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Können positive Emotionen bewusst herbeigeführt werden, um die Lebensqualität zu erhöhen und das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen?

Bachelorarbeit 2013 118 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlage und Forschungshintergrund
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Emotionen und Gefühle
2.1.2 Zehn Variationen positiver Gefühle und Emotionen
2.1.2.1 Freude und Dankbarkeit
2.1.2.2 Heiterkeit und Interesse
2.1.2.3 Hoffnung
2.1.2.4 Stolz und Vergnügen
2.1.2.5 Inspiration und Ehrfurcht
2.1.2.6 Liebe
2.2 Psychische Herausforderungen im Studium
2.3 Forschungsstand zur Fragestellung und zu den Hypothesen
2.3.1 Möglichkeiten positive Emotionen zu erhöhen
2.3.2 Möglichkeiten negative Emotionen zu reduzieren
2.3.3 Auswirkungen der Erhöhung beziehungsweise Reduzierung
2.4 Herleitung der Hypothesen und der Fragestellung
2.4.1 Hypothese Unterschiede Experimental- und Kontrollgruppe
2.4.2 Hypothese Dankbarkeit und Hoffnung kann verstärkt werden
2.4.3 Hypothese Meditation erhöht positive Emotionen
2.4.4 Fragestellung

3 Methoden der Studie
3.1 Hauptziel und Unterziele
3.2 Untersuchungsdesign
3.3 Messinstrumente
3.3.1 Fragebogen
3.3.1.1 Methode zur Erfassung der Emotionen
3.3.1.2 Methode zur Erfassung des Glücksniveaus
3.3.1.3 Methode zur Erfassung der Dankbarkeit
3.3.1.4 Methode zur Erfassung des Optimismus
3.3.2 Gütekriterien der verwendeten Instrumente
3.3.3 Mögliche Messfehler
3.4 Inhalte des Coachings und der Intervention
3.4.1 Coaching
3.4.2 Glückstagebuch
3.4.3 Meditationen
3.5 Stichprobenkonstruktion
3.6 Untersuchungsdurchführung

4 Ergebnisse
4.1 Reliabilitätsmessungen
4.2 Gruppenbeschreibung
4.2.1 Experimentalgruppe
4.2.2 Kontrollgruppe
4.3 Ergebnisse zu den Hypothesen und der Fragestellung
4.3.1 Wilcoxon Test
4.3.2 Erhöhung positiver Emotionen im Experiment
4.3.3 Reduzierung negativer Emotionen im Experiment
4.3.4 Auswirkungen anhand eines qualitativen Feedbacks

5 Diskussion und Ausblick
5.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
5.2 Kritische Reflexion der Untersuchung
5.3 Fazit und Ausblick

IV Literaturverzeichnis

V Anhang 1: Fragebogen

VI Anhang 2: Glückstagebuch

VII Anhang 3: SPSS-Auswertung

IIX Anhang 4: Qualitatives Feedback

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Beratungs- und Informationsbedarf

Abb. 2: Steigerung positiver Emotionen

Abb. 3: Plakat

Abb. 4: Glückszustand

Abb. 5: Durchschnittliche Zeit glücklich

Abb. 6: Nachhaltiges Glücksniveau

Abb. 7: Dankbarkeit

Abb. 8: Optimismus

Abb. 9: Durchschnittliche Zeit unglücklich

III Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Versuchsplan mit Zufallsgruppenbildung - mit Vorhermessung

Tab. 2: Häufigkeitsverteilung Alter

Tab. 3: M und SD Alter

Tab. 4: Geschlecht Studenten

Tab. 5: Studiengänge Versuchspersonen

Tab. 6: Semester Versuchspersonen

Tab. 7: Cronbachs Alpha

Tab. 8: Split-Half-Reliabilität - Fordyce-Emotions-Fragebogen

Tab. 9: Split-Half-Reliabilität - Allgemeines Glückserleben

Tab. 10: Split-Half- Reliabilität - Dankbarkeits-Test

Tab. 11: Split-Half- Reliabilität - Optimismus-Test

Tab. 12: Experimentalgruppe - Alter M und SD

Tab. 13: Experimentalgruppe - Alter

Tab. 14: Kontrollgruppe - Alter M und SD

Tab. 15: Kontrollgruppe - Alter

Tab. 16: Wilcoxon-Test

Tab. 17: Wilcoxon-Test - Experimental- und Kontrollgruppe

Tab. 18: Glückszustand

Tab. 19: Durchschnittliche Zeit glücklich

Tab. 20: Nachhaltiges Glücksniveau

Tab. 21: Dankbarkeit

Tab. 22: Optimismus

Tab. 23: Wilcoxon-Test - Unglücklich

Tab. 24: Wilcoxon-Test - Unglücklich - Gruppen

Tab. 25: Durchschnittliche Zeit unglücklich

1 Einleitung

Mit der Rede von Martin Seligman im Jahr 1998 vor der American Psychological Association, der weltgrößten Vereinigung von Psychologen, begann eine neue Ära der Psychologie (Fredrickson, 2011). Der amerikanische Sozialpsychologe rief seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, ihr Augenmerk und ihr Forschungsinteresse auf das zu richten, was Menschen seelisch gesund hält. Seligmans Forderung wurde begeistert aufgegriffen und die Positive Psychologie wurde ins Leben gerufen. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben in den vergangenen Jahren interessante Studien durchgeführt, welche zeigen, dass positive Gefühle, Optimismus, Hoffnung und Dankbarkeit für unsere Gesundheit eine bedeutende Rolle spielen (Fredrickson, 2011).

Von großer Bedeutung für diese Bachelorarbeit ist in diesem Zusammenhang die OpenHeart-Studie von Barbara Fredrickson. „Versuchspersonen, die an einem Meditationskurs teilnahmen, berichteten nicht nur über eine Zunahme an positiven Gefühlen, sie konnten durch diese positiven Emotionen auch dauerhaft neue Ressourcen aufbauen“ (Fredrickson, 2011, S. 10).

Ein halbes Jahrhundert lang hat sich die Psychologie mit seelischen Krankheiten - ihren Entstehungsbedingungen und ihrer Behandlung - beschäftigt. Heutzutage können Psychologen ehemals schwammige Begriffe wie Depression, Alkoholismus und Schi- zophrenie genau definieren. Sie wissen sehr viel darüber, wie sich diese Probleme im Verlaufe eines Lebens entwickeln, wissen eine Menge über ihre psychischen Ursachen, ihre genetischen Grundlagen und über ihre Biochemie. Doch für dieses Wissen wurde ein hoher Preis gezahlt. Gemütszustände zu behandeln, welche das Leben unglücklich machen, hat die Aufgabe in den Hintergrund gedrängt, Gemütszustände auf- und auszu- bauen, welche das Leben lebenswert und erfüllt machen. Inzwischen wünschen sich Menschen mehr als bloß ihr Schwächen zu korrigieren. Sie wünschen sich ein erfülltes und sinnvolles Leben, daher beschäftigt sich diese Bachelorarbeit nicht damit im Leben von minus fünf auf minus eins zu kommen, sondern damit, die Lebenszufriedenheit von plus fünf auf plus neun zu erhöhen. Daher manifestiert sich diese Arbeit im Bereich der Positiven Psychologie, eine Wissenschaft, welche positive und nicht nur negative Emo- tionen zu verstehen versucht und bemüht ist, Stärken aufzubauen und Wegweiser aufzu- stellen, um den Menschen ein gutes, gesundes Leben zu ermöglichen (Seligman, 2003).

Im Rahmen ihres Studiums lernte die Autorin eine Vielzahl an Studenten kennen die unter Prüfungs- oder Vortragsangst leiden und sich selbst zu wenig vertrauen und/oder zumuten. Die Autorin wollte mit dieser Interventionsstudie diesen Studenten die Mög- lichkeit geben Selbstzweifel abzulegen und neue persönliche Ressourcen aufzubauen, indem sie ihre positiven Emotionen erhöhen und lernen mit negativen Emotionen besser umzugehen, sie zu akzeptieren und letztendlich zu korrigieren. Es geht dabei nicht da- rum negative Emotionen zu eliminieren oder zu unterdrücken, denn auch negative Emo- tionen gehören, wie die positiven, zum Leben dazu. Es ist ok zu weinen, wenn man traurig ist, zu schreien, wenn man geschockt ist und zu lachen, wenn man fröhlich ist. Ein ausgeglichenes Verhältnis spielt dabei eine große Rolle. Das Rezept, welches die Autorin anbietet: Auf jede bedrückende emotionale Erfahrung kommen drei positive Erlebnisse die einen wieder aufrichten um charakterfest und aufrecht durch das Leben zu gehen (Fredrickson, 2011).

Ein weiteres Anliegen dieser Arbeit ist die Überprüfung aufgestellter Hypothesen und Fragestellungen, um zu überprüfen, ob es möglich ist positive Emotionen bewusst her- beizuführen, um die Lebensqualität zu erhöhen und das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen.

Dazu gliedert sich die Bachelorarbeit in vier Themenbereiche: Theoretische Grundlagen und Forschungshintergrund, Methoden der Studie, Ergebnisse sowie Interpretation und Ausblick. Im Theorieteil wird zunächst ein Überblick über die relevanten Begrifflich- keiten geschaffen. Danach wird die Literatur zu psychischen Herausforderungen im Studium dargestellt um zu verdeutlichen, warum für die Zielgruppe der Studie Studen- ten im Alter zwischen 20 und 39 Jahren gewählt wurden. Im Forschungsstand werden verschiedene Studien vorgestellt, welche die verschiedenen Möglichkeiten der Erhö- hung positiver beziehungsweise die Reduzierung negativer Emotionen untersuchen. Außerdem werden die Auswirkungen solch einer Veränderung vorgestellt. Im An- schluss werden die Hypothesen, die der Fragestellung „Können positive Emotionen bewusst herbeigeführt werden, um die Lebensqualität zu erhöhen und das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen?“ zugrunde liegen, hergeleitet. Der Methodenteil umfasst Art und Durchführung der Studie sowie die Beschreibung der Erhebungsinstrumente. Im Anschluss an den Methodenteil werden die Ergebnisse der Studie beschrieben und ausgewertet. Die abschließende Diskussion und Interpretation reflektiert diese Untersu- chung und gibt einen Ausblick für weitere Forschungen der Emotionsforschung.

2 Theoretische Grundlage und Forschungshintergrund

In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen, welche zum Thema Emotions- forschung in der Literatur bestehen, herausgearbeitet. Dazu wird zunächst ein Überblick über die relevanten Begrifflichkeiten geschaffen. Danach werden die psychische Lage und die psychischen Schwierigkeiten von Studierenden anhand von einigen empirischen Befunden und Studien veranschaulicht. Darüber hinaus wird ein Überblick zum aktuel- len Forschungsstand hinsichtlich der zentralen Fragestellung gegeben, ob man positive Emotionen bewusst herbeiführen kann um die Lebenszufriedenheit zu erhöhen. Im An- schluss werden die Hypothesen, welche dieser Untersuchung zugrunde liegen, erläutert und hergeleitet.

2.1 Begriffsbestimmungen

Um die Fragestellung empirisch überprüfen zu können, ist zunächst ein Verständnis der zentralen Begrifflichkeiten erforderlich. Daher sollen im Folgenden die Begriffe Emoti- onen und Gefühle sowie zehn Variationen positiver Gefühle (Freude, Dankbarkeit, Hei- terkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht und Liebe) sowohl wissenschaftlich erklärt als auch in Bezug auf diese Untersuchung definiert werden.

2.1.1 Emotionen und Gefühle

Um einen Einstieg in das Thema der Emotionsforschung zu geben, wird zuerst der Begriff „Emotionen“ näher definiert. Das Wort „Emotion“ kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Wörtern „ex“ (heraus) und „motio“ (Bewegung/Erregung) zusammen. Emotionen werden als kennzeichnende Reaktionen auf spezifische Ereignisse beschrieben, weshalb sie eher von kurzlebiger und intensiver Natur sind. Diese Reaktionen sind eine Form von Antwortverhalten und entstehen in Situationen, welche als persönlich bedeutsam eingestuft werden (Gerrig & Zimbardo, 2008).

Im Gegensatz zu den Emotionen bei denen es um Ausdruck, Handlung oder Beurteilung geht, sind Gefühle das, was wahrgenommen wird; das, was über die Sinnesorgane an Impulsen und Empfindungen in das Bewusstsein eintritt. Gefühle sind ohne Bewertung. Es wird festgestellt, was da ist, ohne zu urteilen, ob es angenehm, unangenehm, gut oder schlecht ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Emotion eine Bewertung des- sen ist, was gefühlt wurde und wie dies ausgedrückt wurde (Seiler, 2008).

2.1.2 Zehn Variationen positiver Gefühle und Emotionen

Die Autorin konzentriert sich in dieser Bachelorarbeit auf die folgenden zehn positiven Gefühle und Emotionen, da sich Forschungen im Allgemeinen am meisten mit diesen zehn befassen. Außerdem beobachteten Fredrickson und ihre Kollegen über die letzten Jahre die täglichen emotionalen Erfahrungen hunderter Menschen, angefangen bei Stu- denten bis hin zu Berufstätigen und darüber hinaus. Aus diesen Beobachtungen lernten sie, dass die besagten zehn Formen das Alltagsleben der Menschen am meisten prägen (Fredrickson, 2011). Die absichtlich gewählte Reihenfolge richtet sich nach der relati- ven Häufigkeit, mit der die jeweiligen Gefühle auftreten. Die Autorin beginnt mit dem Gefühl, welches sich besonders häufig einstellt und schließt mit dem was am seltensten vorkommt. Die Liebe nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein - sie ist zwar das positive Gefühl, welches am häufigsten erlebt wird, doch es wird erst zum Schluss beschrieben, da es sämtliche Facetten an positiven Gefühlen beinhalten kann (Fredrickson, 2011).

2.1.2.1 Freude und Dankbarkeit

Menschen empfinden Freude in vielen verschiedenen Situationen und meist in einem vertrauten, angenehmen, sicheren Umfeld. Es ist ein beschwingtes, heiteres Gefühl in dem man sich wohlfühlt. Als Reaktion auf die Freude folgt meist ein Lachen (Fred- rickson, 2011).

Von besonderer Bedeutung für das Wohlbefinden ist die positive Emotion Dankbarkeit, denn Dankbarkeit wirkt schöpferisch. In dem man etwas wertschätzt, wächst es. Dankbarkeit richtet den Fokus auf das, was man bereits besitzt und vermehrt es dadurch. Dankbarkeit lenkt die Aufmerksamkeit weg von den fehlenden Dingen hin zu dem Reichtum, über den man bereits verfügt. Aus diesem Grund ist die Dankbarkeit ein wesentlicher Bestandteil der Intervention und des Glückstagebuchs.

Klassisch definiert wird Dankbarkeit als eine Emotion, welche durch ein positives Er- eignis hervorgerufen wird, bei dem jemand anderes als die eigene Person die Kontrolle über den Verlauf des Geschehens hat. Die Situation, in der Dankbarkeit empfunden wird, wäre demnach external kontrolliert. Allerdings muss die Person, deren Handeln die Ursache für das positive Ereignis ist, mit der Absicht agieren, der anderen Person etwas Gutes zu tun. Träfe die andere Person ihre Entscheidungen aus Eigennutz, würde dies zu keiner oder nur zu geringer Dankbarkeit führen (Weiner, 1986). Man kann aber auch dankbar dafür sein, dass man Gesund ist, Sehen, Hören, oder Lieben kann. Außer- dem ist Dankbarkeit auch eine Emotion erhöhter Sicherheit (Williams, 2003).

Dankbarkeit kann ein Leben befriedigender und erfüllender machen. Denn wenn wir Dankbarkeit empfinden, ziehen wir Nutzen aus dem angenehmen Ereignis. Wenn man Dankbarkeit anderen gegenüber zum Ausdruck bringt, stärkt man zudem Beziehungen (Seligman, 2012).

2.1.2.2 Heiterkeit und Interesse

Ähnlich wie die Freude stellt sich auch die Heiterkeit ein, wenn man sich in einer sicheren und/oder vertrauten Umgebung befindet. Im Gegensatz zur Freude ist die Heiterkeit zurückhaltender und maßvoller. Sie stellt sich beispielsweise ein, wenn man nach einem langen Arbeitstag voller anstrengender, aber lohnender Arbeit in einer Hängematte in der Sonne liegt. Heiterkeit weckt den Wunsch sich zurückzulehnen, die Gegenwart in sich aufzunehmen und den Augenblick zu genießen (Fredrickson, 2011).

Anders als bei der Freude oder der Heiterkeit sind bei dem Interesse Anstrengung und Aufmerksamkeit gefragt. Plötzlich steht man vor neuen Herausforderungen, welche es einem erlauben, seine Fähigkeiten zu erweitern. Interesse macht offen und lebendig; man kann spüren, wie sich der Horizont erweitert und sich mit ihm neue Möglichkeiten auftuen. Interesse weckt den Drang zu erforschen, neue Ideen in sich aufzunehmen und mehr zu lernen (Fredrickson, 2011).

2.1.2.3 Hoffnung

Die Hoffnung zeigt sich in negativen, unpassenden oder unsicheren Situationen. Sie entwickelt sich in Augenblicken in denen Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung gleichermaßen wahrscheinlich wäre. In verzweifelten Situationen bedeutet Hoffnung, sich nach etwas Besserem zu sehnen. Hoffnung bildet die Überzeugung, dass die Dinge sich ändern und verbessern können, egal wie schrecklich oder unsicher die Umstände in dem Augenblick sind. Hoffnung stützt und verhindert Verzweiflung, Ohnmacht oder ein Zusammenbrechen. Sie motiviert die Menschen, sich auf eigene Fähigkeiten, Stärken und Erfindungsreichtum zu besinnen, um das Leben selbst in die Hand zu nehmen und einen Plan für eine bessere Zukunft zu entwerfen. Denn im Gegensatz zu Tieren sind wir Menschen in der Lage, uns unsere eigene Zukunft vorzustellen. Hoffnung liefert dabei die nötige Energie, so viel wie möglich dafür zu tun, um uns und anderen ein gu- tes Leben zu schaffen (Fredrickson, 2011). Aus diesen Gründen ist die Hoffnung ein Zentraler Inhalt des Coachings und wird mit Hilfe der Fragebögen vor und nach den Interventionsveranstaltungen gemessen.

2.1.2.4 Stolz und Vergnügen

Unter Stolz versteht man ein Gefühl, das in Momenten des erhöhten Selbstwerts auftritt. Dabei wird ein positives Ereignis internal attribuiert, das heißt, das Ereignis wird eige- nen Fähigkeiten zugeschrieben und auf das eigene Können zurückgeführt (Weiner, 1986). Außerdem wird in Momenten, in denen man Stolz empfindet, eine besonders hohe innere Sicherheit wahrgenommen (Baer & Frick-Baer, 2009). Vergnügen entsteht meist in unerwartet lustigen Situationen. Sozialwissenschaftler be- schreiben diese Situationen als nicht ernsthafte, soziale Inkongruenz. Die Inkongruenz ist dabei die überraschende Wendung die eine solche Situation nimmt. Das Adjektiv sozial meint in diesem Zusammenhang, dass man sich meist in sozialen Zusammenhän- gen amüsiert. Nicht ernsthaft bedeutet, dass Spaß dieser Art per Definition keinen ernsthaften Hintergrund hat. Diese Situationen lösen ein Bedürfnis aus, zu lachen und dieses Lachen mit anderen zu teilen. Gemeinsames Lachen signalisiert, dass die Perso- nen ihre momentane Situation für sicher halten und dass sie ihren Frohsinn nutzen, um eine Verbindung zu anderen herzustellen (Fredrickson, 2011).

2.1.2.5 Inspiration und Ehrfurcht

Menschliche Höchstleistungen können beispielsweise eine Quelle der Inspiration sein und einem Auftrieb geben. Das Gefühl der Inspiration fesselt die Aufmerksamkeit und steht in absolutem Gegensatz zu dem Widerwillen, welchen man angesichts moralischer Verwerflichkeit empfindet. Inspiration ist nicht nur einfach ein gutes Gefühl, sondern es weckt das Bedürfnis, die Güte in anderen zu würdigen und ihnen nachzueifern. Wie Dankbarkeit und Ehrfurcht ist Inspiration ein positives Gefühl, durch welches man seine Selbstbezogenheit überwinden kann. Manche Menschen reagieren auf menschliche Größe mit negativen Gefühlen, wie Neid oder Groll, denn der Vergleich mit anderen, die besser zurechtkommen als man selbst, kann zur Entmutigung führen. Daher sollte man sich nicht mit anderen vergleichen, sondern höchstens mit sich selbst. Beispiels- weise kann man sagen: Früher war ich oft pessimistisch, ich habe an mir gearbeitet und kann heute optimistischer in die Zukunft blicken. Es liegt in unserer Hand, ob man auf Verdienste der Mitmenschen positiv oder negativ reagiert. Man kann sein Herz öffnen oder es verschließen. Nur durch die Wahl begibt man sich auf eine Aufwärts- oder Ab- wärtsspirale (Fredrickson, 2011).

Ehrfurcht ist mit der Inspiration eng verwandt. Es stellt sich meist dann ein, wenn man von etwas Großartigem überwältigt wird. Ehrfurcht lässt einen innehalten, man ist für einen Augenblick fasziniert. Es kann vorkommen, dass man das Gesehene kaum begrei- fen kann. Ehrfurcht können wir bei Naturschauspielen wie einem Sonnenuntergang oder riesigen Wellen im Meer erleben. Obwohl es sich um ein positives Gefühl handelt, zeigt uns die Ehrfurcht auch Grenzen unseres Lebens auf. Sie kann sich mit Furcht mischen, wenn man Zeuge einer Naturkatastrophe wird. Wie die Inspiration und die Dankbarkeit kann die Ehrfurcht unser Selbst transzendieren (Fredrickson, 2011).

2.1.2.6 Liebe

Die Liebe ist nicht nur ein einziges positives Gefühl, sondern sie kann sämtliche der oben genannten Facetten des Positiven umfassen (Fredrickson, 2011). Die Liebe nimmt einen besonderen Stellenwert in dieser Studie ein, denn sowohl die Meditationen in den Interventionsveranstaltungen als auch die geführten Meditationen auf der Meditations CD beschäftigten sich mit der Liebe und der Selbstliebe. Die Selbstliebe wird als ein Schlüssel zum Erfolg und zur Zufriedenheit angesehen.

Die Qualität der Beziehung die man zu sich hat, ist der Schlüssel zu allem; und alles, was man erlebt, ist ein Spiegel dieser Qualität. Arbeit oder Studium, Familie und Partnerschaft zeigen einem Menschen, ob und wie sehr er sich liebt (Lindau, 2013). Auch die verwendete Meditation bei der Open-Heart-Studie von B. Fredrickson beschäftigte sich mit der Liebe. Die Meditation öffnete Stück für Stück die Herzen der Versuchspersonen und schon nach drei Wochen gab es eine verlässliche Steigerung der positiven Emotionen (Fredrickson, 2011).

Obwohl die Liebe das häufigste positive Gefühl ist, schildert es die Autorin zum Schluss, damit man die zahlreichen Facetten besser verstehen kann. Dadurch entwickelt man eine neue Sichtweise: Man erkennt, dass das Wort Liebe mehr beschreibt als nur den Zustand der Beziehungen die man zu anderen Menschen hat (Fredrickson, 2011).

2.2 Psychische Herausforderungen im Studium

In der öffentlichen Wahrnehmung ist meist der Eindruck, dass Studenten ein privilegiertes Leben mit viel Freizeit und Freiheiten führen. Und tatsächlich kann man sich glücklich schätzen, wenn man die Möglichkeit hat zu Studieren und sich weiterzubilden, doch Studenten sind auch mit vielfältigen Anforderungen und Situationen konfrontiert für deren Bewältigung sie Hilfe benötigen. Denn ein Studium erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation, Eigeninitiative und Verantwortung. Hochschulen stellen hohe Anforderungen an die Studenten und psychische Schwierigkeiten sind nicht selten. Diese Studenten benötigen Hilfe, um Probleme lösen zu können und das Studium unversehrt schaffen zu können, damit nicht Selbstwertprobleme, Arbeitsstörungen oder depressive Verstimmungen die Folge sind (Jannecek, 2012).

Schon im Studium ist es wichtig eine gute Work-Life-Balance zu kreieren um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Studium und Privatleben zu schaffen. Vor allem zu Beginn des Studiums verschlechtert sich meist die Psychophysische Gesundheit der Studenten, da persönliche Ressourcen unter hohen Anforderungen abnehmen und die Belastungen zunehmen. Um Studenten dabei zu unterstützen, müssen Belastungen abgebaut und Ressourcen gefördert werden (Jannecek, 2012).

Zudem fällt das Studium meist in die Zeit der Spätadoleszenz, dies ist der Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter. In dieser Phase werden Normen, Werte und Identi- fizierungen geprüft und gegebenenfalls verändert. Somit kann die Spätadoleszenz eine Entfaltung der Persönlichkeit sein oder auch ein Weg in die Entwicklung einer psychi- schen Störung. Diese Phase ist demzufolge ein entscheidender Wendepunkt des Lebens (Leuzinger-Bohleber, 2001).

Das Deutsche Studentenwerk führt alle zwei Jahre Untersuchungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden durch. 2009 gaben 61% der Studierenden im Erst- studium an, dass sie Beratungsbedarf zu durchschnittlich 3,2 Themenbereichen benöti- gen (Deutsches Studentenwerk, 2009). Wie in Abbildung eins dargestellt berühren die erhobenen Beratungsthemen im Wesentlichen drei übergeordnete Problemfelder: Finan- zierungsprobleme, studienleistungsbezogene Themen und Probleme in persönlichen Umfeld. Diese drei Problemfelder können nicht immer voneinander getrennt werden, da sie sich oft überlappen und miteinander in Wechselwirkung stehen können. Viele Probleme von Studenten kann man mehreren Problemfeldern zuordnen. Beispielsweise Studienabschlussprobleme können aus mangelndem Selbstbewusstsein oder aus Prü- fungs- und/oder Vortragsangst resultieren. Studienabschlussprobleme erhöhen wiede- rum Selbstzweifel und können finanzielle Probleme auslösen oder verstärken (Deut- sches Studentenwerk, 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beratungs- und Informationsbedarf (Verfügbar unter:

http://www.sozialerhebung.de/download/19/Soz19_15_Kap13.pdf).

Fast die Hälfte (45%) der Studierenden im Erststudium hat Beratungsbedarf zu finanzie- rungsbezogenen Themen. Über ein Drittel (35%) gab an zu studienleistungsbezogenen Problemen Beratungsbedarf zu haben, zu dieser Problematik gehören Schwierigkeiten in Bezug auf Arbeitsorganisation und/oder Zeitmanagement (15%) sowie Zweifel das Studium fortzuführen (13%). Des weiteren Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten (13%) und die Prüfungsangst (13%). Knapp ein Viertel (23%) äußert Beratungsbedarf zu Problemen im persönlichen Umfeld, dazu gehören depressive Verstimmungen (13%), ein mangelndes Selbstwertgefühl (10%), Probleme mit dem Partner (7%) oder im familiären Umfeld (7%). Themen wie Kontaktschwierigkeiten (4%) oder Probleme mit Alkohol oder anderen Drogen sind Bereiche, von denen nur wenige Studenten (2%) betroffen sind (Deutsches Studentenwerk, 2009).

Laut dem TK-Gesundheitsreport 2010 ist der Konsum von Psychopharmaka in den vergangenen Jahren bei deutschen Studenten immer mehr angestiegen. Von 2006 bis 2010 hat sich der Konsum verdoppelt (55%), was verdeutlicht, dass erhebliche Probleme vorherrschen und die Betroffenen den Leidensdruck durch Psychopharmaka mindern wollen (Techniker Krankenkasse, 2010).

Die DAK berichtet in ihrem Gesundheitsreport (2005) „zwischen 1997 und 2004 wiesen die jüngeren Altersgruppen zum Teil sogar eine Verdopplung der Erkrankungsfälle auf (...) Angststörungen und Depressionen werden immer mehr zur Volkskrankheit der Zu- kunft“ (Ackermann, 2010, S. 232-233). Die Barmer Ersatzkasse bestätigt einen Anstieg der Psychischen Störungen und Verhaltensstörungen in der Gesamtbevölkerung (Ackermann & Schumann, 2010). Dabei sind Studenten nicht signifikant stärker ge- sundheitlich belastet als die gleichaltrige Gesamtbevölkerung, doch es lassen sich einige Besonderheiten bezüglich der Beschwerden erkennen. Eine Untersuchung in Nordrhein- Westfalen mit 3300 Studenten der Universität Bielefeld zeigte, dass viele Studenten vor allem im mentalen Bereich gesundheitliche Probleme haben (Ackermann & Schumann, 2010). „Mehr als jeder Dritte gab an, unter Konzentrationsstörungen und Nervosität zu leiden, bei jedem Vierten kommen zudem noch Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen hinzu (...). Der Anteil der Studierenden, die Antidepressiva bekommen, nimmt mit dem Alter zu. Von den 30- bis 34- jährigen bekommen mehr als 3% der Studenten und fast 6% der Studentinnen Medikamente gegen Depressionen ver- ordnet“ (Ackermann & Schuman, 2010, S. 233).

2.3 Forschungsstand zur Fragestellung und zu den Hypothesen

In dem folgenden Abschnitt werden Studien genannt, welche sich mit der Erhöhung positiver Emotionen und der Senkung negativer Emotionen beschäftigen. Zuerst wird dabei die Open-Heart-Studie von Fredrickson (2011) vorgestellt. Im Rahmen dessen wird der Nutzen einer positiven Lebenseinstellung unter anderem anhand einer Metaanalyse erläutert. Danach werden Möglichkeiten genannt um negative Emotionen zu reduzieren. Im Anschluss daran werden die Auswirkungen der Erhöhung positiver beziehungsweise der Reduzierung negativer Emotionen vorgestellt.

2.3.1 Möglichkeiten positive Emotionen zu erhöhen

Bei der Interventionsstudie von Fredrickson (2011) sollte ursprünglich erforscht wer- den, wie Meditation zur Stressreduktion eingesetzt werden kann. Die Studie wird als „Studie am offenen Herzen“ bezeichnet, weil die Herzen der Teilnehmer durch positive Emotionen geöffnet wurden (Fredrickson, 2011). Fredrickson stellte in ihrer Interventi- onsveranstaltung eine zufällig zusammengestellte Gruppe von Probanden, welche ihre tägliche Dosis an positiven Gefühlen erhöhte, einer Kontrollgruppe gegenüber, die das nicht tat. Diese willkürliche Zusammenstellung ist dabei sehr wichtig, denn ohne dieses Verfahren könnte man nicht ausschließen, dass nicht vielleicht ein anderes Charakteris- tikum der Teilnehmer die wahre Quelle der Ereignisse ist. Durch diese Randimisierung sind die verschiedenen Arten von Menschen in jeder Gruppe gleichermaßen repräsen- tiert. Um Schlussfolgerungen aus einem Experiment wie diesem wissenschaftlich abzu- sichern, wurden qualitative Daten gesammelt, indem die Teilnehmer täglich eine num- merische Abschätzung ihrer Gefühle auf einer Skala vornahmen. Außerdem füllten alle Teilnehmer umfangreiche Fragebögen aus, mit denen die Bandbreite an persönlichen Ressourcen erfasst werden sollten (Fredrickson, 2011).

Ressourcen sind „Hilfsmittel, die es dem Menschen erlauben die eigenen Ziele trotz Schwierigkeiten, mit den Stressbedingungen besser umzugehen und unangenehme Ein- flüsse zu verringern“ (Ducki, 2000, S. 43). Persönliche Ressourcen wie beispielsweise Motivation, Hoffnung, Problemlösekompetenzen, Selbstvertrauen oder positives Selbstwertgefühl helfen uns Anforderungen und Belastungen besser zu bewältigen (Du- cki, 2000).

Anhand der ausgefüllten Skalen durch die Teilnehmer konnten Momentaufnahmen fest- gehalten werden, wo jeder Einzelne zu Beginn des Experiments stand. Ein paar Wochen nach Ende des Meditationsworkshops wurden mit den gleichen Methoden weitere Mo- mentaufnahmen aufgenommen, um einzuschätzen ob und wie die Teilnehmer sich im Verlauf des dreimonatigen Experiments verändert hatten (Fredrickson, 2009). Der be- sondere Fokus lag darauf, ein detailliertes Bild der Gefühle zu gewinnen, die Menschen an einem ganz normalen Arbeitstag durchlaufen. Dafür wurde das Messinstrument „Day Reconstrucion Method“ verwendet (Fredrickson, 2009). Die Versuchsteilnehmer teilten ihren Tag in eine Folge von verschiedenen Episoden ein, die in der Regel zehn Minuten bis zwei Stunden lang waren. Episoden des Tages könnten beispielsweise lauten: „Mit der Familie frühstücken - 20 Minuten“ oder „Fahrt zur Arbeit - 30 Minuten“. Zu jeder einzelnen Episode wurden den Teilnehmern des Experiments Fragen gestellt wie: „Was haben Sie wie getan“ oder „Wie fühlten Sie sich?“ (Fredrickson, 2009).

Die daraus gewonnenen Daten gaben die Möglichkeit, genaue Hypothesen über die kausale Kette von Ereignissen zu bilden (Cohn, Fredrickson, Coffey, Pek & Finkel, 2008).

Cohn et al. (2008) sagten voraus, dass Menschen durch die Meditationen mehr positive Emotionen in ihrem Alltagsleben erleben würden und sie sagten, dass eine Steigerung ihrer positiven Gefühle ihnen beim Aufbau innerer Ressourcen helfen würde. Sie prog- nostizierten, dass die Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit dazu führen würde, dass sie ihr Leben für erfüllter hießen (Cohn, Fredrickson, Coffey, Pek & Finkel, 2008). Durch das Testen dieser psychologischen Kettenreaktion sollte die sogenannte „Boar- den-and-Build-Theorie“ von Fredrickson (2009) verifiziert werden. Diese Theorie lau- tet: „Während negative Emotionen den Blickwinkel der Betroffenen im Hinblick auf mögliche Handlungsalternativen einschränken, leisten positive Emotionen genau das Gegenteil. Sie erweitern (broaden) unseren Horizont und unser Bewusstsein und ermög- lichen einen größeren Denk- und Handlungsspielraum als sonst (Fredrickson, 2011, S. 35-36). Positive Emotionen öffnen unsere Herzen und unseren Geist, sodass wir emp- fänglicher und kreativer werden (Fredrickson, 2011). Es konnte statistisch nachgewie- sen werden, dass positive Emotionen der aktive Wirkstoff und der Motor für die positi- ven Veränderungen sind. Wenn das Herz von positiven Gefühlen erfüllt ist, bewegt man sich weiter, man wächst (Build-Effekt). Man erschafft sich aktiv ein besseres Leben. Doch was erschafft man? Fredrickson (2011) benutzt in ihren wissenschaftlichen Arbei- ten dafür den allumfassenden Terminus „Ressourcen“, um zu beschreiben, was durch eine positive Lebenseinstellung gewonnen wird. Persönliche Reserven auf die man zu- rückgreifen kann, wenn man mit Herausforderungen oder Rückschlägen konfrontiert wird. Ressourcen sind wie Werkzeuge die einem zur Verfügung stehen und der Begriff ist gut geeignet die vielfältige Bandbreite menschlicher Qualitäten abzudecken, welche durch positive Gefühle beeinflusst werden (Fredrickson, 2011).

An dem kontrollierten Feldexperiment mit randomisierter Experimental- und Kontroll- gruppe nahmen 200 berufstätige Erwachsene desselben Unternehmens drei Monate lang teil (Fredrickson, 2011). Die Studie wurde von dem Arbeitgeber unterstützt. „Im Rah- men eines firmeninternen Wellnesprogramms wurde ein siebenwöchiger Meditations- workshop gesponsert, durch den die Angestellten lernen sollten, besser mit Stress um- zugehen“ (Fredrickson, 2011, S. 103). Alle Teilnehmer füllten im Internet Fragebögen aus, um aus diesen Daten zu erfahren, ob die Metta-Meditation - die das spezifische Ziel hatte, tief empfundene positive Gefühle hervorzurufen - das Leben der Menschen in irgendeiner Form zum Besseren verändern würde (Fredrickson, 2011). Zusätzlich wurden mit den Teilnehmern nach Abschluss der Studie persönliche Interviews geführt, da einige Teilnehmer um ein Interview baten (Fredrickson, 2011).

Die Experimentalgruppe bekam am Anfang des Experiments zunächst die grundlegen- den Prinzipien der Meditation vorgestellt und wurde bei der Gruppenmeditation durch die Meditation geführt. Die Teilnehmer bekamen dann eine CD, auf die eine Folge von angeleiteten Meditationsübungen aufgenommen war, welcher sie zu Hause folgen konn- ten (Fredrickson, 2011).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Steigerung positiver Emotionen (Verfügbar unter: http://www.ncbi.nlm. nih.gov/pmc/articles/PMC3156028/).

Die 100 Kollegen verbrachten wöchentlich 80 bis 90 Minuten ihrer Zeit mit den ange- leiteten Meditationsübungen. Die Veränderung ging nur ganz allmählich und sehr lang- sam vonstatten wie in Abbildung 2 zu erkennen. Doch wie man auch sehen kann gab es bei der Open-Heart Studie ab der dritten Woche der Meditationspraxis eine verlässliche Steigerung der positiven Gefühle und dann wurde es stetig mehr (Fredrickson, 2011). Wie man erkennen kann gab es nach der Woche sieben bei der Experimentalgruppe ein Absenken der positiven Emotionen, dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der Meditationsworkshop sieben Wochen lang ging (Fredrickson, 2011). Das heißt aber nicht, dass der Trainingseffekt danach wieder bis zum Ausganspunkt absinkt, denn so- gar winzige positive Veränderungen können, wenn sie von Dauer sind, unser Leben zum Besseren verändern (Fredrickson, 2011).Die gestrichelte Linie der Kontrollgruppe zeigt, dass der Anfangswert höher war als bei der Experimentalgruppe, in der zweiten Woche viel der Wert der Kontrollgruppe um 0.1 ab und blieb die nächsten acht Wochen in dem Bereich von 2.7 auf der Skala der positiven Emotionen. Der Wert der Experi- mentalgruppe, gekennzeichnet mit der durchgezogenen Linie begann bei ungefähr 2.6 und stieg bis zur dritten Woche auf 2.7 an, dann stieg er stetig weiter bis auf 2.9 in der siebten Woche und sank in der achten Woche auf 2.8.

Obwohl sich die Meditationsübungen ausschließlich auf die Liebe konzentrierten, war dies nicht das einzige positive Gefühl, das von den Meditationen profitierte. Die glei- chen Veränderungen wurden in Bezug auf Freude, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen und Ehrfurcht entdeckt (Fredrickson, 2011). Es gab aber keine Veränderungen in Bezug auf die negativen Emotionen. Sie stiegen nicht, verrin- gerten sich aber auch nicht. Die Metta-Meditation schien ausschließlich die positiven Emotionen zu beeinflussen. Das ist eine wichtige Erkenntnis, da eine in der Emotions- forschung häufig aufkommende Frage ist, ob die Veränderung der Lebensqualität nur auf das Nachlassen negativer Gefühle zurückzuführen ist. Doch da sich die negativen Emotionen nicht verändert hatten, konnte diese Vermutung beiseitegelegt werden (Fred- rickson, 2011). Durch die tägliche Abschätzung der Gefühle auf einer nummerischen Skala konnte die Beziehung zwischen dem wöchentlichen Zeitraum, den die Probanden der Meditationspraxis widmeten, und dem Anstieg ihrer positiven Emotionen ermittelt werden. Im Verlauf von neun Wochen verdreifachte sich das Verhältnis zwischen Me- ditationsdosis und positiver Wirkung. Die Probanden wurden immer besser darin, mög- lichst viel Freude aus den Meditationsübungen zu gewinnen (Fredrickson, 2011). Dieses Ergebnis ist deshalb außergewöhnlich, weil frühere wissenschaftliche Studien darauf hindeuten, dass emotionale Veränderungen bei Menschen nicht von Dauer sind, sie pas- sen sich an. Große emotionale Veränderungen lösen sich schon bald wieder auf. Wis- senschaftler sprechen hier vom „Hedonic Treadmill Effect“ (Fredrickson, 2011). Wie auf einem Laufband glaubt man sich emotional vorwärts zu bewegen, doch man tritt auf der Stelle. Die Ergebnisse der Open-Heart-Studie zeigten jedoch, dass der langsame stetige Anstieg der positiven Einstellung, dazu führt, dass der einzelne das Laufband verlässt und ihn jeder Schritt weiter bringt. Diese Wirkung ist darauf zurückzuführen, dass die Meditationsübungen gleichzeitig Routine und Veränderung bedeuten. (Fred- rickson, 2011). Selbst zwei Wochen nach dem Meditationsworkshop (in Woche neun), waren die positiven Emotionen der Experimentalgruppe größer als die der Kontroll- gruppe. Das zeigt wie dauerhaft und einflussreich die Veränderung des Lebensstils war. Die Meditation setzt über einen längeren Zeitraum positive Emotionen frei, auch wenn nicht täglich meditiert wird (Fredrickson, 2011).

Eine positive Lebenseinstellung zeigte sich, egal, ob die Betreffenden in einer festen Partnerschaft oder allein stehend waren; besonders stark zeigte sich die Seigerung je- doch in zwischenmenschlicher Interaktion. Meditationsübungen bringen nicht nur das Beste in den Meditierenden zum Vorschein, sondern sie tragen dazu bei, dass Sie die Gesellschaft anderer stärker genießen können (Fredrickson, 2011). „Das langsame und stetige Zunehmen positiver Gefühle förderte das innere Wachstum der Menschen. Nachdem sie diese Form der Meditation erlernt hatten, hatten sie mehr Ressourcen zu ihrer Verfügung als drei Monate vorher. Hierbei unterschieden wir vier Funktionsbereiche: Zunächst einmal gewannen unsere Versuchsteilnehmer vermehrt mentale Ressourcen. Sie waren besser in der Lage, achtsam in der Gegenwart zu sein und angenehme Ereignisse zu genießen. Zum zweiten gewannen sie zusätzlich psycho- logische Ressourcen. Sie akzeptierten sich selbst stärker als vorher und betrachteten ihr Leben als sinnvoll. Zum dritten steigerten sich ihre sozialen Ressourcen. Sie konnten tiefere und vertrauensvollere Beziehungen aufbauen und hatten das Gefühl, von anderen besser unterstützt zu werden. Viertens steigerte sich auch ihre physischen Ressourcen: Sie waren gesünder. (...) Die Menschen fanden ihr Leben befriedigender und erfüllen- der, und sie erlebten weniger depressive Phasen. (...) Noch bemerkenswerter aber war, dass wir statistisch nachweisen konnten, dass all diese Vorteile durch eine Steigerung der positiven Befindlichkeit verursacht wurden. Positive Emotionen waren der aktive Wirkstoff, der Motor für die Veränderung“ (Fredrickson, 2011, S.115).

Als nächstes möchte die Autorin eine Metaanalyse vorstellen, bei welcher 300 wissen- schaftliche Primärstudien zur positiven Lebenseinstellung zusammengefasst und erneut untersucht wurden. In diesen 300 wissenschaftlichen Studien wurden insgesamt 275.000 Menschen untersucht, sowohl in kontrollierten Laborexperimenten als auch in Langzeitstudien (Fredrickson, 2011). „Die Metaanalyse ergab, dass eine positive Grundeinstellung ebenso sehr zu Lebenserfolg führt, wie sie ihn auch wiederspiegelt. Unabhängig davon, wie Erfolg definiert wurde - ob als funktionierende Partnerschaft, ein höheres Gehalt oder bessere Gesundheit -, die positive Haltung war von entschei- dender Bedeutung. Die Auswertung und das Zahlenmaterial aus sämtlichen Studien untermauert also die Broaden-and-Build-Theorie“ (Fredrickson, 2011, S.42).

2.3.2 Möglichkeiten negative Emotionen zu reduzieren

Eine Möglichkeit um negative Emotionen zu reduzieren ist das Leben etwas gelassener zu sehen. Man sollte aus guten Erfahrungen lernen und versuchen sich an Situationen zu erinnern, in denen der positive Umgang mit einer schwierigen, Stress auslösenden Si- tuation schon gelungen ist (Auhagen, 2008). Für den gesunden Umgang mit Stressoren gibt es verschiedene Strategien, wie die Bewertungsveränderung, Problemlösefertigkei- ten, soziale Unterstützung oder Beruhigungsfähigkeiten (Auhagen, 2008). Die Strategie der Bewertungsveränderung kann helfen, sich aus Involvierung und Enge zu lösen. Be- wertungsveränderungen sind wie eine Art Moderatorvariable, denn ein schwieriges Er- eignis wirkt aus einer anderen Perspektive meist weniger schlimm oder eher zu bewälti- gen (Auhagen, 2008). Dabei kann man beispielsweise die Helikopter- oder Vogelper- spektive einnehmen um ein Geschehen von oben zu überblicken um Bewertungen zu verändern und negative Emotionen zu reduzieren. Der Erwerb von zusätzlichen Prob- lemlösefertigkeiten ist hilfreich für die Weiterentwicklung der Selbstwirksamkeitsüber- zeugung (Auhagen, 2008). Die soziale Unterstützung durch andere Menschen kann da- bei helfen neue Bewertungen oder neue Perspektiven und/oder neue Problembewälti- gungsstrategien zu erarbeiten. Die soziale Unterstützung einer vertrauten Person kann dabei helfen, Gefühle auszudrücken, zu verstehen und bestenfalls zu verarbeiten, um sich aus einer Involvierung zu lösen (Auhagen, 2008). Beruhigungsfähigkeiten sind hilfreich um den Umgang mit Stressauslösern zu verbessern, daher sollte man heraus- finden, wie man sich am besten beruhigen kann, wie zum Beispiel durch eine Meditati- on, Schlaf, Entspannungsübungen oder durch einen Spaziergang (Auhagen, 2008).

Auch das Verstehen und Würdigen der eigenen Person kann dabei helfen, nachhaltig gelassener zu werden um negative Emotionen zu reduzieren. Selbstreflektionsfähigkeit, bezeichnet die Fähigkeit sich selbst mit seiner Lebensgeschichte zu reflektieren und sich anzunehmen. Diese Fähigkeit ist ein Schutzfaktor und man kann diese Fähigkeit fördern durch Seminare oder das Führen eines Tagebuchs (Auhagen, 2008).

Als soziale Lebewesen bescheren wir uns auf der einen Hand einander Glück und Har- monie und auf der anderen Hand Traurigkeit uns Kummer. Weil kein Mensch voll- kommen ist, verletzen wir einander (Baumeister, Exline & Sommer, 1998). In Anbe- tracht dieser Kränkungen sind negative Gefühle wie Enttäuschung (Ende der Täu- schung), Zorn oder Wut gegenüber dem Verursacher möglich. Reaktionsweisen darauf können sein, dass wir den Betreffenden künftig meiden, den Kontakt abbrechen (Fincham, 2000) oder sogar über Rache und Vergeltung nachdenken (Fitness, 2001). Rache und Vergeltung sollten man nicht ausüben, denn wenn wir alle Auge um Auge und Zahn um Zahn kämpfen würden, wären wir alle blind und zahnlos. Doch leider ist das Verhalten auf eine Verletzung ebenfalls verletzend zu reagieren verbreitet und zu- gleich die rudimentärste Reaktionsweise (Black, 1998). Wir Menschen verfügen über ein weit reichendes Repertoire an Reaktionsmöglichkeiten und die effektivste Hand- lungsalternative bietet das Verzeihen. Das Verzeihen reduziert negative Emotionen, kann zudem emotionalen Schmerz besiegen, Wohlbefinden schenken und uns Men- schen wieder zusammenbringen. Das Verzeihen wurde von der psychologischen For- schung lange nicht beachtet (McCullough, Pargament & Thoresen, 2000). McCullough et al. (1998) stellten eine Biographie über empirische Studien zusammen, welche sich mit dem Thema Verzeihen befassen und fanden weltweit nur 46 Arbeiten. Doch in den letzten Jahren interessiert sich die Forschung zunehmend für das Konzept des zwi- schenmenschlichen Verzeihens. Die positive Bedeutung des Verzeihens für das psychi- sche und physische Wohlbefinden und harmonisches Miteinander wurde herausgestellt sowie Interventionen entwickelt, um Verzeihen zu fördern (Auhagen, 2008). „Verzei- hen ist ein inter- und intrapersonaler Prozess, der sich in einer prosozialen Veränderung von Affekt, Kognition und Verhalten gegenüber einem Schadensverursacher äußert. Verzeihen ist international, bedingungslos, nicht notwendig und geschieht nur in dem Bewusstsein, dass der Täter verantwortlich ist“ (Auhagen, 2008, S. 151). Nichtverzei- hen hingegen ist eine kalte und negative Emotion, die Groll, Zorn, Hass, Verbitterung sowie Motivation beinhaltet, den Schadensverursacher zu meiden oder sogar Vergel- tung zu üben. Nichtverzeihen kann tiefes Bedauern verursachen, was wiederum einen negativen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden ausübt (Worthington, Berry & Parrott, 2001). Obwohl Verzeihen ein beziehungsstärkendes Potenzial besitzt bedeutet es nicht Versöhnen oder Wiedervereinigen, denn dazu wird die Wiederherstellung von verletztem Vertrauen benötigt. Verzeihen bedeutet nicht Nachsicht, Vergessen, Akzeptanz, Billigung, Begnadigung, Verleugnung oder Rechtfertigung (Auhagen, 2008). Das Verzeihen nimmt einem Konflikt oder einer Situation die negative Spannung, hilft negative Emotionen zu reduzieren und ist somit der schnellste Weg um Leid und Schmerz zu beenden (Auhagen, 2008).

Personen denen es leicht fällt zu verzeihen, unterscheiden sich bezüglich ihrer Persön- lichkeitseigenschaften; sie scheinen weniger narzisstisch, dafür aber empathischer zu sein (Brown, 2004). In den Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften erreichen sie hohe Verträglichkeitswerte und niedrige Neurotizismuswerte. Dazu besteht ein Zusammen- hang zur Gewissenhaftigkeit (Auhagen, 2008). In Studien konnte ein positiver Zusam- menhang mit emphatischen Interesse und Perspektivenübernahme und ein negativer Zusammenhang mit Angst belegt werden (Berry, Worthington, O’Connor, Parrott, & Wade, 2005). Personen die Verzeihen nach interpersonalen Verletzungen einsetzten, sind lebenszufriedener und zeigen weniger depressive Symptome (Mauger, Perry, Freeman, Grove, McBridge, & McKinney, 1992).

Verzeihen befreit Menschen von emotionalen Schmerzen der Vergangenheit und Ängsten sowie Sorgen. Es ist ein Geschenk für das psychische und körperliche Wohlbefinden und stärkt unsere Selbstachtung sowie die Beziehungen zu anderen, indem es uns hilft von alten Verletzungen loszulassen (Auhagen, 2008).

2.3.3 Auswirkungen der Erhöhung beziehungsweise Reduzierung

Befunde aus der Gesundheitspsychologie zeigen die Effekte positiven Denkens. „In mehreren Studien konnten Zusammenhänge zwischen Optimismus und physischer so- wie psychischer Gesundheit nachgewiesen werden. Eine optimistische Haltung hilft beispielsweise bei der Genesung: Weniger Schmerzempfinden nach einer Operation stand in direktem Zusammenhang mit besseren, positiven Erwartungen (Mondloch et al., 2001). Eindrucksvoll konnte auch die Zutphen Elderly Studie verdeutlichen, dass dispositionaler Optimismus über einen Zeitraum von 15 Jahren eine relativ stabile Ei- genschaft und Optimismus hinsichtlich Depressionen bei älteren Männern ein protekti- ver Faktor ist (Giltay et al., 2006b). Weiterhin zeigte sich, dass mit stärker ausgepräg- tem Optimismus das Risiko sinkt, einen Herzinfarkt zu erleiden, und die Chance auf schnelle Genesung nach medizinischen Eingriffen steigt (Giltay et al., 2006a). Es wurde außerdem deutlich, dass Optimisten stärker zu gesundheitsförderlichem Verhalten nei- gen und versuchen, gesundheitsschädliches Verhalten zu reduzieren (Steptoe et al.,

1994). Insgesamt scheinen sich Optimisten dadurch auszuzeichnen, dass sie sich aktiv mit Problemen auseinandersetzen und versuchen, einen Sinn in den entsprechenden Umständen zu erkennen sowie positive Aspekte der Situation zu nutzen“ (Auhagen, 2008, S. 17).

Optimismus kann als Tendenz verstanden werden Dinge zuversichtlich zu sehen und auch in schwierigen Situationen positive Ergebnisse zu erwarten. Optimismus ist somit eine Neigung zu positivem Denken (Carver & Scheier, 2002).

Neben dem Optimismus sind auch die Kotrollüberzeugung und Selbstwirksamkeitser- wartung wichtige Faktoren des psychischen und physischen Wohlbefindens. Kontroll- überzeugung ist die Überzeugung, das eigene Schicksal selbst kontrollieren zu können und Selbstwirksamkeitserwartung ist die Überzeugung auf Geschehen aktiv Einfluss nehmen zu können (Taylor, Kemeny, Reed, Bower & Gruenewald, 2000). Auch Humor und Hoffnung wirken sich positiv auf die Bewältigung kritischer Lebensereignisse aus, wie mehrere Studien belegen. Abel (2002) konnte in seiner Studie belegen, dass ein ausgeprägter Sinn für Humor Stress und Ängste reduzieren kann (Abel, 2008). Humor wirkt sich positiv auf das Zufriedensein mit der eigenen Gesundheit aus und zudem steht Humor in Zusammenhang mit einem niedrigen systolischen Blutdruck (Svebak, Martin & Holmen, 2004).

Verschiedene Studien berichten über die positiven Effekte von Optimismus in Bezug auf Leistung im Studium, im Beruf oder im Job (Peterson, 2000). „Dieser Zusammen- hang ist in starkem Maße darauf zurückzuführen, dass optimistische Personen dazu ten- dieren, Erfolge ihren Fähigkeiten zuzuschreiben (internale Attribuierung), und für Miss- erfolge eher äußere Umstände verantwortlich zu machen (externale Attribuierung). Op- timisten schreiben beispielsweise eine schlechte Note in der Mathematikarbeit eher der Schwierigkeit der Aufgabe oder der Tatsache zu, dass der Lehrer die Problematik nicht richtig erklärt hat. Pessimisten dagegen führen Misserfolg typischerweise auf ihre ge- ringen mathematischen Fähigkeiten zurück“ (Auhagen, 2008, S. 19).

2.4 Herleitung der Hypothesen und der Fragestellung

Mit dem Experiment im Rahmen der Interventionsstudie sollen verschiedene Hypothe- sen getestet werden, welche im folgenden Abschnitt vorgestellt werden. Zuerst werden die Haupthypothesen vorgestellt, welche sich auf den Unterschied zwischen Experimen- tal- und Kontrollgruppe beziehen. Danach folgen die Hypothesen zu den Variablen, welche im Fragebogen erhoben werden: Glückszustand, Lebenszufriedenheit, Dankbar- keit, Optimismus und somit die Hoffnung für die Zukunft. Zum Schluss folgt eine Hy- pothese zur Meditation, welche die Herzen der Teilnehmer öffnen und somit die positi- ven Emotionen erhöhen soll.

2.4.1 Hypothese Unterschiede Experimental- und Kontrollgruppe

In dieser Arbeit stellt sich in erster Linie die Frage, ob Unterschiede zwischen Experi- mental- und Kontrollgruppe bestehen. Zweitens, ob es Unterschiede zwischen Mess- zeitpunkt T1 und Messzeitpunkt T2 gibt. Bei der Open-Heart-Studie gab es durch die Meditationen eine Zunahme an positiven Emotionen aber keine Veränderungen der ne- gativen Emotionen. Daher kreierte die Autorin eine zusätzliche Interventionsveranstal- tung, welche den Studenten helfen sollte ebenfalls mit den negativen Emotionen umge- hen zu können, sie zu akzeptieren und letztendlich auch zu korrigieren. Daher vermutet die Autorin, dass sich bei der Experimentalgruppe durch die Interventionsveranstaltung die negativen Gefühle von Messzeitpunkt T1 zu Messzeitpunkt T2 verringert haben.

H1: Trainierte Personen (Experimentalgruppe) haben zum Messzeitpunkt T2 bessere Testwerte als die untrainierten Personen (Kontrollgruppe); somit wirkt das Training. HO: Trainierte Personen (Experimentalgruppe) haben zum Messzeitpunkt T2 genauso gute Testwerte wie die untrainierten Personen (Kontrollgruppe); somit wirkt das Trai- ning nicht.

H2: Wenn die Experimentalgruppe an der Intervention teilnimmt und sich weiterhin mit der Meditation beschäftigt, dann wird sich ihr Glückszustand von T1 bis zum Messzeit punkt T2 verbessern.

HO: Die Intervention wirkt sich nicht auf den Glückszustand der Experimentalgruppe zum Messzeitpunkt T2 aus.

H3: Wenn die Experimentalgruppe an der Intervention teilnimmt werden sich ihre negativen Emotionen verringern.

H0: Wenn die Experimentalgruppe an der Intervention teilnimmt werden ihre negativen Emotionen unverändert bleiben.

2.4.2 Hypothese Dankbarkeit und Hoffnung kann verstärkt werden

Die Autorin geht davon aus, dass sich durch die Intervention der Glückszustand sowie die Lebenszufriedenheit der Teilnehmer aktiv erhöht haben. Die Führung des Glücksta- gebuchs könnte zudem die Dankbarkeit der Teilnehmer erhöht haben, da sie sich täglich positive Dinge und Taten vor Augen halten und sich der Fokus auf den Reichtum der Teilnehmer den sie bereits besitzen. Zudem wird vermutet, dass sich die Hoffnung der Teilnehmer und somit der Optimismus für die Zukunft erhöht hat..

H4: Wenn die Studenten an der Intervention teilnehmen, steigt ihre Dankbarkeit. HO: Die Intervention wirkt sich nicht auf die Dankbarkeit der Studenten aus. H5: Wenn die Studenten an der Intervention teilnehmen, steigt ihr Optimismus. HO: Die Intervention wirkt sich nicht auf den Optimismus der Studenten aus.

2.4.3 Hypothese Meditation erhöht positive Emotionen

Bei der Open-Heart-Studie gab es durch die Meditationen eine Zunahme an positiven Emotionen, deswegen vermutet die Autorin, dass auch bei ihrer Interventionsstudie Unterschiede zwischen Messzeitpunkt T1 und Messzeitpunkt T2 bezüglich der positiven Emotionen auftreten.

H6: Wenn die Studenten regelm äß ig meditieren werden sich ihre positiven Emotionen und ihr Glückszustand erh ö hen.

Ho: Wenn die Studenten regelm äß ig meditieren wird dies keine positiven Auswirkungen auf die positiven Emotionen und den Glückszustand haben.

2.4.4 Fragestellung

In der Literatur und Forschung zum Thema können positive Emotionen erhöht werden um das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen ist einiges geschrieben und geforscht worden. Fredrickson (2011) konnte mit ihrer Open-Heart-Studie zeigen, dass es durch die Metta-Meditation möglich ist positive Emotionen zu erhöhen um die Lebenszufrie- denheit zu verbessern. Doch gibt es noch weitere Möglichkeiten die Lebenszufrieden- heit zu erhöhen?

F1: Wie k ö nnen positive Emotionen bewusst herbeigeführt werden, um die Lebensqualität zu erh ö hen und das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen?

3 Methoden der Studie

Im folgenden Kapitel wird zuerst erläutert, welches die Ziele und Unterziele der Interventionsstudie sind. Im Rahmen dessen wird das Untersuchungsfeld der Studie erläutert. Es wird neben der Charakterisierung des Untersuchungsdesigns auf die Messinstrumente zur Untersuchung des Glückszustandes, des allgemeinen Glücksniveaus, der Lebenszufriedenheit, der Dankbarkeit und der Hoffnung eingegangen. Dabei werden die Instrumente allgemein und hinsichtlich ihrer Gütekriterien erläutert.

3.1 Hauptziel und Unterziele

Das Hauptziel dieser Interventionsstudie ist es in einem Experiment zu beweisen, dass positive Emotionen bewusst erhöht werden können, um die Lebensqualität zu steigern und das Leben in eine Aufwärtsspirale zu bringen. Das erste Unterziel, welches sich daraus ableitet, ist zu prüfen wie es möglich ist positive Emotionen zu erhöhen und ne- gative zu reduzieren. Ist es möglich durch Meditationen und/oder durch die Führung eines Glückstagebuchs positive Emotionen zu erhöhen und den Fokus auf den Reichtum zu lenken, welchen wir bereits besitzen? Das zweite Unterziel ist die Prüfung der Aus- wirkungen und Folgen, welche eine Erhöhung der positiven Emotionen, beziehungs- weise Reduzierung der negativen Emotionen eventuell mit sich bringt. Gibt es eine Er- höhung der Lebenszufriedenheit oder des Glückszustandes; sind die Teilnehmer dank- barer und/oder optimistischer als vor der Intervention? Das dritte Unterziel ist es her- auszufinden ob es möglich ist, positiv und nachhaltig auf das Erleben und Verhalten im Alltag von Menschen einzuwirken.

Die vorliegende Studie befindet sich im Bereich der Positiven Psychologie. Wie bereits in der Einleitung geschildert ist dieser Teilbereich der Psychologie eine neue wissen- schaftliche Bewegung, welche zeigt, wie man seinen persönlichen Glückspegel steigern kann (Seligman, 2003). Die Positive Psychologie ruht auf drei Grundpfeilern: Sie ist auf das Positive ausgerichtet, zum Beispiel auf Stärken und Ressourcen worauf in dieser Arbeit ein Fokus gesetzt wurde. Sie hat den Anspruch einer wissenschaftlichen Fundie- rung, auf welche auch in dieser Bachelorarbeit sehr viel Wert gelegt worden ist. Außer- dem wir das Ziel verfolgt, positiv auf das Erleben und Verhalten im Alltag von Men- schen einzuwirken, was auch ein Ziel der Autorin mit dieser Arbeit ist (Auhagen, 2008). Die Positive Psychologie ist eine neue Herangehensweise an die Heilung, bei der die Prävention im Vordergrund steht (Seligman, 2003)

3.2 Untersuchungsdesign

Bei der vorliegenden Interventionstudie handelt es sich um eine experimentelle Unter- suchung, die im Querschnitt erhoben wurde. Als Messinstrument diente ein Fragebo- gen, welcher sich aus vier bereits vorhandenen Fragebögen zusammensetzte. Die Auto- rin prüfte ihre Hypothesen mittels eines Experiments, da diese ein gutes Mittel sind um Kausalhypothesen zu prüfen. Das Ziel des Experiments ist die Gewinnung von kausalen Zusammenhängen. Kausalhypothesen enthalten Ursache-Wirkungs-Relationen; bei- spielsweise: „Wenn die Experimentalgruppe an der Intervention teilnimmt wird sie zum zweiten Messzeitpunkt T2 bessere Testwerte haben als die Kontrollgruppe, welche nicht an der Intervention teilnimmt“. Es wird postuliert, dass die Veränderung der unabhängi- gen Variable (UV, Gruppe) eine Veränderung der abhängigen Variablen (AV, Leistun- gen im Fragebogen) bedingt (Bortz & Döring, 2006). Die Art des Experiments ist ein Feldexperiment, da das Experiment unter natürlichen Bedingungen, in denen sich die Studenten auch außerhalb der experimentellen Untersuchung aufhalten, durchgeführt wurde. Das Experiment fand in der natürlichen Umgebung der Hochschule Fresenius, immer im selben Raum (D_2.05) statt, wodurch versucht wurde eine Standardisierung der Situation zu erreichen (Huber, 2005). Die Rekrutierungsstrategie der Autorin war sehr umfangreich, da ein dreiwöchiges Experiment einen hohen Zeit- und Arbeitsauf- wand mit sich bringt. Zuerst wurde eine E-Mail über den Hochschulverteiler an alle Studenten der Hochschule Fresenius in Idstein versendet, danach erstellte die Autorin mit Hilfe von D. Jobst ein Plakat, welches in Ab- bildung eins dargestellt wird. Dieses Poster wurde im Format A2 an den verschiedenen Universitätsgeländen der Hochschule ausge- hängt. Zusätzlich wurde das Plakat im Format A5 100-mal gedruckt und als Flyer an der Hochschule verteilt. Ferner nutzte die Autorin Onlineplattformen wie Facebook und Xing auf denen die Veranstaltung erstellt und gepostet wurde. Dazu sendete die Autorin auch persön- liche E-Mails an Studenten der Hochschule Fresenius und an andere Studenten im Rhein-Main Gebiet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3:Plakat (eigene Darstellung).

Die Autorin kontaktierte auch mehrere Radiosender, welche Interesse an der Veranstal- tung zeigten, leider aber nicht so kurzfristig die Veranstaltung im Radio publizieren konnten. Die freiwilligen Teilnehmer am Experiment wurden vor dem Ausfüllen aufge- klärt, dass die Teilnahme völlig freiwillig ist und dass sie jederzeit die Möglichkeit ha- ben das Experiment abzubrechen. Nachdem sie den Fragebogen zum Messzeitpunkt T1 das erste Mal ausgefüllt hatten wurden sie nach dem Zufallsprinzip experimentellen Gruppen zugeteilt. Wenn sie aus einem Topf einen Zettel mit E gezogen hatten wurden sie der Experimentalgruppe (welche an der Intervention teilnahm) zugeordnet und wenn sie ein K gezogen hatten wurden sie der Kontrollgruppe (welche nach dem Ausfüllen normal weiterlebt wie zuvor) zugeteilt. Durch diese zufällige Aufteilung der Testperso- nen soll erreicht werden, dass alle personenbezogenen Einflussfaktoren neutralisiert werden, beispielsweise eine starke Motivation an der Intervention teilzunehmen. Die extrem unmotivierten und die extrem motivierten Personen sollten durch diese Rando- misierung zu gleichen Teilen in beiden Gruppen verteilt sein, damit eine Ausbalancie- rung der Teilnehmer entsteht (Seligman, 2012). Die Placebo-Natur der Kontrollgruppe soll die äußeren Faktoren kontrollieren. Die Personen der beiden Gruppen durchlaufen diese Zeit beziehungsweise die Intervention bei schlechtem und schönem Wetter als auch während der Studienzeit. Wenn die Intervention erfolgreich ist (funktioniert) und die Experimentalgruppe sich deutlicher verbessert als die randomisierte Placebokon- trollgruppe, dann ist die Intervention wirksam und wird als Ursache der Verbesserung angesehen (Seligman, 2012). Allen Teilnehmern wurde vor der Trennung der Gruppen die Coverstory erzählt, dass es darum geht, effektiver zu lernen um Prüfungs- angst zu reduzieren und die Lebenszufriedenheit zu erhöhen. Tatsächlich wurden den Teilnehmern auch Lerntechniken gezeigt um effektiver zu lernen sowie Methoden um Prüfungsangst zu reduzieren. Diese Variablen wurden nicht gemessen. Alle Teilnehmer die ein K gezogen hatten wurden nach dem ersten Ausfüllen des Fragebogens gebeten nach Hause zu gehen, da ihre Veranstaltung erst am 14.06.2013 weitergeht.

Wie in Abbildung eins zu erkennen ist, wurde für das experimentelle Design ein Ver- suchsplan mit Zufallsgruppenbildung und Vorhermessung verwendet. Das E steht für Experimentalgruppe, das K für Kontrollgruppe. Bei der Vorher- und Nachher-Messung werden die abhängigen Variablen gemessen, von denen angenommen wird, dass sie durch die unabhängigen Variablen beeinflusst werden. Treatment steht für die Maß- nahme beziehungsweise für die Intervention, welche die Experimentalgruppe durch- läuft, um nach der erfolgten Intervention Aussagen über die gestellten Hypothesen täti- gen zu können (Bortz & Döring, 2006).

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Details

Seiten
118
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656485278
ISBN (Buch)
9783656485674
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232462
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
1,3
Schlagworte
Positive Psychologie Positive Emotionen Emotionen und Gefühle Dankbarkeit Hoffnung Optimismus Glückstagebuch Lebensqualität Feldexperiment Coaching Meditation Martin Seligman Liebe Erfolg Selbstliebe Barbara Fredrickson Prüfungsangst Selbstvertrauen Selbstbewusstsein Negative Emotionen zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung Wicoxon-Test

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