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Die Anliegen der Kirchenreform

Über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat im Mittelalter

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung
2.1. Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat
2.2. Die Rolle der Kirche und des Papstes vor der Kirchenreform
2.3. Die Synode von Sutri

3. Die Anliegen der Kirchenreform
3.1. Das Priesterideal
3.2. Kampf gegen den Nikolaitismus
3.3. Kampf gegen die Simonie
3.4. Durchsetzung des Lehr- und Jurisdiktionsprimates des Papstes

4. Die Rolle des Papstes in der Welt
4.1. Einführung in den Investiturstreit
4.2. Ausgangspunkt und Zwei-Schwerter Lehre
4.3. Der Dictatus papae 9-
4.4. Grundsatzstreit zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich
4.5. Die Exkommunikation
4.6. Der Gang von Canossa –Die Folgen für die päpstliche Macht-

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich nicht nur mit den Anliegen der Kirchenreform, sondern im Speziellen mit dem Wandel der Rolle des Papstes in der Welt. Hierbei wird vor allem ein Blick auf Papst Gregor VII. geworfen. Gregor gilt als einer der bedeutendsten Kirchenmänner der Weltgeschichte und hat die Kirchenreform des Mittelalters maßgeblich mitgetragen und beeinflusst. Er wälzte die mittelalterlichen Herrschaftsansprüche komplett um und erschuf eine neue Kirche, die ihre Macht in den darauf folgenden Jahrhunderten weiter steigern konnte. Erstmals in der Geschichte griff ein Papst im Zuge der Kirchenreform auch aktiv in die weltliche Politik ein.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt also in der Beschreibung des Wandels, auf die Macht des Papstes bezogen. Dennoch werden auch die anderen Anliegen der Reform angesprochen. Zu Beginn der Ausführungen findet eine historische Einordnung in die Zeit der Kirchenreform statt. In ihr wird vor allem die Rolle der Kirche und das Verhältnis zwischen derselben und der Monarchie Beachtung finden. Im Anschluss daran werden die Hauptanliegen der mittelalterlichen Kirchenreform einzeln und ausführlich erwähnt und erläutert.

Den größten Teil der Hausarbeit nimmt jedoch das letzte Kapitel ein, in dem die Rolle des Papstes in der Welt näher beleuchtet wird, wobei dann auch der Investiturstreit zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich IV. eine maßgebliche Rolle einnimmt. Um den Wandel der päpstlichen Position näher zu erläutern wird in dieser Abfassung verstärkt auf den in dieser Zeit neu erwachenden päpstlichen Willen zur Machtentfaltung eingegangen. Um diesen zu analysieren wurde dem sogenannten Dictatus papae ein gesonderter Abschnitt zugedacht, denn wie keine andere mittelalterliche Quelle zeigt dieses Schriftstück Papst Gregors VII. die vollständigen Machtansprüche des Papstes auf und hat die nachfolgenden Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt.

Hauptteil

2. Historische Einordnung

2.1.Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat

Die Mitte und die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts gelten als Wendezeit der mittelalterlichen Geschichte, in der sich folgenschwere Veränderungen ankündigten. Im Bezug auf die Kirche brachte die sogenannte Kirchenreform den auf den Papst und Rom ausgerichteten Zentralismus hervor. Das Kirchenrecht wurde auf das Amt und die Person des Papstes ausgerichtet. Die Beziehungen des Papstes waren von der Mitte des 10. Jahrhunderts an, eng an das Verhältnis zum königlichen Herrscher geknüpft, denn: ,,Seit der Kaiserkrönung Ottos I. am 2. Februar 962 in der römischen Peterskirche blieb die vom Papst zu verleihende Königswürde an das ostfränkisch-deutsche Königtum gekoppelt“.[1] In Folge dieser Bindung kam es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Kaiser- und Papsttum. Eines der gemeinsamen Ziele war die Reformierung der Klöster und Kirchen nach strengen moralischen Maßstäben.

2.2.Die Rolle der Kirche und des Papstes vor der Kirchenreform

In der Spätantike hatte sich die christliche Religion, von einigen kleinen Gemeinden ausgehend, zu einer Großorganisation weiter entwickelt. In der Kirchenleitung verstärkte sich die Rolle der Bischöfe[2], welche sowohl in den Gemeinden als auch in der gesamten Kirche maßgebliche Entscheidungen fällten. Im 4. Jahrhundert[3] trat mehr und mehr die Gestalt des Papstes in Erscheinung. Das Amt des Papstes legitimiert sich bis in die heutige Zeit, durch die biblisch hergeleitete Annahme der Papst sei der direkte Nachfolger des Apostels Petrus.

2.3. Die Synode von Sutri

In der Geschichtsschreibung gilt die Absetzung Papst Benedikts IX. im September 1044[4] als maßgebliches Ereignis, das die Rolle der Kirche und die des Papstes bis in die heutige Zeit verändern sollte. Mit welcher genauen Begründung Benedikt nach 12 jährigem Pontifikat abgesetzt wurde ist nicht hinreichend bekannt, Tatsache ist jedoch, dass das Papstamt als ,,Zankapfel“ der römischen Adelsfamilien fungierte: ,,Das Ende seines Pontifikats war gekommen, als eine Adelsrevolte (…) die 30 jährige Vorherrschaft der Tuskulaner[5] in Rom beendete“[6]. Deren Gegner erhoben einen eigenen Papst[7] ins Amt. Obwohl Benedikt sich anfänglich gut gegen diesen behaupten konnte, gab er sein Amt am 1.Mai 1045 an seinen Verwandten Johannes Gratianus, dem späteren Gregor VI., ab. Papst Gregor einigte sich mit Silvester III. und beendete das entstandene Schisma[8], indem er allein als Papst amtierte.

Als König Heinrich III.[9] 1046 zur Kaiserkrönung nach Rom zog stellte er fest, dass es in der Stadt drei Päpste gab, denn obwohl nur einer amtierte bleibt ein Papst bis zu seinem Tode Inhaber des Papsttitels, auch wenn dieses Amt durch eine andere Person ausgeführt wird. Aus Sicht des nach Rom gereisten Königs stellten drei zur gleichen Zeit lebenden Päpste ein gravierendes Problem dar: Denn wer von ihnen war der rechtmäßige Amtsinhaber? – Eine Krönung durch einen ungültig Amtierenden könnte das Kaisertum entwerten. Umgekehrt aber würde auch die Kirche durch die Leitung eines Unwürdigen Schaden nehmen.

Um seine Kaiserherrschaft vollständig zu legitimieren musste ein ,,legitimer“ Papst die Krönung vollziehen. Da nun aber nicht feststand, dass der amtierende Papst Gregor VI. als solcher fungierte, musste eine andere Lösung gefunden werden. Auf der von Heinrich III. einberufenen Synode von Sutri setzte er im Dezember 1046 alle drei Päpste ab. In deren Nachfolge traten vier deutsche Reformpäpste: Clemens II.[10], Damasus II.[11], Leo IX.[12] und Victor II.[13]. Die Einsetzung von deutschen Bischöfen als Päpste hatte zur Folge, dass der Papst nun gleichzeitig auch ein Reichsbischof und Mitglied der Reichskirche war. Durch diese Tatsache gelang es Heinrich III. die Kirchenreform nachhaltig zu fördern.[14]

3.Die Anliegen der Kirchenreform

3.1.Das Priesterideal

In der Lehre des katholischen Glaubens besitzt allein ein ordnungsgemäßer Priester die Fähigkeit im Namen Gottes Sünden zu vergeben, die Sakramente[15] zu verteilen und das Abendmahl zu verrichten: ,,Aber kann ein Geistlicher dem Kirchenvolk göttlichen Segen vermitteln, wenn er selbst seines hohen Amtes unwürdig ist? Verwirkt er nicht durch schwere Schuld die Fähigkeit zur Sakramentenspende? Verfällt am Ende gar jeder, der die Messe bei ihm hört und die Hostie von ihm erhält, gleichsam als unschuldig Mitschuldiger jenen Höllenstrafen, welche dem ein Sündenleben führenden ,,Teufelspriester“ drohen?“[16]

Schon in der Antike wurden diese Fragen von den Anhängern Jesus gestellt. Am Anfang entstand das Problem durch die laqsi; also durch Kleriker die in Zeiten der Verfolgung vom Glauben abgefallen sind und ihn verleugnet haben. Später kamen zwei weitere Vergehen hinzu: Die Simonie[17] und der Nikolaitismus[18]. Zusammen mit der Durchsetzung des Lehr- und Jurisdiktionsprimates des Papstes, stellen sie die grundlegenden Anliegen der Kirchenreform dar. In den folgenden Unterkapiteln werden diese nun noch einmal gesondert in Augenschein genommen.

[...]


[1] Claudia Zey, Papsttum und Investiturstreit, in: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962 bis 1806. Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters. 29. Ausstellung des Europarates in Magdeburg und Berlin und Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Essays, hg. von Matthias Puhle – Klaus-Peter Hasse, Dresden 2006, S. 147

[2] Ein Bischof ist der leitende Geistliche der Liturgie in der ihm anvertrauten Diözese und unterscheidet sich vom Priester in erster Linie aufgrund seiner Befugnis, Priesterweihe und Firmung zu erteilen.

[3] Arnold Angenendt, Kap. I.A.1 ,,Ausgang und Geschichte“, aus: Grundformen der Frömmigkeit (Enzyklopädie deutscher Geschichte Band 68) hg. von Lothar Gall, München 2003, S. 5

[4] Wilfried Hartmann, Kap. A.1. Reich und Kirche am Ende der Regierung Heinrichs III., aus: Der Investiturstreit (Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 21) hg. Von Lothar Gall, München 2007, S. 9.

[5] Tuskulaner: Eine mächtige Familie aus Latium, die im 11. Jahrhundert die politische Vormachtstellung in Rom innehatte.

[6] Hartmann, Investiturstreit, S. 9.

[7] Silvester III. (1045-1045)

[8] Schisma: Die Trennung zwischen Ost- und Westkirche.

[9] Heinrich III. (1039-1056) ist ab 1046 Kaiser. Unter seiner Herrschaft kam es zu einer großen Ausdehnung des Reiches (Unterwerfung von Böhmen, Ungarn und Polen).

[10] Clemens II. (1046-1047)

[11] Damasus II. (1047-1048)

[12] Leo IX. (1049-1054)

[13] Victor II. (1055-1057)

[14] Vgl: Hartmann, Investiturstreit, S.9-14.

[15] Taufe, Firmung, Abendmahl, Buße, Salbung, Priesterweihe und Ehe

[16] Werner Goez, Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, hg. vom Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, S.67.

[17] Ämterkauf

[18] Priesterehe

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656481942
ISBN (Buch)
9783656482048
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232085
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Seminar
Note
3,0
Schlagworte
anliegen kirchenreform über verhältnis kirche staat mittelalter

Autor

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