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Das Jüngste Gericht in Kalkstein. Die Bildersprache des Tympanons der Klosterkirche Sainte-Foy de Conques

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Die Klosterkirche Sainte-Foy de Conques

III. Das Tympanon der Sainte-Foy de Conques
III.I. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts
III.II. Die Darstellung der Welt des Guten
III.III. Die Darstellung der Welt des Bösen

IV. Fazit

V. Bibliographie

I. Einleitung

„Besonders nachhaltig ist der Eindruck, den das Jüngste Gericht auf dem Tympanon von Conques in seiner Gesamtstruktur wie in einzelnen Szenen hinterlässt. Hier kommt die unerschöpfliche Originalität eines zuversichtlichen Weltbildes in Sicht, das zum eigentlichen Thema des romanischen Fassadenschmucks wurde.“ (Strecke 2002: 9)

Diese Aussage von Reinhart Strecke deutet bereits an, welche Faszination bis heute von dem Tympanon der Klosterkirche Sainte-Foy de Conques ausgeht. Das Tympanon erzählt Geschichten; es vermittelt seinen Betrachtern eine Botschaft. Sicherlich mag es sein, dass diese Botschaft im Laufe der Jahre unterschiedlich interpretiert worden sein mag, sei es aus theologischer, kunstgeschichtlicher oder zeithistorischer Perspektive. Seit mehreren Jahrhunderten spricht das Tympanon nun schon zu seinen Betrachtern. Daher kann es als eine „sinnliche Mitteilung aus der Geschichte“ gesehen werden und wird somit zu einer „historische(n) Quellengattung eigener Art“ (Sauerländer in: Strecke 2002: 10). Dennoch kann man dem Tympanon von Conques auch eine gewisse Allgemeingültigkeit und Universalität zusprechen, da sich die Botschaft allen seinen Betrachtern, ob im 12. oder 21. Jahrhundert, offenbart und für sie alle relevant war, ist und bleibt: alles Gute wird letztlich belohnt, alles Böse bestraft. Dies ist jenes „zuversichtliche(n) Weltbild(es)“, welches im Eingangszitat angesprochen wird.

Ziel dieser Arbeit ist es nun, die Bildersprache des Tympanons der Sainte-Foy de Conques zu untersuchen und zu klären, inwiefern die einzelnen Skulpturen und die angewandten gestalterischen Mittel seine Botschaft transportieren und vermitteln. Im ersten Teil wird zunächst die Klosterkirche Sainte-Foy selbst vorgestellt, um somit den historischen Hintergrund zu skizzieren und eine allgemeine Ausgangsbasis für den anschließenden Hauptteil zu schaffen. Hier soll dann der Fokus auf das Tympanon selbst gerichtet sein. Bei dieser Analyse werde ich mich nach den drei großen thematischen Einheiten richten, aus denen sich das Tympanon zusammensetzt: das Jüngste Gericht, die Welt des Guten sowie die des Bösen. Durch welche Mittel ist es den Bildhauern seinerzeit gelungen, die eine Welt gut und erstrebenswert, die andere hingegen grausam und beängstigend erscheinen zu lassen? Diese Fragen sollen im Verlauf dieser Arbeit geklärt werden, indem die Skulpturen des Tympanons der Sainte-Foy de Conques `zum Sprechen gebracht werden`.

II. Die Klosterkirche Sainte-Foy de Conques

Die Geschichte der Klosterkirche Sainte-Foy de Conques geht auf den Eremiten Dadon (auch Datus) zurück, der sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts hier im Tal des Dourdou niederließ. Die Wahl dieses Ortes ist auch aus heutiger Sicht noch gut zu begründen: einerseits war diese Gegend nur schwer zugänglich und sehr abgeschieden, was dem Wunsch dieses Mönches nach einem asketischen, gottgefälligen Leben nachkam, andererseits bot die Plô-Quelle in diesem Tal die Versorgung mit Wasser und somit auch die Absicherung des Überlebens (Office de Tourisme, Web). Jedoch gesellten sich nach nur kurzer Zeit immer mehr Mönche zu ihm, von denen angenommen wird, dass sie vor den Invasionen der Sarazenen in Spanien geflohen waren (Brockmann 2011: 109). Im Jahr 819 folgte dann die Gründung eines Benediktinerklosters.

Dass dieses Kloster dann innerhalb kürzester Zeit florierte und zu beachtlichem Reichtum und Ruhm kam, ist vor allem drei wichtigen Entwicklungen zuzuschreiben. Zum einen wäre dies der Diebstahl der Reliquien der Heiligen Fides (frz.: Sainte Foy) aus Agen. Ein Mönch aus Conques wurde 866 in das Kloster von Agen eingeschleust, wo er ungefähr 10 Jahre unauffällig lebte, bevor es ihm gelang, die Reliquien der Märtyrerin zu stehlen und sie nach Conques zu bringen (Sacred Places, Web). Auf die Legende der Heiligen Fides soll unter Punkt III.II. in dieser Arbeit noch einmal zurückgekommen werden. Dadurch, dass diese wertvollen Reliquien nun im Besitz des Benediktinerklosters waren, wurde es schon bald auch über die Grenzen der näheren Umgebung hinaus bekannt und zog im Laufe der Jahre unzählige Pilger und Mönche an, die sich dann in Conques niederließen. Hier fügt sich dann der zweite wichtige Aspekt ein, der dazu beigetragen hat, dass das Kloster in Conques innerhalb relativ kurzer Zeit zu Ruhm und Reichtum kam.

Im selben Jahr, also 819, als das Benediktinerkloster in Conques gegründet wurde, wurden im spanischen Compostela die Relikte des Heiligen Jakobs entdeckt (Sacred Places, Web). Im 10. Jahrhundert begann dann die große Epoche der Pilgerzüge nach Santiago de Compostela, „dem seinerzeit neben Rom und Jerusalem am meisten aufgesuchten Wallfahrtsziel der abendländischen Christenheit“ (Strecke 2002: 14). Conques wurde nun zu einer zunehmend attraktiven Station für Pilger auf dem Weg nach Santiago, was hauptsächlich der Anziehungskraft der Reliquien der Heiligen Fides zu verdanken war. Bereits im Liber Sancti Jacobi, einem zeitgenössischem Reiseführer, wird den Pilgern ein Besuch ein Besuch der basilica obtima von Conques empfohlen (Strecke 2002: 17), womit es zu einer Station der Via Podiensis wurde, einer der vier Jakobswege, die durch Frankreich führen. Die Via Podiensis verläuft von Le Puy-en-Valey in der Auvergne bis in die nördlichen Pyrenäen, wo sie dann mit der Via Turonensis und der Via Lemovicensis zusammenläuft und die Pilger über den Pass von Roncevaux über das Gebirge nach Spanien führt (Herbers/ Plötz 2004: 23). Diese Lage an der Via Podiensis war für Conques insofern vorteilhaft, als dass sie dem Kloster nicht nur wachsende Bedeutsamkeit durch den großen Anstrom an Pilgern verschaffte, sondern dass sich dadurch auch ein „verdichtendes Netz an Verbindungen und Beziehungen“ in diesem sonst so abgelegenem Gebiet ergab, welches maßgeblich zu einer „relativ ungehinderten Kommunikation sowie dem Austausch auch von künstlerischen Techniken und Erfahrungen“ (Strecke 2002: 17) beitrug.

Das prägnanteste Beispiel hierfür ist die Klosterkirche Sainte-Foy de Conques selbst, deren Bau im Zuge dieses Aufschwungs Mitte des 11. Jahrhunderts begonnen wurde und im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts mit dem Bau der Westfassade beendet wurde. Denn obwohl die Gemeinde Conques heutzutage zu der Region Midi-Pyrénées, Département Aveyron, gehört, so ist sie dennoch ein klassisches Beispiel für die auvergnatische Kirchenarchitektur der Romanik und reiht sich nahtlos in diese architektonische Tradition ein, zu deren prominentesten Beispielen unter anderem die Basilika Notre-Dame-du-Port in Clermont-Ferrand zählt (Phalip 2003: 15). Diese Tatsache ist sowohl durch die geographische Nähe von Conques, im äußersten Nordosten der Region Midi-Pyrénées am Zentralmassiv gelegen, zur Region Auvergne zu erklären, als auch durch den künstlerischen Austausch, der durch den Ausbau der regionalen Infrastruktur seinerzeit ermöglicht wurde. Darüber hinaus ist die Architektur der Kirche auf deren Funktion als `Pilgerkirche` ausgerichtet worden: so wurde beispielsweise eine Vielzahl von Kapellen errichtet, auf die die diversen Kultgegenstände verteilt wurden, um so dem Ansturm der Pilger gerecht zu werden (Strecke 2002: 16).

Durch den Bau der Klosterkirche Sainte-Foy de Conques Mitte des 11. Jahrhunderts wurde ein früherer karolingischer Bau ersetzt. Die karolingischen Fürsten spielen im Zusammenhang mit der Geschichte von Conques eine nicht allzu nebensächliche Rolle, da deren Gunst der dritte und letzte wichtige Grund für das Gedeihen von Conques im Mittelalter war. Im Jahr 819, also noch im Jahr der Gründung, stellte der König von Aquitanien, Ludwig der Fromme, Sohn Karl des Großen, das Kloster unter seinen persönlichen Schutz, gab ihm seinen Namen (Conques > Muschel) und beschenkte es mit Ländereien (Office de Tourisme, Web). Über die Jahre hinweg förderten die karolingischen Fürsten das Kloster, sei es aus politischen oder religiösen Beweggründen. So geht auch ein nicht unerheblicher Teil des Kirchenschatzes auf ihre Schenkungen zurück. Ohne diese Gunstbeweise der Karolinger „wäre der Aufschwung der Abtei Conques angesichts der Kargheit des Standortes und der Unmöglichkeit, zahlreiche Mönche zu ernähren, zumindest erschwert, wenn nicht ganz und gar unmöglich gewesen“ (Office de Tourisme, Web).

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Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656480709
ISBN (Buch)
9783656480570
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232042
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Auvergne Conques Tympanon Frankreich Regionen Romanik Sakralbauten

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