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Alexander und das Verhältnis zu seinem Heer

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Alexander der Große[1]

2. Alexanders Verhältnis zum Heer
2.1 Alexanders Regierungsantritt
2.2 Der Persienfeldzug
2.3 Die Reise nach Indien
2.4 Meuterei am Hyphasis und der beschwerliche Weg durch die gedrosische Wüste – Zeichen einer inhumanen Strafexpedition?
2.5 Alexanders Verhältnis zum Heer in seinen letzten Jahren

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

1. Alexander der Große

Fragt man Menschen auf der Straße, welche spontanen Assoziationen sie mit Alexander dem Großen verbinden, so wird man von einem tapferen Feldherren, großen, ruhmreich gefochtenen Schlachten und einem nie wieder da gewesenen universalen Weltreich hören. Fast könnte man meinen, Alexander hätte das Archaimenidenreich im Alleingang niedergestreckt und die Herrschaft der damals bekannten Welt errungen. Was dabei in der Forschung bei all der Fixierung auf die Person Alexanders häufig auf der Strecke bleibt, ist das Instrument, das Alexander zu seinen Siegen verhalf: sein Heer. Wie jeder andere antike Feldherr musste sich Alexander bei seinen Eroberungszügen auf seine Soldaten stützen können. Eine außergewöhnliche Symbiose entstand deswegen zwischen Armee und Feldherr, die zur damaligen Zeit einzigartig war. Dieses Vertrauensverhältnis zwischen Alexander und seinem Heer wurde in den vielen Kriegsjahren mehrmals auf die Probe gestellt und änderte sich zwangsläufig. Der unstillbare Ehrgeiz Alexanders, sein pothos, der ihn vorantrieb, musste irgendwann zum Bruch mit seinem Heer führen und so meuterte Alexanders Armee schließlich am Hyphasis und zwang ihn zur Umkehr aus Indien. Kann der darauf folgende Marsch durch die gedrosische Wüste also als Bestrafung Alexanders für den Ungehorsam seiner Soldaten gesehen werden? Als inhumane Strafexpedition, die als Exempel dienen und weiteren Meutereien prophylaktisch entgegenwirken sollte?

Die Motive Alexanders sind schwer zu durchschauen und zu rekonstruieren. Trotzdem soll den Beweggründen Alexanders, die ihn zu dieser Entscheidung getrieben haben, diese Route zu wählen auf Grund rationaler Überlegungen nachgegangen werden.

Außerdem soll im Rahmen dieser Arbeit maßgeblich darauf eingegangen werden, wie sich das Verhältnis Alexanders zu seinem Heer von den Anfängen seines Regierungsantritts bis hin zu seinem Tod entwickelte. Dabei wird auch vorgestellt, mit welchen Maßnahmen Alexander sich die Treue und Loyalität, sowie die Kampfbereitschaft seiner Soldaten sichern wollte und welche Charakterzüge Alexanders darauf Einfluss nahmen. Vergessen soll dabei nicht werden, welche Umstrukturierungen Alexander im Heer vornahm und wie seine strategischen und taktischen Überlegungen mit seinen Siegen korrespondierten.

2. Alexanders Verhältnis zum Heer

2.1. Alexanders Regierungsantritt

Die Ermordung Phillips II im Jahre 336 und das damit einhergehende Ende seiner Herrschaft, stellte zugleich den Beginn von Alexanders Erfolgsgeschichte dar. Durch den Einsatz Antipaters, einem engen Vertrauten Phillips II., wurde Alexander zum neuen König der Makedonen. Kurz darauf legitimierte ihn die makedonischen Heeresversammlung als König.[2]

Während Alexander von seinem Vater ein gewaltiges, schlagkräftiges Heer hinterlassen wurde, musste er sich zuerst den Gehorsam der Truppen sichern. Es dauerte nicht lange, bis sich der charismatische neue König und Heerführer in direkter Nachfolge seines Vaters gegen die Nachbarn im Norden beweisen musste.[3] Bereits bei diesen, im Vergleich zu seinen späteren Schlachten eher kleinen Scharmützeln, begann sich ein Beziehungsgeflecht zwischen Alexander und seinen Männern herauszubilden. Die Entstehung von Kameradschaft unter den Soldaten und Loyalität zu ihrem neuen Feldherren ließ sich mehr durch Taten als durch bloße Worte erreichen. Diese militärischen Bewährungen festigten die Loyalität des makedonischen Heeres gegenüber Alexander nachdrücklicher als die bloße Akklamation zum König durch die Heeresversammlung.[4] Theben erhob sich schließlich als Opposition zum jungen Alexander. Bei der Burg Kadmea bahnte sich die Entscheidungsschlacht zwischen Thebanern, anderen Aufsässigen und Alexanders Truppen an. Trotz erbittertem Widerstand konnte Alexander durch ein Tor eindringen und die Thebaner vernichtend schlagen. Die Überlebenden wurden in die Sklaverei verkauft und die Stadt Theben auf Anordnung Alexanders und ein von ihm einberufenes Synhedrium im Jahre 335 vollkommen dem Erdboden gleich gemacht.[5] Diese Brutalität und Mitleidlosigkeit mit der Alexander an Theben ein Exempel statuierte, muss Eindruck auf seine Soldaten hinterlassen haben, sind diese Attribute doch zugleich Symbol für Stärke und Durchsetzungskraft. Bereits in dieser frühen Phase von Alexanders Herrschaft, zeigte sich, dass er keine Widerworte duldete, sondern eine sehr autonome und starke Persönlichkeit war. Diese gezeigte Härte hat sicher auch den Rückhalt in den eigenen Reihen seiner Armee gestärkt, da sie erahnen ließ, wie er mit unloyalen Truppen verfuhr.

Gleichzeitig diente Alexanders Inszenierung als Nachfahre der mythischen Heroen Achilles und Herakles, später als der Sohn von Zeus Ammon, als Motivationsfaktor für seine Truppen. Zum einen stärkte Alexander diesen Mythos, der ihn umgab, um seine herausragende Führerpersönlichkeit zu unterstreichen und einen Nimbus der Unbesiegbarkeit um die eigene Person zu kreieren, zum anderen spornte er die Truppen durch Erzählungen von Taten göttlicher Vorbilder immer wieder zu neuen Höchstleistungen an.[6]

2.2 Der Persienfeldzug

In der konsequenten Nachfolge Phillips II setzte Alexander auch dessen Pläne für einen Feldzug nach Persien fort. Im Frühjahr 334 überquerte Alexander den Hellespont und eröffnete damit den Krieg gegen die Perser. Unter dem Banner eines panhellenischen Rache- und Befreiungskrieges bestand Alexanders 35 000 Mann starke Armee überwiegend aus makedonischen Soldaten, die zu Beginn damit eine Sonderstellung einnahmen.[7]

Als erste entscheidende Schlacht in Alexanders Eroberungsfeldzug ist die Schlacht am Fluss Granikos im Jahre 334 zu nennen. Während die Satrapien Phrygien und Lydien tapfer Widerstand leisteten, konnte das makedonische Heer nach hartem Kampf dennoch den Sieg erringen. Programmatisch ist, dass sich Alexander unter höchstem persönlichem Risiko und unter Einsatz von Gesundheit und Leben an den Kämpfen beteiligte. Kleitos musste ihm sogar das Leben retten. Strategisch sicher unklug, erntete dieser jugendliche Tatendrang und der heroische Einsatz bei seinen Soldaten dennoch Bewunderung.[8] Für die Motivation des Heeres war dieser Heldenmut also essentiell wichtig und peitschte die eigenen Männer zu Höchstleistungen an. Diese Bewunderung mit denen Alexanders Soldaten ihrem Feldherrn begegneten und ihm nacheiferten vertiefte das Beziehungsgeflecht zueinander. Fast möchte man von einer persönlichen Bindung zwischen Alexander und seinen Soldaten sprechen.

[...]


[1] Bei dieser Seminararbeit wird die neue Rechtschreibung verwendet.

[2] Vgl. Schachermeyer, Fritz: Alexander der Grosse. Ingenium und Macht, Graz/Salzburg/Wien 1949, S. 84.

[3] Vgl Ranke, Leopold von: Alexander der Grosze. Aufstieg und Untergang der Mazedonischen Weltmacht,

Berlin 1942, S. 34/35.

[4] Vgl. Engels, Johannes: Philipp II. und Alexander der Große. Darmstadt, 2006, S. 46.

[5] Vgl. Ranke, Weltmacht, S. 35-41.

[6] Vgl. Will, Wolfgang: Alexander der Große. Geschichte Makedoniens. Band 2, (Urban-Taschenbücher, Bd.

370), Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1986, S. 142/143.

[7] Vgl. Engels, Philipp II., S. 47.

[8] Vgl. Engels, Philipp II., S. 49/50.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656494676
ISBN (Buch)
9783656498063
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233181
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,7
Schlagworte
alexander verhältnis heer

Autor

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Titel: Alexander und das Verhältnis zu seinem Heer