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Sucht, Gesellschaft und Drogenpolitik

Hausarbeit 2002 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Zur Typologie des Suchtproblems
1.1 Verschiedene Suchttypen
1.1.1 Substanzgebundene und prozessgebundene Sucht
1.1.2 Das Suchtsystem
1.1.3 Psychische und physische Abhängigkeit

2. Konservative Drogenpolitik - ein kritischer Rückblick
2.1 Das Drogenpolitische Grundsatzprogramm des Fachforum des Grün-Alternativen-Jugendbündnisses
2.2 Ein kritischer Rückblick
2.3 Ausblick

3 ..Quellenangabe

1. Zur Typologie des Suchtproblems

Drogenabhängigkeit wird erst seit den letzten drei Jahrzehnten als „Massenphänomen“ verstanden.

Seit 1968 hat sich der Haschisch- und Marihuanamissbrauch unter Jugendlichen besonders in europäischen Großstädten drastisch erhöht.

„Eine Studie aus Dänemark wies nach, dass 25% der Mittelschüler und Studenten Erfahrungen mit Haschisch und Marihuana gemacht haben. 8% rauchen es regelmäßig.“2

Was meiner Meinung nach immer gern vergessen wird, ist der Alkoholmissbrauch in diesen Altersgruppen.

Für mich stellt sich da die Frage, wieviel Jugendliche, die mit Alkohol Erfahrungen gemacht haben, auch regelmäßig Alkohol trinken. Dies wäre zu prüfen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Prozentzahlen einer solchen Studie bei weitem höhere Werte beider Ereignisse aufweisen würde, scheint mir sehr groß zu sein.

Untersuchungen, die im Auftrag des Europarates 1969 durchgeführt wurden, stellten vier Trends heraus:

1. Das Übergreifen auf immer jüngere Menschen.
2. Die Zunahme der weiblichen Drogenabhängigen.
3. Das Häufigerwerden der Polytoxikomanien.

und 4. Der Wechsel auf intravenöse Injektionen harter Drogen.2

Die Hauptgefahr geht aber nicht von den sogenannten harmlosen Drogen, wie zum Beispiel Haschisch, Amphetaminen oder LSD aus, sondern von „harten Drogen“, wie beispielsweise Heroin, Opium oder Morphium, da der Konsum dieser Drogen neben der psychischen Abhängigkeit auch die physische Abhängigkeit nach sich zieht. 2

Beiden Formen der Abhängigkeit führen verstärkt zu „ruinösen Folgen“ für die psychische und physische Gesundheit der betroffenen Person und üben sehr hohen Druck auf dessen Psyche aus. 2

Gerade aus diesem Grund ist „eine nüchterne und vorurteilsfreie Untersuchung“ des Problems „besonders dringlich“, zumal eine verängstigte und höchst mangelhaft informierte

Öffentlichkeit den Süchtigen zum Kriminellen abstempelt, die Lösung des Problems der Polizei überlässt und somit den Süchtigen zusätzlich mit starkem Druck von außen belastet. 2

Des weiteren gibt es keine einheitliche Auffassung des Suchtbegriffs und demzufolge auch keine Abgrenzung von Gebrauch, Missbrauch und Sucht.

Um den Umgang mit Drogensüchtigen zu ermöglichen und Süchtige von Usern zu unterscheiden, ist diese Abgrenzung und die präzise Bestimmung der Merkmale süchtigen Verhaltens unerlässlich.

Die Expertenkommission der Weltgesundheitsorganisation schlug 1964 für alle Arten der Toxikomanie den Ausdruck „Drogenabhängigkeit“ vor, und unterteilte die Abhängigkeit in sechs verschiedene Typen: 2

1. der Morphin-Typ
2. der Kokain-Typ
3. der Cannabis-Typ
4. der Amphetamin-Typ
5. der Khat-Typ
6. der Barbiturat-Typ

„Drogenabhängigkeit manifestiert sich“ nach Kielholz und Ladewig (1970) als „ein Zustand psychischer und psychischer“ inklusive physischer Abhängigkeit „von Substanzen mit zentralnervöser Wirkung.“ 2

Drogensucht ist der „Zustand, in dem der Mensch in bezug auf die Droge keiner Beherrschung fähig ist“ - sich also jeglicher rationaler Sichtweise auf sich selbst und seinem zwanghaften Verhältnis zur Droge entbehrt und diese Droge so weit „mißbraucht, so daß er und die Gesellschaft geschädigt werden“ (Vogel, Isbell,Chapman 1948).2

Bei dieser Aussage stellt sich für mich die Frage, inwieweit die Gesellschaft geschädigt wird, wenn sich ein Fixer täglich seine Ration spritzt.

Meiner Meinung nach schädigt sich der Süchtige in erster Linie selbst und wird durch Diskriminierung und Kriminalisierung seiner Sucht zusätzlich von der Gesellschaft geschädigt.

Die Schädigung der Gesellschaft wird für mich erst ab dem Punkt sichtbar, wo der Süchtige die medizinischen Behandlungskosten in die Höhe treibt oder Arbeitsunfähig wird.

Dieses Problem wäre aber durch die Entkriminalisierung zu lösen, denn wenn Krankheiten, die nachweislich durch Drogenkonsum entstanden sind, als nicht versichertes Risiko in den allgemeinen Versicherungsbedingungen der gesetzlichen Krankenkassen manifestiert würden, wäre die Allgemeinheit entlastet. Denn die gesetzlichen Kassen müssten in diesen Fällen die Kosten der Behandlung nicht tragen.

Des weiteren wäre ein Ergänzungstarif vorstellbar, der diese Risiken in der privaten Versicherung absichert.

Bei einer solchen Maßnahme ist allerdings darauf zu achten, dass Krankheitsbilder, die durch Alkoholmissbrauch und Nikotinsucht zu begründen sind, ebenfalls zu den -in der gesetzlichen Krankenversicherung- nicht versicherten Risiken gehören.

Allein die Entlastung gesetzlicher Krankenkassen von der Zahlungspflicht in Fällen dieser beiden Volksdrogen, wäre ein großer Fortschritt. Und ich wage es zu behaupten, dass die Belastung durch Drogenabhängige illegaler Drogen in Relation zu der, die von den beiden Volksdrogen ausgeht, ist verschwindend gering ist.

Die Privatisierung der sozialen Absicherung liegt in naher Zukunft und ist auch notwendig. Und wenn sich der Staat, beziehungsweise die Gesellschaft, der Verantwortung sozialer Dienste für seine Bürger entzieht und in dieser Hinsicht jeder für sich selbst sorgen muss(was durchaus gerechtfertigt ist), dann hat die Gesellschaft auch kein Recht , mich als Person so gravierend in meiner persönlichen Freiheit einzuschränken und den Umgang mit meinem eigenen Körper gesetzlich vorzuschreiben.

Die Verantwortung wäre damit vollständig in die Hände der Konsumenten gelegt und wir würden vielleicht endlich mal lernen eigenverantwortlich zu handeln.

Wenn der Staat gleichzeitig die steuerliche Belastung der Bürger mindern würde, wäre eine private Absicherung individueller Risiken auch nicht utopisch.

Doch nun wieder zurück zu meinem eigentlichen Thema. Hierzu wären zunächst einige Definitionsprobleme zu beseitigen:

Was ist Sucht und welche Formen von Sucht gibt es?

Anne Wilson Schaef, eine bekannte Psychotherapeutin, beschreibt in ihrem Buch „Im Zeitalter der Sucht - Wege aus der Abhängigkeit“ Sucht als jeden Prozess, „über den wir machtlos sind.“1 Handlungen und Denkweisen, die im Widerspruch zu unseren Werten und Ansichten stehen und unsere Verhaltensmuster gleichzeitig „einen immer zwanghafteren Charakter annehmen“1, dann haben die jeweiligen Prozesse „die Kontrolle über uns gewonnen“1 und wir können von einer Sucht sprechen. Um hierbei die Drogenpolitik im Auge zu behalten, wo es leider nicht üblich ist zwischen Konsumenten und Süchtigen zu unterscheiden, geht die Gesellschaft davon aus, dass die Werte und Ansichten des Individuums sich äquivalent zu denen der Allgemeinheit verhalten - was wohl selten der Fall sein wird, denn wir Menschen werden nicht umsonst als INDIVIDUEN bezeichnet.

Als „sicheres Anzeichen von Sucht“ führt die Therapeutin das „unvermittelte Bedürfnis, uns selbst und andere zu täuschen - zu lügen, zu leugnen und zu vertuschen“ an, und beschreibt „Sucht“ als „alles, worüber wir versucht sind, zu lügen“ und „was wir nicht bereit sind, aufzugeben“.1 Sie führt außerdem an, dass wir diese Prozesse möglicherweise gar nicht aufgeben müssen, sondern allein der Wegfall des Zwanghaften der Sucht, also die „ehrliche Bereitschaft zur Aufgabe“ der jeweiligen Prozesse oder Substanzen ausreicht, um von der Sucht loszukommen. 1

Sucht verläuft „wie jede ernst zu nehmende Krankheit“ „fortschreitend, und sie führt zum Tod, wenn wir uns nicht rechtzeitig um unsere Genesung bemühen“.1

Als weiteres Merkmal von Sucht zählt sie die “Verschleierung unserer Gefühle und Wahrnehmungen“ auf und die Aufgabe des Umgangs mit Empfindungen, wie „Zorn, Schmerz, Depression, Verwirrung, aber auch Freude und Liebe“ „da wir sie nicht oder nur gedämpft spüren“.1

Süchtige „hören auf,“ ihrem „Wissen und“ ihren „Sinnen zu trauen“.1

Durch diesen „Mangel an innerem Empfindungsvermögen“ sterben „auch unsere inneren Prozesse ab, was uns wiederum gestattet, der Sucht verhaftet zu bleiben.“1 Wenn wir diesen Kreislauf nicht durchbrechen und uns „für die Genesung entscheiden, um das Fortschreiten der Sucht aufzuhalten“, werden wir zwangsläufig „an ihr zugrunde“ gehen.1

„Haben wir erst den Kontakt zu uns selber verloren, verlieren wir ihn auch zu anderen Menschen und zu unserer Umwelt“ und leben nur noch für die jeweilige Droge oder den jeweiligen Prozess.1

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638114325
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2334
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Sozialpädagogik
Note
unbenotet
Schlagworte
Sucht Gesellschaft Drogenpolitik Drogenarbeit Jugendlichen

Autor

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Titel: Sucht, Gesellschaft und Drogenpolitik