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Dogmen aus katholischer, protestantischer und ökumenischer Sicht

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gemeinsame Historische Entwicklung
2.1. Der Begriff „Dogma“ und dessen Verwendung in der Bibel
2.2. Historische Entwicklung im Christentum

3. Der katholische Begriff von Dogma

4. Der protestantische Begriff von Dogma

5. Heutiger Dogmenbegriff

6. Verwendung von Dogmen in der Ökumene

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis
8.1. Themenliteratur
8.2. Themenübergreifende Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Unterscheidung von „Dogmen“ zwischen katholischer und protestantischer Kirche. „Dogma“, ein Begriff der gerade in der katholischen Kirche keine unwesentliche Bedeutung hat; sogar eine Teildisziplin in der Systematischen Theologie trägt nach diesem Begriff seinen Namen, die Dogmatik.

Womit beschäftigt sich die Dogmatik? – Dies soll nicht Bestandteil der vorliegenden Hausarbeit sein, aber trotzdem möchte ich an dieser Stelle diesen Begriff klären: Grob gesagt, beschäftigt sich die Dogmatik mit den Anfragen von Gläubigen an den Glauben. Oder wissenschaftlich definiert: Dogmatik ist die Glaubensreflexion der Glaubenswissenschaft.[1] Diese Anfragen können in Glaubensätzen, sogenannten Dogmen, beantwortet werden.

Oder vielleicht nicht? Sind Dogmen gleichzusetzen mit Glaubenssätzen? Gibt es dazu andere Ansichten oder Verständnisse? Wie sehen Dogmen in der protestantischen Kirche aus? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es in der katholischen und protestantischen Kirche? Und wie entwickelte sich der Begriff in der Vergangenheit des Christentums? Wie wirkt sich das heutige Verständnis auf die Ökumene aus? Bei dieser Fülle von Fragen werden die römisch-katholische Kirche und die protestantische Kirche ohne ihre konkreten Glaubensrichtungen untersucht.

2. Gemeinsame Historische Entwicklung

2.1. Der Begriff „Dogma“ und dessen Verwendung in der Bibel

Der Begriff Dogma stammt von dem griechischen Verbum „δοχειν“ und das heißt scheinen[2] oder in abgewandelter Form bedeutet der Begriff „ich scheine“ oder „es scheint gut“ oder „beschließen“.[3] Der Begriff wurde von der Antike bis heute im philosophisch-wissenschaftlichen oder im politischen Bereich[4] mit den folgenden Begrifflichkeiten im Zusammenhang genutzt:

1 Meinung,
2 Beschluss (Feststellung und Übernahme der für recht befundenen Meinung),
3 Verordnung, Edikt (Veröffentlichung eines Beschlusses),
4 Gesetz,
5 Normative Lehrsätze philosophischer Schulen,
6 Lehren und Vorschriften Jesu,
7 Christliche Lehrsätze,
8 Die gesamte christliche Lehre,
9 Die kirchlich verbindliche festgestellte Lehre,
10 Die autoritative Vorlage eines christlichen Lehrsatzes.[5]

Im Neuen Testament wird der Begriff fünfmal verwendet: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.“ (Lk 2,1). Dabei ist der Begriff „Befehl“ im griechischen Text als Dogma geschrieben. Als Kaiserliches Edikt wird es ebenfalls verwendet: „(…) Sie alle verstoßen gegen die Gesetze des Kaisers (…)“ (Apg 17,7). Sowie im folgenden Vers findet der Begriff Verwendung als Gesetz: „Er hob sein Gesetz samt seiner Gebote und Forderungen auf“ (Eph 2,15). Ebenfalls findet der Begriff Verwendung in Kol 2,14 und in Apg 16,4 als Beschlüsse der Apostel. Das mit dem Wort „Dogma“ im griechischen verwandte Wort „édoxe“ wird im Neuen Testament an den Stellen Apg 15,22.25.28 verwendet. Es bezeichnet die Beschlüsse des Apostelkonzils[6], wobei letzterer Vers als besonders wichtig hervorzuheben ist: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen (…)“ (Apg 15,28). Die Wichtigkeit dieses Verses entsteht, da hier der Heilige Geist im Kontext mit dem Beschluss genannt wird.[7]

2.2. Historische Entwicklung im Christentum

Bei den Apostolischen Vätern[8] wird der Begriff im Zusammenhang mit den Lehren und Vorschriften Jesu und den Aposteln verwendet, wie beispielsweise in den Ignatiusbriefen[9] oder im Barnabasbrief[10]. Die Kirchenväter nutzen den Begriff sparsam, da unter dem Begriff das Kaiserliche Edikt, subjektiv der Begriff Lehrmeinung bzw. Privatmeinung oder eine Häresie verstanden werden kann. Wie etwa Klemens von Alexandrien[11], wo eben nicht nur die Lehrmeinung der Kirche unter dem Begriff verstanden wird. Unter anderem versteht Augustinus[12] unter dem Begriff eine Häresie. Die Bedeutung von Offenbarungswahrheit[13] mit Dogma taucht beim Südgallischen Mönch Vinzenz von Lérins[14] auf.[15]

Während im Mittelalter „Dogma“ einfach nur „Lehre“ bedeutete, bekam ab dem 16. Jahrhundert der Begriff plötzlich Relevanz: Nach der nachreformatorischen Auseinandersetzung und der Rechtfertigung des Glaubens[16] übernimmt der Gründer der Fundamentaltheologie Melchior Cano[17] das Verständnis von Vinzenz von Lérin und formulierte folgende Definition für ein Dogma:

1. Offenbahrungswahrheit
2. Von einem Apostel empfangen
3. Definiert von einem Ökomenischen Konzil oder vom Papst

Cano unterscheidet zwischen Dogma und Häresie, so kann der Begriff im Zusammenhang mit der Lehrmeinung genutzt werden, ohne dass dies mit einer falschen Glaubensaussage in Verbindung gebracht werden kann.[18]

3. Der katholische Begriff von Dogma

Im I. Vatikanischen Konzil wurde das Dogma neu definiert. Dabei wurde sich der Definition von Melchior Cano genähert. Dabei würde heute die Definition in fünf Punkte gegliedert:

1. Inhalt muss eine Offenbahrungswahrheit enthalten.
2. Form muss ein Lehrsatz sein.
3. Objektive Gültigkeit nach unfehlbarer Glaubensaussage.
4. Subjektiven Geltungsanspruch durch jeden Gläubigen als verpflichtende Richtschnur.
5. Die Kirche stellt dies anhand der verlaufenden Geschichte fest.

Alle fünf Punkte müssen erfüllt sein, um von einem Dogma zu reden.[19]

Heutzutage differenziert die katholische Kirche zwischen Dogmen im weiteren Sinn und im engeren Sinn. Dabei ist unter dem weiteren Sinn eine Offenbarungswahrheit zu verstehen, die unter dem Einfluss der menschlichen Sprache auf die Richtigkeit überprüft, diskutiert und verbessert werden darf. Diese werden meistens auch nicht schriftlich formuliert. Dogma im engeren Sinn ist eine Offenbarungswahrheit, die von dem päpstlichen oder bischöflichen Lehramt verbindlich festgelegt worden ist und „dessen Leugnung eine Häresie wäre“[20]. Letzteres wird schriftlich formuliert und entsteht in Glaubenkrisen. Somit sind nicht alle Glaubenssätze schriftlich niedergeschrieben, aber dennoch für Gläubige relevant, wie beispielsweise die „Existenz Gottes“ ein Dogma im weiteren Sinne ist.[21]

Seit dem II. Vatikanischen Konzils wurde ein wesentlicher Punkt zur der Definition vom vorherigen Konzils hinzugefügt: Die Geschichtlichkeit des Dogmas spielt nun eine Rolle. Durch den Erkenntniszuwachs und Verlauf in der Geschichte ist eine Dogmenentwicklung nötig. Oder ein Dogma muss nun im Gesamtkontext des kirchlichen Glaubens durch die Dogmeninterpretation ausgelegt werden.[22]

Dogmeninterpretation lässt sich nach folgenden Regeln definieren:

1. Offenbarung für das Heil des Menschen auf das christliche Leben zu interpretieren.
2. Aussagen müssen im Bezug zur Gemeinschaft hin interpretiert werden.
3. Dogmeninterpretation ist Aufgabe von allen Katholiken, da sie durch die Taufe und die Firmung den Heiligen Geist empfangen haben und somit dazu in der Lage sind, dies überall umzusetzen.
4. Heilige Schrift ist das wichtigste Auslegungskriterium.
5. Ein weiteres Auslegekriterium ist der Mensch mit seinen Bedürfnissen in der Gegenwart.

Weitere Regeln und Kriterien fallen unter Quellenstudium, Hermeneutik, Linguistik, Philosophie, Humanwissenschaft und Kulturwissenschaft.[23]

Dogmenentwicklung berücksichtigt bei der Formulierung die geschichtlichen Entwicklungen. Genau gesagt geht es darum, ob vorherige Generationen Dogmen kannten, die erst nach dem Ableben der Generation definiert worden sind. Beispielsweise die konkrete Frage, ob die Apostel an die unbefleckte Empfängnis Marias geglaubt hatten. Ein Erkenntnisfortschritt wird von der Kirche nicht bestritten. Die katholische Kirche entwickelt Dogmen nach ihren inneren Gesetzen der Glaubensinhalten.[24]

[...]


[1] Vgl. Walter, Art. Dogmatik, in: LThK, Sp. 289-290.

[2] Vgl. Drumm, Art. Dogma, in: LThK, Sp. 283.

[3] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 125.

[4] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 125.

[5] Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 6.

[6] Das Apostelkonzil befasste sich mit der Aufnahme von Heiden ins Christentum, ohne dass diese Beschneidet werden müssen. Vgl. Weiser, Art. Apostelkonzil, in: LThK, Sp. 865.

[7] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 125-126

[8] Apostolische Väter sind Personen, die zum Kreis der Apostel zählen, aber nicht im Neuen Testament erwähnt wurden. Vgl. Schöllgen, Art. Apostolische Väter, in: LThK, Sp. 875.

[9] Ignatius von Antiochien war Bischof in Syrien, getötet unter Traian zwischen 110 bis 117 im Zirkus Rom. Schreiber von sieben anerkannten Briefen. Vgl. Colmar, Art. Ignatius von Antiochien, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 1251-1255.

[10] Barnabasbrief, ein Schriftstück, das in Frühchristlichen Gemeinden teilweise zum Kanon gehörte. Nach Josef, Barnabas genannt, der ein Diasporajude und Levit aus Cypern war. Sehr wahrscheinlich stammt der Brief nicht von ihm. Vgl. Gewalt, Art. Barnabas, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 744-746.

[11] Klemens von Alexandrien ist ein Theologe und Philosoph, geboren zwischen 140-150, gestorben zwischen 211-215. Vgl. Hausin, Art. Klemens von Alexandrien, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 696-698.

[12] Aurelius Augustinus ist der bedeutendste Theologe der Antike, geboren am 13.11.354, gestorben am 28.08.430, Vgl. Bautz, Art. Augustinus, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 272-300.

[13] Als Offenbahrung wird die Selbstmitteilung Gottes verstanden. Vgl. Werbick, Art. Offenbarung, in: LThK, Sp. 993.

[14] Vinzenz von Lerin, gallischer Theologe gestorben vor 450. Vgl. Wesseling, Art. Vinzenz von Lerin, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 1432-1436.

[15] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 126-127.

[16] Vgl. Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 7.

[17] Melchior Cano, spanischer Dominikaner, geboren 06.01.1509, gestorben 30.09.1560, Begründer der Fundamentaltheologie. Vgl. Bautz, Art. Cano, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Sp. 914-915.

[18] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 128.

[19] Vgl. Kern, Niemann, Theologische Erkenntnislehre, S. 128-129.

[20] Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 11.

[21] Vgl. Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 11.

[22] Vgl. Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 15-16.

[23] Vgl. Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 16-17.

[24] Vgl. Beinert, Glaubenszugänge – Das Dogma, S. 17-18.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656487371
ISBN (Buch)
9783656491712
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232087
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
dogmen sicht

Autor

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