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Ethnische Konflikt? Bürgerkriege in Europa

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Was ist Krieg?

III.) Was ist ein Konflikt?

IV.) Die Kriegshäufigkeiten 1989-1998

V.) Die Typen der Kriege

VI.) Multilaterale Konfliktlösung?

VII.) Ethnische Konflikte?

VIII.) Schlußteil

IX.) Literaturverzeichnis

I.) Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit sind Bürgerkriege in Europa. Zu diesem Thema habe ich mich vor allem mit zwei Aufsätzen befaßt, die diese Problematik behandeln. Der eine Aufsatz ist von Jochen Hippler und erschien unter dem Titel „Konflikte und Krisenprävention“ in „Globale Trends 2000“. Der zweite Artikel „Kriege am Ende des 20. Jahrhunderts. Entwicklungen und Tendenzen 1989 - 1998“ ist von Klaus Jürgen Gantzel und wurde in „Friedensgutachten 1999“ veröffentlicht.

Beide Autoren befassen sich mit einer ähnlichen Thematik, doch wie bereits die Titel der Aufsätze verraten, befaßt sich Klaus Jürgen Gantzel mit dem Gegenstand Krieg, während Jochen Hippler den Begriff Konflikt untersucht. Die zentrale Fragestellung bei Klaus Jürgen Gantzel lautet: „Sollte sich am Ende des Jahrhunderts herausstellen, daß es unmöglich ist, `die Menschheit von der Geißel Krieg zu befreien`?“[1] Hippler scheint es wichtig hervorzuheben, daß gerade die Gewaltkonflikte in Europa das nach wie vor vorhandene Gewaltpotential konsolidierter Demokratien und Wohlstandsgesellschaften aufzeigen.

Die Arbeit soll zunächst einen Einblick geben, was Krieg eigentlich ist und welche Merkmale ihn definieren. Weiter soll die Frage nach dem Verhältnis von Konflikt und Gewalt geklärt werden. Zu diesem Zweck wird untersucht, mit welchen Definitionen von Konflikt sich Jochen Hippler befaßt hat.

Die Untersuchung der Kriegshäufigkeiten in der Periode 1989 bis 1998 soll klären, ob sich wesentliche Veränderungen oder sogar eine Trendwende ergeben haben. Dafür werden die Kriegshäufigkeiten mit dem gesamten Zeitraum nach 1945 verglichen.

Nachdem die Frage geklärt wurde, was überhaupt ein Krieg ist, sollen im weiteren die verschiedenen Kriegstypen definiert werden. Im zweiten Teil werden die Typen der neuen Kriege im Zeitraum 1989-98 denen von 1945-1988 nach ihren Häufigkeiten gegenübergestellt.

Es stellt sich natürlich die Frage nach einer möglichen Konfliktbearbeitung. Gibt es eine multilaterale Konfliktlösung? Dazu werden die Thesen von Jochen Hippler untersucht.

Im weiteren wird zu klären sein, ob es tatsächlich ethnische Konflikte gibt, oder ob dieser Begriff gerade von den Medien häufig zu vorschnell verwendet wird.

II.) Was ist ein Krieg?

Um diese Frage beantworten zu können, stützt sich Klaus Jürgen Gantzel auf die Untersuchungen der „Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung“ (AKUF). Diese betrachtet als Krieg einen gewaltsamen Massenkonflikt, der alle folgenden Merkmale aufweist:

- „An den Kämpfen sind zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt, bei denen es sich mindestens auf einer Seite um reguläre Streitkräfte (Militär, paramilitärische verbände, bewaffnete Polizeieinheiten) der Regierung handelt;
- auf beiden Seiten muß ein Mindestmaß an zentralgelenkter Organisation der Kriegführenden und des Kampfes gegeben sein, selbst wenn es nicht mehr bedeutet als organisierte bewaffnete Verteidigung oder strategisch-taktisch planmäßige Überfälle (Guerillaoperationen, Partisanenkrieg usw.);
- die bewaffneten Operationen ereignen sich mit einer gewissen Kontinuierlichkeit und nicht nur als gelegentliche, spontane Zusammenstöße, d.h. beide Seiten operieren nach einer planmäßigen Strategie, gleichgültig ob die Kämpfe auf dem Gebiet einer oder mehrerer Gesellschaften stattfinden und wie lange sie dauern.“[2]

Dem Autor ist bewußt, daß man auf zahlreiche empirische und theoretische Schwierigkeiten stößt, eine bewaffnete Auseinandersetzung als Krieg einzustufen. Auf diese Schwierigkeiten geht er aber nicht näher ein, sondern greift sich nur einen Gesichtspunkt heraus, der geschichtstheoretisch bedeutsam und häufig auf Kritik gestoßen ist. Der Autor befaßt sich in seinem Aufsatz nicht mit der Vielzahl von Gewaltformen, die es auf der Welt gibt, sein Gegenstand ist Krieg. Für ihn ist eine Abgrenzung nur sinnvoll in bezug auf die historische Funktion von Staat.

Das staatliche Gewaltmonopol zwinge die Bürger im Innern zu gewaltlosem Austrag ihrer Konflikte. Damit seien auch die Verantwortlichkeiten für staatliches Gewalthandeln nach außen klar bezeichnet. Doch selbst in den entwickelten Demokratien sei das Ideal noch nicht vollkommen verwirklicht. Um Frieden zu gewährleisten, müssen noch weitere Bedingungen mit dem Gewaltmonopol verknüpft sein. Gantzel räumt ein, daß sich dennoch mit der so orientierten Definition von Krieg die Erwartung verbinde, daß hier theoretisch wie historisch ein Weg vorgezeichnet sei, der zur Überwindung, zumindest zur Eindämmung kriegerischer Gewalt führe.

III.) Was ist ein Konflikt?

Der Autor Jochen Hippler hält Konflikte für einen selbstverständlichen Bestandteil der Weltpolitik, wie auch der Politik innerhalb der einzelnen Gesellschaften und Staaten. Sie entstehen aus realen oder vorgestellten Interessengegensätzen.

Es liegt ein Konflikt vor, wenn zwei oder mehrere Akteure sich widersprechende Interessen aktiv vertreten. Ebenso wie die Begriffe Macht, Interesse oder Organisation ist der Begriff des Konflikts eine politische Grundkategorie. Kriege oder andere Formen dauerhafter Gewaltanwendung setzen die Existenz eines Konflikts voraus, umgekehrt führen die meisten Konflikte jedoch nicht zu Gewalt.

Hippler erarbeitet friedenspolitische zentrale Fragen nach dem Verhältnis von Konflikt und Gewalt: Schließen sich die Interessengegensätze eines vorliegenden, konkreten Konflikts grundsätzlich aus oder sind sie vermittelbar? Ist die Wahrnehmung der Interessengegensätze durch die Konfliktparteien realitätsgerecht? Stehen Mechanismen zwischen den Parteien zur Verfügung, um den Interessengegensatz gewaltfrei zu regeln? Existieren jenseits des konkreten Interessengegensatzes andere Bereiche, in denen die Interessen vereinbar oder deckungsgleich sind? Verschärfen oder mildern externe Faktoren den Konflikt? Erfolgt das Konfliktmanagement zentral oder fragmentiert?

Er kommt zu dem Schluß, daß es vor allem von der konkreten Konfliktdynamik und ihren objektiven und subjektiven Faktoren abhängt, ob ein Konflikt gewaltsame oder gar kriegerische Formen annimmt.

Doch all diese Überlegungen sagen noch wenig darüber aus, was überhaupt ein gewaltsamer Konflikt ist. Zu diesem Zweck befaßt sich Hippler mit den Definitionen zweier Institute. So definiert das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI) einen größeren bewaffneten Konflikt als „anhaltenden Kampf zwischen den Streitkräften zweier oder mehrerer Regierungen, oder einer Regierung und zumindest einer organisierten, bewaffneten Gruppe, bei der als Folge der Kämpfe im Verlauf des Konflikts zumindest 1.000 Menschen getötet werden.“3 Hippler hält die Definition zwar für klar und präzise formuliert, doch läßt sie Spielraum offen wenn es darum geht, die Kriege und Konflikte genau zu bestimmen. Hält ein Krieg bereits „länger an“ oder noch nicht lange genug? Da die Opferzahlen meist nur geschätzt werden können, kann man nicht genau sagen, ob schon 1.000 Kriegsopfer zu beklagen sind oder nicht. Fraglich ist auch, ob die Menschen aufgrund der Kämpfe oder einer resultierenden Hungersnot oder aus anderen Gründen starben.

[...]


[1] Gantzel, Klaus Jürgen: Kriege am Ende des 20. Jahrhundert. Entwicklungen und Tendenzen 1989-1998, in: Schoch,Bruno/ Ratsch, Ulrich/ Mutz, Reinhard: Friedensgutachten 1999. Münster, 1999, S. 173

[2] Gantzel, S. 173

3 Hippler, Jochen: Konflikte und Krisenprävention, in: Hauchler, Ingomar/ Messner, Dirk/ Nuscheler, Franz: Globale Trends 2000. Frankfurt a.M., 1999, S. 428.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638264402
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23294
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Sozialwissenschaftliches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Ethnische Konflikt Bürgerkriege Europa Einführung Europapolitik

Autor

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