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Das Gottesbild in Hartmanns Dichtungen im Vergleich mit der Heiligen Schrift

Seminararbeit 2003 21 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wichtige Ereignisse und Lehren in der Kirche bis zur Zeit von Hartmann von Aue

Mahnungen der Apostel
Neue Wege
Neue Struktur
Staatliches Eingreifen
Ende des Staates und überleben der Kirche
Übersicht
Unterschied zwischen Hartmann und der Kirchenführung seiner Zeit

Der ordo-Gedanke des Mittelalters
Der ordo-Gedanke
Gottes Ordnung
Der „geistig-kreatürlich“-Konflikt
Der Kategorisierungs-Gedanke

Gott im Weltbild des Mittelalters
Das Weltbild des Mittelalters
Problem des „von Grund auf guten“ Menschens
Der strafende Gott

Die Schuldfrage aus der Sicht der Bibel
Geburt von Gregorius
Heirat von Gregorius

Zusammenfassung

Literatur
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einleitung

Das Mittelalter ist eine Zeit des Aberglaubens, der Mythen und Sagen, der "Knechtschaft" des Gewissens und eine Zeit, in der ein Menschenleben nicht viel galt. Und doch hat das Mittelalter seinen Reiz mit seinen prächtigen Bauwerken, seiner Kunst, seinen Helden und vielem mehr.

Hartmann von Aue lebte wahrscheinlich im 12. Jahrhundert, was sich besonders aus dem dritten Kreuzlied Hartmanns ableiten lässt. Somit lebte er nicht in der "finstersten" Zeit des Mittelalters (letzten Jahrhunderte vor der Reformation), als in der Kirche die Missstände völlig überhand nahmen. Doch ein solches Überhandnehmen kommt nicht von "heut auf morgen" – es ist ein Prozess, der schon zur Zeit Hartmanns zu erkennen ist, wenn nicht noch viel früher.

Zur Zeit der Urgemeinde (christliche Kirche zwischen 50 bis 100 n.Chr.), war die Gemeinde frei von Lehren, die von Gottes Wort abwichen. Menschen, die versuchten solche Lehren in die Gemeinde zu bringen wurden scharf zurechtgewiesen. Ein Beispiel ist Simon Magus, der einen anderen Standard einführen wollte indem er Geld für die Gabe des Heiligen Geistes bot: "Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei!" Es war das ganze Bestreben der Apostel, die Gemeinde rein zu erhalten, was auch sehr klar aus den Briefen an die Gemeinden hervorgeht, die voller Mahnungen, Warnungen und Anleitungen sind. Doch trotz all dieser Bemühungen ging es bald bergab und schon die Apostel selbst sahen, dass die Probleme in der Gemeinde immer größer wurden.

Es wäre eine lange Geschichte, die einzelnen Stufen des Abfalls Schritt für Schritt zu beschreiben, durch die aus einer Gemeinde Gottes eine tyrannische Kirche wurde, die Tausenden das Leben nahm, nur weil diese anders dachten als die Kirchenführung es vorschrieb. Doch möchte ich versuchen, einen kurzen Überblick über die wichtigsten Ereignisse bis zur Zeit von Hartmann zu geben. Danach wollen wir die Zeit Hartmanns unter die Lupe nehmen und anhand seiner Schriften das Gottes- und Weltbild jener Zeit zu verstehen suchen. Dabei ist zu bemerken, dass - soweit ich das einschätzen kann - Hartmann einige Übelstände seiner Zeit erkannte und er somit nicht mit dem Stand der Kirche zu seiner Zeit gleichgesetzt werden kann. Die Rückschlüsse müssen also mit Vorsicht gezogen werden. Auch der Umstand, dass ich mich in meinen Betrachtungen auf die Interpretationen von Hartmanns Schriften stützen muss, ist zu berücksichtigen. Wenn ich also Schlüsse ziehe, so sollten die eben genannten Punkte vom Leser immer mitberücksichtigt werden.

Das, aus Hartmanns Schriften, zu erarbeitende Bild möchte ich an dem Maßstab des Wortes Gottes messen um die Abweichungen deutlich zu machen. Manchmal mag der Unterschied sehr fein sein, doch werde ich mir Mühe geben, anhand der Resultate die Wichtigkeit der Differenzierung deutlich zu machen und hoffe, dass mir dies weitgehend gelingen wird.

Wichtige Ereignisse und Lehren in der Kirche bis zur Zeit von Hartmann von Aue

Mahnungen der Apostel

Wie schon kurz in der Einleitung erwähnt, sahen schon die Apostel voraus, dass die Gemeinde den Weg verlassen würde, den Christus ihnen gezeigt hatte. Daraus machten sie auch kein Geheimnis, sondern sie warnten die Gemeinde vor diesem Weg. Selbst über seinen Tod hinaus versuchte Paulus seine Mahnungen hören zu lassen: "Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen!" Apostelgeschichte 20, 29-31. (Siehe auch: 2.Thessalonicher 2, 1-8)

Neue Wege

Das Christentum besann sich schon bald nach dem Tod der Apostel auf neue Strategien um Anhänger zu gewinnen. Während der Zeit der Apostel wurden hier keinerlei Kompromisse eingegangen. Heidnische Bräuche hatten in der Gemeinde nichts verloren und das Ablegen dieser Handlungen war ein Zeichen für die Echtheit der Umkehr. Doch sah man dies bald nicht mehr so eng. Diese Barrieren wurden als Hindernisse angesehen und abgeschafft, so dass ‚Christwerden’ nur noch eine Namensänderung war - keine Änderung der Handlungen geschweige denn des Charakters, was ja eigentlich der entscheidende Punkt ist. Schon bald wurde der Tag der Sonne (Sonntag) als zweiter Ruhetag eingeführt und das Osterfest wurde vom 14.1 (nach dem jüdischen Kalender) auf einen Sonntag verlegt.

Mit den, nun in Massen in die Kirche strömenden Heiden, kam auch die griechische Philosophie in die Gemeinde. Besonders ist hier Plato zu erwähnen. In diese Zeit fällt auch das Aufkommen der Lehre der Seelenwanderung und der Allversöhnung - alle Menschen werden gerettet, wenn sie sich nur Christen nennen.

Neue Struktur

Es gab zu diesem Zeitpunkt neben Ämtern die Gott vergab (durch die Gaben der Prophetie, Zungenrede, usw.) schon gewählte Ämter. Durch den aufkommenden Missbrauch der Geistesgaben, indem Menschen behaupteten, sie hätten den Heiligen Geist und damit versuchten, ihren eigenen Meinungen Gewicht zu verleihen, wurden diese Ämter immer unglaubwürdiger - zugunsten der mehr oder weniger gewählten Amtsinhaber.

Als nächstes wurde eine richtige Hierarchie innerhalb der Kirche aufgebaut, wobei das Volk, die Laien, auf der untersten Stufe stand und darüber der Klerus mit seinen vielen Ämtern und Abstufungen. Zwischen den verschiedenen Bischöfen gab es zunehmend Streit, wobei sich der Bischof von Rom mehr und mehr zum obersten Bischof durchsetzte.

Staatliches Eingreifen

Aufgrund der immer mehr wachsenden Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Bischöfen fühlte sich der Staat genötigt einzugreifen, um die Einheit des Reiches zu bewahren. Damit fing ein Ringen um die Gunst des Staates an, was die Kirche umso korrupter machte. Bestechung, Hintergehung und Betrug waren bald an der Tagesordnung.

Unter Konstantin kommt es dann zu einer gewissen Vereinigung von Kirche und Staat. Konstantin erlässt Gesetze, die sich in Glaubensangelegenheiten einmischen wie zum Beispiel das 314 n. Chr. erlassene Sonntagsgesetz, dem bald eine Reihe anderer Gesetze folgte.

Ende des Staates und überleben der Kirche

Im Jahr 377 überschreiten eine Millionen Goten die Donau und 410 fällt selbst die Hauptstadt Rom. Sie wird von den Goten geplündert und 30 Jahre später durch die Vandalen zu einem großen Teil zerstört. Die Kirche jedoch überlebt. Sie passt sich den veränderten Verhältnissen an und nachdem sie durch ein andauerndes Ränkespiel drei germanische Stämme vernichtet hat, bekommt sie schließlich im Jahre 753 von Pippin dem Frankenkönig eigenes Land geschenkt. Wenige Jahre später stellt sich die Kirche über den Staat indem der Papst Karl den Großen zum Kaiser krönt. Karl der Große führt im Gegenzug dafür einige Glaubenskriege.

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Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638263665
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23198
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
mündliche positive Wertung
Schlagworte
Gottesbild Hartmanns Dichtungen Vergleich Heiligen Schrift

Autor

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