pinterest, wo Fotos und Bilder eingestellt und kommentiert werden können.

Kommunikation und Austausch finden vor allem in den sozialen Netzwerken statt, auf die im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kategorisierung von Social Media Anwendungen52

3.4 Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke sind Plattformen, auf denen sich User ein eigenes Profil anlegen können, um sich selbst darzustellen, das sie öffentlich zeigen oder nur bestimmten anderen Usern zugänglich machen können.53 Auf den Plattformen können sich die User mit anderen Nutzern über Freundeslisten verknüpfen, interagieren und kommunizieren, wobei neben echten Bekannten und Freunden auch Kontakte zu fremden Personen mit ähnlichen Interessen, Zielen oder Aktivitäten geknüpft werden.54

Die wichtigsten sozialen Netzwerke in Deutschland nach Anzahl der Besucher, in absteigender Reihenfolge, sind Facebook mit 39,2 Millionen Besuchern im März 2013, Google+ mit 6,07 Millionen Besuchern und Xing mit 4,06 Millionen. (s. Abb. 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Top 10 der sozialen Netzwerke in Deutschland55

Vergleicht man diese Zahlen mit den Besucherzahlen aus dem Jahr 2011 wird klar, dass ehemals in Deutschland sehr bekannte Portale wie die VZ-Netzwerke StudiVZ und SchülerVZ mit 8,03 Millionen Besuchern im September 2011, wer-kennt-wen.de mit 5,21 Millionen Besuchern und Myspace mit 4,84 Millionen Besuchern in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung verloren haben - während Facebook schon 2011 mit 37,64 Millionen Besuchern eine deutliche Führungsposition inne hatte.56

4. Facebook

Facebook wurde im Jahr 2004 vom damaligen Harvard University Studenten Mark Zuckerberg als geschlossenes Online-Studenten-Netzwerk gegründet und entwickelte sich nach seiner Öffnung für alle User im Jahr 2006 schnell zum größten sozialen Netzwerk der Welt.57

Nachdem die Plattform ab Frühjahr 2008 auch in übersetzten Versionen auf Spanisch und Deutsch verfügbar war, konnte Facebook schon im August 2008 100 Millionen registrierte Nutzer verzeichnen58 und wurde im Sommer 2009 schließlich mit ca. 4 Millionen aktiven Nutzern das größte soziale Netzwerk Deutschlands.59

Heute gibt es Facebook in 70 verschiedenen Sprachen, die Plattform hat weltweit 1.110 Millionen monatlich aktive Nutzer,60 ca. 39 Millionen davon allein in Deutschland. (vgl. Abb. 3 )

4.1 Die Nutzer

Ursprünglich als reines Studentennetzwerk gestartet, kommen auch heute noch mit 71% die meisten Facebook User aus der Gruppe der unter 35-Jährigen. (vgl. Abb. 4) Allerdings kann die Plattform auch einen beständigen Zuwachs in den höheren Altersklassen verzeichnen: So hat sich die Anzahl der über 55 jährigen Nutzer zwischen 2010 und Anfang 2012 von 0,57 Millionen auf 1,2 Millionen verdoppelt, die Anzahl der Nutzer zwischen 45-54 Jahren wuchs von 1,08 Millionen auf 2,10 Millionen.61

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prozentualer Anteil der deutschen Facebookmitglieder nach Alter62

Das Verhältnis von Männern und Frauen auf Facebook entspricht mit 48% zu 52% fast genau dem Geschlechterverhältnis der Gesamtbevölkerung in Deutschland von 49 Prozent Männern und 51 Prozent Frauen.63

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Prozentualer Anteil der deutschen Facebookmitglieder nach Geschlechtern64

[...]


1 Die Begriffe Social Media und soziale Medien werden in der Arbeit synonym verwendet.

2 Vgl. Kotler, P./ Armstrong, G./ Saunders, J./ Wong, V. (2007), S. 30

3 Vgl. Meffert, H. / Burmann, C. / Kirchgeorg, M. (2012), S. 8

4 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2013)

5 Vgl. Van Rinsum, H. (2011), S. 11

6 Vgl. Sterne, J. (2011), S. 35

7 Quelle: Heymann-Reder, D. (2011), S. 3

8 Vgl. Floemer, A. (2012)

9 Vgl. Sterne, J. (2011), S. 23

10 Vgl. Zarella, D. (2010), S. 6

11 Vgl. Heymann-Reder, D (2011), S. 3

12 Vgl. Faber, R./ Prestin, S. (2012), S. 25 f.

13 Der Begriff Web 2.0 wurde erstmals von Tim O’Reilly auf der „O'Reilly Media Web 2.0 conference“ im Jahre 2004 eingeführt. Vgl. Faber, R./ Prestin, S. (2012), S. 25

14 Vgl. Faber, R./ Prestin, S. (2012), S. 26

15 „Like“ oder auch „Gefällt Mir“ Buttons bei Facebook oder auch damit verbundenen externen Seiten zu klicken gehört zu den häufigsten Reaktionen von Usern. Es können ganze Seiten oder auch einzelne Inhalte mit einem „Like“ bedacht werden

16 Quelle: Experteninterview René Heymann

17 Vgl. Alexa Internet (2013)

18 Vgl. Rauschnabel, P./ Göbbel, T./Sasse, J./ Rippe, K. (2012), S.42

19 Vgl. ebd., S. 44

20 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Rauschnabel, P./ Göbbel, T./Sasse, J./ Rippe, K. (2012), S. 45

21 Vgl. Zarella, D. (2010), S. 6

22 Reichweite: Zahl der durch das Medium erreichbaren Personen

23 Vgl. Zarella, D. (2010), S. 6

24 Vgl. Meerman Scott, D., S. 37

25 Quelle: Experteninterview Thomas Hutter

26 http://www.thomashutter.com/

27 Vgl. Holzapfel, F./Holzapfel, K. (2012), S.19

28 Vgl. Meermann Scott, D. (2009), S. 42

29 Vgl. Meermann Scott, D. (2009), S. 23

30 „posten“ wird in dieser Arbeit synonym mit „veröffentlichen“ benutzt

31 Quelle: Experteninterview Gorden Wübbe

32 Gern von Marketingspezialisten wiederholter Satz, der auf einen 1996 geschriebenen Artikel von Bill Gates zurückgeht und die Inhalte einer Website als wichtigstes Element für deren Erfolg betont.

33 Vgl. comrecon / ambuzzador (2010), S.22

34 Weinberg, T./ (2010), S. 31

35 Von Marketingexperten benutzter Begriff, um unsinnigen, aber häufig sehr viralen Content zu beschreiben. Basiert darauf, dass Fotos niedlicher Katzen häufig wesentlich mehr User-Reaktionen als ernsthafte Posts erzeugen.

36 „Post“ wird in dieser Arbeit synonym mit „Veröffentlichung“ benutzt

37 Vgl. Steinhagen, W. (2013)

38 Quelle: Experteninterview René Heymann

39 Vgl. Weinberg, T./ (2010), S.XVI

40 Vgl. van Rinsum, H./ Zimmer, F. (2011), S.152

41 Quelle: Experteninterview Gorden Wübbe

42 Vgl. Weinberg, T./ (2010), S. 18

43 Vgl. van Rinsum, H./ Zimmer, F. (2011), S. 87 ff.

44 Vgl. ebd., S. 89

45 Vgl. Zarella, D. (2010), S. 11

46 Vgl. Levy, J.R. (2012), S. 22

47 Vgl. Weinberg, T./ (2010), S. 2

48 Vgl. Huber, M. (2010), S. 31

49 Vgl. ebd.

50 Vgl. Wikipedia / Digg (2013) und Wikipedia / Delicious (2013)

51 Vgl. Wikipedia / Online-Bewertung (2013)

52 Quelle: eigene Darstellung

53 Vgl. Zarella, D. (2010), S. 61

54 Vgl. Meermann Scott, D. (2009), S. 307

55 Quelle: Statista (2013) (a)

56 Vgl. ebd.

57 Vgl. Levy, J.R. (2012), S. 27

58 Vgl. Holzapfel, F./Holzapfel, K. (2012), S. 23

59 Vgl. Allfacebook (2009)

60 Vgl. Facebook / Newsroom (2013)

61 Vgl. Allfacebook (2012)

62 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Allfacebook (2012)

63 Vgl. Statistisches Bundesamt (2012)

64 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Tobesocial (2011)

Details

Seiten
74
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656505389
ISBN (Buch)
9783656505952
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233504
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, Berlin
Note
1,0
Schlagworte
social media marketing eventbranche marketingpotential facebook nutzung veranstalter

Autor

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