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Ist Anonymous eine soziale Bewegung?

Seminararbeit 2013 15 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhalt

Abstract

1. Einleitung

2. Methodische Vorgehensweise

3. Entstehung

4. Internet und Anonymität

5. Symbole

6. Methoden und Merkmale

7. Bekannte Aktionen

8. Handelt es sich um eine soziale Bewegung?

9. Anonymous und „Occupy Wall Street“

10. Was ist Anonymous?

11. Kritik an Anonymous

12. Conclusio

Literaturverzeichnis

Abstract

Ziel dieser Seminararbeit ist es, eine Beschreibung von Anonymous zu finden um feststellen zu können, um was es sich dabei genau handelt. Anhand von bewegungstheoretischer Literatur (vgl. Rucht & Niederhardt, 2007) wird festgestellt, inwiefern die Merkmale von Anonymous mit denen von sozialen Bewegungen übereinstimmen. Durch ihre Aktionen hat Anonymous öffentliche Aufmerksamkeit erregt und sowohl JournalistInnen als auch WissenschaftlerInnen haben sich mit dem Phänomen auseinander gesetzt. Um zu einer umfassenden Beschreibung von Anonymous zu gelangen, wurden journalistische (vgl. Reißmann u.a., 2012) und wissenschaftliche Texte (vgl. Frédéric & Danet, 2012) sowie Selbst-Beschreibungen (vgl. Anonymous-Video) zu Rate gezogen. Die Methoden und Aktionen von Anonymous sind ein wichtiger Bestandteil, um das Bild dieses Phänomens zu vervollständigen. In dieser Arbeit wird Wert darauf gelegt, herauszuarbeiten welche Hintergründe hinter den Aktionen stehen. Abschließend möchte ich noch darauf eingehen, warum sich oppositionelle Gruppen (z.B. Chaos Computer Club) nicht mit Anonymous identifizieren können.

1. Einleitung

In den letzten Jahren (2008-2012) erweckte Anonymous durch Internet-Aktionen und das Tragen von Guy-Fawkes-Masken bei Demonstrationen öffentliche Aufmerksamkeit. Im Internet stieß man immer wieder auf Videos und andere Web-Beiträge von Anonymous. Die Personen hinter den Aktionen und Beiträgen bleiben anonym und nur ihre Nicknames sind bekannt. In den Medien wurde oft von einem Hacker-Kollektiv gesprochen (vgl. Reißmann u.a, 2012). Was die einzelnen TeilnehmerInnen zu den Aktionen motiviert, ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Die genaue Betrachtung zeigt, dass Anonymous bestimmte Gruppen und Machthaber öffentlich angreifen an und so ihren Protest gegen gewisse Machtstrukturen kundtun. In dieser Seminararbeit wird versucht das Phänomen Anonymous näher zu beschreiben und somit ein Verständnis der Hintergründe herbei zu führen.

2. Methodische Vorgehensweise

Das Ziel der Seminararbeit ist es, herauszufinden inwiefern es sich bei Anonymous um eine soziale Bewegung handelt. Auf der Suche nach der Antwort auf diese Fragen, wurde Literatur unterschiedlicher thematischer Herkunft zu Rate gezogen. Neben dem Heranziehen von bewegungstheoretischer Literatur (vgl. Rucht &Niederhardt, 2007) wurden verschiedene Quellen ausgewählt, welche Anonymous beschreiben. Bei der Auswahl (gezieltes sampling) der Literatur wurde darauf geachtet, Quellen auszuwählen welche sich gegenseitig ergänzen. Die drei Spiegel-Journalisten: Reißman, Stöcker und Lischeka (vgl. 2012) haben ein Buch geschrieben, in den sie die wichtigsten Ereignisse rund um Anonymous zusammenfassen. Frédéric Bardeau und Nicloas Danet forschen im Bereich: Webwissenschaften und soziale Bewegungen. Beide arbeiten auch in der Agentur Limite, welche NGOs und Bürgerintiativen im PR und Kommunikations-Bereich Dienstleistungen anbietet. In ihrem Buch (vgl. Frédéric & Danet, 2012) liefern sie umfassende Beschreibung von Anonymous. Des Weiteren habe ich nach Daten gesucht, in denen sich Anonymous selbst beschreibt (vgl. Anonymous-Video). Da ich festgestellt habe, dass sich Inhalte weiterer Quellen überwiegend mit den von mir ausgewählten decken, habe ich diese sehr kleine Auswahl beibehalten und mich dafür intensiver mit diesen drei Quellen auseinander gesetzt.

Für die/den außenstehende/n Beobachter/in ist schwer festzustellen, welche Aktionen Anonymous zugeordnet werden können und welche nicht. Aktionen, zu welchen sich einige Personen bekennen, werden von anderen dementiert. Frédéric und Danet (vgl. 2012: 98) lösen dieses Problem, indem sie annehmen, dass Personen, welche die Geschichte und Aktionen von Anonymous kennen, auch in der Lage sind zu beurteilen, ob eine Aktion Anonymous ähnelt oder nicht. Ich schätze diese Problematik ähnlich ein wie Frédéric und Danet. Sieht man sich beispielsweise auf „youtube.com“ Videos an, welche mit dem Wort: „Anonymous“ gekennzeichnet sind, kann man durch den Inhalt feststellen, ob sie der Bewegung ähneln, oder nicht. Liest man anschließend noch die Kommentare, können dort meist Hinweise über die Herkunft gefunden werden und die Vermutung kann somit bestätigt werden. Ich habe diese Methode angewendet um herauszufiltern, welche Beiträge ich für meine Seminararbeit verwenden kann und welche nicht. Die Zuordnung beinhaltet jedoch immer ein gewisses Fehler-Risiko, da die Beitrag-Erstellung auf „youtube.com“ für alle NutzerInnen möglich ist und Anonymous eine offene Struktur aufweist.

Die Autoren (Frédéric & Danet, 2012/ Reißmann u.a., 2012), welche ich für meine Analyse ausgewählt habe, nehmen eine Unterscheidung zwischen „anonymous“ und „Anonymous“ vor. Die Kleingeschriebene Variante beschreibt NutzerInnen, welche auf Internetplattformen wie 4chan.org ihre Identität durch eine Forenregistrierung nicht preisgeben. Diesen Gästen des Forums werden fixe Nicknames wie „guest“ oder „anonymous“ an deren Beiträge angehängt. Alle Beiträge, Aktionen und Personen welche der Anonymous-Bewegungen zugeordnet werden können, fallen unter die Großgeschriebene Variante. Ich habe diese Unterscheidung auch in meiner Seminararbeit angewendet.

3. Entstehung

Die Suche nach den Ursprüngen von Anonymous führt uns zur Website 4chan.org. Diese ist eine Imageboard, das heißt es können dort Bilder getauscht und geteilt werden. Die hochgeladen Bilder werden beliebig oft durch die NutzerInnen verändert und modifiziert. Die Beiträge, werden sofern kein Benutzername angegeben ist, mit „anonymous“ gekennzeichnet. Die Anonymität bei 4chan.org ist aber nur eine relative, da es möglich ist in den Archiven die IP-Adressen der TeilnehmerInnen zu finden (vgl. Frédéric & Danet, 2012: S.58). Die Zurückverfolgung der IP-Adresse ist nur in Ausnahmefällne, zum Beispiel bei Bezichtigung einer Straftat, erlaubt und nur bis maximal einem Monat nach Abgabe des Postings nachvollziehbar. Die Website 4chan.org bewegt sich in einem Graubereich und gewisse Beiträge überschreiten die Grenzen der Legalität und des „Guten Geschmacks“ (vgl. Reißmann u.a, 2012: S. 11). Durch das Posten und Austauschen auf 4chan.org lernten sich viele der späteren Anonymous-AktivistInnen kennen. Die ersten gemeinsamen Aktionen unter dem Namen Anonymous wurden hier geplant. Die Entstehungsgeschichte in Verbindung mit 4chan.org wird sowohl durch die verwendete Literatur (vgl. Frédéric & Danet, 2012/ Reißmann u.a., 2012) als auch durch Anonymous selbst (vgl. Anonymous-Video/anonnews.org) bestätigt.

4. Internet und Anonymität

Bevor ich zu einer genauen Beschreibung der Bewegung übergehe, möchte ich noch ein paar Worte über die Anonymität im Internet verlieren, da diese zentral für das weitere Verständnis ist. Das Internet erlaubt Personen eine Identität zu präsentieren, die nicht unbedingt der eigenen entspricht. Das Internet erlaubt seinen NutzerInnen bei Bedarf weitgehend anonym zu bleiben. Web-AktivistInnen glauben, dass diese Anonymität die einzig wirkliche Möglichkeit ist, Kritik an bestimmten Institutionen zu üben. Das Internet erlaubt seinen NutzerInnen, somit herkömmliche Hierarchien zu stürzen (vgl. Frédéric & Danet, 2012: S.95). Die hier beschrieben Gedankengänge sind wichtig, um die Beweggründe hinter den Aktionen von Anonymous verstehen zu können.

5. Symbole

Die hier angeführten Symbole dienen als Erkennungsmerkmal für Anonymous und wurden im Internet und auf der Straße verwendet.

- „Mann im schwarzen Anzug ohne Kopf“- Logo

Ein Schwarzweiß-Bild von einem Mann mit schwarzem Anzug ohne Kopf, kennzeichnet die Selbst-Darstellung von Anonymous im Internet. Anstellte des Kopfes ist entweder ein Fragezeichen oder der weiße Hintergrund zu sehen. Dadurch wird symbolisiert, dass die Identität der Anonymous-Akteure, welche außerhalb des Internet existieren, nicht preisgegeben wird. (vgl. Reißmann u.a., 2012: S. 21)

- Guy-Fawkes-Masken

Die Idee der Verwendung von Guy-Fawkes-Masken für Anonymous wurde auf 4chan.org geboren. Die Masken dienen einerseits als Symbol für die Bewegung und anderseits zum Schutz der eigenen Identität. Sie kamen zum ersten Mal bei den Aktionen von Anonymous gegen Scientology zum Einsatz. Diese Aktionen werden im nächsten Kapitel noch genauer beschrieben. Die Masken haben eine Geschichte welche auf den Engländer Guy Fawkes zurückgeht. Am 5. November 1605 wurden Guy Fawkes und seine Mitstreiter beim Versuch, das britische Parlament in die Luft zu sprengen, erwischt und anschließend hingerichtet. Der Grund für das geplante Attentat, war die Verfolgung von Mitgliedern der katholischen Kirche durch König James I. So lautet die Geschichte um die Figur Guy Fawkes, dessen Todestag auch heute noch durch Straßenumzüge, Lagerfeuer und Feuerwerk in der sogenannten „Bonfire Night“ gefeiert wird. In der Comicverfilmung „V wie Vendetta“, welcher 2006 gedreht wurde trägt der Held die Maske von Guy-Fawkes. Der Held des Films, „V“ kämpft gegen ein faschistisches Regime und schreckt dabei nicht vor gewaltsamen Methoden zurück. Die Guy-Fawkes-Masken sind käufliche Produkte und die Rechte darauf liegen bei der Filmindustrie. Es waren also vielfältige Gründe, warum sich die Guy-Fawkes-Maske zum Symbol von Anonymous etablierte; neben Motiven wie Romantik und Spaß spielen sicher auch die Verfügbarkeit (Erhältlich in zahlreichen Geschäften) und Praktikabilität (Schutz der Identität) eine Rolle (vgl. Reißmann u.a., 2012: S. 30f).

- Flagge

Auf Demonstrationen dient eine Flagge als Erkennungsmerkmal für Anonymous-AnhängerInnen. Die Flagge ist grün mit zwei dünnen schwarzen Streifen und in der Mitte ist die Grafik mit dem Mann im Anzug ohne Kopf, abgebildet (vgl. Reißmann u.a., 2012: S. 60).

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656477693
ISBN (Buch)
9783656478768
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231819
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Institut für Soziologie
Note
sehr gut
Schlagworte
anonymous bewegung

Autor

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