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Übertragung und Gegenübertragung

von Anne Schwamm (Autor) Melanie Gessner (Autor)

Seminararbeit 2004 10 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übertragung
1.1. Definition aus dem Wörterbuch
1.2. Was versteht man unter einer Übertragung
1.3. Auswirkungen von Übertragungen
1.4. Die Bedeutung der Übertragung für den Berater

2. Gegenübertragung
2.1. Definition aus dem Wörterbuch
2.2. Was versteht man unter Gegenübertragung?
2.3. Funktion der Gegenübertragung
2.4. Problematik der Gegenübertragung
2.5. Welche Bedeutung hat dabei die Realbeziehung?

3. Literatur:

1. Übertragung

1.1. Definition aus dem Wörterbuch

Das Konzept der Übertragung entstammt klinischen Beobachtungen und beschreibt ein Phänomen, das regelhaft in der psychoanalytischen Behandlung auftritt, aber auch in anderen Objektbeziehungen, zum Beispiel in der Ehe. Dabei werden vom Patienten erlebte Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen unbewusst auf den Analytiker übertragen. Es handelt sich um eine Form automatischer, unbewusster Wiederholungen früherer Objektbeziehungen im Umgang mit aktuellen Objekten.[1]

1.2. Was versteht man unter einer Übertragung?

Der Begriff der Übertragung wurde erstmals von Freud 1895 gebraucht. Er stellte fest, dass seine Patienten eine, wie er es nannte, „falsche Verknüpfung“ zwischen einer Person, welche Objekt ihrer früherer Wünsche war und dem Arzt, erstellten.

Freud ging zunächst davon aus, dass Übertragungen nur innerhalb einer Psychotherapie auftreten. Heute weiß man, dass Übertragungen auch im Alltag und nicht nur zwischen der Beziehung des Patienten und dem Arzt vorhanden sind.

Jeder von uns wird mit Übertragungen anderer Personen konfrontiert und überträgt selbst.

Meist geschieht dies unbewusst. Wir übertragen bereits erlebte Gefühle, Wünsche und Rollenerwartungen, die wir gegenüber uns wichtigen Menschen hatten, z.B. gegenüber dem Vater oder der Mutter, auf Personen der Gegenwart. Es werden Liebe, Hass, Gehorsam oder Rebellion auf neue Beziehungen übertragen. Man redet mit einer Person und ohne es zu wissen, redet man auch mit jemandem, der nicht anwesend ist.[2]

Übertragungen können z.B. dazu führen, dass uns eine Person sympathisch oder unsympathisch erscheint, obwohl wir sie noch gar nicht gut kennen.

Die Art ihres Lachens, der markante Gang, die Kleidung oder ihr Auftreten können bei uns Gefühle wieder aufleben lassen, die wir gegenüber einer guten Freundin oder aber auch gegenüber dem verhassten Lehrer hatten. Übertragung ist also eine Wiederholung eines Erlebnisses aus vergangenen Zeiten, die sich auf die „falsche Person“ richtet.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir Menschen genau genommen selten oder niemals eine direkte Begegnung miteinander haben, sondern auch im Alltag ständig mit Übertragungen konfrontiert werden und selbst unbewusst Gefühle übertragen.

1.3. Auswirkungen von Übertragungen

Übertragungen können sich also sowohl positiv, als auch negativ auf die aktuelle Beziehung auswirken. Wenn ein Klient zu einem Beratungsgespräch kommt und sich dem Berater gegenüber so verhält, als sei er sein Vater, so kann dies in Erfahrungen, die der Klient in seiner Jugend erlebt hat, zurückzuführen sein. Eine solche Übertragung des Klienten kann sich negativ auf die aktuelle Situation auswirken, da der Klient unbewusst die Anforderung an den Berater stellt, er solle ihm vorschreiben, wie er sich zu verhalten habe. Da der Klient in seiner Jugend die Erfahrung durchlebt hat, dass sein Vater ihm immer gesagt hat, was er zu tun und zu lassen hat, geht er nun davon aus, dass alle älteren Männer sich so verhalten. Der Gehorsam, den der Klient dem Berater entgegenbringt, gilt nicht dem Berater als Person, sondern eigentlich dem Vater des Klienten.

Die Erwartungen des Klienten gegenüber dem Berater, sind also in seiner Beziehung zu seinem Vater begründet. Für den Berater stellt sich nun das Problem, dem Klienten zu verdeutlichen, dass er ihm kein Patentrezept zur Lösung seiner Konflikte geben kann, sondern dass der Klient lernen muss, sich selbst zu helfen.

Wenn bei einem Klienten allerdings beim Kontakt zum Berater Gefühle aus der Vergangenheit hervorgerufen werden, welche der Klient als positiv empfindet, so kann sich dies auch positiv auf die Beratung auswirken. Der Klient ist dann dem Berater gegenüber vielleicht besonders aufgeschlossen, da er in ihm die liebevolle Mutter sieht, welche ihm helfen möchte. Oder der Berater löst beim Klienten Gefühle der Sympathie aus, da der Berater den Klienten unbewusst an einen guten Freund erinnert. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Beratung aus, da neben der fachlichen Kompetenz, Sympathie eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Gerade bei Patienten mit schweren psychischen Störungen kann deren Sympathie gegenüber dem Therapeuten dazu beitragen, dass die Therapie vom Klienten angenommen wird.

[...]


[1] Auchter, Thomas/ Strauss, Laura Viviane: Kleines Wörterbuch der Psychoanalyse, Göttingen 1999

[2] Stroeken, Harry (1993): Kleine Psychologie des Gesprächs. Ein praktischer Ratgeber, Vandenhoeck und Ruprecht (Göttingen, Zürich), S. 33

Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638264785
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23337
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Erziehungswissenschaft
Note
2
Schlagworte
Gegenübertragung Seminar Training Beratungskompetenz Psychoanalytischer Beratungsansatz

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Titel: Übertragung und Gegenübertragung