Lade Inhalt...

Burnout - Theoretischer Hintergrund, Entstehungsbedingungen und Verhinderungsmöglichkeiten

Hausarbeit 2000 18 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Burnout Definition und Symptomatik
2.1 Burnout Definition
2.2 Burnout Symptomatik

3. Entstehungsbedingungen
3.1 Das Transaktionale Stressmodell von Lazarus
3.2 Organisationsbedingter Stress
3.2.1 Die zentralen Begriffe der Rollentheorie
3.2.2 Rollenkonflikt
3.2.3 Rollenunklarheit
3.2.4 Reaktionen auf Rollenkonflikt und Rollenunklarheit

4. Verhinderungsmöglichkeiten

5. Diskussion

6. Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

Erstmals beschrieb Freudenberger ein Phänomen, das er als Krankheit des Überengagements umschrieb. Er meinte damit Erschöpfung und Frustration auf Grund unrealistischer Erwartungen, welche sowohl fremd-, als auch selbstverursacht sind. Dieses Phänomen bezeichnet er als Burnout, worunter er einen Prozess der Erschöpfung der eigenen körperlichen und seelischen Kräfte versteht (Freudenberg 1974 nach Kernen 1998). Die meistgebräuchliche Definition von Burnout stammt von Maslach & Jackson (Schaufeli, Maslach & Marek 1993). Demnach ist Burnout ein Syndrom der emotionalen Erschöpfung, der Depersonalisation und der reduzierten persönlichen Leistung, das bei Individuen auftreten kann, die auf irgendeine Art mit Leuten arbeiten (Maslach & Jackson 1986). Auf Grund dieser Definition wurde das Burnoutsyndrom zur Hauptsache in Humandienstleistungen untersucht, obwohl in der Literatur immer wieder darauf hingewiesen wird, dass das Burnoutsyndrom in den verschiedensten Berufen auftreten kann (Schaufeli 1993). Die Forschung konzentrierte sich sehr auf die Berufsgruppen der Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzte und Pflegepersonal, Lehrer und Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen (Fengler 1994). Biographische Persönlichkeitsmerkmale stehen in der Literatur im Vordergrund. Die obengenannte Definition macht deutlich, dass das Syndrom im Zusammenhang mit dem Beruf steht. Das heisst, dass die Beziehung zwischen dem Management und den Arbeitern, d.h die Organisationsstruktur als Mitverursacher der Burnoutsyndroms kaum im Blickfeld der Forschung steht. In der gesichteten Literatur mangelt es nicht an Hinweisen. So hat 1990 Schaufeli in der Zusammenfassung von fast 200 Studien festgehalten, dass die Merkmale der Arbeitssituation deutlicher mit Burnout zusammenhängen als Personenmerkmale (Enzmann 1996). Auch Richter stellt fest, dass sich Hinweise darauf mehren, dass auch das Phänomen der Depersonalisation sowie der persönlichen Erfüllung nicht absolut beziehungslos zu der Arbeitstätigkeit ist, sondern ebenfalls aus organisationalen und arbeitsseitigen Bedingungen mitverursacht sein kann (Richter & Hacker 1998). Die vorliegende Arbeit fokussiert die interpersonalen Bedingungen als Auslöser des Burnoutsyndroms. Zuerst wird das Phänomen des Burnoutsyndroms geklärt. Da eine Organisation immer auch aus den Beziehungen zwischen den Mitgliedern und ihrer Umwelt - also der Organisation - besteht, wird das transaktionistische Modell von Lazarus dargestellt und dann die organisationspsychologischen Forschungen von Robert Kahn. Das zu Rat gezogene Buch „Organizational Stress” (Kahn, Wolfe, Quinn, Snoek & Rosenthal 1964) entstand im Rahmen eines umfassenden Forschungsprogramms, das 1959 am Survey Research Center und dem Research Center for Group Dynamics der Michigan University startete. 53 Industriemanager verschiedener hierarchischer Positionen wurden interviewt, ergänzt durch lange Persönlichkeitsfragebogen. Weiter wurden durchschnittlich weitere sieben Angehörige, die wichtigsten Rollensender (s.u.) derselben Organisation, über die Manager befragt. Da der Schreibende die Begriffe slebr aus dem Englischen übersetzt hat, sind die englischen Begriffe jeweils in Klammern gesetzt.

Im Teil der Verhinderungsmöglichkeiten sind Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt, wie man das Burnoutsyndrom verhindern kann.

2. Burnout Definition und Symptomatik

2.1 Burnout Definition

Richter stellt fest, dass es keine allgemeingültige Definition von Burnout gibt. Die grösste Gemeinsamkeit liegt darin, dass ein Verlust an Energie mit Symptomen von Erschöpfung feststellbar ist, mit einem vermindertem Engagement des Arbeitenden. Den Definitionen gemeinsam ist auch, dass das Burnout in Zusammenhang mit der Arbeit steht (Richter & Hacker 1998).

Die gebräuchlichste Definition stammt von Christina Maslach:

„Burnout is a syndrome of emotional exhaustion, depersonalization and reduced personal accomplishment that can occur among individuals who do people work of some kind.” (Maslach & Jackson 1986, S.1).

Die Definition braucht drei Begriffe, weshalb in der Literatur auch vom Drei-Komponenten-Modell gesprochen wird: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und verminderte Leistung.

Emotionale Erschöpfung entspricht den Gefühlen, sich emotional überfordert zu fühlen und sich der emotionalen Ressourcen entleert zu fühlen. Depersonalisation meint die negative, abgestumpfte, gleichgültige oder übertrieben unparteiische Reaktion zu Klienten, die die Dienstleistung oder Hilfe empfangen (Maslach & Jackson, 1986). Das heisst, der Kern des Syndroms ist ein emotionaler Zustand, der sich im Gefühl manifestiert, durch die Arbeit ausgelaugt und ausgebrannt zu sein. Das Gefühl wird in mangelnder Leistung und in einer emotionalen Verhärtung den Klienten gegenüber augenfällig. Die Definition bezieht sich immer auf die Humandiensteistungen. In der Folge konzentrierte sich die Forschung aus zwei Gründen auf die Helferberufe. Erstens weil schon die Definition sich auf Helferberufe bezieht und zweitens weil die Grundlage des Maslach Burnout Inventory (MBI), mit dem sich erstmals ein akzeptiertes, standardisiertes und methodisch einwandfreies Messinstrument zur Verfügung stand, die Definition von Maslach (Maslach & Jackson 1986) ist und auch die Helferberufe fokussiert.

2.2 Burnout Symptomatik

Burisch hat alle in der Literatur häufig genannten Burnoutsyndrome in sieben Kategorien eingeteilt: Warnsymptome der Anfangsphase (z.B. Hyperaktivität und erhöhte Unfallgefahr), reduziertes Engagement für Klienten, für andere (z.B. Zynismus), für die Arbeit (Bsp. Fehlzeiten). Eine weitere Kategorie betrifft emotionale Reaktionen wie Depression und Aggression (Apathie, Selbstmitleid, Ärger). Hernach folgt der Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, der Motivation , der Kreativität und der Entdifferenzierung (Dienst nach Vorschrift, Entscheidungsunfähigkeit, verringerte Flexibilität, (Schwarz-Weiss-Denken). Nach der fünften Kategorie der Verflachung des emotionalen Lebens, des sozialen Lebens und des geistigen Lebens folgen die psychosomatischen Reaktionen, wie z.B. Schwächung des Immunsystems und Muskelverspannungen. Zum Schluss sei noch die Kategorie der Verzweiflung genannt (Burisch 1989).

Burnout selber ist nicht ein statischer emotionaler Zustand, sondern er entwickelt sich, ist ein Prozess. Burnout ist der ängstlich-bedrückte, dysfunktionale, arbeitsbezogene Status einer Person, die für eine Zeit eine angemessene Leistung erbrachte und auf angemessenem emotionalem Niveau im gleichen Job funktionierte. Die Person wird aber den vorhergehenden Status nicht mehr erreichen ohne Hilfe von aussen oder ohne Neuordnung der Umwelt (Brill 1984 nach Schaufeli et al. 1993). Die Person hat also nicht von Anfang an das Burnoutsyndrom, sondern erst durch die Arbeit kommt sie in einen dysphorischen und dysfunktionalen Zustand, aus dem die Person aus eigenem Antrieb nicht mehr herausfindet. Zudem schlägt Brill vor, die Umwelt neu zu ordnen. Da Burnout ein psychologisches Phänomen ist, das in der Arbeit auftritt, meint Brill die Arbeitsumwelt. Die Arbeitsumwelt neu zu ordnen kann aber nur derjenige, der auch die entsprechenden Kompetenzen besitzt, die Funktion inne hat und entsprechend über innere Ressourcen verfügt. Also kann ein Arbeitnehmer, der unter dem Burnoutsyndrom leidet, die Umwelt nicht neu ordnen. Aber es ist ein Hinweis darauf, dass die Umwelt ein Faktor sein kann, der Burnout begünstigt. Hobfoll und Freedy schreiben denn auch, dass die organisatorische Umwelt wesentlich ist, um Burnout zu verstehen, zumal Burnout als ein negatives, arbeitsbezogenes psychologisches Phänomen definiert ist (Schaufeli et al. 1993).

3. Entstehungsbedingungen

3.1 Das Transaktionale Stressmodell von Lazarus

Stress fasst Lazarus als eine „besondere Art der Beziehung einer Person ... und der jeweiligen Umwelt...” auf (Lazarus & Launier in Nitsch 1981, S. 213).

Der Kernpunkt der transaktionistische Auffassung beruht auf der kognitiven Bewertung (cognitive appraisal) und der Bewältigung (coping) (Nitsch 1981). Dies setzt eine Auseinandersetzung zwischen Individuum und Umwelt voraus. Der Vergleich, den eine Person zwischen den Gefahren und Schädigungen einerseits und den Fähigkeiten, die sie für verfügbar hält, bildet den wesentlichen Faktor der psychologischen Stressreaktion (Nitsch 1983). Also spielen die Fähigkeit und Möglichkeit einer angemessenen Stressbewältigung eine wesentliche Rolle, dass der Stress sich nicht schädigend auswirkt.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638264570
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23313
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Psychologie
Note
1.0
Schlagworte
Burnout Theoretischer Hintergrund Entstehungsbedingungen Verhinderungsmöglichkeiten Thema Burnout

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Burnout - Theoretischer Hintergrund, Entstehungsbedingungen und Verhinderungsmöglichkeiten