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Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Städteunruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts

3 Der Aueraufstand in Regensburg 1330-
3.1 Die Verschwörung von
3.2 Die Herrschaft der Auerpartei
3.3 Unruhen in der Stadt
3.4 Ende der Auerherrschaft

4 Schluss: ”Aufstand“derAuer?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Den Kämpfen der Städte um Unabhängigkeit von ihren Stadtherren folgte zu Beginn des 14. Jahrhunderts mehr und mehr eine Zeit der innerstädtischen Auseinandersetzungen. Früher sprach die Forschung in diesem Zusammenhang noch gerne allgemein von ”Zunftkämpfen“odergar ”Zunftrevolutionen“,doch haben dieser und ähnliche Termini seit den sechziger Jahren immer weiter an Akzeptanz verloren und wurden - ausgehend von der Erkenntnis, dass die Zünfte in den Auseinandersetzungen in Wirklichkeit selten die entscheidende, tragende Kraft gewesen sind - durch den Begriff ”Bürgerkämpfe“ersetzt.1

Mit diesen neuen Prämissen änderten sich auch die Vorzeichen, unter denen das Thema dieser Hausarbeit, der Aueraufstand, im Laufe der Zeit untersucht worden ist. Der Aueraufstand kann als Beispiel dafür gelten, wie Handwerkern und Zünften in der frühen Forschung intuitiv eine Rolle zugewiesen wurde, die nach dem Zeitgeist der ”Zunftkämpfe“konstruiert,abernichtdurchQuellen belegt war. So geschehen etwa schon in Carl Theodor Gemeiners Regensburgischer Chronik aus dem frühen [19]. Jahrhundert.2

Für die neuere Forschung grundlegend ist immernoch die mit umfangreichen Datenmaterial versehene Arbeit von Fritz Morré aus dem Jahre 1935, auf die sich bis heute berufen wird.3 Eine Bibliographie zum Aueraufstand bis 1995 findet sich in einem Aufsatz von Johann Schmuck.4 Am ehesten einer Gesamt- darstellung entspricht dann auch Schmucks Monographie ”LudwigderBayer und die Reichsstadt Regensburg“.5 Für die Zeit nach 1995 ist noch die Arbeit von Sandra Lehner über das Regensburger Patriziat im frühen 14. Jahrhundert zu nennen.6 In dieser Arbeit versuchte Lehner eine Neubewertung des Aueraufstands, ausgehend von der Infragestellung von Forschungsprämissen bezüglich der Gliederung des städtischen Patriziats.

Gegenstand dieser Hausarbeit wird es sein, den Aueraufstand und die Entwicklungen, die zu ihm geführt haben, anhand der städtischen Urkunden Regensburgs nachzuvollziehen. Ein Augenmerk wird hierbei auf die oben beschriebenen Streitfragen nach der Rolle der organisierten Handwerker und dem Verlauf der Konfliktlinien innerhalb des Regensburger Patriziats gelegt. Dazu soll das Ereignis in einen Bezug zu den innerstädtischen Auseinandersetzungen und Unruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts gesetzt werden.

Den Untersuchungen dieser Hausarbeit liegt als Quellenbasis das Regensburger Urkundenbuch zugrunde - eine Edition der städtischen Urkunden Regensburgs, die bis in das Jahr 1378 reicht.

2 Städteunruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts

Im Emanzipationsprozess der Städte lassen sich zwei Unruhetypen festmachen. Beide Typen überschnitten sich zeitlich und inhaltlich, sodass keine festen Ab- grenzungen gezogen werden können. Mit dem 13. Jahrhundert begannen in den deutschen Städten die Kämpfe der Stadtbürger gegen die feudalen Stadther- ren, denen sich insbesondere ab dem 14. Jahrhundert innerstädtische Ausein- andersetzungen beziehungsweise Bürgerkämpfe um die Teilhabe am Stadtregi- ment anschlossen.7 Die Emanzipation der Regensburger Bürgerschaft von ihren Stadtherren war vom Ende des 12. Jahrhunderts bis zur Mitte des 13. Jahr- hunderts ein fortdauernder Prozess8 und kulminierte schließlich in dem Privileg Kaiser Friedrichs II. von 1245, durch das Regensburg zur ”Freien Reichsstadt“ wurde.9

Obwohl die Regensburger Bürgergemeinde bereits sehr früh eine starke städtische Unabhängigkeit erreicht hatte, spielten die ehemaligen Stadtherren (König, Bischof, bayerischer Herzog und das Kloster St. Emmeram) im Geflecht der Mächte weiterhin eine nicht unbedeutende Rolle und konnten ihren Einfluss geltend machen. Zeitweise bestanden - und dies ist eine Besonderheit Regensburgs - vier Stadtherrschaften nebeneinander.10

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren in den Unruhen die Auseinander- setzungen vom Typ Bürger gegen Bürger dominant, während jene vom Typ Bürger gegen Stadtherren immernoch im Hintergrund präsent waren. Alfred Haverkamp hat in den Städten des Reiches für die erste Hälfte des 14. Jahrhun- derts drei Unruhephasen festgestellt: Die Erste in den Jahren 1301 bis 1304, die Zweite von 1327 bis 1333 und schließlich die Dritte von 1345 bis 1350.11 Der Aueraufstand liegt also in einer Phase der reichsweiten Häufung von Unru- hen.12 Zu klären wäre, inwiefern diese Häufungen auf einen Zusammenhang der Unruhen hindeuten. Häufungen legen zwar überlokale Zusammenhänge nahe, sind aber noch kein hinreichender Nachweis.13 Der Beginn der zweiten Unru- hephase 1327 korreliert bemerkenswerterweise mit dem Aufbruch Ludwigs des Bayern nach Italien und der darauffolgenden Abwesenheit des Königs, durch die jene Unruheprozesse möglicherweise verstärkt worden sind.

In der Forschung wurden die Unruhen dieser Zeit mehrheitlich als isoliert und lokal begrenzt charakterisiert. Unruhen sprangen nicht von der einen Stadt auf die andere über und benachbarte Städte wurden mehr als Bedrohung denn als mögliche Verbündete wahrgenommen. Vorherrschend war der Hang zu Par- tikularismus und Autarkie. Nach Turnau ist allerdings davon auszugehen, dass Zusammenhänge in Form von geheimen Verbindungen bestanden und der Ein- druck der Isolation bewusst gefördert wurde, da Allianzen als offener Aufruhr schwer bestraft wurden.14 Letztendlich müsste eine Annäherung an diese Fra- gen durch einen Vergleich der Ursachen der einzelnen Unruhen während einer Unruhehäufung erfolgen.

3 Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334

3.1 Die Verschwörung von 1330

Im April 1330 regte sich in Regensburg Unmut gegen den Patrizier Konrad Prunnhofer. Der Grund ist nicht überliefert, doch scheint es zu einem Auflauf unter den Bürgern gekommen zu sein. In der Folge wurden Prunnhofer und seine Söhne bestraft und mussten Fehdeverzicht gegenüber dem Propstrichter Friedrich von Aue, dem Hansgrafen Bertold Paulsær, dem Hansrat, dem Stadt- rat sowie den Kaufleuten und den Handwerkern schwören.15 Der amtierende Bürgermeister Berthold von Ergoldsbach tritt in der Urkunde nicht als Ver- mittler auf, was sehr wahrscheinlich auf instabile Machtverhältnisse innerhalb der Stadt hindeutet. Möglicherweise ist die Ursache für die Bestrafung Prunn- hofers sogar in einem gescheiterten Putschversuch desselben zu suchen.16

In dieser aufgeladenen Situation konstituierte sich eine Woche später, am 7. Mai 1330, eine Verbindung von 37 Bürgern unter Führung Friedrichs von

Aue gegen die bestehende Stadtverwaltung. Dieses Bündnis tat sich mit ”al- len handwerchen“17 zusammen und forderte eine Rechnungslegung über die Finanzen der Stadt ”umarmerundreychernotdurftwillen“.18

Wie war es dazu gekommen, dass die Auer und ihre Verbündeten ein Bündnis mit den Zünften eingingen? Die Regensburger Chronik schildert, wie die Hand- werker gegen Konrad Prunnhofer in ”schrecklicheBewegung“geratenseien.

Rat und Gemeinde hätten sich daraufhin über die Ereignisse in gegensätzliche Parteien gespalten, wodurch der Grundstein für die Verschwörung gelegt war.19 Unabhängig von der Bedeutung, die man Gemeiners Wortwahl beimessen mag, scheint große Unzufriedenheit unter den Handwerkern geherrscht zu haben. Dafür spricht die Forderung nach Rechenlegung der Stadtfinanzen an den Stadtrat, die - wie sich in anderen Städten vergleichend beobachten lässt - das gängigste Motiv für Zunftunruhen jener Zeit war.20 Von den Auern war diese Forderung nun energisch und sicher nicht uneigennützig aufgegriffen wor- den.

Bei den Erweiterungen des Auerschen Bündnisses am 24. Juli21 und am 6. September22 beschwor man erneut die Treue zu den Handwerkern. Den Friedbrief des Bündnisses hatten nun schon über 200 Eidgenossen unterzeich- net und es wurde beschlossen, dass fortan keine Vorfälle und Absichten ver- schwiegen werden dürfen, die sich gegen die Einung richteten. Der Untreue beschuldigte Bürger waren verpflichtet, die Anschuldigungen zu entkräften. Zur Einhaltung der Regelungen wurden nun jährlich Friedensrichter ernannt, die ein Fünfergericht bildeten, welches Streitigkeiten zwischen den Eidgenossen schlichten sollte.

Am 17. September traten die beiden Schultheiße Stephan und Albrecht Zant dem Bündnis bei. Dies geschah allerdings nicht freiwillig, sondern um der p uzze zu entgehen, die ihnen gegen Zuwiderhandlungen auferlegt worden war.23 Die Namenslisten der Einung geben demnach noch keinen Aufschluss über die Ge- sinnung von einzelnen Personen. Vielmehr waren diese sogenannten Verban- dungen für die Auer das Mittel der Wahl, um ihre Gegner zu neutralisieren.

Schon bald war die Macht in der Stadt an die Auereinung übergegangen. Eine Urkunde vom 11. September, in der die Wahl der Friedensrichter neu geregelt wurde, trägt bereits das grüne Stadtsiegel.24 Ob die Macht auf legalem Wege oder gewaltsam errungen worden ist, lässt sich nicht mehr herausfinden. Fortan verstand sich die Auereinung als Friedensverband, Sorge tragend dafür, dass auff feurbas iht mer gescheh“.

In diese Zeit der Auerschen Machtergreifung fällt auch die Vertreibung von Ludwig Straubinger sowie von Heinrich und Ulrich Kratzer.25 Sie wurden noch im Jahre 1330 für 40 Jahre aus der Stadt verbannt.26 Die Kratzer und Strau- binger gehörten vorher noch zum Kreise der Ratsherren27 und sind 1326 an der Verbannung von Dietrich von Au und Ortlieb Gumprecht beteiligt gewesen.28

Worin begründete sich die Feindschaft der verschiedenen Ratsfraktionen in Regensburg? Eine verbreitete Forschungsposition beruft sich auf Fritz Morré und geht für Regensburg zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch von einem Ge-”sogetaneraufl e gensatz zwischen Verwaltungs- und Handelspatriziat aus.29 Ein Großteil der Forschung, darunter Klebel, Bosl und zuletzt Schmuck schloss sich Morré mehr oder weniger an30, während Planitz und zuletzt Lehner eine solche Einordnung gänzlich ablehnen.31 Tatsächlich ist es jedoch so, dass Morré zum einen eine Einordnung der Ratsfamilien in die Kategorien Verwaltungspatriziat und Han- delspatriziat vornahm, zum anderen aber an mehreren Stellen darauf hinwies, dass das eine zum anderen ”keinGegensatz“32 sei,oderdassderGegensatz ”nichtsotiefgewesen[sei],daßernichtdurchconubium33...überbrücktwerden konnte“.34

Jedenfalls lassen sich die Machtkämpfe der Patriziatsfraktionen in Regens- burg länger zurückverfolgen. Bereits 1322 schickte sich ein Bündnis aus Au- er und Gumprecht an, Bürgermeister Ulrich Schenk abzusetzen35 und Ort- lieb Gumprecht als Bürgermeister einzusetzen.36 Dieser sicherte daraufhin den Münzern ihr Handelsmonopol und sorgte für die Aufhebung der Steuerpflicht für Adlige. 1326 gelang es dann der Gegenpartei um Berthold von Ergoldsbach, Gumprecht als Bürgermeister wieder abzusetzen und die Beschlüsse rückgängig zu machen.37 Festzuhalten bleibt, dass im Vorfeld des Aueraufstands schon recht deutlich zwei gegensätzliche Gruppen hervortraten, die um die Macht in der Stadt rungen.

Johann Schmuck konstatierte für Regensburg als längerfristige Problemati- ken den Streit um die Kompetenzen des Hansgrafen und den Kampf um die Pri- vilegien der Münzer und des Adels. Demnach schwelten diese Konflikte schon seit dem Lichtenberger Schied 128138 und kulminierten schließlich ungelöst im Aueraufstand.39 Auffällig beim Lichtenberger Schied ist weiterhin, dass nach den Forschungen Turnaus im Jahr 1281 das Maximum an Unruhehäufungen für das 13. Jahrhundert erreicht wurde.40 Sowohl der Aueraufstand als auch der Lichtenberger Schied fanden demnach zu Zeiten von Unruhemaxima in den Städten des Reiches statt.

[...]


1 Ehbrecht 1983.

2 Gemeiner 1971.

3 Morré 1935.

4 Schmuck 1995, S. 135.

5 Schmuck 1997.

6 Lehner 2009.

7 Turnau 2007, S. 91.

8 Für detaillierte Ausführungen siehe Schmid 2000, S. 177-190.

9 RUB I, Nr. 70.

10 Haverkamp 1991, S. 97ff.

11 Haverkamp 1991, S. 101.

12 Unruhen der zweiten Phase nach Haverkamp 1991, S. 101, Anm. 43: Speyer (1327-30), Stralsund (1328), Breslau (1329), Bremen (1330), Magdeburg (1330), Regensurg (1330), Hagenau (1331), Colmar (1331/32), Fulda (1331/32), Ulm (1331/33), Aschaffenburg (vor September 1332), Dortmund (1332), Mainz (1332-33), Stralsund (1332).

13 Turnau 2007, S. 77.

14 Turnau 2007, S. 79-81.

15 RUB I, Nr. 598.

16 Schmuck vermutet dies. Schmuck 1997, S. 117.

17 Hier gleichbedeutend mit Zünften.

18 RUB I, Nr. 601.

19 Gemeiner 1971, S. 545.

20 Maschke 1959, S. 291.

21 RUB I, Nr. 608.

22 RUB I, Nr. 610.

23 RUB I, Nr. 612.

24 RUB I, Nr. 611.

25 Nicht etwa erst 1333. Vgl. hierzu RUB I, Nr. 686, Anm. 1 und Schmuck 1997, S.251, Anm. 1982.

26 RUB I, Nr. 737.

27 RUB I, Nr. 561, 570.

28 RUB I, Nr. 517.

29 Morré 1935, S. 17, 36, 41-42.

30 Klebel 1940, S. 29; Bosl 1966, S. 6; Schmuck 1995, S. 131.

31 Planitz 1950, S. 328, 330; Lehner 2009, S. 141-144 et passim.

32 Morré 1935, S. 28.

33 Heiratsverbindungen.

34 Morré 1935, S. 22.

35 RUB I, Nr. 437.

36 RUB I, Nr. 448.

37 RUB I, Nr. 517.

38 Der Lichtenberger Schied ist eine von dem Regensburger Bürgermeister Hermann von Lichtenberg im Jahre 1281 ausgestellte Urkunde zur Schlichtung eines Konfliktes, in dem sich auf der einen Seite die Ritter, Münzer und die Brauer - auf der anderen Seite die Kaufleute und die übrigen Bürger gegenüberstanden. Letztere strebten eine Ausweitung der Hansgrafenkompetenzen innerhalb der Stadt an. Im Schied wurde gerichtet, dass die Zuständigkeit des Hansgrafen auch weiterhin auf die Angelegenheiten der Kaufleute außerhalb der Stadt beschränkt bleibt. RUB I, Nr. 128.

39 Schmuck 1997, S. 80.

40 Turnau 2007, S. 992, 1053.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656502449
ISBN (Buch)
9783656503385
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233210
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Aueraufstand Regensburg Städte im Mittelalter Städteunruhen 14. Jahrhundert Patriziat Zünfte Bürgerkämpfe Bürgermeister Handwerker

Autor

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Titel: Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334