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Der Traum "Immensee"

Analyse der Novelle Theodor Storms durch "Die Traumdeutung" von Sigmund Freud

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Theodor Storms Werk „Immensee“
1.1. Kurze Inhaltsangabe zur Novelle „Immensee“
1.2. Aufbau der Novelle – Erste Anzeichen eines Traums
2. Analyse des Werks „Immensee“ mit Hilfe der Traumdeutung Sigmund Freuds
2.1. „Die Traumdeutung“ – Werk der Jahrhundertwende
2.2. „Die Traumarbeit“ und ihre Hilfsmittel
2.3. Anwendung der Traumdeutung auf das Werk „Immensee“
3. Probleme beim Anwenden der Traumdeutung auf literarische Texte
3.1. Möglichkeiten und Grenzen der Traumdeutung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Theodor Storm ist bis heute einer der bedeutendsten Vertreter des Realismus. Seine Werke sind gekennzeichnet von einer starken Gesellschaftskritik, die am Ende des 19. Jahrhunderts bei vielen Autoren zu finden war. Die Verurteilung der gesellschaftlichen Zustände, die von Storm oftmals verbunden wurde mit einer trügerisch idyllischen Welt, findet man auch in der Novelle „Immensee“ wieder.[1]

Jedoch ist „Immensee“ mehr als nur eine kritische Äußerung Storms am öffentlichen Leben jener Zeit. Bei „Immensee“ handelt es sich um die detaillierte Wiedergabe eines Traums. Die Forschungen der folgenden Arbeit werden zeigen, ob die aufgestellte Behauptung haltbar ist oder nicht. Schritt für Schritt wird dazu nach Pro- und Kontrapunkten gesucht und der Aufbau sowie die Handlung näher betrachtet. Sigmund Freuds Werk „Die Traumdeutung“ leistet einen entscheidenden Beitrag zur Analyse der Novelle. Die Mittel der „Traumarbeit“ werden vorgestellt und dann konkret auf Storms Werk „Immensee“ angewandt.

Die Verwendung der Traumdeutung wird aber nicht nur darauf hinweisen, ob es sich um einen Traum handelt oder nicht. Sie zeigt ebenfalls Schwierigkeiten auf, die sich bei der Übertragung eines psychoanalytischen Konzepts auf ein literarisches Werk einstellen. Vorab werden die Inhalte der Werke „Immensee“ und „Die Traumdeutung“ näher beleuchtet, um eine bessere Verständlichkeit zu erreichen.

Hauptteil

1. Theodor Storms Werk „Immensee“

Im ersten Kapitel erfolgt die kurze Schilderung des Inhalts von „Immensee“ und es wird näher Bezug zum Aufbau der Novelle genommen. Hierbei offenbart sich schon in Ansätzen, ob beim Aufbau des Werks Anzeichen eines Traums zu finden sind oder sich vorzeitig Probleme bei der Traumübertragung einstellen.

1.1. Kurze Inhaltsangabe zur Novelle „Immensee“

Die Hauptprotagonisten des Werks von Theodor Storm heißen Reinhard Werner und Elisabeth, wobei letztere ohne Nachnamen genannt wird. Die Nebenrollen werden hauptsächlich durch die Mütter der beiden verkörpert.

Es wird anfangs geschildert, wie Reinhard sich als alter Mann, durch die Betrachtung eines Bildes von Elisabeth, auf seine Vergangenheit zurückbesinnt und viele Ereignisse Revue passieren lässt. So erfährt der Leser, dass Reinhard und Elisabeth zusammen aufwuchsen und unzertrennlich waren. Er erzählte ihr viele Geschichten, Märchen sowie Gedichte und schrieb diese nachträglich auf. Diese Sammlung überließ er dann Elisabeth zur Aufbewahrung. Später ging Reinhard fort, um mit seinem Studium zu beginnen. Der Kontakt zwischen ihm und Elisabeth nahm immer mehr ab, ebenso schrieb er ihr keine Gedichte und Geschichten mehr auf. Als er nach einiger Zeit nach Hause zurückkehrt, bemerkte Reinhard die Veränderungen an Elisabeth, die nun langsam zu einer Frau wurde. Reinhard, sehr verwirrt davon, wie fremd sie ihm doch geworden war, fing an, mehr als nur eine Freundin in Elisabeth zu sehen. Zudem begann er, Elisabeth in Botanik zu unterweisen und gab ihr ein Buch, indem sie alles dazu aufschrieb und getrocknete Blumen hineinlegte. Beim Abschied versprach er Elisabeth, ihr ein Geheimnis zu verraten, wenn sie zwei Jahre auf ihn warten würde. Allerdings erhielt Reinhard noch vor Ablauf dieser Zeit einen Brief von seiner Mutter, in dem stand, dass Erich, ein alter Kamerad Reinhards, um Elisabeths Hand angehalten hatte und beide nun heiraten wollten.

Danach folgt ein größerer zeitlicher Sprung und man erfährt, dass Reinhard ein junger Mann geworden ist. Er besucht das Ehepaar Erich und Elisabeth auf ihrem Hof am Immensee. Diese sind zusammen mit Elisabeths Mutter nach der Hochzeit dort hingezogen, da Erich den Hof von seinem Vater geerbt hatte. Man merkt, wie die Beziehung zwischen Elisabeth und Reinhard wieder erwacht, allerdings wird auch deutlich, dass beide nicht mehr zu einander finden und Reinhard verlässt Elisabeth für immer. Die Novelle endet wieder beim alten Reinhard, der in seinem Haus sitzt und seinen Studien nachgeht. (Honnefelder 1983, S. 9-38)[2]

1.2. Aufbau der Novelle – Erste Anzeichen eines Traums

Die Novelle „Immensee“ gliedert sich in eine Rahmenhandlung und eine Binnenhandlung. Die Rahmenhandlung umfasst die zwei Teile „Der Alte“, die jeweils zum Beginn der Erzählung und zum Ende auftauchen. Zur Binnenhandlung zählen „Die Kinder“, „Im Walde“, „Da stand das Kind am Wege“, „Daheim“, „Ein Brief“, „Immensee“, „Meine Mutter hat´s gewollt“ und „Elisabeth“.[3] Somit bildet die Rahmenhandlung die erste Ebene und die Binnenhandlung die zweite Ebene. Man kann noch eine dritte Ebene erschließen, wenn man die Geschichten, Märchen und Gedichte, die Reinhard Elisabeth erzählt und die späteren Botanikerzählungen mit einbezieht. Im Fokus dieser Arbeit liegen jedoch die Rahmen- und Binnenhandlung.

Die Rahmenhandlung ist das erste Indiz dafür, dass es sich bei der Novelle um die Schilderung eines Traumes handelt. So lassen sich zwei Textpassagen finden, die darauf hindeuten, dass Reinhard beginnt einzuschlafen und anfängt zu träumen und am Ende der Novelle aus seinem Traum erwacht.

„Wie er so saß, wurde es allmählich dunkler; endlich fiel ein Mondstrahl durch die Fensterscheiben auf die Gemälde an der Wand, und wie der helle Streif langsam weiterrückte, folgten die Augen des Mannes unwillkürlich. Nun trat er über ein kleines Bild in schlichtem schwarzem Rahmen. »Elisabeth!« sagte der Alte leise; und wie er das Wort gesprochen, war die Zeit verwandelt – er war in seiner Jugend.“ (Honnefelder 1983, S. 9-10)[4]

„Der Mond schien nicht mehr durch die Fensterscheiben, es war dunkel geworden; der Alte aber saß noch immer mit gefalteten Händen in seinem Lehnstuhl und blickt vor sich hin in den Raum des Zimmers.“ (Honnefelder 1983, S. 38)[5]

Auf der anderen Seite, sind die beiden Textstellen noch nicht eindeutig genug, um daraus zu schließen, dass es bei „Immensee“ wirklich um einen Traum geht. Daher muss nun die Binnenhandlung näher beleuchtet werden, doch zuvor kurz ein wichtiges Zitat Freuds aus seinem Werk „Die Traumdeutung“:

„Daß alles Material, das den Traum zusammensetzt, auf irgendeine Weise vom Erlebten abstammt, also im Traum reproduziert, erinnert wird, dies wenigstens darf uns als unbestrittene Erkenntnis gelten.“ (Freud 2010, S. 27)[6]

Innerhalb der Binnenhandlung kann man eindeutig erkennen, dass Reinhard seine Vergangenheit betrachtet, das heißt, er erinnert sich zurück an seine Kindheit, Jugend, an die Studentenzeit und spätere Ereignisse. Diese Erinnerung ist laut Freud ein wichtiger Teil eines Traums. So kann man sich im Traum an bewusste oder unbewusste Dinge erinnern.[7] Ob Reinhard sich bewusst an seine Vergangenheit erinnert und das auch im Wachzustand, kann allerdings nicht aus den Schilderungen Storms entnommen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass die Beschreibungen aus den Textstellen „Der Alte“ eine Art Ritual darstellen, das Reinhard täglich zelebriert. Das würde bedeuten, dass jeden Tag seine Gedanken um Elisabeth kreisen. Jedoch sind dies nur Vermutungen und aus dem reinen Text nicht zu erschließen. Berücksichtigt man dagegen Freuds Aussagen zum Traum, könnte man annehmen, dass es sich sehr wohl um etwas handelt, dass Reinhard auch tagsüber beschäftigt.

„Das Gegenteil ist wahr; was uns bei Tage in Anspruch genommen hat, beherrscht auch die Traumgedanken, und wir geben uns die Mühe zu träumen nur bei solchen Materien, welche uns bei Tage Anlaß zum Denken geboten hätten.“ (Freud 2010,S. 186)[8]

Kurz gesagt, wenn Reinhard davon träumt, müsste es auch während des Tages auf ihn gewirkt haben. Doch wie schon erwähnt, ist dies nicht genau belegbar. Freud führt die ganze Situation weiterhin unter seiner Auflistung der Traumquellen als „d) Ein inneres bedeutsames Erlebnis“ an. Dieses Erlebnis setzt sich entweder aus „Erinnerungen“ oder „Gedanken“ oder beidem zusammen und tritt „regelmäßig“ auf. Das ganze wird durch einen „rezenten, aber indifferenten Eindruck vertreten“.[9] Die rezenten Eindrücke im Werk „Immensee“ sind unter anderem die Kindheits- und Jugenderinnerungen.[10] So ist es die Binnenhandlung, die schon mehr Aufschluss darüber gibt, ob es sich um einen Traum handelt oder nicht. Zudem beinhaltet sie auch die Erinnerungen, die als eine der verschiedenen Traumquellen Freuds dargestellt werden.

Es wurde bis hierhin sicherlich schon ein wenig deutlich, warum man annehmen kann, dass es sich bei der Novelle „Immensee“ um einen Traum handelt. Ebenso wurde bereits einiges zur Traumdeutung Freuds gesagt und genau damit soll es im nächsten Teil der Arbeit weitergehen.

2. Analyse des Werks „Immensee“ mit Hilfe der Traumdeutung Sigmund Freuds

Im zweiten Abschnitt der Arbeit geht es um das Werk „Die Traumdeutung“ undum deren Anwendung auf die Novelle von Theodor Storm.

Dazu wird das Werk Sigmund Freuds kurz in den historischen Kontext eingeordnet und näher betrachtet. Anschließend werden die Hilfsmittel der Traumarbeit etwas ausführlicher beschrieben und danach kommt es zur Übertragung der Traumdeutung auf die Novelle „Immensee“.

[...]


[1] Honnefelder, Gottfried: Theodor Storm. Immensee und andere Novellen. In: Honnefelder, Gottfried (Hrsg.): Theodor Storm. Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 2. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1983, 1. Buchseite.

[2] Honnefelder, Gottfried: Theodor Storm. Immensee und andere Novellen. In: Honnefelder, Gottfried (Hrsg.): Theodor Storm. Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 2. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1983, S. 9-38.

[3] Ebd. S. 9-38.

[4] Honnefelder, Gottfried: Theodor Storm. Immensee und andere Novellen. In: Honnefelder, Gottfried (Hrsg.): Theodor Storm. Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 2. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1983, S. 9-10.

[5] Ebd. S. 38.

[6] Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. Nachwort von Hermann Beland. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, März 2010, S. 27.

[7] Ebd. S. 35.

[8] Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. Nachwort von Hermann Beland. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, März 2010, S. 186.

[9] Ebd. S. 191.

[10] Ebd. S. 201; 208.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656486589
ISBN (Buch)
9783656491507
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231900
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Deutsche Philologie
Note
2,0
Schlagworte
Theodor Storm Immensee Sigmund Freud Traumdeutung Novelle Traum

Autor

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