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Alki Zei, Die Verlobte des Achilles. Die Entwicklung der Protagonistin

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 19 Seiten

Neogräzistik (Neugriechisch)

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe

3 Das Werk
3.1 Die Zeitebenen
3.2 Stilistische Mittel
3.2.1 Die narrative Situation
3.3 Die Entwicklung der Protagonistin, insbesondere ihrer politischen 4 Gesinnung, bis hin zur Desillusionierung
3.3.1 I. Entwicklungsphase: Aus parteipolitischen Gründen - von Daphni 4 zu Eleni
3.3.2 II. Entwicklungsphase: Italien - von Eleni zu Daphni
3.3.3 III. Entwicklungsphase: Die Reise nach Taschkent - Probleme bei der 6 Transformation von Daphni zu Eleni
3.3.4 IV. Entwicklungsphase: Das Leben in Taschkent
3.3.5 V. Entwicklungsphase: Moskau

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Griechenland hat im 20.Jahrhundert oft unruhige Zeiten erlebt: Im zweiten Weltkrieg ab 1941 mit der deutschen Besatzung konfrontiert, gerät das Land nach Kriegsende in einen langen Bürgerkrieg. Nach einer kurzen Phase der politischen Entspannung kommt es bereits 1967 zur Militärdiktatur. Und auf Zypern schwelt der Konflikt zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Es kommt immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen und beide Länder stehen am Rande eines Krieges.

Αλκη Ζεη (Alki Zeϊ) wird 1927 in Athen geboren. Ihre Familie gehört zum Großbürgertum. Sie selbst engagiert sich während des zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung und kämpft anschließend für die Linke im griechischen Bürgerkrieg.

Nach dem Bürgerkrieg folgt sie ihrem Gatten Γιόργος Σεβαστικόκγλυ (Giorgos Sewastikoglu) nach Taschkent ins Exil.

1964 kehrt sie nach Athen zurück, muss aber, nachdem die Militärjunta 1967 die Macht übernimmt, erneut ins Exil und geht nach Paris, wo sie bis 1981 lebt. Die Verlobte des Achilles erscheint auf Griechisch 1987, enthält Elemente des Bildungsromans und ist der autobiografischste Roman Alki Zeϊs.

Historisch gesehen, gibt der Roman einen authentisch wirkenden Einblick in das Leben einer linken Widerstandskämpferin die von der Idee des Kommunismus einerseits überzeugt ist, andererseits jedoch desillusioniert wird.

Mit Bedacht beginnt der Roman mit einer Zugszene als Symbol für die ewige Reise einer ganzen Generation, die nirgendwo zu Hause ist.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Entwicklung der Protagonistin, insbesondere ihrer politischen Gesinnung bis hin zur Desillusionierung, deutlich zu machen und dabei die stilistischen Mittel, die Alki Zeϊ nutzt, herauszuarbeiten.

2 Inhaltsangabe

Der Roman beginnt mit einer Szene während des Drehs für einen Film mit dem viel versprechenden Titel: „Der Zug des Grauens“.

Die Protagonistin spielt in diesem Film eine wichtige Komparsenrolle. Die Szenerie des Romans wechselt im Laufe der Geschichte ständig zwischen den Regieanweisungen bzw. den Arbeitspausen der Schauspieler und den Erinnerungen der Protagonistin. Ihre Erinnerungen beginnen mit den Jugendjahren. Daphni wächst in Griechenland auf. Der zweite Weltkrieg ist gerade vorbei und in Griechenland herrschen schwierige Zeiten. Das Land gerät in einen Bürgerkrieg. Die politisch aktive junge Frau „verlobt“ sich mit Achilles, einem Hauptakteur des kommunistischen Widerstands. Wegen ihrer politischen Gesinnung wird sie verhaftet und eingesperrt. Bis in die Gegenwart wird sie sich immer wieder an diesen Gefängnisaufenthalt erinnern und die Gräueltaten, die sie miterleben musste. Nicht zuletzt durch die Beziehungen ihrer Familie wird sie freigelassen und geht nach Italien ins Exil, um anschließend Achilles nach Taschkent zu folgen, der dort seit längerem weilt. In Italien genießt Ελένη (Eleni), wie die Protagonistin nach ihrer „Verlobung“ nun mehr heißt, vielleicht das einzige Mal im Verlauf der Geschichte, die Freiheit. Sie begegnet ihrem Liebhaber, dem Kunststudenten und Maler Jean-Paul und lernt italienisch.

Nach vielen Monaten bekommt sie ihr russisches Visum und beginnt ihre Reise ins Ungewisse, in das ferne Taschkent.

Dort wohnt sie viele Jahre, bringt ihre Tochter ∆αφνούλα (Daphnoula) zur Welt und lebt mit verschiedensten Menschen des kommunistischen Widerstands zusammen. Immer mehr Zweifel kommen ihr bezüglich der „politischen Sache“. Die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Griechenland und die Parteikarriere ihres Verlobten bringen sie schließlich nach Moskau.

Irgendwann bekommt sie die Möglichkeit Griechenland zu besuchen.

Doch die Geschichte endet am Anfang, im Exil in Frankreich.

3 Das Werk

3.1 Die Zeitebenen

Die erste Zeitebene der Handlung spielt im Zug. Eleni steht am Fenster und trägt ein rosafarbenes Nachthemd. Für 80 Francs am Tag spielt sie eine bedeutendere Komparsenrolle für die Mammutproduktion „Der Zug des Grauens“. (Gegenwart)

Die zweite Zeitebene ist eher dynamisch und basiert auf Elenis Erinnerungen. Erinnerungen an ihr gesamtes Leben und die historischen Ereignisse, die damit verbunden sind. Während die beiden Zeitebenen zu Beginn klar getrennt sind - die Regieanweisungen sind mit der Überschrift:

Der Zug des Grauens Szene - Einstellung - Take

klar von den Erinnerungen Elenis mit der Überschrift: Cut

getrennt - verschwimmen sie im Laufe der Handlung und mit fortgeschrittener Biografie immer mehr. Der Leser muss sich konzentrieren, um die unterschiedlichen „Plots“ der Ebenen nicht durcheinander zu bringen.

Alki Zei schafft durch diese beiden Ebenen nicht nur eine spannende Handlung und fordert vom Leser Konzentration, sondern ihr gelingt es damit auch die Ambivalenz und die 2 Leben der Protagonistin zu verdeutlichen. Nämlich erstens das Leben der Eleni bis zum Pariser Exil und zweitens das Leben der Eleni, die desillusioniert im Pariser Exil lebt und mit Aushilfsjobs versucht über die Runden zu kommen.

3.2 Stilistische Mittel

3.2.1 Die narrative Situation

Während bei den Regieanweisungen ein allwissender Erzähler spricht, werden die Erinnerungen von der Protagonistin selbst erzählt. Genette folgend handelt es sich um einen autodiegetischen Erzähler. Der Erzähler ist Teil der Handlung und gleichzeitig die Protagonistin.

3.3 Die Entwicklung der Protagonistin, insbesondere ihrer politischen Gesinnung, bis hin zur Desillusionierung

3.3.1 I. Entwicklungsphase: Aus parteipolitischen Gründen - von Daphni zu Eleni

Wie schon erwähnt, lautet der eigentliche Mädchenname der Protagonistin Daphni.

Fast durch einen Zufall gelangt sie zu dem Namen, der sie so lange begleiten wird: Eleni.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]1

„Wenn ich ihm nur sagen könnte, dass mein wirklicher Name Daphni ist! Wieder ist Panos schuld. „Du musst einen Decknamen annehmen, aus konspirativen Gründen“, sagte er zu mir, sobald er mich in die Organisation eingeschrieben hatte. „Gut, dann nehme ich Alkestis.“ Er lachte mit diesem ihm eigenen Lachen, wie ausgeleiert. „Nein, nimm nicht Medea!“ „Eleni, einen Alltagsnamen.“ Eleni! Und den hatte ich fürs ganze Leben.“2

Der Name Daphni steht für das junge unschuldige Mädchen, während Eleni eine Art zweite Identität ist, die in enger Beziehung mit der politischen Ideologie steht. Der Name Eleni wird jedoch im Laufe der Handlung nie zur einzigen Identität der Protagonistin.

Durch die Organisation lernt Eleni eines Tages Achilles kennen. Achilles ist Kapetanios, Bandit, ein Held. Aufgrund ihrer politischen Aktivitäten und der Tatsache, dass sie das Mädchen eines großen Kapetanios ist, wird sie bei einer polizeilichen Kontrolle verhaftet. Im Gefängnis erlebt sie die grausamen Folterungen und Morde, kurz: das sinnlose Blutvergießen. Durch gute Kontakte erwirkt Lisa, Elenis Mutter, ihre Freilassung. Die Familie versucht sie vom Widerstandskampf abzubringen, kurz nach ihrer Freilassung nimmt die Widerstandsbewegung aber wieder Kontakt mit ihr auf.

3.3.2 II. Entwicklungsphase: Italien - von Eleni zu Daphni

Auf Betreiben der Verwandten flüchtet sie nach Italien, wo sie ein neues Leben beginnen soll. Sie selbst ist aber fest entschlossen zu Achilles zu reisen. Durch ein Telegramm hat sie erfahren, dass man in der sowjetischen Botschaft ihr Visum bereithält. Es erweist sich jedoch als wesentlich schwieriger das Visum für die Ausreise zu bekommen. Eleni ist gezwungen für mehrere Monate in Italien zu bleiben. Nach und nach fängt sie an die Zeit in Italien zu genießen. Sie vertreibt sich die Zeit mit Museumsbesuchen, Stadterkundungen, Sprachkursen und ihrem Geliebten Jean-Paul. Für kurze Zeit vergisst Eleni ihre Sorgen und genießt das Gefühl von Freiheit und Liebe.

Hier ist sie nicht unmittelbar mit der Partei in Kontakt und steht nicht unter ideologischem Druck. Bei Jean-Paul ist Eleni Daphni:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]3

„Auf jeden Fall bin ich ganz sicher Daphni. Für Eleni wäre es unpassend, dazusitzen und sorglos im Brunnenwasser zu plätschern, an der Seite eines fast völlig Unbekannten.“4

Noch deutlicher wird diese Tatsache durch folgende Textstelle:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]5

„In Rom zähle ich die Tage nach meinen Besuchen in der Gaetastraße .

Noch zwanzig Tage. Noch zwanzig Tage mit Jean-Paul. Noch zwanzig Tage werde ich Daphni sein.“6

[...]


1Άλκη Ζέη, Η αρραβωνιαστικιά του Αχιλλέα, Κέδρος, Αθήνα 1987, σ.16

2 Alki Zeϊ, Die Verlobte des Achilles, Romiosini, Köln, 2001, S.13 6

3im Gr. S.101

4im Dt. S.94

5im Gr. S.104

6im Dt. S.97

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656480754
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231970
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Neogräzistik
Note
1,3
Schlagworte
Griechische Prosa Griechische Literatur des 20Jhdts. Alki Zei Griechenland

Autor

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Titel: Alki Zei, Die Verlobte des Achilles. Die Entwicklung der Protagonistin