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Eine Reise durch den Horrorfilm. Teil 2: Von Freitag der 13. (1980) bis Saw 3D (2010)

2013 120 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Der Horror-Boom der 80er: Der Fortsetzungswahn beginnt
Kommerz-Horror und Ausnahmeerscheinungen
Lang, länger, Franchise

2 Die großen Messerstecher: Freddy vs. Jason
Pioniere und Nachahmer, Gewinner und Verlierer
Unter der Lupe: Freitag der 13. – Die Reihe
Vorbemerkungen
Freitag der 13.
Freitag der 13. Teil II – Jason kehrt zurück
Und wieder ist Freitag der 13.
Freitag der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel
Freitag der 13. – Ein neuer Anfang
Freitag der 13. – Jason lebt
Freitag der 13. – Jason im Blutrausch
Freitag der 13. – Todesfalle Manhattan
Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung
Jason X
Unter der Lupe: Nightmare on Elm Street – Die Reihe
Vorbemerkungen
Nightmare – Mörderische Träume
Nightmare II – Die Rache
Nightmare 3 – Freddy lebt!
Nightmare on Elm Street 4
Nightmare on Elm Street 5 – Das Trauma
Freddy’s Finale – Nightmare on Elm Street 6
Freddy’s New Nightmare
Freddy vs. Jason

3 Sackgasse und Renaissance
Ein Genre im Schönheitsschlaf
Der große Aufschrei
Die Messer schlitzen wieder
Der deutsche Slasher – ein dunkles Kapitel?
Die Revolution der unsichtbaren Mörder
Unter der Lupe: Final Destination – Die Reihe
Vorbemerkungen
Final Destination
Final Destination 2
Final Destination 3
Final Destination 4
Final Destination 5

4 Neue Härte
Warum wir so blutrünstig sind
Nouvelle vague
Gorenography
Unter der Lupe: Saw – Die Reihe
Vorbemerkungen
Saw
Saw II
Saw III
Saw IV
Saw V
Saw VI
Saw 3D – Vollendung

5 Selbstmachästhetik: Found Footage-Horror
Die Pioniere des Homevideo-Schockers
Selbst ist der Amateurfilmer
Statements und Datenmüll

6 Remake, Reboot, Rip-Off, Spoof – Endstation für neue Ideen?
Alles wiederholt sich, alles wiederholt sich
Ohne Wartezeit
Platte Witze, scharfe Zähne
Lichtblicke

Anhang: Glossar der (Horror-) Filmbegriffe

Vorwort

Kino existiert, weil die Realität allein zu beschränkt und langweilig ist –obwohl ich sie nicht missen möchte. Kino ist nicht „unrealistisch“. Kinomuss Emotionen und Träume anregen, die ein grundlegender Teil von uns sind. Kino muss Grenzen durchbrechen. Kino muss Realität verarbeiten – egal wieabstrakt – und Botschaften vermitteln.

Und welche Emotion ist schon packender als Angst? Welche Träume sind intensiver als Albträume? Welcher Grenzübertritt ist spannender als jener derpsychischen und physischen Gewalt? Und wie vermittelt sich eine Botschaft wirksamer als auf dem expliziten, radikalen Weg der Furcht?

Reale Gewalt ist böse, gut gemachte künstliche Gewalt ist ein spannendes Ausdrucksmittel. Deshalb schauen wir Horrorfilme. Wir wollen erfahren, wasmöglich ist. Wir brauchen zwar Sicherheit, aber auch Nervenkitzel. Also holen wir uns den virtuellen Kick, der im wahren Leben eine tödliche Gefahrwäre. Dieser Kick ist etwas, was man kontrollieren kann, was in einem klar definierten, begrenzten Raum stattfindet. Daher setzen wir uns beimHorrorfilm mutwillig Gefühlsregungen aus, die intensiv negativ sind. Wir Horrorfans sind nicht krank – wir sind abenteuerlustig. Und dabei auch nochsehr vernünftig, denn im Kino- oder Wohnzimmersessel kann uns eigentlich nichts passieren.

Dieses Buch arbeitet sich in zwei Bänden chronologisch durch die Geschichte des Horrorfilms, von den stummen Ursprüngen der 20er bis zu denüberirdischen Auswüchsen der späten 70er sowie von den schrillen 80ern bis hin zu ganz aktuellen Trends. Dabei beleuchtet es die Entwicklungen, die dieFilme – und parallel dazu ihr Publikum – vollzogen haben. Es soll einen Überblick verschaffen, erinnern, unterhalten und die Faszination für das Genrenäherbringen – egal, ob man schon ganz in seinem Bann ist, oder gerade erst versuchen will, die Lust am filmischen Schrecken zu verstehen.

Das Beste daran: Es ist alles nahezu frei von Spoilern! Alle in diesem Buch erwähnten Filme, die man noch nicht kennt, kann man sich später ansehen,ohne dass hier schon die Überraschungen im Detail vorweggenommen wurden. Schließlich sind plötzliche Spoiler immer eine der größten Gefahren beim Lesenvon Filmsachbüchern. Hier nicht! Geringfügige Ausnahmen sind verständlicherweise Inhaltsangaben zu Fortsetzungen, die die Kenntnis des Vorgängersvoraussetzen.

Stichprobenartig und subjektiv gehe ich näher auf zahlreiche bedeutende oder berüchtigte Genrebeiträge und Modeerscheinungen ein. Weniger alsHistoriker, Ethiker oder Feuilletonist, dafür als junger aber erfahrener, leidenschaftlicher Filmliebhaber – und hoffentlich nicht so trocken wie ineiner wissenschaftlichen Arbeit. Für einen besseren Lesefluss werden Filme grundsätzlich mit ihrem deutschen Titel aufgeführt (abweichendeOriginaltitel bei Erstnennung in Klammern). Sollte ich dann und wann einen unbekannten Begriff verwenden, so wird er mit großer Wahrscheinlichkeit imAnhang im Glossar der Horrorfilmbegriffe erklärt.

Dies ist die zweite Etappe meiner Reise durch den Horrorfilm – Lesen auf eigene Gefahr.

Philipp Stroh

1 Der Horror-Boom der 80er: Der Fortsetzungswahn beginnt

Kommerz-Horror und Ausnahmeerscheinungen

Kaum ein Filmgenre hat sich seit seiner Entstehung so lange auf der Bildfläche gehalten wie der Horrorfilm. Kein Wunder, denn es ist stets besondersanpassungsfähig gewesen und hat sich auch über Jahrzehnte hinweg immer wieder deutlich weiterentwickelt. Die Faszination der Angst hat viele Gesichter.

Der Exorzist und Der weiße Hai hatten erstmals bewiesen, dass Horrorgeschichten auch für den Oscar in der Kategorie „Bester Film“ nominiert werden können.Zumindest in den USA verjüngten sich zudem die Hauptfiguren der Filme und damit auch ihr Mutproben-hungriges Publikum. Die Kassen klingelten und derWeg war geebnet für ein Sammelsurium neuer und alter Ansätze.

Das Jahr 1980 in Europa: Der italienische Kannibalenfilm erreichte seinen grausigen Höhepunkt, kurz bevor der Hype um ihn schon wieder verstummte –Ruggero Deodatos Nackt und zerfleischt (Cannibal Holocaust) wurde zum bekanntesten, beliebtesten und berüchtigtsten Film diesesSubgenres. Die Geschichte über ein Dokumentarfilmteam, das am Amazonas reißerische Aufnahmen von Eingeborenen macht und schließlich verschwindet,wirkte so dermaßen echt, dass Deodato vor Gericht landete und sich für die blutigen Spezialeffekte, Tierschlachtungen und das Abfilmen echterMenschenleichen verantworten musste. Die Tierschlachtungen waren real – unter anderem fanden eine Schildkröte, ein Nasenbär und ein Totenkopfaffe ihrEnde –, weshalb der Film bis heute unter herber Kritik steht. Doch Deodato konnte vor Gericht beweisen, dass bei den Dreharbeiten keine Menschenumkamen. Nackt und zerfleischt darf in Deutschland und einigen anderen Ländern bis heute nicht frei verkauft werden.

Das Jahr 1980 in Amerika: Sean S. Cunningham, der bereits Wes Cravens Das letzte Haus links (The Last House on the Left, 1972) produzierthatte, baute mit Freitag der 13. (Friday the 13th) auf dem Erfolg von Halloween – Die Nacht des Grauens auf. Kanadareagierte fast zeitgleich mit Prom Night – Die Nacht des Schlächters (Prom Night), in dem wieder Jamie Lee Curtis die Hauptrollespielte, und anschließend mit Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine, 1981). Merke: Maskierte Mörder brauchten stets einenbesonderen kalendarischen Anlass, um aufzutauchen, so viel Anspruch musste sein. Wes Craven sprang indes etwas später mit seiner ungleich kreativerenSlasher-Variante Nightmare – Mörderische Träume (A Nightmare on Elm Street, 1984) auf den Zug auf.

Doch man blickte auch über den Tellerrand der Trends hinaus. Auffällig war hierbei, wie viele Filme das klassische Spukhausmotiv wieder aufgriffen,doch jeweils immer auf ganz eigene Weise: von Dämonen in der Holzhütte bis hin zum verfluchten Hotel.

Im Jahr 1980 ging Stanley Kubricks einziger Horrorfilm, die Stephen-King-Adaption Shining (The Shining), in die Geschichte ein. DieHandlung spielt in einem großen Hotel mitten in einer abgelegenen Berglandschaft, das über den Winter geschlossen wird. Der Schriftsteller JackTorrance wird damit beauftragt, sich für einige Monate um das Gebäude zu kümmern, bis die neue Saison beginnt. Ihm ist die Isolation von der Außenweltgerade recht, da er in Ruhe schreiben möchte. Und so zieht er mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn ein. Nach einiger Zeit in der Einsamkeitgeschehen viele merkwürdige Dinge, die die Familie nach und nach in den Wahnsinn treiben.

Allein dadurch, wie weich die Kamera durch die schier endlosen, extra für den Film gebauten Gänge, Flure und Hallen schwebt, wird man in den Bann desFilms gezogen. Dies ermöglichte vor allem die damals noch junge, bahnbrechende Erfindung der Steadicam. Shining lebt von der fesselnden Ästhetik seiner Bildkompositionen, die stets einen surrealen Anstrich besitzen, was sich im weiteren Verlauf der Handlung bisins Extreme steigert. Genauso ist Shining als Horrorfilm an sich eine riesige Illusion, denn nur höchst selten wird etwas gezeigt, dass durchden reinen Anblick unheimlich ist. Man will es sich kaum eingestehen, doch der Großteil der schaurigen Atmosphäre ergibt sich allein durch dieverstörende Musik. Jede Szene und jede Handlung ist musikalisch und akustisch perfekt untermalt.

Eigentlich ist Shining mehr Psychothriller als Horror. Es ist eine Art Studie über das Scheitern des gesunden Menschenverstandes, beider die übernatürlichen Elemente geradezu dezent gehalten wurden, die aber gerade deshalb eine so fesselnde Rätselhaftigkeit entfalten. Gleichzeitigist es auch eine tiefsinnige Geistergeschichte, die mit den vielen Symbolen und dem kuriosen Ende massenhaft Raum für Interpretationen lässt und dasPublikum geradezu zwingt, darüber zu diskutieren. Allerdings überspannen die extrem langen Einstellungen den Bogen manchmal, was gefährlich an deratmosphärischen Wirkung rüttelt. Die Tonspur ist so essentiell, dass sie die Bilder an Wirkung letztlich fast übertrumpft. Aber dennoch ist Shining visuell herausragend und allein durch seine enorm inspirierende Wirkung auf die Popkultur ein wahrer Klassiker des Horrorfilms undPsychothrillers.

Obwohl Stephen King mit der Verfilmung unzufrieden war – vor allem weil Kubrick bei der Erzählung ganz andere Schwerpunkte setzte als die Vorlage –,ist Shining heute Kult und wird häufig zitiert. Und das ist nicht zuletzt der bizarren Darbietung von Hauptdarsteller Jack Nicholson zuverdanken.

Im Schatten dieser britischen Produktion stand Peter Medaks Das Grauen (The Changeling, 1980) aus Kanada, der es nie in deutscheKinos schaffte. Der Film erzählt vom Komponisten John Russel, der durch einen tragischen Unfall seine Frau und seine Tochter verliert. Um seine Trauerzu verarbeiten und sich in Ruhe seiner Arbeit widmen zu können, mietet John ein altes und abgelegenes viktorianisches Herrenhaus. Die Maklerin findetin ihren Unterlagen zum Haus zunächst keine ungewöhnlichen Details, doch in dem Gebäude häufen sich seltsame Ereignisse.

Das Grauen verwendet zahlreiche Horrorelemente, die damals schon konventionell waren, setzt diese aber durchaus gekonnt ein. Es bleibt ein solider Gruselstreifenmit gelungener Schaueratmosphäre, der dem Grauen immerhin wirklich auf den Grund geht, ein wenig detektivische Unterhaltung liefert und schließlich mitdem Thema Vergangenheitsbewältigung auch in die Tiefe geht. Da der Film im Vergleich mit der direkten Konkurrenz Shining zum damaligenZeitpunkt leider in jeglicher Hinsicht den Kürzeren ziehen musste, ist er bis heute nur ein Geheimtipp geblieben.

Weitere spannende Ausnahmeerscheinungen zum dem damals vorherrschenden Horroreinerlei bildeten Sam Raimis Tanz der Teufel (The Evil Dead, 1981) und Tobe Hoopers Poltergeist (1982), wieder unter dem Banner des von Geistern heimgesuchten Ortes.

Mit einer Ausgangssituation, die jener diverser Terror- und Slasherfilme recht ähnlich ist, beweist Tanz der Teufel letztlich erfreulich vielefrische Ideen. Es geht um fünf Freunde, die zu einer gemieteten Waldhütte fahren, um dort Urlaub zu machen. Durch ein mysteriöses Buch und ein Tonband,das die Männer im Keller finden, werden unabsichtlich böse Mächte freigesetzt, die der Gruppe das Leben zur Hölle machen.

Mit simplen Zutaten schuf Sam Raimi, der zwanzig Jahre später mit Spider-Man (2002) seinen größten Hit landen sollte, einen echtenHorrorklassiker, quasi Die Nacht der lebenden Toten der 80er Jahre. Tanz der Teufel beweist wieder einmal, dass es kein großesBudget, sondern nur ein gutes Händchen für Kameraarbeit und einen kreativen Kopf mit guten Ideen braucht, um Spannung, Grusel und gute Unterhaltung zuerzeugen.

Gerade weil Tanz der Teufel nicht mit gewaltigen Summen finanziert wurde, besitzt der Film eine Menge Charme. Denn die ungewöhnlicheKameraarbeit voller Ich-Perspektiven, wie man sie in einem großen Kinofilm kaum sehen würde, generiert einen ganz eigenen, sehr stimmungsvollen Look.So sind die heute überholten Spezialeffekte auch keinesfalls störend, sondern tragen zu dieser sympathischen Eigenartigkeit des Films bei. Die fünfunbekannten und unerfahrenen Darsteller, aus denen sich später Bruce Campbell als echte Kult-Figur herauskristallisieren sollte, sind allemalDurchschnitt. Ihr Auftritt wird durch die schrillen Make-up-Effekte aber reichlich aufgewertet.

Auch wenn die Inszenierung handwerklich hier und da etwas unsauber geraten ist, die Dialoge recht hanebüchen ausfallen und das Verhalten der Charakteremanchmal kaum nachzuvollziehen ist, gelang Sam Raimi eine kleine Horror-Perle aus verstörenden Bildern und noch stärker verstörenden Tönen, die heutelängst Kultstatus erreicht hat. Aus dem Wald-Hütte-Keller-Setting holt er das Beste heraus und schafft einen atmosphärisch dichten Low-Budget-Streich,der vor Ideen nur so sprüht und sich vom seichten Grusel in eine augenzwinkernde Splatter-Orgie verwandelt. Tanz der Teufel gehört einfach indie Ahnenreihe des Kult-Horrors, woran seine Indizierung nicht ganz unbeteiligt sein dürfte.

Am anderen Ende der Fahnenstange, nämlich im blutleeren Gruselbereich und dort, wo die großen Budgets fließen, lässt sich Poltergeist ansiedeln. Zur Handlung: Die Freelings, eine amerikanische Vorstadtfamilie, werden Opfer von seltsamen Spuk-Erscheinungen, die schließlich ungeahnteAusmaße annehmen. Die kleine Carol Anne Freeling, die sich mit rauschenden Fernsehbildern unterhält, scheint eine Verbindung zu einer paranormalen Weltzu haben.

Poltergeist wurde zu einem Riesenhit. Im vorigen Band von Eine Reise durch den Horrorfilm wurde Blutgericht in Texas als Tobe Hoopers größter Erfolg bezeichnet, was daran liegt, dass Hooper in Poltergeist zwar auf dem RegiestuhlPlatz nahm, darüber hinaus aber kaum Freiheiten besaß. Hauptverantwortlicher war Produzent und Autor Steven Spielberg, der seine Handschrift imEndprodukt deutlich erkennen ließ. Somit sollte Poltergeist auch eher als ein Film von Steven Spielberg bezeichnet werden.

Poltergeist ist ein überaus spannend inszenierter Höhepunkt im Bereich des Grusel-Kinos. Seine Effekte, die selbst über 25 Jahre nach dem Erscheinen des Films nochbeeindrucken, tragen maßgeblich dazu bei. Darüber hinaus garantiert eine gute Portion Humor durchgehende Unterhaltung. Den Platz ganz oben in der Listeder besten Geisterhorrorfilme verdient sich Poltergeist damit, dass er plötzlich die größten Geschütze auffährt, als man denkt, der Albtraumsei schon vorbei. Die zuckersüße Heather O’Rourke als Carol Anne bleibt dem Publikum dabei nicht weniger gut im Gedächtnis als der Bengel aus Shining. Für Grusel-Fans ist Poltergeist ein Muss. Selten wird man bei einer Geistergeschichte so gut unterhalten.

Lang, länger, Franchise

Den wirtschaftlichen Wert von Fortsetzungen wussten bereits die Universal Studios seit den 30er Jahren mit ihren klassischen Monsterfilmen auszunutzen.Doch insbesondere die 80er Jahre waren bekannt dafür, jede erfolgreiche Horrorfilm-Story in einem nächsten Film weiterzuerzählen, und später in nocheinem und noch einem …

Man spricht hierbei von Horror-Franchise. Ein Franchise ist in diesem Fall eine Filmreihe, die normalerweise aus mehr als drei Teilen und durch ihrewiederkehrenden, besonders prägnanten Merkmale zu einer Marke wird – reichlich Zubehör wie T-Shirts, Romane, Comics und Videospiele inklusive.

Einige Horror-Franchises erblickten schon früher das Licht der Welt – etwa Romeros Zombiefilme oder die Halloween -Reihe – und blühten in den80ern mit Fortsetzungen neu auf. Viele sind Kinder der 80er und erstrecken sich über die folgenden Jahrzehnte. Hier eine Liste, die denFortsetzungswahn anhand der bekanntesten Horror-Reihen ab mindestens vier Teilen dokumentiert. Als Titel ist immer der Titel des ersten Teilsangegeben. SpätePrequels, Remakes und Reboots sind nichtberücksichtigt worden.

Psycho

1960, 1983, 1986, 1990

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)

1968, 1978, 1985, 2005, 2007, 2009

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)

1974, 1986, 1990, 1994

Der weiße Hai (Jaws)

1975, 1978, 1983, 1987

Das Omen (The Omen)

1976, 1978, 1981, 1991

Halloween – Die Nacht des Grauens (Halloween)

1978, 1981, 1982, 1988, 1989, 1995, 1998, 2002

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien)

1979, 1986, 1992, 1997

Amityville Horror (The Amityville Horror)

1979, 1982, 1983, 1989, 1990, 1992, 1993, 1996

Das Böse (Phantasm)

1979, 1988, 1994, 1998

Freitag der 13. (Friday the 13th)

1980, 1981, 1982, 1984, 1985, 1986, 1988, 1989, 1993, 2002, 2003

Das Tier (The Howling)

1981, 1985, 1987, 1988, 1989, 1991, 1995

Nightmare – Mörderische Träume (A Nightmare on Elm Street)

1984, 1985, 1987, 1988, 1989, 1991, 1994, 2003

Kinder des Zorns (Children of the Corn)

1984, 1993, 1995, 1996, 1998, 1999, 2001

Stille Nacht – Horror Nacht (Silent Night, Deadly Night)

1984, 1987, 1989, 1990, 1991

Verdammt, die Zombies kommen (The Return of the Living Dead)

1985, 1988, 1993, 2005, 2005 (ja, zwei Fortsetzungen im selben Jahr)

Critters – Sie sind da! (Critters)

1986, 1988, 1991, 1992

House – Das Horrorhaus (House)

1986, 1987, 1989, 1992

Hellraiser – Das Tor zur Hölle (Hellraiser)

1987, 1988, 1992, 1996, 2000, 2002, 2005, 2005

Chucky – Die Mörderpuppe (Child’s Play)

1988, 1990, 1991, 1998, 2004, 2013

Das Halloween Monster (Pumpkinhead)

1988, 1994, 2006, 2007

Watchers gnadenlos gejagt (Watchers)

1988, 1990, 1994, 1998

Puppet Master (The Puppet Master)

1989, 1991, 1991, 1993, 1994, 1998, 1999, 2003, 2004, 2010, 2012

Man sieht: Spätestens jetzt ist es unmöglich geworden, auf alle relevanten Filme näher einzugehen. Horror boomte – ob mit oder ohne übersinnlicheKräfte, ob im Kino oder direkt auf Videokassette. Daher soll im Folgenden auf jenes Subgenre eingegangen werden, das die 80er Jahre ganz klardominierte: den Slasher.

2 Die großen Messerstecher: Freddy vs. Jason

Pioniere und Nachahmer, Gewinner und Verlierer

Seit der Low-Budget-Erfolg von Halloween – Die Nacht des Grauens es vorgemacht hatte, wurde der Slasherfilm zum beliebtesten Horror-Subgenreder 80er und ist auch noch heute ganz vorne mit dabei. Doch was genau ist denn nun ein Slasherfilm?

„Slash“ bedeutet „schlitzen“, oder „zerschlitzen“. Im Film treibt ein Mörder mit einer scharfen Waffe sein Unwesen und zerschlitzt seine Opfer. Beliebtdafür ist das klassische Küchenmesser, es können aber beispielsweise auch eine Machete, ein Packhaken, eine Rasierklinge oder eine clevereEigenkonstruktion sein.

In der Regel wird die Identität des Mörders zunächst nicht enthüllt. Er besitzt ein Markenzeichen, meistens eine charakteristische Waffe oder einecharakteristische Verkleidung. Entweder handelt es sich um einen traumatisierten Fremden, der seine jungen Opfer für etwas bestraft, wofür sie nurindirekt etwas können, oder es ist ein Verrücktgewordener aus den eigenen Reihen mit ganz ähnlichem Motiv. In letzterem Fall wird der Slasherfilm zueiner extremen Variante des „ Whodunit“-Konzepts („Wer ist derMörder?“), wie es die Agatha-Christie-Romanverfilmungen bereits Jahre zuvor etabliert hatten.

Als Randnotiz: Gelegentlich fällt der Begriff des „Splasherfilms“, womöglich einer Mischung aus „Slasher“ und „Splatter“ „Splatter“ wiederum bezeichnetalles, was mit großzügig spritzendem Blut zu tun hat. Allerdings ist „Splasher“ kein etablierter Begriff und damit genauso falsch wie das sichhartnäckig haltende „Triologie“ anstatt der „Trilogie“.

Die Slasher-Welle schöpfte ihre Kraft aus Gegensätzen: Schon vor John Carpenters Kassenschlager Halloween – Die Nacht des Grauens gab esFilme, die die besinnliche Weihnachtszeit mit dem Auftauchen eines Psychopathen kontrastierten, vor allem Bob Clarks Jessy – Die Treppe in den Tod (Black Christmas, 1974). Carpenter wiederum griff die Nacht der Gespenster, in der man sich verkleidet,als Setting auf, um seinen Mörder maskieren und damit anonymisieren zu können. Er ließ somit den harmlosen Kinder-Grusel in und vor denKleinstadthäusern auf tatsächliche Gewalt prallen. Damit wurde der maskierte Stalker zum Slasher-Prototyp.

Wie im vorigen Kapitel schon angerissen, wurde das Konzept des Killers, der an einem Feiertag oder einem anderen besonderen Anlass für Furore sorgt,schnell und unzählige Male kopiert. Mit Freitag der 13. und Prom Night erschienen 1980 die ersten bekannten Nachahmer. Derweihnachtliche Slasher nahm seinen Lauf mit Böse Weihnacht (Christmas Evil oder You Better Watch Out, 1980) und Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam (To All a Goodnight, 1980). Und Filme wie Ab in die Ewigkeit (Happy Birthday to me, 1981), Graduation Day – 7 Tage zur Ewigkeit (Graduation Day, 1981) und Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine, 1982) sorgten für weiteren Schrecken zu eigentlich erfreulichen Gelegenheiten. Das durch Freitag der 13. etablierte Sommercamp avancierte zum beliebten Slasher-Schauplatz, wie in Brennende Rache (The Burning) oder Madman (1982).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine typische Slasher-Situation – hier in Blutiger Valentinstag. © Paramount

Auf den zunächst gänzlich von den USA und Kanada bestimmten Boom reagierten zuerst die Halloween -Schreiberlinge und schickten die respektable,vor allem aber brutalere Fortsetzung Halloween II – Das Grauen kehrt zurück (Halloween II, 1981) ins Rennen. WeitereSlasher-Vorläufer sprangen auf. So präsentierte Regisseur Richard Franklin drei Jahre nach Hitchcocks Tod den erstaunlich gelungenen Psycho II. Bis 1990 folgten noch Teil 3 und 4. Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre 2 – eigentlich mehr Selbstparodie als Fortsetzung – ließ bis 1986auf sich warten.

Die Beiträge der großen Schlitzerwelle in der ersten Hälfte der 80er, die immer mehr Mordopfer forderten, ließen sich noch lange weiterführen.Entscheidend war sicherlich der Eingriff von Wes Craven, der ab 1984 die uninspirierten Variationen immerwährend gleicher Abläufe um spannendeFantasy-Komponenten erweiterte. Seine Nightmare -Serie bediente sich der kreativen Grenzenlosigkeit von Träumen beziehungsweise Albträumen undstellte mit Freddy Krueger den charismatischsten aller Slasher-Mörder vor. Diese Originalität zahlte sich aus: Freddys Abenteuer bildeten daserfolgreichste Slasher-Franchise des Jahrzehnts.

Während Halloween – Die Nacht des Grauens in puncto Gewalt nur Andeutungen lieferte, stellte Sean S. Cunninghams Freitag der 13. dieTötungsakte an den Teenagern deutlich heraus, erheblich beeinflusst von den „ Giallos“ und Horrorfilmen ausItalien. In Steve Miners Freitag der 13. Teil II – Jason kehrt zurück (Friday the 13th Part 2, 1981) werden zwei Mordszenen aus MarioBavas zehn Jahre älterem Im Blutrausch des Satans (Reazione a catena, 1971) augenscheinlich sogar direkt kopiert.

Das Publikum hatte seinen Spaß am Blutbad, und nicht zuletzt dank massiven Merchandisings hatte die Serie um den Unglückstag das einstige Vorbild Halloween bald überholt. Halloween wuchs zwar zu einer genauso langlebigen Reihe heran, leistete sich aber mit Halloween III (Halloween III – Season of the Witch, 1982), in dem der markante Maskenmörder Michael Myers gar nicht vorkommt, ein ziemliches Eigentor undverlor fortan den Anschluss.

So gehen letztendlich zwei große Sieger aus dieser blutigen Strömung hervor, deren zahlreiche Auftritte über drei Dekaden hinweg im Folgenden genauerbeleuchtet werden sollen.

Unter der Lupe: Freitag der 13. – Die Reihe

Vorbemerkungen

Darum geht’s: Jason Voorhees ertrinkt als kleiner Junge im See des Camp „Crystal Lake“, weil dortigen Aufseher nicht aufmerksam genug waren. Jahre später –an einem Freitag, dem 13. – kehrt Jason als erwachsener Mann aus dem Reich der Toten zurück, um sich zu rächen, indem er alle Menschen tötet, die auch nurin die Nähe des Camp Crystal Lake kommen. Seine am häufigsten verwendete Waffe, und damit eines seiner Markenzeichen, ist die Machete. Seinen von Geburt anmissgebildeten Kopf bedeckt er ab Teil 3 stets mit einer Maske für Eishockeytorwärter, die er einem seiner Mordopfer abgezwackt hat.

Die Menschen, die Jason über den Jordan schickt, sind vor allem lebhafte Teenager, die vorwiegend Partys, Sex und Drogen im Kopf haben. Aus dieser Gruppekristallisiert sich meist eine klügere Hauptfigur heraus, die es schließlich schafft, Jason zu überwältigen. In fast jedem Film wird Jason am Ende getötetoder tödlich verletzt, doch er kommt immer wieder zurück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die berühmte Maske des Jason Voorhees. © Paramount

Nach einigen Jahren entschied man sich dazu, aus der Reihe eine Art „Whodunit“ zu machen, indem Jason endgültig für tot erklärt wurde. Dafür sollten sichstets neue Nachahmer die Maske aufsetzen und bis zu ihrer Enthüllung am Ende im Jason-Stil die Machete schwingen. Da dieser Reihen-Idee allerdings einedüstere Zukunft blühte, wurde der originale Jason mittels übernatürlicher Kräfte wiederbelebt, was den folgenden Filmen einen erhöhten Trashfaktor verlieh.

Freitag der 13. steht für eine seit fast 30 Jahren andauernde Horrorreihe um den wohl berühmtesten Maskenmörder seit Leatherface und Michael Myers, die sich mit einigenHoch- und Tiefpunkten vom simplen Teenie-Slasher zum Sci-Fi-Horror und wieder zurück entwickelte. Dank der Vielseitigkeit lohnt es sich trotz der immergleichen, banalen Grundidee, die elf Jason-Filme von zehn Regisseuren einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fast alle Teile der Reihe fielen bei der FSK durch und wurden indiziert. Später wurden einige wieder vom Index genommen und von der FSK neu geprüft. Esherrscht zum Teil Verwirrung um die Altersfreigaben und Schnittfassungen. In Deutschland sind die verschiedenen Teile unterschiedlich schwer zu bekommen.Als Grundlage für folgende Besprechungen dienten die ungekürzten Versionen der Filme.

Freitag der 13.

(Friday the 13th) | USA | 1980 | 94 Minuten

Mit Betsy Palmer, Adrienne King, Kevin Bacon u. a.

Als in den 50er Jahren zwei junge Aufseher des Sommercamps am Crystal Lake von einem Unbekannten ermordet werden, wird das Camp geschlossen. Entgegen allerWarnungen findet zwanzig Jahre später eine Neueröffnung statt. Und prompt beginnt jemand, die jungen Mitarbeiter des Projekts mit den verschiedenstenWaffen und Methoden zu dezimieren.

Inspiriert vom kurz zuvor erschienenen Hit Halloween – Die Nacht des Grauens, bastelt Regisseur Sean S. Cunningham einen der ganz frühen Slasher,schmutziger und noch stumpfsinniger als sein Vorbild. Ein kleiner Streifen, der unbekümmert die berühmten Regeln des Horrorfilms im Genre etabliert.

Für die damaligen Verhältnisse ist die Gewaltschraube ganz ordentlich angezogen. Solche Tötungsszenen, wie sie Freitag der 13. bietet, trautensich Wes Craven und Tobe Hooper in ihren Anfangszeiten noch nicht. Ebendiese Szenen, teilweise durchaus originell gestaltet, sind an sich auch dasHighlight des Films. Die schablonenhaften Charaktere, darunter der ganz junge Kevin Bacon als Campbesucher Jack Burrell, machen Cunninghams Werk nämlich zunichts weiter als einem Tötungsfeldzug zum Selbstzweck, abgesehen von den recht interessanten Ideen am Schluss. Neben ein paar recht gelungenSchockmomenten muss man mit dem einen oder anderen Durchhänger rechnen, wenn gerade einmal nicht gemordet wird.

Freitag der 13. ist eine netter, handwerklich ausreichender Horrorstreifen, der seine Wirkung erst in seinen zahlreichen Fortsetzungen entfaltet.

Freitag der 13. Teil II – Jason kehrt zurück

(Friday the 13th Part 2) | USA | 1981 | 85 Minuten

Mit Amy Steel, Adrienne King, Kirsten Baker u. a.

Fünf Jahre nach dem Massaker im Camp Crystal Lake wird die einzige Überlebende von damals in ihrer Wohnung getötet. Der Täter ist ein Mann, der einenKissenbezug über dem Kopf trägt. Derweil wird am See an der gleichen Stelle ein neues Camp errichtet und das Sterben geht von vorne los.

Nach einer sehr uninspirierten Was-bisher-geschah-Szene zu Beginn des Films wird das gleiche Muster wie in Teil 1 wieder abgespult, nur unter anderer Regieund mit Hauptfiguren, die noch stärker hormongesteuert sind als ihre Vorgänger. Ungeachtet der einen oder anderen blödsinnigen Kameraspielerei ist Freitag der 13. Teil II – Jason kehrt zurück handwerklich aber etwas geschickter, und auch die gelungene Musik von Harry Manfredini klingtausgefeilter. Regisseur Steve Miner tut dem Film gut, denn vor allem seine straffere Inszenierung unterscheidet Teil 2 vom Original. Zugegebenermaßenbringt es der zweite Streich allerdings nicht mal auf 85 Minuten.

Das eigentliche Highlight ist natürlich, dass Jason endlich richtig Gestalt annimmt. Ob diese Gestalt auch überzeugt, ist fragwürdig, denn die berühmteEishockeymaske kommt erst im dritten Teil. Aber für ein paar Schockmomente ist der stämmige Kerl allemal gut.

Für eine Fortsetzung ist Freitag der 13. Teil II – Jason kehrt zurück recht ideenlos. Man verließ sich wohl lieber auf eine gute Dosis Nacktheitund Blut, was bekanntlich selten ein Fehler ist. Völliger Durchschnitt also, wohl aber mit einem qualitativen Lichtblick, der auf die Entwicklung imnächsten Teil gespannt macht.

Und wieder ist Freitag der 13.

(Friday the 13th Part 3) | USA | 1982 | 91 Minuten

Mit Dana Kimmell, Paul Kratka, Richard Brooker u. a.

Alle halten den Killer Jason für tot. Dass dem keineswegs so ist, bekommt zunächst ein Ehepaar zu spüren, das in der Nähe des Crystal Lake wohnt. Dannmacht Jason Jagd auf einige Jugendliche, die ihre Ferien am See genießen und von einer rüpelhaften Rockerbande heimgesucht werden.

Steve Miner geht ein weiteres Mal ans Werk. Er ist der einzige Regisseur, der mehr als einen Film der Reihe dirigieren durfte. Warum man sich das nureinmal erlaubte, liegt vielleicht daran, dass einige Szenen direkt vom Vorgängerfilm kopiert wurden. Ärgerlich, wo die Geschichte doch ohnehin schon nichtgerade vor Kreativität sprüht. Immerhin wurde der Film dem damaligen US-Publikum in reißerischem 3D präsentiert, was vielleicht von inhaltlichen Mängelnabzulenken wusste.

Der Showdown gegen Ende ist zwar der bisher spannendste, eine Enttäuschung bleibt Teil 3 aber trotzdem, da er doch sehr unter einem unüberlegten Drehbuchvoller dümmlicher Mono- und Dialoge leidet. Die Aussagen und das Verhalten der Charaktere sind mittlerweile an der Schmerzgrenze angelangt. Da ist man –böse betrachtet – doppelt froh, dass da ein Killer sein Unwesen treibt.

Steve Miner schafft es nicht, die Willkür der Handlung zu kaschieren. Dieser Teil wäre an sich überflüssig, hätte er nicht die Funktion, Jason seinMarkenzeichen zukommen zu lassen: die Hockeymaske. Der Nächste, bitte.

Freitag der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel

(Friday the 13th: The Final Chapter) | USA | 1984 | 97 Minuten

Mit Kimberly Beck, Corey Feldman, Crispin Glover u. a.

Jason liegt in der Leichenabteilung des Krankenhauses. Doch das ist für ihn kein Grund, nicht wieder aufzustehen und weiter zu morden. Nach seiner blutigenFlucht aus dem Krankenhaus geht er schnurstracks zum Crystal Lake, um an den Jugendlichen Rache zu nehmen, die dort gerade feiern. Direkt daneben hat derzwölfjährige Tommy mit seiner Mutter und seiner Schwester ein Ferienhaus bezogen. Der Junge wird zu Jasons mutigem Gegner.

Beginnend mit einem rasanten Zusammenschnitt der grundlegenden Ereignisse aus den ersten drei Teilen wird also das „letzte Kapitel“ eingeläutet. Seinemstolzen Titel macht Teil 4 keine Ehre, da es sich natürlich nicht um das letzte Kapitel handelt und schon wieder das gleiche Muster mit den sexbesessenenTeens am Crystal Lake abgespult wird. Die Tötungsszenen haben dabei immerhin einen beachtlichen Härtegrad, werden aber jedes Mal sehr schnell wiederausgeblendet. Dies scheint wohl das eigenartige Markenzeichen des damaligen Regisseurs Joseph Zito gewesen zu sein.

Ein paar interessante Neuerungen gibt es schließlich doch noch zu sehen, allen voran ein Kinderdarsteller, der für frischen Wind in der Reihe sorgt. Eshandelt sich hierbei um den sympathischen Corey Feldman, der später mit Filmen wie Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (Stand by Me, 1986) zum Star wurde.

Mag Freitag der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel auch fernab von jeglicher Logik sein, so hat er doch einen wirklich bedrohlichen Jason und einvergleichsweise eindringliches Finale zu bieten. Der erste deutliche qualitative Anstieg seit dem ersten Teil, allerdings eben nur, wenn man den Teil desFilms vor dem Finale nicht mitrechnet.

Freitag der 13. – Ein neuer Anfang

(Friday the 13th: A New Beginning) | USA | 1985 | 88 Minuten

Mit Barney Cohen, Martin Kitrosser u. a.

Der erwachsen gewordene Tommy, der Jason endgültig ins Jenseits befördert hat, entscheidet sich für eine stationäre Gruppentherapie für psychischauffällige Jugendliche. Als eine neue Mordserie beginnt, muss er sich fragen, ob Jason tatsächlich zurück sein kann.

Ein bisschen frischen Wind bringt dieser „Neuanfang“ tatsächlich. Jason ist tatsächlich so richtig tot, erhält aber einen Nachfolger. Ein gewagtesUnterfangen, das offensichtlich und zu Recht unbeliebt bei den Fans war. Der neue verhält sich genau wie der alte Jason, aber es geht hier natürlich umsPrinzip. Hier wurde nach Jasons Tod versucht, alles mit einigermaßen plausiblen Mitteln so hinzubiegen, dass das Gemetzel weitergehen kann. Heraus kam einabsolut durchschnittlicher Teil mit einem völlig abstrusen Ende, das selbst nicht zu wissen scheint, was es will. Zu allem Übel wird die Gewaltschraube nursehr zart gedreht.

Amüsieren kann man sich nur über ein beachtliches Maß an skurrilen Charakteren, die sich rund um das Heim für psychisch gestörte Jugendliche tummeln, dasthematisch im Mittelpunkt des Films steht. Die Krönung bildet ein – warum auch immer – dreckverschmiertes Mutter-Tochter-Gespann, das in einer nahegelegenen, kauzigen Hütte lebt. Bei derart albernen Figuren fühlt man sich geradezu vor den Kopf gestoßen, und das selbst in dieser Filmreihe.

Alles in allem ist Nummer fünf eher ärgerliches Mittelmaß, das den „echten“ Jason vor dem Neuanfang vermissen lässt.

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Details

Seiten
120
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656497653
ISBN (Buch)
9783656497660
Dateigröße
3.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231828
Schlagworte
eine reise horrorfilm teil freitag

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Titel: Eine Reise durch den Horrorfilm. Teil 2: Von Freitag der 13. (1980) bis Saw 3D (2010)