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Geschichte im Internet: Geschichtswissenschaften Schwerpunkt: Mittelalter - mit zwei Beispielen für Internetseiten

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker
2.2 Mittelalter
2.3 Beispiel einer Mittelalter-Seite im Internet
2.4 “e-Text“ und Fotokopie
2.5 Landes- und Regionalgeschichte
2.6 Bibliotheken
2.7 Archive

3.1 Verlässlichkeit von Informationen aus dem Internet
3.2 Beispiel für ein Internet-Portal - Die Virtual Library Geschichte -

4. Schluss

1. Einleitung

Das Internet erfreut sich auch im wissenschaftlichen Bereich immer größerer Beliebtheit. Seit etwa sechs Jahren ist es zu einem unerlässlichen Instrument von Forschung und Lehre geworden - wenngleich bei allem Enthusiasmus niemals der Wert einer Bibliothek oder eines Archivs vergessen werden darf1. Doch gerade im Zusammenwirken mit diesen erweist sich das Internet zunehmend „als eine der tragenden Säulen von Forschung und Lehre im Fach Geschichte“2. Das Angebot hierbei ist, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne immens und der wissenschaftliche Wert von Informationen nicht immer erkennbar.

Im Folgenden möchte ich sowohl die geschichtliche Entwicklung - soweit sie die Geschichtswissenschaft betrifft, als auch die Auswirkungen auf wichtige Einrichtungen der geschichtlichen Forschung näher betrachten. Der Schwerpunkt meiner Ausführungen wird dabei auf dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte liegen. Um einen Praxisbezug herzustellen, werde ich außerdem zwei meiner Meinung nach wichtige Internetseiten unter dem Blickwinkel der Wissenschaftlichkeit kommentieren. Hierbei soll sowohl die Frage nach der Nützlichkeit als auch der Verläßlichkeit der angebotenen Informationen im Vordergrund stehen.

2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker

Die Entwicklung des Personalcomputers ist, aus heutiger Sicht betrachtet, ein Glücksfall für die Geisteswissenschaften gewesen. Dennoch wurde dieser technische Fortschritt natürlich nicht vorangetrieben, um den Geisteswissenschaften unter die Arme zu greifen. Das Aufgabenfeld der “Rechnerbasierten Telekommunikation“ war vielmehr auf dem militärischen Sektor zu sehen. So war es die Aufgabe von Computern „Gleichungen zu lösen, Nachrichten des Feindes zu dechiffrieren oder Ballistiktabellen zu kalkulieren“3. Der erste kommerzielle PC wurde bereits 1975 von der Firma Altair Company auf den Markt gebracht.

Der erste PC, von Amateuren zum Bau von Mikrocomputern verwendet, bestand damals noch aus Einzelteilen und musste mittels einer umfassenden Bedienungsanleitung zusammengebaut werden.

Doch die Erfolge des Unternehmens Altair machten andere Firmen auf den “Neuen Markt“ aufmerksam und so begannen auch sie ihre eigenen Computer oder aber Software für die Systeme zu entwickeln. So wurde kurz nach Erscheinen des ersten PCs bereits die Programmiersprache BASIC herausgegeben. „Bis 1977 wurden fertige PCs von Unternehmen wie Apple, Tandy und Commodore neben kleineren Firmen wie Kaypro und Sinclair/ Timex angeboten“4. Nun wurden auch zum erstenmal die Historiker mit dieser neuen Art der Technik konfrontiert. Allerdings standen sie ihr zumeist kritisch gegenüber und waren kaum geneigt diese Neuerungen beruflich anzuwenden. Einer der Gründe für diese Ablehnende Haltung gegenüber dem Fortschritt scheint auf den ersten Blick etwas paradox. Vielen Historikern war klar, dass diese Entwicklung eine nicht unwesentliche Erleichterung, der zumeist langwierigen Aufgaben, „die ein Historiker erledigen muss, bevor er überhaupt mit der inhaltlichen Arbeit beginnen kann“, mit sich bringen würde. Genau in diesem Sachverhalt sahen viele eine Gefährdung ihrer persönlichen Stellung und eine Aufweichung der Statusunterschiede innerhalb der Historikerzunft. Hierbei sei auf die zahlreichen Mühen verwiesen, die damals mit der Erstellung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten verbunden waren. Aus diesem Grund war eine Anstellung an einer finanziell gut ausgestatteten Universität stets ein großer Vorteil. An diesen, zumeist an der Ostküste der USA gelegenen Universitäten, wurden den Historikern Sekretärinnen zur Verfügung gestellt, welche die Schreibarbeit bewältigten, wodurch die Historiker wiederum mehr Zeit für die Forschung aufbringen konnten und so mehr Anerkennung ihrer Kollegen erlangten. Es galt damals der Grundsatz, dass ein Aufstieg innerhalb der Zunft vor allem mit Geld und möglichst vielen Publikationen verbunden war. Der Aufstieg für junge Talente bezeichnete sich dagegen als schwierig. Oft mussten sie mit knapp bemessenen Forschungshaushalten aber hohen Lehrdeputaten und isoliert von den Zentren der Forschung um den Aufstieg kämpfen. Mit der Einführung der PC und moderner Textverarbeitungsprogramme sollte sich dieses Missverhältnis jedoch relativieren. „Die Vorteile der neuen Technik drohten nunmehr allen Kollegen die Vorteile zu gewähren, die bislang den führenden Vertretern der Zunft an den gut ausgestatteten Universitäten vorbehalten waren“5. Einen weiteren Schritt in Richtung Anerkennung der Technik brachte die Vernetzung der City University of New York und der Yale University im Jahre 1980. 1984 wurde dieses System durch das britische Netzwerk JANET erweitert. Damit stand der Weg offen für die flächendeckende Vernetzung der Universitäten. Die “Isolation“ der Universitäten im Landesinneren der USA war somit umgangen und eine intensive Kommunikation unter den Historikern ermöglicht worden. Doch noch immer hielten sich die Historiker - mit wenigen Ausnahmen - von der Nutzung des neuen Mediums zurück. Der Durchbruch für die Historiker sollte erst in den Jahren 1987-1992 folgen. Mittels einer Diskussionsliste, gekoppelt an einen Fileserver, war es von da an möglich sich an Diskussionen via Internet zu beteiligen und Interessierten Materialien zum Downloaden anzubieten. Damit war auf einen Schlag eine kritische Masse vorhanden und interessierte Historiker konnten, ungeachtet von Raum und Zeit geschlossen als Gruppe auftreten6. Als Folge dieser großen Nachfrage entstanden nach und nach weitere Projekte. 1990 wurde, mit HYTELNET, ein umfassender elektronischer Bibliothekskatalog herausgebracht. Dieser sorgte für weitere Chancengleichheit unter den Historikern. Niemand musste nun noch in zeitraubender Suche, in gedruckten Katalogen der Bibliotheken stöbern, um ein benötigtes Werk zu orten oder die Richtigkeit einer Information zu bestätigen.

Dennoch gehörten eben diese Tätigkeiten weiterhin zu den Grundfertigkeiten der Historiker. In den folgenden Jahren wurden die Server stetig weiterentwickelt. Mit der Einführung eines, von NETSCAPE entwickelten, Browsers im Juni 1994 wurden weiter 1500 Internetserver - über Nacht - verbunden, die „die älteren Aktivitäten vollkommen in den Schatten stellten“7. Damit hatte das Internet schließlich doch Einzug in das öffentliche Bewusstsein und in den Blickwinkel der Historiker erhalten.

2.2 Mittelalter

Die Mittelalterhistoriker haben schon früh die Bedeutung des Internets für ihre Wissenschaft erkannt. Sie sahen sich, „angesichts der begrenzten Zahl der Quellen gezwungen, gegenüber jeder methodischen Neuerung offen zu sein, um auf diesem Wege mehr Informationen aus der Überlieferung herauszuholen“8. Heutzutage spiegelt sich die Faszination mittelalterlicher Phänomene in zahlreichen Internetauftritten wieder. Allerdings ist der Großteil der Seiten als populärwissenschaftlich einzuordnen und ihr Inhalt stets kritisch zu betrachten9. Besonders die Grundtexte, die für das Studium der mittelalterlichen Geschichte unerlässlich sind, finden sich bereits in Internetprojekten wieder. Sicherlich liegen diese Quellen auch noch in gedruckter Form vor, doch oft sind sie „vergriffen, antiquarisch kaum zu erhalten und - falls ermittelt - unbezahlbar“10. Oftmals muss man daher, um wissenschaftliche Quellen zu bearbeiten, Bibliotheken aufsuchen. Mittels Internet sind derartige Texte nun z. T. bequem von zu Hause via Internet abrufbar - die Abhängigkeit von weiten Wegen ist damit größtenteils aufgehoben. Allgemein lässt sich festhalten, dass sich die Mediävisten durch die Vorlage von Grundtexten, Quellen und zahlreichen Datenbanken die Vorteile der “Neuen Medien“ zu Nutze gemacht haben, „um Massen von Informationen, deren Druck sich z. T. kommerziell nicht lohnt, zu verwalten und wesentlich rascher und gezielter zu liefern, als es bislang möglich war“11. Doch nicht nur die alleinige Bereitstellung der Texte, sondern auch eine Steigerung der Nützlichkeit wurde durch das neue Medium erzielt. Übersetzungen sind z. B. mit einer Suchfunktion versehen, wodurch gezielt nach Begriffen gesucht und somit eine Zeiteinsparung erreicht werden kann. Ein Zugriff auf herkömmliche Sachverzeichnisse - die früher gängige Methode - ist somit in vielen Fällen nicht mehr nötig. Ebenfalls zum Standard geworden sind Suchen nach verschiedenen Flexionsformen und Rückgriffe auf Boolesche Operatoren, wie sie auch in den gängigen Suchmaschinen des World Wide Web verwendet werden. Hierbei haben sich die Historiker auch massiv mit den Problemen der Herausgabe von Quellentexten in einer virtuellen Umgebung befasst. Dies begründet sich z. B. darin, dass die Veröffentlichung von mittelalterlichen Quellen nur sehr partiell durchgeführt wird.

Allerdings entsteht dadurch eine Sicht auf das Mittelalter, die als zentral empfunden wird, „weil sie durch die Aufnahme in die führenden Editionsreihen kanonisiert“12 wurde. So sind z. B. für das Spätmittelalter bisher nur wenige Texte editiert. Der Schwerpunkt liegt z. Z. auf der immer besseren Editierung bereits vorhandener Quellen und nicht auf der Erschließung neuer Quellen. Dadurch entsteht ein verzehrtes Bild der Geschichte: „Dies hat schwerwiegende wissenschaftliche Konsequenzen, denn wir alle tendieren dazu, das Vorhandene unbewusst stärker zu gewichten als das Fehlende und es so zu interpretieren, als ob es vollständig wäre“13. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Veröffentlichung in englischer Sprache dominiert14. Auch hier ist von deutscher Seite noch einige Aufholarbeit zu leisten.

2.3 Beispiel einer Mittelalter-Seite im Internet

Als eine ideale Startplattform die sich teilweise auch für die Alte Geschichte15 eignet kann die Seite www.mediaevum.de gesehen werden. Dieses private Projekt richtet sich sowohl an Studenten als auch an Wissenschaftler und bietet neben der germanistischen auch lateinische Mediävistik im Internet an. Wichtige Adressen von Archiven, Klöstern und Forschungseinrichtungen werden, ebenso wie die übrigen Informationen, nach wissenschaftlichen Kriterien, ausgewählt und angegeben16.

„Ziel des 1999 gestarteten, privaten Projekts ist es, aus der Masse an Internetseiten unterschiedlichster Provenienz und Qualität diejenigen Angebote, die als fachlich nützlich und inhaltlich zuverlässig erscheinen, herauszufiltern und in Form von Verweisen (“Links“) an einer zentralen Stelle im Internet zusammenzustellen“17.

Von hieraus erhält man demzufolge Zugang zu weiteren nützlichen Einrichtungen und Hilfswissenschaften. Nach eigenen Angaben ist das Portal mit mehr als 1000 Besuchern täglich z. Z. die umfangreichste Seite zum Thema „Altgermanistik“ im deutschen Sprachraum.18 Ein großer Vorteil dieser Seite besteht außerdem darin, dass der Nutzer bereits am Anfang bequem zwischen deutscher und englischer Sprache wählen kann, und somit eine noch breitere Klientel angesprochen wird.

[...]


1 Vgl. Jenks, Stuart. Internet für Historiker -Eine praxisorientierte Einführung-. Weimar-Wien 2000, S. XII

2 Zitiert nach: Jenks, Stuart. Internet für Historiker -Eine praxisorientierte Einführung-. Weimar-Wien 2000, S.XIII

3 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.1 3

4 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.3 4

5 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.6

6 Vgl. Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.9

7 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.17 5

8 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.55

9 Vgl. Grosch, Waldemar. Geschichte im Internet, Tipps, Tricks und Adressen, Schwalbach/Ts 2002, S.95

10 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.55

11 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.58 6

12 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.61

13 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.60

14 Vgl. Grosch, Waldemar. Geschichte im Internet, Tipps, Tricks und Adressen, Schwalbach/Ts 2002, S.95

15 Vgl. Grosch, Waldemar. Geschichte im Internet, Tipps, Tricks und Adressen, Schwalbach/Ts 2002, S.95

16 Vgl. www.mediaevum.de/haupt7.htm (Stand 04.08.03)

17 Zitiert nach: www.mediaevum.de/haupt7.htm (Stand 04.08.03)

18 Vgl. www.mediaevum.de/haupt7.htm (Stand 04.08.03) 7

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638264082
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23244
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Geschichte Internet Geschichtswissenschaften Schwerpunkt Mittelalter Beispielen Internetseiten Stadt Kloster Niedersachsen

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