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Singer über den Speziesismus in: "Alle Tiere sind gleich"

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Die Notwendigkeit seine Einstellungen zu überdenken

3 Das Prinzip der Gleichheit
3.1 Die Ausdehnung des Prinzips der Gleichheit
3.2 Das Prinzip der gleichen Interessen
3.3 Die Fähigkeit zu leiden als Voraussetzung Interessen zu haben

4. Speziesismus
4.1 Tiere als Nahrung
4.2 Tierversuche

5. Speziesismus der zeitgenössischen Philosophie
5.1 Geistig behinderte Menschen

6. Ausblick

7. Literaturhinweise

1 Einleitung

In der alltäglichen Praxis wird der Begriff der Spezies konventionell für die Trennung der menschlichen von nichtmenschlichen, organischen Lebensformen gebraucht. In der vorliegenden Arbeit werden die Grundzüge Peter Singers Aussagen in „Alle Tiere sind gleich“ und die von ihm angeführten, ausschlaggebenden Kriterien für Spezieszugehörigkeit skizziert. Zunächst wird Singers Argumentationsbasis, das grundlegende Prinzip der Gleichheit, sowie die Notwendigkeit der gleichen Berücksichtigung von Interessen erläutert. Folgend sollen die zwei, laut Singer, Hauptformen des Speziesismus aufgezeigt und Singers Verurteilung eben dieser kritisch reflektiert werden. Im Verlauf der Arbeit soll herausgestellt werden, dass Singers Kritik an Philosophen, nämlich sich auf bereits bestehende Ideologien zu beziehen, ohne diese in Frage zu stellen, stringent ist. Er selbst hingegen tendiert dazu, unklare Begrifflichkeiten zu verwenden. Darüber hinaus setzt sich diese Arbeit mit dem von Singer aufgezeigten Speziesismus der zeitgenössischen Philosophie auseinander und zeigt die Problematik, der von ihm implizierten Abwägung relevanter Fakten als Kriterium für die Bestimmung von Interessen, auf.

2 Die Notwendigkeit seine Einstellungen zu überdenken

Peter Singer appelliert, die Befreiungsbewegung der Frauen niemals als die „[...] einzig noch verbleibende Form von Diskriminierung [...]“' zu bezeichnen. Stattdessen solle man, sofern man nicht selber zu den Unterdrückern zählen wolle, seinen moralischen Horizont erweitern, und das moralische Prinzip der Gleichheit neu interpretieren, bzw. ausdehnen.1 2 Man müsse bereit sein, seine grundlegendsten Annahmen und Einstellungen zu überdenken, indem diese aus der Perspektive jener betrachtet würden, welche durch diese entstehenden Handlungsweisen am meisten benachteiligt würden. Durch einen solchen Perspektivenwechsel können Handlungsmuster, welche zum permanenten Vorteil der eigenen Gruppe führen, aufgedeckt werden. Folgend fordert Singer, diese ,,[...] geistige Kehrtwende bezüglich unserer Einstellungen und Handlungsweisen [...]“3 gegenüber einer anderen Spezies als unserer eigenen, nämlich der, der Tiere zu vollziehen. Er stellt die Frage, warum die für Frauen, Farbige und sämtliche weiteren, vormals unterdrückten Gruppen geltenden Gleichheitsargumente, nicht auch für Hunde, Katzen, etc. angewendet werden können. Dieses Argument wirkt zunächst befremdlich, ist aber diskursiv zu Singers weiterer Argumentation. So fordert er, dass das Prinzip der Gleichheit nicht nur wie üblicherweise für alle Mitglieder unserer eigenen Spezies gilt, sondern über die Grenze der Spezies „Mensch“ hinaus angewandt wird.

3 Das Prinzip der Gleichheit

Singer räumt ein, dass es zweifellos grundlegende Unterschiede zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren gibt. Er erkennt allerdings nicht an, dass diese Unterschiede ein Hindernis dafür seien, das grundlegende Prinzip der Gleichheit auf nichtmenschliche Tiere auszudehnen.4 Dies bedeutet nicht, dass man den Tieren sämtliche Rechte zuschreiben solle, wie den Menschen. Es gehe nicht darum, so Singer, Tieren ein Wahlrecht o.ä. zu gewähren, da Tiere nicht in der Lage sind, zu wählen, sei es unnötig über ihr Wahlrecht zu sprechen. Singer führt folgend das grundlegende Argument für Gleichheit der Rücksichtnahme an.O Diese gleiche Rücksicht könne „[...] auf verschiedene Wesen zu unterschiedlicher Behandlung und zu unterschiedlichen Rechten führen.“ So gehe es nicht um faktisch gleiche Behandlung, denn diese ist schon aufgrund unterschiedlicher Fähigkeiten auch beim Mensch nicht möglich.

3.1 Die Ausdehnung des Prinzips der Gleichheit

Um zu zeigen, dass es gerechtfertigt und keinesfalls absurd ist, das Prinzip der Gleichheit auf nichtmenschliche Wesen anzuwenden, befasst Singer sich zunächst mit der Untersuchung des Ursprungs des Widerstands gegen die Diskriminierung anderer, unterdrückter Gruppen. Dieser beruhe auf der Gleichheitsforderung unter menschlichen Wesen und diese wiederum ,,[...] auf der tatsächlichen Gleichheit der verschiedenen Rassen und Geschlechter [,..].“5 Singer räumt ein, dass die verschiedenen Menschen in ihren Eigenschaften und Interessen weitgehend heterogen sind. Diese Heterogenität habe allerdings nichts mit ihrer Rasse oder ihrem Geschlecht an sich zu tun. Man könne aus der bloßen Tatsache, dass eine Person beispielsweise eine Frau ist, nichts über die Person selbst folgern. Lediglich für den Widerstand gegen Sexismus und Rassismus könne man auf diese Weise argumentieren. Gleichheit, so Singer, sei ein moralisches Ideal, welches weder von der Intelligenz oder den Genen, noch der physischen Stärke einer Person abhängt. Somit liefere auch die faktische Ungleichheit in den Fähigkeiten der Menschen keinen Grund, der einen Unterschied in der Rücksicht, die auf die Bedürfnisse und Interessen zu nehmen sind rechtfertigt. Gleichheit sei ,,[...] ein faktisches Ideal, keine Tatsachenbehauptung.“6 Singer beschreibt das Prinzip der Gleichheit folgend als ,,[...] eine Vorschrift, wie wir Tiere behandeln sollen.“7 An dieser Stelle ist die Argumentationsweise Singers persistent. Er springt von der faktischen Ungleichheit der menschlichen Fähigkeiten zu der Art und Weise, wie man Tiere behandeln müsse. Singer überträgt hier seine vorangehende Argumentation für die faktische Ungleichheit in den Fähigkeiten der Menschen, analog auf nichtmenschliche Wesen.

Im Folgenden wird erläutert, dass das Prinzip der Gleichheit die Rücksichtnahme auf Andere unabhängig ihres Aussehens oder ihren Fähigkeiten beinhalte und aus diesem Grund auch der Speziesismus zu verurteilen sei.8

Singer stellt die Frage, wieso ein höherer Intelligenzgrad den Menschen berechtigt, nichtmenschliche Wesen auszunutzen, gleichzeitig aber andere Menschen aufgrund eines niedrigeren IQs nicht für die Zwecke der Intelligenteren missbraucht werden dürfen.

3,2 Das Prinzip der gleichen Interessen

Nach Singer impliziert ethisches Handeln Universalität. Das bedeutet, dass das eigene Handeln über die eigenen Neigungen und Abneigungen hinausgehen und die gleichstarke Berücksichtigung von Interessen Anderer einschließen muss. Kennzeichnend für Peter Singer ist, dass seine Forderung nach Berücksichtigung von Interessen, über die Grenze der Spezies hinausgeht. Er ist einer der wenigen Philosophen, die das Prinzip der gleichen Berücksichtigung von Interessen über seine eigene Spezies hinausgehend einschließt. Laut Singer stellt die Spezieszugehörigkeit, ebenso wie die Geschlechter- und Rassenzugehörigkeit keine relevante Grenze dar.

Singer setzt die Bemessung der Interessen seiner eigenen Spezies, vor denen von Mitgliedern einer anderen Spezies, mit dem Verhalten von Sexisten und Rassisten gleich. Ebenso die Speziesisten bemessen den Interessen der Mitglieder der eigenen Rasse, bei einem Interessenskonflikt mehr Gewicht, als den Mitgliedern einer anderen Rasse.

Weiter gebe es keinen logischen Grund für die Annahme, dass ein Unterschied in den Fähigkeiten zweier Wesen unterschiedlicher Spezies, gleichermaßen einen Unterschied in der Beachtung rechtfertigen soll, die wir ihren Interessen schenken. Berufe man sich dennoch auf die Spezieszugehörigkeit, so ginge man von den gleichen Grundannahmen aus wie Rassisten und Sexisten, die die Relevanz von Interessen paradoxerweise an diesen Punkten festmachen wollen. Selbst, wenn Unterschiede in den Fähigkeiten z. B. zwischen zwei Rassen bestünden, so sieht Singer darin keinen Grund, den Interessen einer Gruppe mehr Aufmerksamkeit zu schenken als denen, einer anderen Gruppe. Singer argumentiert, dass die bloße Rassen- bzw. Geschlechterzugehörigkeit nichts über die Tatsächlichen Fähigkeiten und Interessen dieser besagt. Auch die von Jeremy Bentham formulierte Formel „Ein jeder zählt als einer und niemand mehr als einer“9 auf welche sich Singer

[...]


1 Singer, Peter (1997): „Alle Tiere sind gleich“, in: Angelika Krebs (Hg.): Naturethik. Grundtexte dergegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Frankfurt a.M: Surkamp, S. 13-32. Im Folgenden wird nach dieser Ausgabe zitiert.

2 Vgl. ebd. S. 13

3 Ebd. S.14

4 Vgl. ebd. S. 15

5 Ebd. S. 16

6 Ebd. S. 18

7 Ebd. S. 19

8 Ebd. S.19

9 Ebd. S. 19

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656497905
ISBN (Buch)
9783656498919
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233288
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Philosophisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
singer speziesismus alle tiere

Autor

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