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Freikorps Oberland, Freikorps Epp und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Berühmte Mitgliedschaften und ihre Folgen für das Deutsche Reich

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Geschichte der Freikorps
1.1 Allgemeines und Vorgeschichte
1.2 Hintergründe, Ausstattung und Besoldung
2. Drei Freikorps und ihre Prominenz
2.1 Das Freikorps Oberland und Heinrich Himmler
2.2 Das Freikorps Epp und Franz Xaver Ritter von Epp
2.3 Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und Kurt Schumacher
3. Auswirkungen auf das Deutsche Reich

III. Schluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Geschichte der Freikorps in der Weimarer Republik ist ein nur wenig beachtetes Relikt deutscher Vergangenheit. Ein Hauptgrund dafür liegt mit Sicherheit in der unzureichenden Quellenlage. Die meisten Originaldokumente wurden durch einen britischen Großangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 zum größten Teil zerstört[1]. Vornehmlich in „Das Buch vom Deutschen Freikorpskämpfer“ von Ernst von Salomon und den daraus entstandenen „Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Freikorps“, die vom Heeresarchiv ausgewertet und veröffentlicht wurden, finden sich als Quellen zu verstehende Akten, Unterlagen, Wahlplakate, Erfahrungsberichte und dergleichen mehr[2].

Eingesetzt von Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) zur Zerschlagung demokratiefeindlicher Aufstände im Inneren des Reiches, wurden die meisten Freikorps in der Nachkriegszeit ab dem 9. November 1918 gegründet und von der Weimarer Regierung in der Folge als legitime Militärs anerkannt. Obwohl die Freikorps der Demokratie nicht sehr nahe standen, trugen sie im Wesentlichen zur Stabilisierung der Weimarer Republik nach innen und außen bei[3]. Die Auflösung vieler Freikorps musste, mit dem Einsetzen der Zielvorgaben des Versailler Friedensvertrages übereinstimmend, ab dem 31. Januar 1920 beginnen, da ab diesem Zeitpunkt dem Heer nur noch 100.000 Mann angehören sollten[4].

Für welchen Weg sich die meisten Angehörigen der Freikorps im Anschluss an deren Auflösung entschieden, soll in dieser Arbeit exemplarisch am späteren Reichsführer SS, Heinrich Himmler, sowie am späteren Ministerpräsident und Reichsstatthalter von Bayern, Franz Xaver Ritter von Epp, gezeigt werden. Als prominentes Beispiel dafür, dass eine Mitgliedschaft in einem Freikorps nicht unmittelbar mit demokratiefeindlichem Gedankengut in Verbindung gebracht werden muss, soll hier Dr. Kurt Schumacher fungieren, der als politischer Gegner die Zeit des NS-Regimes in mehreren Konzentrationslagern überlebte und später Mitglied des ersten Deutschen Bundestages wurde. Zu diesem Zweck beleuchtet die Arbeit in dieser Reihenfolge zunächst das Freikorps Oberland, dann das Freikorps Epp und zuletzt die besondere Situation des SPD-nahen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

War ein Sympathisieren mit den rechtsextremen und völkischen Ideologien für die Angehörgen aller Freikorps programmatisch oder gab es politisch-offene Alternativen?

II. Hauptteil

1. Geschichte der Freikorps

1.1 Allgemeines und Vorgeschichte

Nachdem Friedrich Ebert (SPD) dem amtierenden Reichskanzler Max von Baden am Morgen des 9. November 1918 persönlich von der Notwendigkeit berichtete, „dass das Amt des Reichskanzlers (…) durch Vertrauensmänner unserer Partei besetzt wird“[5] und nachdem um 12:00 Uhr die Abdankung Kaiser Wilhelms II. über das Wolffsche Telegraphenbüro mitgeteilt wurde[6], war zum zweiten Mal die Demokratie in Deutschland eingekehrt. Dabei wurde dieser innovative Schritt hin zum Parlamentarismus von der Gesellschaft kaum bis gar nicht als solcher wahrgenommen[7]. In der Folge trug die SPD die volle Verantwortung für den revolutionären Umsturz, den sie zunächst hatte verhindern wollen[8]. Eine möglichst schnelle Regierungsbildung war deshalb vonnöten, weil die Verhandlungen mit den Entente-Mächten unmittelbar bevorstanden[9]. Wegen der Aufstände der Volksmarinedivision am 24. Dezember 1918 und den damit verbundenen Problemen einer fehlenden Reichswehr, beschloss die Regierung am selben Tag, Oberst Reinhard vom 4. Garderegiment mit der Aufgabe zu betrauen, im Stadtkern eine Freiwilligenordnungseinheit aufzustellen[10]. Da es der Regierung nicht möglich war, eine zentrale Freiwilligenarmee zu formieren, entstanden in der Folge im ganzen Reich einzelne Freikorps[11]. Ob das Freikorps Reinhard in der Moabiter Kaserne mit seiner Kerntruppe an Freiwilligen um den Unteroffizier Suppe das älteste Freikorps war[12], soll hier nicht diskutiert werden.

1.2 Hintergründe, Ausstattung und Besoldung

Programmatisch für Aufbau und Struktur der nachfolgenden Freikorps war das Freiwillige Landesjägerkorps (FLK) unter der Kommandantur von General Maercker von der 214. Infanteriedivision[13]. Er veröffentlichte den „Grundlegenden Befehl Nr. 1 für das Freiwillige Landesjägerkorps (FLK)“ und gab damit mehrere maßgebliche Richtlinien bekannt[14]. Darin war beispielsweise geregelt, dass man weiterhin an der militärischen Tradition Preußens festhalten wolle, zusätzlich aber demokratische Strukturen einführen sollte, wie beispielsweise das Wählen von Vertrauensleuten, die für die Verwaltung des Privatbesitzes, die Rechnungsführung und in Einzelfällen auch als Standrichter zuständig waren[15]. Darüber hinaus erlaubte er seinen Untergebenen das Tragen von Formationsabzeichen nach eigener Wahl, was eigentlich untersagt war[16].

Zur Bewaffnung der Freikorps griff man wohl überwiegend auf das Arsenal des Weltkrieges zurück, womit neben den Hand- und Schnellfeuerwaffen auch die Nutzung von Fliegereinheiten, Ballontruppen, Panzerzügen, schwerer Artillerie, Flammenwerferzügen und Kavallerie belegbar wäre[17]. Bei der Uniformierung stellt es sich zunächst genauso dar. Das Tragen von langem Mantel und mit Hakenkreuz, Totenkopf oder ähnlichem martialischen Symbol versehenem Stahlhelm war für die neuen Regierungstruppen nicht unüblich[18]. Speziell für die an den Kämpfen in Oberschlesien 1921 beteiligten Mitglieder des Freikorps Oberland ist allerdings eine andere Ausstattung überliefert. Ihre Waffen waren, mit wenigen Ausnahmen, die der Demilitarisierung entgangenen Gewehre und Faustfeuerwaffen. Auch für eine einheitliche Uniformierung gab es finanziell und logistisch keine Möglichkeiten, weshalb die Kämpfer ihre eigene Kleidung, meist bayerische Gebirgstrachten, trugen[19]. Diese waren lediglich mit Abzeichen an Ärmel und Kragen[20] oder mit speziell gestempelten Armbinden versehen als Soldaten erkennbar[21]. Darüber hinaus stellte das Tragen von Fahnen und Bannern eine überaus wichtige Eigenschaft aller Freikorps dar[22].

[...]


[1] Gerhard Schmidt: Die Verluste in den Beständen des ehemaligen Reichsarchivs im zweiten Weltkrieg, in: Archivar und Historiker. Studien zur Archiv- und Geschichtswissenschaft. Zum 65. Geburtstag von Heinrich Otto Meisner, hg. v. d. staatlichen Archivverwaltung im Staatssekretariat für Innere Angelegenheiten, Berlin 1956, S. 162-175.

[2] Robert Thoms, Stefan Pochanke: Handbuch zur Geschichte der deutschen Freikorps. Bad Soden-Salmünster 2001, S. 11.

[3] Hansjoachim Koch: Der deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte der deutschen und österreichischen Freikorps 1918-1923, Frankfurt a. M. 1978, S. 274.

[4] Sebastian Haffner, Gregory Bateson: Der Vertrag von Versailles, Berlin 1988, Art. 160, Satz 1.

[5] Ernst Rudolph Huber: Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Band 3, Deutsche Verfassungsdokumente 1900-1918, Stuttgart 31990, S. 310.

[6] Ebenda, S. 313.

[7] Artur Rosenberg: Die Entstehung der Weimarer Republik, Frankfurt a. M. 141972, S. 224.

[8] Ernst Troeltsch: Spektator-Briefe. Aufsätze über die deutsche Revolution und die Weltpolitik 1918/22, Tübingen 1924, Neudruck Aalen 1960, S. 14f.

[9] Thoms/Pochanke, Freikorps, S. 23.

[10] Dominik Venner: Ein deutscher Heldenkampf. Die Geschichte der Freikorps 1918-1923. „Söldner ohne Sold.“, Kiel 1989, S. 44.

[11] Edgar von Schmidt-Pauli: Geschichte der Freikorps 1918-1924, Stuttgart 1936, S. 354ff.

[12] Ernst von Salomon: Das Buch vom deutschen Freikorpskämpfer, Berlin 1938, Neudruck Berlin 1988, (=Wehrgeschichte und Wehrpolitik, Band 3), S. 35ff.

[13] Thoms/Pochanke, Freikorps, S. 25.

[14] Georg Maercker: Vom Kaiserheer zur Reichswehr. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Revolution, Leipzig 1921, S. 45 ff.

[15] Maercker, Reichswehr, S. 47.

[16] Koch, Bürgerkrieg, S. 47.

[17] Thoms/Pochanke, Freikorps, S. 160. Siehe hierzu auch: Helmuth Reuther: Freikorps und Grenzschutzformationen 1918-24 (=Feldgrau 1957 Zeitschrift für neuzeitliche Wehrgeschichte, Organisation, Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung).

[18] Ebd.

[19] Zur Uniformierung des Freikorps Oberland in Oberschlesien vgl.: Salomon, Freikorpskämpfer, S. 270.

[20] Salomon, Freikorpskämpfer, S. 273.

[21] Thoms/Pochanke, Freikorps, S. 161.

[22] Ebd., S. 162. Siehe hierzu auch: Wolfgang Joly: Fahnen und Standarten deutscher Freiwilligenformationen 1918-1923, Solingen 1981.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656502555
ISBN (Buch)
9783656503897
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233072
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
freikorps oberland reichsbanner schwarz-rot-gold berühmte mitgliedschaften folgen deutsche reich

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Titel: Freikorps Oberland, Freikorps Epp und  Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold