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Übergewicht im Kindes- und Jugendalter unter besonderer Berücksichtigung der Aufgabe der Schule

Masterarbeit 2012 52 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Bestimmung von Übergewicht

3. Prävalenz und Inzidenz von Übergewicht

4. Ursachen von Übergewicht
4.1 Genetische Veranlagung
4.2 Fehlernährung
4.3 Bewegungsmangel
4.4 Psychische und psychosoziale Ursachen

5. Folgen von Übergewicht
5.1 Körperliche Folgen
5.2 Psychosoziale Folgen
5.3 Ökonomische Folgen

6. Gesundheitsbildung und Prävention in der Schule
6.1 Übergewichtsprävention und -intervention - eine Aufgabe für die Schule?
6.2 Bewegungsangebote in der Schule
6.2.1 Bewegung als Unterrichtsprinzip
6.2.2 Sportunterricht
6.2.3 Projekt „Schulen in Bewegung“
6.3 Ernährung in der Schule
6.3.1 Ernährungserziehung und -bildung
6.3.2 Elternbeteiligung
6.3.3 Schulverpflegung
6.3.4 Projekt „5 am Tag macht Schule“

7. Praxisteil
7.1 Methodisches Vorgehen
7.1.1 Erstellung und Auswertung des Interviews
7.1.2 Auswahl der Interviewpartner
7.2 Ergebnisse der Interviews
7.2.1 Prävention von Übergewicht als Aufgabe der Schule
7.2.2 Bildungsstand der Lehrer für eine Gesundheitsbildung
7.2.3 Maßnahmen zur Prävention von Übergewicht an Schulen
7.2.4 Unterstützung für Schulen bei Präventionsmaßnahmen

8. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifikation des BMI in Anlehnung an die WHO (1998)

Abbildung 2: Perzentilkurven für Mädchen und Jungen

Abbildung 3: Verbreitung von Übergewicht nach Altersgruppen und Geschlecht

Abbildung 4: Mögliche Folgeerkrankungen durch Übergewicht bei Kindern

1. Einleitung

„Kein Kind kommt übergewichtig auf die Welt. Erst in der Schule und in den Jahren nach der Pubertät nehmen viele Kinder und Jugendliche häufig zu.“ (Stern, 2010)

Übergewicht, Haltungsschäden, hohe Cholesterinwerte- das alles sind Volkskrankheiten, die sich in den letzten Jahren als Folge von akutem Bewegungsmangel und schlechter Ernährung etabliert haben. Amerika macht vor, Deutschland macht nach? Ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich immer häufiger Schäden durch den erhöhten Genuss von Fast Food in Kombination mit Bewegungsmangel. Dieses Problem ist eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen, weshalb Bundesverbraucherministerin Renate Kühnast umfassende Maßnahmen zur Prävention von Übergewicht fordert: „Unser aller Ziel sind gesunde Kinder, die fit ins Leben starten. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, ihnen dafür die besten Chancen zu bieten“ (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (Hg.), 2003).

Aufgrund der zunehmenden Zahl von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen entstehen auch neue pädagogische Herausforderungen für die Schule. Der Einfluss von Umweltfaktoren auf das Körpergewicht beträgt 30%, hierzu zählen u.a. Essensangebote, Freizeitgestaltung sowie Transportwege. Einen Großteil des Tages verbringen die Kinder in der Schule, daher stellen sich an die Bildungseinrichtungen besondere Aufgaben.

Schulen haben deshalb die Aufgabe, besonders auf die Gestaltung des Schulalltags und den Lebensraum Schule zu achten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der „Übergewichtsprävention unter besonderer Berücksichtigung der Aufgabe der Schule“ und versucht, Handlungsmöglichkeiten im Setting Schule zu präsentieren. Zu Beginn der Arbeit wird zunächst das Hauptthemengebiet theoretisch erklärt. Dazu zählen neben der Definition und Verbreitung auch die Ursachen und Folgen von Übergewicht, welche sehr vielschichtig sind. Im Anschluss an die theoretischen Erläuterungen werden Präventionsmöglichkeiten in der Schule in den Bereichen der Ernährung und der Bewegung vorgestellt. Ob es in den Schulen bereits eine umfassende Präventionsarbeit gibt und wie diese aussieht, wird in den abschließenden Interviews mit Lehrern verschiedener Schulformen ausgewertet. Dabei werden auch der Bildungsstand der Lehrer und mögliche Unterstützungen für die Schulen näher betrachtet. Eine Zusammenfassung und ein Ausblick schließen die Arbeit ab.

2. Definition und Bestimmung von Übergewicht

Häufig werden Übergewicht und Adipositas im Sprachgebrauch und in der Literatur als Synonyme verwendet, welches fachlich jedoch nicht korrekt ist. Auch wenn in beiden Fällen ein übermäßiger Anteil an Fettgewebe im Körper vorliegt, so ist dieser bei adipösen Menschen besonders stark ausgeprägt und impliziert damit auch ein höheres Gesundheitsrisiko (Schulz, 2009, S.1). Übergewicht hingegen bedeutet „ein oberhalb der Geschlechtsnormen liegendes Körpergewicht“ (Warschburger & Petermann, 2008, S.1). Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich vorrangig mit dem Übergewicht. Dennoch wird in einigen Kapiteln auch auf die Adipositas eingegangen, da diese sich aus Übergewicht entwickeln kann.

Zur Bestimmung des Gewichts hat sich weltweit der Body Mass Index (BMI) durchgesetzt, der sich aus dem Gewicht, gemessen in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat, gemessen in Metern, zusammensetzt (Lehrke & Laessle, 2001, S.3). Übergewicht bzw. Prä- Adipositas liegt demnach vor, wenn der errechnete BMI- Wert zwischen 25,0 und 29,9 liegt. Ab einem BMI von 30 wird von Adipositas gesprochen, die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nochmals in drei Schweregrade geteilt wird (Abbildung 1) und damit vor allem das Krankheitsrisiko beschreibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Klassifikation des BMI in Anlehnung an die WHO (1998)

Quelle: Eigene Darstellung nach Tuschen-Caffier/Pook/Hilbert (2005), S.26

Der hier dargestellte BMI- Wert kann zur Definition von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verwendet werden, allerdings beschreibt dieser nicht eindeutig, ob ein Kind oder Jugendlicher normal- oder übergewichtig ist. Wachstum und Entwicklung nehmen einen bedeutsamen Einfluss auf den BMI- Wert der Heranwachsenden, weshalb es sich empfiehlt, alters- und geschlechtsspezifische Referenzwerte (Perzentilen) heranzuziehen (Tuschen- Caffier, Pook & Hilbert, 2005, S.26). Liegt der BMI dabei über der 90. Perzentile, wird von Übergewicht gesprochen, ein BMI über der 97. Perzentile bedeutet Adipositas und die Überschreitung der Perzentile von 99,5 wird als extreme Adipositas bezeichnet (Schulz, 2009, S.1).

Abbildung 2 zeigt die Perzentilkurven für Mädchen und Jungen, nach denen das Gewicht der Kinder und Jugendlichen bestimmt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Perzentilkurven für Mädchen und Jungen

Quelle: Kromeyer- Hauschild, K. et al.(2001): Monatsschrift Kinderheilkunde 149, 807-818.

Allerdings weist die Berechnung des BMI auch einige Schwachstellen auf. Anhand der Werte kann nicht gezeigt werden, wie sich das Körpergewicht zusammensetzt. So lässt ein hohes Körpergewicht nicht zwangsläufig auf einen hohen Fettanteil schließen. Sportler mit gut ausgeprägten Muskeln weisen häufig einen hohen BMI auf, da Muskelmasse schwerer als Fett ist. Dies kann schnell zu Fehlinterpretationen des BMIs führen. Bei der Berechnung bleiben die Zusammensetzung des Körpers sowie die Fettverteilung am Körper außer Acht, weshalb sich keine Rückschlüsse auf Gefahren ziehen lassen. Das Fettverteilungsmuster bestimmt das Risiko für Herz- Kreislauf Erkrankungen, Fett am Bauch ist dabei gefährlicher als an Hüften oder Oberschenkeln. Nicht zuletzt aus diesen Gründen wird mittlerweile neben der Bestimmung des BMI auch der Taillenumfang erfasst, welcher genauere Aussagen über das Fettverteilungsmuster gibt (Haack, 2009, S.34 f).

Eine weitere Methode zur Bestimmung von Übergewicht ist die Hautfaltenmessung, auch Kalipermetrie genannt. Mit Hilfe der Messzange (Präzisionskaliper) wird die Haut an Bizeps, Trizeps, Subscapularis und Suprailiaeus gemessen und dadurch die Fettwerte bestimmt. Der Vorteil dieser Messung liegt darin, dass sie sehr genau und günstig ist. Der Nachteil ist allerdings, dass auch sie keine genauen Angaben über das Fettverteilungsmuster am Körper angibt (Hahn & Klör, 2001, S.85 f).

3. Prävalenz und Inzidenz von Übergewicht

Die Prävalenz von Übergewicht hat in den vergangenen Jahren in großen Teilen Europas drastisch zugenommen. Auch für Deutschland existieren regionale Untersuchungen, welche einen kontinuierlichen Anstieg bei Kindern und Jugendlichen belegen (Reinehr, Wabitsch & Böhler, 2006, S. 13).

In der Bundesrepublik wurde die Prävalenz u.a. durch die repräsentative KIGGS Studie (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) unter Aufsicht des Robert- Koch Instituts ermittelt, an welcher fast 18000 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland teilnahmen. Dabei ergaben die Untersuchungen, dass bei den 3 bis 17- jährigen Kindern und Jugendlichen 15% übergewichtig und 6,3% sogar adipös sind. Dies entspricht 1,9 Millionen übergewichtigen und 800.000 adipösen Heranwachsenden (Robert- Koch Institut (Hrsg.), 2006, S. 29f).

Der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gab an, dass 10,2% der Mädchen und 12,5% der Jungen übergewichtig sind, 13,9% bzw. 11,7% sind sogar als adipös einzustufen (Warschburger & Petermann, 2008, S. 2).

Dabei zeigt sich, dass mit steigendem Alter auch die Prävalenz ansteigt und in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Ein Trend, der von Experten weltweit kritisch betrachtet wird. Bei den 3- 6- jährigen ist der Anteil von Fettleibigen mit 3% noch sehr gering, nimmt dann aber mit 6% (7- 10- jährige) und 9% (14- 17- jährige) stetig zu. Hierbei waren laut KIGGS Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu beobachten (Abbildung 4) (Robert- Koch Institut (Hrsg.), 2006, S. 29).

Abbildung 3 : Verbreitung von Übergewicht nach Altersgruppen und Geschlecht

Quelle: Robert- Koch Institut (2006): Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS), S.29.

Ein offensichtlicheres Bild liefert jedoch die soziale Verteilung von Übergewicht im Jugendalter. So sind Kinder und Jugendliche aus niedrigeren sozialen Gruppen deutlich häufiger betroffen als jene aus besseren sozialen Schichten. Bedingt ist diese Entwicklung durch die Essgewohnheiten der gesamten Familie, den teilweise niedrigen Bildungsstand der Eltern und der mangelnden Bewegung (Wechsler, 2003, S.73). Gleiches gilt auch für Kinder mit Migrationshintergrund, bei denen ein durchschnittlicher höherer BMI nachgewiesen wurde. Sie weisen ein 2,59 -fach erhöhtes Risiko auf, an Übergewicht zu erkranken und zählen somit zur Risikogruppe (Warschburger et al., 2008, S.4).

International betrachtet liegt Deutschland mit seiner Zahl an übergewichtigen Kindern im Mittelfeld. Die niedrigsten Zahlen weisen nördliche Länder wie Finnland, Schweden oder Norwegen auf (10- 20%), Spitzenreiter sind hingegen die südlichen Staaten wie Italien, Spanien oder Griechenland mit Werten von 20- 35%. Weltweit betrachtet führen die vereinigten Staaten die Ranglisten an (über 20% übergewichtige und nahezu 10% adipöse Kinder), besonders starke Anstiege sind in den Schwellenländern zu erkennen (Wirth, 2008, S. 379).

4. Ursachen von Übergewicht

4.1 Genetische Veranlagung

Jahrelang wurde über die Bedeutung genetischer Ursachen für die Entstehung von Übergewicht und primärer Adipositas diskutiert. Anlass waren Untersuchungen familiärer Häufung der Adipositas. Diese ergaben, dass Kinder, deren Eltern übergewichtig sind, eine Wahrscheinlichkeit von 80% haben, ebenfalls an Übergewicht oder gar Adipositas zu erkranken. Demgegenüber liegt das Risiko bei Kindern schlanker Eltern bei nur 20%. Diese Beobachtungen könnten jedoch gleichermaßen durch Umwelt- oder Verhaltensformen begründet werden. Stärkere Argumente liefern deshalb Zwillings- und Adoptionsstudien (Laessle et al., 2001, S. 9).

1986 untersuchten Albert Stunkard et al. 500 im Kleinkindalter adoptierte Personen und verglichen deren Body Mass Index mit dem ihrer Adoptiveltern. Dabei zeigte sich, dass es lediglich eine Korrelation zwischen dem Gewicht der Adoptivkinder und deren biologischer Eltern gibt, nicht aber mit den Adoptiveltern. Dies spricht für einen hohen Einfluss der genetischen Faktoren (Wirth, 2008, S. 68; zit. n. Stunkard et al., 1990). Bestärkt wird diese Annahme ebenfalls durch Zwillingsstudien, bei welchen sowohl bei getrennt als auch gemeinsam aufwachsenden eineiigen Zwillingen die BMI- Korrelation sehr hoch ist. Gemeinsame Umwelterfahrungen haben dabei nur einen geringen Einfluss auf das Körpergewicht, die genetische Komponente liegt hingegen bei 50- 80% (Wirth, 2008, S.68). Trotzdessen gilt, dass nicht das Übergewicht selbst, sondern die Prädisposition (Empfänglichkeit) vererbt wird. Einige für die Entstehung begünstigende Faktoren werden dabei durch die Gene weitergegeben. Dazu gehören unter anderem:

- Verbrennung im Fettgewebe,
- Muskelzusammensetzung und Oxidationspotential,
- Fettpräferenz,
- Appetitregulation,
- thermogenetischer Effekt der Nahrung,
- spontane körperliche Aktivität,
- Insulinsensitivität

(WHO Consultation on obesity, 1998)

Die zuvor beschriebenen Studien beweisen, dass genetische Faktoren indirekt auf das Ess- und Bewegungsverhalten wirken. Dennoch kann Übergewicht zusätzlich beeinflusst werden, denn ob es sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, ist von vielen weiteren Umweltfaktoren abhängig (Warschburger, Petermann & Fromme, 2005, S. 26).

4.2 Fehlernährung

Neben den genetischen Faktoren spielen auch Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Rolle für die Entstehung von Übergewicht. Viele verschiedene externe und interne Einflüsse müssen bei der Analyse der Nahrungsaufnahme berücksichtigt werden.

Mathematisch lässt sich die Ursache von Übergewicht und zugleich auch Adipositas durch das Missverhältnis von zugeführter Energie mittels Nahrung und verbrauchter Energie durch Bewegung erklären. Halten sich die Energieaufnahme und –abgabe die Waage, so bleibt auch das Körpergewicht konstant. Bei übergewichtigen Menschen hingegen ist häufig die Energieaufnahme größer als die Energieabgabe- es kommt zu einer positiven Energiebilanz. Die überschüssige Nahrungsenergie wandelt der gesunde Organismus in körpereigenes Fett um und speichert sie im Unterhautfettgewebe. Wird diese positive Energiebilanz über einen längeren Zeitraum gehalten, so entstehen die typischen „Speckfalten“ oder „Rettungsringe“ (Schröder, 1999, S.18 f).

Nach Elliot und Pudel (1998) lassen sich vier Dimensionen des Essverhaltens beschreiben:

(1) Kognitive Dimension: Sie umfasst das Wissen über den Fettgehalt bestimmter Nahrungsmittel oder eine gesunde, ausgewogene Ernährung, Hintergrundinformationen (z.B. über Inhaltsstoffe auf den Verpackungen), Einstellungen gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln (z.B. „Kartoffeln machen dick“) sowie den soziokulturellen Hintergrund (z.B. Verbot von Schweinefleisch bei den Moslems oder Fünf- Gänge- Menüs in Frankreich).
(2) Biologische Dimension: Sie beinhaltet die familiäre Belastung oder den individuellen Grundumsatz.
(3) Emotionale Dimension: Sie umfasst zum Beispiel Essen in Stresssituationen und die Wirkung, die von bestimmten Nährstoffen auf die Befindlichkeit ausgeht.
(4) Lernprozesse: Im Laufe der Entwicklung wird das Essverhalten durch klassische (z.B. sobald es 12 Uhr ist, knurrt der Magen) oder operante Konditionierungsprozesse (z.B. positive Gefühle nach dem Essen) stabilisiert. Essgewohnheiten bilden sich vor dem Hintergrund soziokultureller Normen aus.

(Warschburger et al., 2005, S.30)

Neben dem Essverhalten spielt auch die Nahrungszusammensetzung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht, denn bei fast allen Kindern entspricht das Ernährungsverhalten nicht den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Obst und Gemüse zählen nur selten zu den Lieblingsspeisen der Heranwachsenden, vielmehr präferieren sie süße und fettreiche Speisen (Warschburger et al., 2008, S.18). Eine fettreiche Ernährung weist dabei einen fast doppelt so hohen Energiegehalt wie Kohlenhydrate oder Eiweiße auf. Daraus folgt, dass beim Verzehr dieser Nahrung bis zum Eintritt des Sättigungsgefühls, welches sich nach etwa 20 Minuten einstellt, deutlich mehr Kalorien aufgenommen werden als bei Kohlenhydraten. Zudem werden Kohlenhydrate und Fette unterschiedlich vom Körper resorbiert. Während Kohlenhydrate direkt und unter Umständen vollständig zur Energiegewinnung verbraucht werden, kommt es nur dann zur Verarbeitung der Nahrungsfette, wenn der Energiebedarf nicht durch Kohlenhydrate gedeckt werden kann. Das bedeutet, dass bei einer vollständigen Abdeckung des Energiebedarfes durch die Kohlenhydrate Fette direkt in Körperfett umgewandelt werden (Tuschen- Caffier et al., 2005, S.29).

Kinder und Jugendliche sind heute mehr denn je dem Angebot attraktiver Lebensmittel und Aufforderungen zum Konsum ausgesetzt. Sie essen ein Drittel aller Mahlzeiten außerhalb ihres Elternhauses, vorwiegend in der Schule oder Fast Food Restaurants. Zudem nimmt der tägliche Verzehr beiläufig konsumierter Lebensmittel („snacking“) mit hoher Energiedichte zu. Essen dient für die Heranwachsenden häufig dem Stress- oder Frustabbau, der Angst- oder Trauerbewältigung sowie zur Überbrückung von Langeweile. (Petermann & de Vries, 2007, S. 54 ff).

Die Behauptung, Übergewichtige würden im Vergleich zu Normalgewichtigen deutlich mehr essen, ist weit verbreitet, gilt jedoch in Fachkreisen als umstritten. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass diese Aussage nur für eine Teilgruppe übergewichtiger Menschen gilt (Petermann et al., 2007, S.54 ff).

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Details

Seiten
52
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656484660
Dateigröße
1012 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231672
Note
Schlagworte
übergewicht kindes- jugendalter berücksichtigung aufgabe schule

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