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Analyse und kritische Würdigung der Studie “Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information” von Emma García-Meca

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 25 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit

2 Begriffliche und inhaltliche Grundlagen
2.1 Definition immaterielle Werte
2.2 Kategorisierung der immateriellen Werte

3 Empirische Studie
3.1 Methodik und Vorgehensweise
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Vergleich der sechs Kategorien
3.2.2 Vergleich der Elemente in den jeweiligen Kategorien
3.3 Kritische Würdigung der Ergebnisse

4 Alternative Studien
4.1 Untersuchung von VÖLCKNER/
4.2 Untersuchung von GUTHRIE/PETTY/

5 Implikationen für die weitere Forschung

6 Fazit und Schlussbemerkungen

Verzeichnis der Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsanweisungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In Zeiten des zunehmenden Wettbewerbs um Kapital sind potenzielle Investoren nicht nur an Informationen aus den Jahresberichten interessiert, sondern darüber hinaus auch an Informationen zu den immateriellen Werten der Unternehmen.[1] Die Bereitstellung von Informationen über immaterielle Werte für zukünftige Anleger kann daher durchaus zu Vorteilen im Wettbewerb um Kapital führen.[2] Der Anteil der immateriellen Werte am Unternehmenswert nimmt ständig zu. Diese Entwicklung wird vor allem an der stetig steigenden Lücke zwischen dem Buchwert (Wert des Eigenkapitals in der Bilanz) und dem Marktwert (aktueller Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl aller emittierten Aktien) vieler Unternehmen ersichtlich.[3] Eine Studie mit 3500 Unternehmen kam zu dem Ergebnis, dass 1978 die Bilanzen der daran beteiligten Unternehmen 95% ihres Marktwertes erklären konnten. 20 Jahre später waren dies nur noch 28% und im Jahr 2001 konnten lediglich 15% des Marktwertes durch den Buchwert der Unternehmen erklärt werden.[4] Beispielsweise betrug im Jahr 2004 der Buchwert des Konzerns The Coca-Cola Company nur 10% des Marktwertes und beim Softwareunternehmen SAP sind nur 2% des Marktwertes mit der Bilanz zu begründen.[5]

Zu einem ähnlichen Resultat kommt SYSKOWSKI. Er spricht von einer Verdopplung der Lücke zwischen Marktwert und Buchwert in der Zeit von 1981 bis 2002 bei den im Standard & Poor’s-500-Index gelisteten Unternehmen.[6] Daneben spricht auch BODROW/BERGMANN von einer großen Differenz zwischen Markt- und Buchwert vor allem bei Softwareunternehmen wie z. B. Microsoft.[7] Dieser Unterschied ist auf der einen Seite zwar teilweise mit bilanziellen Bewertungsspielräumen und stillen Reserven erklärbar, auf der anderen Seite haben aber die immateriellen Werte eine viel größere Bedeutung.[8] Die Relevanz der immateriellen Werte (z. B. Innovationsfähigkeit, Know-how der Mitarbeiter, Kundenbeziehungen, Organisationsstrukturen) nimmt im Vergleich zu den materiellen Werten (z. B. Produktionsanlagen, Immobilien, Vorräte) in den letzten Jahren immer mehr zu.[9] Nach KAPLAN/NORTON ist der Anteil der immateriellen Werte von 38% der gesamten Vermögenswerte (entspricht immateriellen und materiellen Werten) im Jahr 1982 auf 85% im Jahr 2000 angestiegen.[10] Diese Entwicklungen lassen sich mit dem Wandel von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft erklären.[11]

Immaterielle Werte sind in Bilanzen nicht vollständig darstellbar und daher vertreten immer mehr Ökonomen den Standpunkt, dass die Berichterstattung von Unternehmen unbefriedigend sei.[12] Sie fordern die Normen und Regelungen der Rechnungslegung weiter zu entwickeln, um dadurch der stetig wachsenden Bedeutung der immateriellen Werte für den langfristigen Unternehmenserfolg Rechnung zu tragen.[13] Nur hierdurch kann eine möglichst umfassende Berichterstattung (z. B. an die Kapitalgeber) erreicht werden. SCHMIDL spricht von einer zunehmenden Bestrebung alternative Instrumente (z. B. Wissensbilanz) zur Berichterstattung immaterieller Werte (z. B. im Anhang des Lageberichts) zu entwickeln.[14] Die Investoren fordern neben den materiellen Werten auch immer detailliertere Informationen über die zukünftigen Unternehmens-entwicklungen, um somit eine möglichst durchdachte Investitionsentscheidung treffen zu können.[15]

1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit

Einerseits erfährt die Identifikation, Messung, Darstellung, Bewertung und Steuerung immaterieller Werte eine immer größer werdende Bedeutung innerhalb des Controllings[16], andererseits verlangen die Investoren zunehmend Informationen bezüglich des intellektuellen Kapitals.[17] Die vorliegende Seminararbeit verschafft daher auf der einen Seite einen grundlegenden Überblick über die Möglichkeiten zur Darstellung immaterieller Werte in der Berichterstattung (d. h. die Darstellung immaterieller Werte eines Unternehmens und die Bereitstellung von Informationen für externe Anteilseigner und vor allem Investoren)[18] und auf der anderen Seite deren Nutzung im Rahmen der Unternehmensbewertung durch die Analysten (z. B. für Investitionsentscheidungen).

Zunächst werden die inhaltlichen und begrifflichen Grundlagen erläutert. Im dritten Kapitel wird die empirische Studie „Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information“ von GARCÍA-MECA analysiert und kritisch gewürdigt. Dabei werden vor allem die Methodik sowie die Ergebnisse dieser Untersuchung beleuchtet. Im vierten Kapital werden mögliche alternative Vorgehensweisen dargestellt. Den sich daraus ergebenden Implikationen für die weitere Forschung widmet sich das darauffolgende Kapitel. Die vorliegende Seminararbeit wird am Ende mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einem Ausblick abgeschlossen.

2 Begriffliche und inhaltliche Grundlagen

In diesem Kapitel werden zunächst die wesentlichen Begriffe und inhaltlichen Grundlagen erläutert, um in der folgenden, genaueren Bearbeitung der Thematik darauf aufbauen zu können.

In ihrer Studie „Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information“, untersucht GARCÍA-MECA welche Informationen bezüglich des intellektuellen Kapitals von den teilnehmenden Unternehmen publiziert werden und ob beziehungsweise in welchem Umfang diese Informationen im Rahmen von Investitionsentscheidungen von den Finanzanalysten berücksichtigt werden.[19] Um diese Forschungsfragen näher beleuchten zu können, werden zunächst die wichtigsten Begriffe erläutert.

2.1 Definition immaterielle Werte

GARCÍA-MECA unterscheidet nicht zwischen intellektuellem Kapital und immateriellen Werten.[20] In der Literatur lassen sich weitere Begriffe finden, die entweder als Synonyme verwendet werden oder zumindest eine hohe inhaltliche Überscheidung aufweisen.[21] BISCHHOF spricht in diesem Zusammenhang unter anderem von immateriellem Kapital, intangiblen Werten und intellectual property[22] und SYSKOWSKI nennt intellektuelles Vermögen, knowledge assets und immaterielle Vermögenswerte als gleichbedeutende Begriffe.[23]

Bisher hat sich noch keine eindeutige und allgemeingültige Definition des intellektuellen Kapitals durchgesetzt.[24] Hierdurch wird sowohl die Messung als auch die Bewertung immaterieller Werte stark beeinträchtigt.[25] Deshalb wurde das Aktivierungsverbot für nicht entgeltlich erworbene immaterielle Vermögens-gegenstände des Anlagevermögens im Jahr 2009 durch das BilMoG aufgehoben.[26] Dadurch können die immateriellen Werte eines Unternehmens, die für die potentiellen Investoren von größter Wichtigkeit sind, besser in der Bilanz berücksichtigt werden.

Der Unternehmenswert setzt sich nach COENENBERG grundsätzlich aus dem Anfangsvermögen (bilanzielle Vermögenswerte), dem kurzfristigen Geschäftswert (bilanziell nicht erfasste immaterielle Vermögenswerte) und dem langfristigen Geschäftswert (intellectual capital) zusammen.[27] COENENBERG hat immaterielle Werte (Wert der intangibles) als Differenz zwischen dem Marktwert des Unternehmens und dem Wert der physischen und finanziellen Vermögenswerte definiert.[28] Unter immateriellen Vermögenswerten versteht COENENBERG alle immateriellen Werte, die entweder aufgrund der Aktivierungsvorschriften bilanziell erfasst sind oder die bei M&As im Rahmen der Erstkonsolidierung als immaterielle Anlagewerte zu bilanzieren wären.[29] Dem intellectual capital sind alle anderen immateriellen Werte zuzurechnen.[30] In der vorliegenden Seminararbeit wird diese Unterscheidung nach COENENBERG nicht berücksichtigt, da intellectual capital und intangibles von GARCÍA-MECA synonym verwendet werden.[31]

Die immateriellen Werte sind aber nach COENENBERG nicht nur von den physischen, also den materiellen Vermögenswerten, die eine körperliche Substanz aufweisen[32], sondern auch von den finanziellen Vermögenswerten abzugrenzen.[33] Auch LEY unterscheidet zwischen materiellen, immateriellen und finanziellen Werten.[34] Die Unterscheidung von den finanziellen Vermögenswerten (z. B. Beteiligungen an Unternehmen, Forderungen) gelingt in den meisten Fällen ohne Probleme.[35] Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von den materiellen Werten gibt es insbesondere dann, wenn der Wert sowohl aus einem materiellen als auch aus einem immateriellen Anteil besteht, wie es zum Beispiel bei Computerprogrammen der Fall ist.[36]

2.2 Kategorisierung der immateriellen Werte

Darüber hinaus gibt es auch im Rahmen der Kategorisierung des intellektuellen Kapitals keine einheitliche und eindeutige Vorgehensweise.[37] ALWERT/BORNEMANN/WILL differenzieren intellektuelles Kapital in Human- (z. B. Know-how und Motivation der Mitarbeiter), Struktur- (z. B. Strukturen und Prozesse) und Beziehungskapital (z. B. Kunden- und Lieferantenbeziehungen).[38] Eine detailliertere Systematisierung unterscheidet zwischen den folgenden sieben Bestandteilen des intellektuellen Kapitals: Human Capital (z. B. Mitarbeiterqualifikation), Customer Capital (z. B. Kundenzufriedenheit), Supplier Capital (z. B. Lieferantenverträge), Innovation Capital (z. B. neue Patente), Process Capital (z. B. hochwertige Qualitätssicherung), Location Capital (z. B. Standortvorteile) and Investor Capital (z. B. günstige Konditionen für Eigen- und Fremdkapitalbeschaffung).[39] Durch diese Kategorisierung wird nach SYSKOWSKI zwar ein besseres Begriffsverständnis entwickelt, jedoch kann eine eindeutige Abgrenzung der verschiedenen Bestandteile des intellektuellen Kapitals aufgrund deren Charakteristika (d. h. der unzulänglichen Mess- bzw. Quantifizierbarkeit) nicht erreicht werden.[40]

[...]


[1] Vgl. KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 366.

[2] Vgl. KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 366; MARMANN, J. (2009), S. 2-3.

[3] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 1; BODROW, W./BERGMANN, P. (2003), S. 13.

[4] Vgl. STANDSFIELD, K. (2005), S. 68.

[5] Vgl. STANDSFIELD, K. (2005), S. 69.

[6] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 1.

[7] Vgl. BODROW, W./BERGMANN, P. (2003), S. 13.

[8] Vgl. ZELLNER, M./BÜSSOW, T. (2004), S. 49-57.

[9] Vgl. BISCHOF, J. (2008), S. 13-14.

[10] Vgl. KAPLAN, R. S./NORTON, D. P. (2001), S. 3.

[11] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 1; BENTELE, M. (2004), S. 1; ARBEITSKREIS „IMMATERIELLE WERTE IM RECHNUNGSWESEN“ DER SCHMALENBACH GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT E. V. (2001), S. 989.

[12] Vgl. ARBEITSKREIS „IMMATERIELLE WERTE IM RECHNUNGSWESEN“ DER SCHMALENBACH GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT E. V. (2001), S. 989.

[13] Vgl. KÜTING, K. (2000), S. 674.

[14] Vgl. SCHMIDL, P. (2005), S. 64.

[15] Vgl. SCHMIDL, P. (2005), S. 65.

[16] Vgl. BISCHOF, J. (2008), S. 14.

[17] Vgl. KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 366.

[18] Vgl. WEBER, J./KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2006), S. 21.

[19] Vgl. GARCÌA-MECA, E. (2005), S. 427.

[20] Vgl. GARCÌA-MECA, E. (2005), S. 437.

[21] Vgl. ARBEITSKREIS „IMMATERIELLE WERTE IM RECHNUNGSWESEN“ DER SCHMALENBACH GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT E. V. (2001), S. 990; KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 371-375.

[22] Vgl. BISCHOF, J. (2008), S. 15.

[23] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 22-23;

[24] Vgl. ARBEITSKREIS „IMMATERIELLE WERTE IM RECHNUNGSWESEN“ DER SCHMALENBACH GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT E. V. (2004), S. 225; KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 371-375.

[25] Vgl. BISCHOF, J. (2008), S. 32.

[26] Vgl. LAUBACH, W./KRAUS, S./BORNHOFFEN, M. C. (2009), S. 19.

[27] Vgl. COENENBERG, A. G. (2005), S. 1131-1133.

[28] Vgl. COENENBERG, A. G. (2005), S. 1133.

[29] Vgl. COENENBERG, A. G. (2005), S. 1133-1134.

[30] Vgl COENENBERG, A. G. (2005), S. 1134.

[31] Vgl. GARCÌA-MECA, E. (2005), S. 437.

[32] Vgl. BENTELE, M. (2004), S. 20.

[33] Vgl. COENENBERG, A. G. (2005), S. 1133-1134.

[34] Vgl. LEY, U. (1984), S. 151-153 zitiert nach BENTELE, M. (2004), S. 21.

[35] Vgl. BENTELE, M. (2004), S. 21.

[36] Vgl. VELTE, P. (2008), S. 171.

[37] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 25; KAUFMANN, L./SCHNEIDER, Y. (2004), S. 375-378.

[38] Vgl. ALWERT, K./BORNEMANN, M./WILL, M. (2008), S. 18-19; BORNEMANN, M./REINHARDT, R. (2008), S. 86-87; CHOONG, K. K. (2008), S. 632.

[39] Vgl. ARBEITSKREIS „IMMATERIELLE WERTE IM RECHNUNGSWESEN“ DER SCHMALENBACH GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT E. V. (2001), S. 990-991.

[40] Vgl. SYSKOWSKI, F. (2007), S. 28.

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656480891
ISBN (Buch)
9783656480860
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232031
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Rechnungswesen und Controlling
Note
1,3
Schlagworte
Controlling immaterielle Werte intellektuelles Kapital Unternehmensbewertung Wissensbilanz Marktwert

Autor

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Titel: Analyse und kritische Würdigung der Studie “Bridging the gap between disclosure and use of intellectual capital information” von Emma García-Meca