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Aufgabe und Bedeutung der Bundesbank in der Europäischen Währungsunion (EWU)

Seminararbeit 2013 16 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Das Handeln der Bundesbank in der Europäischen Währungsunion
2.1 Klärung des Begriffs der Europäischen Währungsunion
2.2 Durch die Bundesbank wahrgenommene Aufgaben

3 Bedeutungswandel der Bundesbank in der Praxis
3.1 Rolle der Bundesbank am Beispiel der aktuellen Staatsschuldenkrise
3.2 Kritische Beurteilung

4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Entwicklung der TARGET2-Salden

1 Einleitung

Die Deutsche Bundesbank ist die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Expertise wird national, wie international geschätzt. Diese Ausarbeitung strebt die nähere Betrachtung dieser Institution an.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die Staatsschuldenkrise in Europa findet sich in regelmäßigen Abständen in der Be- richterstattung der Presse wieder. Verunsicherung und Zukunftsängste über den Fortbestand der Europäischen Währungsunion sowie über die Sicherheit von Ersparnis- sen prägen die Gedanken der Menschen. Der ehemalige dritte Präsident der USA, Thomas Jefferson, drückte diese Ängste im übertragenen Sinne einmal damit aus, dass er Bankinstitutionen und die Folgen ihres Wirkens für gefährlicher halte als stehende Heere.1 Mit welcher Einstellung die Öffentlichkeit dem heutigen Finanzsystem auch entgegentreten mag - die Einschätzung der Lage durch eine bewanderte Institution wie die Deutsche Bundesbank leistet nach überwiegender wissenschaftlicher Auffassung einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung.

Vor diesem Hintergrund soll diese Arbeit die Aufgaben und die Bedeutung der Bundes- bank in der Europäischen Währungsunion näher beleuchten. Hierbei wird auch der Wandel dieser Institution thematisiert und im Kontext der aktuellen Staatsschuldenkrise in Europa dargestellt. Als Ergebnis soll herausgestellt werden, ob die Bundesbank im Euroraum noch eine wesentliche Rolle spielt oder ob sie im Zeitablauf an Bedeutung verloren hat. Der zur Beantwortung dieser Frage gewählte Aufbau der Arbeit sei im Folgenden kurz erläutert.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser Ausarbeitung wird im zweiten Kapitel der Begriff der Europäischen Währungsunion näher bestimmt. Dies ist eine wichtige Grundlage für die bessere Nach- vollziehbarkeit der Rolle der Bundesbank im Euroraum. Anschließend bilden die Aufgaben, die dieser Institution übertragen wurden, den Fokus der Untersuchung. Im Zuge dieser wird das breite Aufgabenfeld der Bundesbank deutlich werden. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen widmet sich Kapitel drei der Analyse eines mögli- chen Bedeutungswandels der Bundesbank unter Einbeziehung der Entwicklungen im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise in Europa. Es schließt sich die kritische Reflexion der Ausgestaltung der Rolle der Bundesbank in der Praxis an. Diese wird auf die Frage eingehen, ob die Bedeutung dieser Institution in der Europäischen Währungsunion gesunken ist. Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und das Fazit kennzeichnen sodann das Ende der Arbeit im Kapitel vier.

2 Das Handeln der Bundesbank in der Europäischen Währungs- union

Bevor die Aufgaben der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion detaillierter betrachtet werden, soll eingangs zum besseren Verständnis geklärt werden, was sich hinter dem Gebilde der Währungsunion verbirgt.

2.1 Klärung des Begriffs der Europäischen Währungsunion

Die Bezeichnungen Europäische Währungsunion (EWU), Europäische Wirtschafts- und Währungsunion oder kurz einfach nur Währungsunion werden gleichbedeutend ver- wendet.2 Der 01.01.1999 markiert den Beginn der EWU mit der Einführung der gemeinsamen Währung des Euro als dritte und letzte Stufe des im Maastrichter Vertrags von 1992 angestrebten Harmonisierungsprozesses der Wirtschafts- und Währungspoli- tik in Europa. Grundsätzlich besteht für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Verpflichtung, den Euro als Währung einzuführen, sobald sie die Konvergenzkrite- rien erfüllen.3 Die im Vertrag der Europäischen Gemeinschaft definierten Kriterien sind Preis- und Wechselkursstabilität, stabile langfristige Zinssätze sowie Haushaltsdiszip- lin.4 Auf eine weitergehende Erläuterung sei an dieser Stelle aufgrund eines anderen Fokus der Arbeit verzichtet. Darüber hinaus war mit der EWU für die Euroländer die unwiderrufliche Festlegung der Wechselkurse der alten Währungen zum Euro sowie die Übertragung der geldpolitischen Zuständigkeiten von den nationalen Zentralbanken auf das Eurosystem verbunden.5 Folglich verloren die nationalen Zentralbanken ihre Auto- nomie. Vielmehr zeichnen sie sich ab diesem Zeitpunkt für die nationale Umsetzung der Ziele des Eurosystems verantwortlich. Unter dem Eurosystem wird der Verbund der Europäischen Zentralbank (EZB) und der nationalen Notenbanken der Länder verstan- den, die den Euro bereits eingeführt haben. Hiervon abzugrenzen ist das Europäische System der Zentralbanken (ESZB), dessen Kern das Eurosystem bildet, dem jedoch auch die Zentralbanken der Staaten der Europäischen Union angehören, die den Euro noch nicht als Währung besitzen.6 Es stellt sich die Frage, wie das Zusammenspiel der Institutionen in der EWU definiert ist. Nach Haferkamp besitze sowohl Eurosystem als auch das ESZB selbst keine eigene Rechtspersönlichkeit und sei vielmehr ein zwischen- staatliches Gebilde, das sich aus den - durch gemeinsame Ziele, Regeln und Aufgaben verknüpften - konstituierenden Elementen der EZB und den nationalen Zentralbanken zusammen setze.7 Die Handlungsfähigkeit des ESZB ist somit einerseits gekoppelt an die Institutionen EZB als selbstständige, supranationale Sonderorganisation der Europä- ischen Gemeinschaft und die Notenbanken andererseits als Rechtspersönlichkeiten nationalen Rechts.8 Die Geldpolitik des Euroraums legt der EZB-Rat als oberstes Ent- scheidungs-, Rechtsetzungs- und Willensbildungsorgan der EZB fest. Er besteht aus den sechs Mitgliedern des EZB-Direktoriums und nach einem Rotationsprinzip aus den Präsidenten und Gouverneuren der Notenbanken des Eurosystems.9 Die nationalen Notenbanken ordnen sich in die Organisationsstruktur des Eurosystems wie folgt ein: Sie sind operativ weisungsgebunden und für die Umsetzung der geldpolitischen Ent- scheidungen des Rats in ihren jeweiligen Ländern verantwortlich.

Mit diesem Hintergrundwissen können nun im nächsten Abschnitt die genauen Aufgaben der Deutschen Bundesbank als größte nationale Zentralbank in Europa weiter betrachtet werden.

2.2 Durch die Bundesbank wahrgenommene Aufgaben

Auf Grundlage der vorangegangenen Ausführungen lässt sich als eine erste und zugleich die wichtigste Aufgabe der Deutschen Bundesbank die Umsetzung der durch den EZB-Rat ersonnenen geldpolitischen Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutsch- land benennen. Der Bundesbankpräsident wirkt als Mitglied des EZB-Rats an der geldpolitischen Entscheidungsfindung mit. Die Umsetzung der Maßnahmen ist in Para- graf 3 des BBankG (Gesetz über die Deutsche Bundesbank) geregelt. Darin heißt es, dass die Bundesbank an den Aufgaben des ESZB mit dem vorrangigen Ziel der Ge- währleistung von Preisstabilität mitzuwirken habe.10 Die Kongruenz dieses Ziels zwischen EZB und Bundesbank ermöglicht die Aufgabenansiedlung auf nationaler Ebene. Gemeinhin wird von Preisstabilität bei einer mittelfristigen Stabilisierung des Anstiegs des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (Inflation) unterhalb von zwei Prozent gesprochen. Er stellt den gewogenen Preisdurchschnitt eines fiktiven Waren- korbes von Gütern und Dienstleistungen privater Haushalte in der Eurozone dar.11 Die Entwicklung des Preisniveaus ist jedoch nicht direkt zu steuern. Vielmehr ist nur die indirekte Beeinflussung über Geldmenge- und umlauf sowie die Kosten für die Bereit- stellung von Zentralbankengeld möglich. Hierzu kann der EZB-Rat den Leitzins z.B. senken, um die Geldnachfrage der Geschäftsbanken am Interbankenmarkt zu stimulie- ren und die Kreditvergabe an die deutsche Privatwirtschaft zu fördern.12 Die Unterstützung der Wirtschaftspolitik ist dem ESZB und damit auch der Bundesbank als nachrangiges Ziel gestattet, solange hierdurch die Preisstabilität in der Eurozone nicht beeinträchtigt wird.13 Die Sicherung der Geldwertstabilität ist zusammenfassend die wichtigste Aufgabe der Bundesbank zur Unterstützung eines beständigen Wirtschafts- klimas. Als nationale Zentralbank innerhalb des ESZB ist die Bundesbank darüber hinaus zur Prägung von Münzen und nach Genehmigung der EZB zur Ausgabe von Euro-Banknoten berechtigt.14 Nach Herstellung in der Bundesdruckerei werden die neuen Geldscheine über die Filialen der Bundesbank den Geschäftsbanken zur Verfü- gung gestellt. Diese geben die Banknoten an private Verbraucher und Unternehmen weiter und bringen sie so in den Umlauf des Geldkreislaufs. Da das Bargeld mit der Zeit einem Verschleiß unterliegt, ist es auch Aufgabe der Bundesbank diese Geldscheine aus dem Verkehr zu ziehen und zu ersetzen.15 Ebenso wird aufgebrachtes Falschgeld identi- fiziert, näher untersucht und anschließend vernichtet. Die deutsche Volkswirtschaft ist neben Bargeld mindestens gleichermaßen auf einen funktionierenden unbaren Zah- lungsverkehr angewiesen.

[...]


1 Vgl. Jefferson, Thomas (1816), S. 91

2 Vgl. Wildmann, Lothar (2010), S. 182

3 Ausnahmen sind Dänemark und Großbritannien, die selbst über den Beitritt zur EWU entscheiden

4 Vgl. Deutsche Bundesbank (2012B), o. S.

5 Vgl. Deutsche Bundesbank (2012A), S. 118

6 Vgl. Wildmann, Lothar (2010), S. 190 f.

7 Vgl. Haferkamp, Dieter (2001), o. S.

8 Vgl. Deutsche Bundesbank (2008), S. 42 f.

9 Vgl. Ebenda; Deutsche Bundesbank (2012C), S. 9 f.

10 Vgl. BBankG (1992), o. S.

11 Vgl. Hardes, Heinz-Dieter / Uhly, Alexandra (2007), S. 344

12 Vgl. Deutsche Bundesbank (2012C), S. 15 f.

13 Vgl. Deutsche Bundesbank (2008), S. 46

14 Vgl. Wurm, Gregor / Ettmann, Bernd / Wolff, Karl (2007), S. 17

15 Vgl. Deutsche Bundesbank (2012C), S. 35 f.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656498667
ISBN (Buch)
9783656499749
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232862
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Bundesbank Deutsche Bundesbank EWU Europäische Währungsunion EZB Europäische Zentralbank TARGET TARGET2 ESZB Europäisches System der Zentralbanken Staatsschuldenkrise Bankenkrise Eurokrise

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