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„Social Media“ zur Zeit des Arabischen Frühlings

Am Beispiel von Ägypten

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund - allgemeine Situation in Ägypten

3. Social Media
3.1 Funktionen der Social Media
3.2 Vorphase der Gruppierungen/ Vernetzung der Bevölkerung
3.3 Internetblogger - die Köpfe der Revolution

4. Umgang des Regimes mit Social Media

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach 30 Jahren an der Spitze der ägyptischen Regierung verkündete Staatschef Husni Mubarak am 11. Februar 2011, nach tagelangen Protesten der Demonstranten auf dem Tahir-Platz in Kairo und unter dem internationalen Druck von außen, seinen Rücktritt (vgl. Reuters 2011:1).

Immer wieder hatte Mubarak Neuerungen in der Regierungsführung angekündigt, aber die Missstimmung des Volkes wuchs immer mehr und die Menschen gingen landesweit auf öffentliche Plätze um gegen das Regime zu demonstrieren. Im Herbst 2005 gingen die Ägypter erstmals auf die Straße. "Kefaya!", „Genug!“. Die Aufforderung zu Neuwahlen kam damals von den USA, doch Mubarak wurde wiedergewählt und die Anschuldigungen gegen ihn wurden immer lauter (vgl. Krieg 2010 :1).

Das war der Beginn der Formierungen im Netz, weil Treffen mit mehr als fünf Personen die ohne Genehmigung stattgefunden haben, zerschlagen wurden. Das Regime ging repressiv gegen Blogger und Internetaktivisten vor. Hunderte wurden festgenommen (Krieg 2010 :1).

Am „Tag des Zorns“, den 25. Januar 2011, waren die ersten Demonstrationen auf dem Tahir Platz, dem Platz der „Befreiung“ (vgl. Perthes 2011:49).

Ägypten war nicht das erste Land, dem im vergangenen Jahr eine Revolution drohte. Die sogenannten „Jasminrevolution“ in Tunesien, wirkte dabei wie ein Anstoß auf die anderen arabischen Staaten. Dort hatte das Volk es geschafft, das Machtregime Ben Alis binnen weniger Tage zu stürzen. Der Ausgangspunkt in Tunesien war die Selbstentzündung des Obsthändlers Mohamed Bouazizi im Dezember 2010 (Hegasy 2011:1). Daraufhin verbreite sich der „Arabische Frühling“ wie ein Lauffeuer auf die umliegenden arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Libyen, Syrien, Bahrain, Yemen und weitere, weshalb man diesen Prozess nicht im einzelnen betrachten kann, sondern sie als eine zusammenhängende Revolution betrachten muss. In Tunesien, Ägypten, Libyen und im Jemen ging die Revolution bekannterweise so weit, dass die Machthaber gestürzt wurden (vgl. Kremer 2012:1).

Da der „Arabische Frühling“ ein weit umspanntes Thema umfasst, kann im Rahmen dieser Arbeit nicht auf den Einfluss der Muslimbruderschaft, den salafistischen Bewegungen und dem Einfluss von den USA und der EU eingegangen werden. Der Fokus liegt auf die Rolle des Internets und der Social Media zur Zeit des Arabischen Frühlings am Beispiel von Ägypten. Es werden Gründe aufgezeigt inwieweit die neuen Medien die Revolution in Ägypten beeinflusst und getragen haben ohne dabei die gegenwärtigen Strukturen in Politik und Gesellschaft dieser Periode außer Acht zu lassen.

Es soll den Fragestellungen nachgegangen werden ob der Arabische Frühling eine „Facebook-“ oder „Twitter-Revolution“ ist, oder ob soziale Medien in ihrer Wirkung überschätzt werden und ob das Internet in einem pluralitistisch-autokratischen Staat wie Ägypten demokratiefördernd oder demokratiehindernd ist.

2. Historischer Hintergrund - allgemeine Situation in Ägypten

Zu den Herrschaftsstrukturen in den arabischen Ländern ist anzumerken, dass die Träger der Regierung bis vor kurzem als kaum austauschbar gegolten haben. Die Staatsführung war in diesen Ländern dabei meist unter autokratischen Regimen manifestiert (Perthes 2011:17). Die Führung des ägyptischen Staates unter Husni Mubarak oblag einem „pluralistisch-autokratischen System“ (Perthes 2011:51). Trotz der angeblichen Toleranz gegenüber dem Widerspruch gegen die Regierung, fehlten demokratische Prinzipien in der Politik (Perthes 2011:51). Unter dem Staatsführer Mubarak stand die ägyptische Polizei, die sich wie eine Miliz benahm und die sich alles erlauben konnte. Sie ging mit äußerster Gewalt vor und folterte und verprügelte die Anwohner (vgl. Perthes 2011:52). Die Wahlbeteiligung war meistens sehr gering und nahm nur dort Werte über dem einstelligen Bereich an, wo ein gewisses Maß an Fairness angenommen wurde und der Wahlgrund von Wichtigkeit war (vgl. Perthes 2011:18).

Das politische Engagement und die Mitbestimmung war den meisten Bürger verwehrt worden, es sei denn, man kam aus dem direkten Umfeld des „Clans“ Mubaraks (vlg. Perthes 2011:18). Gegenwärtig wurden die Forderung nach Veränderungen in der Regierungsführung und nach der Ablösung Mubaraks mit repressiven Mitteln niedergeschlagen (Perthes 2011:20).

Die Pressefreiheit ist in Ägypten in der Verfassung geregelt. Diese schützt das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf konstruktive Kritik, verbietet die Zensur von Zeitungen, die willkürliche Einstellung von Medienzeugnissen und garantiert die freie Presse (Khalik 2008:25). In Wirklichkeit sieht das anders aus: Die Medien, die der Regierung gehören, werden von Ministerien zensiert und kontrolliert. Deshalb war es für heimische Journalisten bisher unmöglich in offiziellen Medien Kritik am Regime zu äußern. Auch die in der Verfassung vorgetäuschte Pressefreiheit wurde durch 186 Gesetze entschärft und ein Vergehen an diesen Gesetzen wurde schwerwiegend geahndet. Bereits 2004 wurden Änderungen im Pressegesetz angekündigt (Khalik 2008:25).

Als 2006 seitens Mubarak eine angebliche Lockerung des besagten Gesetzes stattfinden sollte, wurde den Journalisten seitdem jedoch untersagt, kritische Berichte zu veröffentlichen (Khalik 2008:26).

Die Freiheit der Meinungsäußerung schien durch Veränderungen im Bereich der Kommunikation durch das Internet und die Möglichkeit soziale Netzwerke benutzen zu können, zu wachsen, wobei die Regierung weiterhin stets ihre rigide Politik verfolgte (vgl. Perthes 2011:20). Diese Entwicklung schlägt sich auch im Arab Social Media Report wieder. Der Bericht verzeichnet in dem Zeitraum vom 5. Januar 2011 bis 1. Oktober 2011 einen Zuwachs der Facebook Nutzer in Ägypten um 4,84 %. Ägypten und lag mit 4.157.500 neuen Nutzern auf Platz 2 hinter der Türkei (vgl. Dubai School of Government 2011: Statistik 1).

Ausschlaggebend für diese Entwicklung war außerdem die Aufforderung Husni Mubaraks im Jahr 1997, dass jeder Ägypter die Chancen des Internets und seine neue Funktionen nutzen sollte, damit Ägypten sich als ein Vorbild der modernen Wissensgesellschaft in der arabischen Welt positionierte (Hegasy 2011:1). Es wurden kostenlose Einwahlnummern eingerichtet mithilfe derer sich die Bürger ins Internet einwählen konnten. Diejenigen die zuhause keinen Zugang hatten, bot sich die Chance in eines der neueröffneten Internetcafés zu gehen (vgl. Hegasy 2011:1).

Die Inhalte der sich durch diesen Prozess neu formenden Blogs und Foren waren dabei nicht neu. Man debattierte über die Regierungsführung, Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit (Perthes 2011:20). Trotz des Mehrparteiensystems blieb die Regierung durch Korruption des Regimes in der Hand von Mubarak, dessen Wahlfälschung zunehmend Spannungen in der Bevölkerung auslösten (Perthes 2011:51- 53). Nach Perthes ist die Revolution in Ägypten ein „Aufstand der Jugend“ (vgl. Perthes 2011: 24). Ein Drittel der 80 Millionen Ägypter ist zwischen 15 und 29 Jahre alt und gehört demnach zur „Generation Mubarak“, da sie keinen anderen Staatsführer als Mubarak erlebt haben (Jakat 2011:1). Nach eine Studie von 2004 waren zwei Drittel der jungen Menschen noch nicht mal für Wahlen registriert und 84 % haben noch nie an öffentlichen Demonstrationen teilgenommen (Jakat 2011:1). Das Bildungsniveau der ägyptischen Bevölkerung wurde durch die Verbreitung des Satellitenfernsehens in weiten Teilen des Landes verbessert (vgl. Perthes 2011:20). Außerdem stand der Fernsehsender Al Jazeera in Konkurrenz zu den staatlichen Medien, die von der Regierung zensiert wurden (Perthes 2011:26). Für die Zensur ist die „Nationale Aufsichtsbehörde für Telekommunikation“ zuständig. Diese umfasst 1,5 Millionen Mann und ist damit drei mal so stark wie die Armee (Krieg 2010:1). Es entwickelte sich aus der größtenteils jungen Bevölkerung eine neue „urbane Mittelschicht“ welche die gegenwärtigen Verhältnisse in Politik und Gesellschaft für nicht mehr zeitgemäß empfand (Perthes 2011: 50). Besonders ist, dass sie dabei frei von politischen Richtungen oder Trends waren, sondern sich zusammen fanden, da sie sich gemeinsam für das Wohl ihrer Generation und ihres Landes einsetzen wollten (vgl. Jakat 2011:1).

Der jugendliche Charakter, den die Revolution kennzeichnete, machte es für das Regime noch schwieriger zu verstehen, was dort auf den Straßen Kairos und weiteren ägyptischen Städten vor sich ging. Sie ahnten nicht mit dem Verlauf der Ereignisse (vgl. Perthes 2011:23), deren Umsetzung schon lange im Netz geplant war (vgl. Perthes 2011: 29). Für Mubarak und die anderen Herrscher der betroffenen arabischen Staaten waren die Demonstranten lediglich ein Teil der „Verschwörung“ gegen ihr Land oder die Vermutung „ausländische Agenten“ oder islamische Extremisten steckten dahinter (Perthes 2011:39).

Die Ursachen oder der ausschlaggebende Grund für die Revolution in Ägypten liegen weit tiefer in der Geschichte der arabischen Welt. Immer hat es kleinere Aufstände und Demonstrationen gegeben, die aber letztendlich nicht zu einem Großaufstand heranwuchsen (vgl. Perthes 2011:23). Eine Revolution basiert auf einer komplexen Ansammlung an Ursachen und es gibt ein ausschlaggebendes Ereignis, welches die Revolution ausbrechen lässt (vgl. Perthes 2011: 23). Es ist von großer Bedeutung zu verstehen, wie bestimme Personen in diesem Konflikt miteinander agieren und auf die Aktionen der anderen Seiten reagieren (vgl. Perthes 2011:23).

In diesem Fall war die Wechselwirkung zwischen den Reaktionen der Aufständischen und denen des Regimes Mubaraks. Außerdem bleibt offen, ob die Selbstverbrennung Muhammad Bu Azizis wirklich das ausschlaggebende Ereignis war, das die Revolution ausgelöst hat, oder ob auch auch ein wahlloses anderes Ereignis dieselbe Tragweite erreicht hätte (vgl. Perthes 2011:23).

3. Social Media

Unter dem Begriff Social Media versteht man einen Medientypus, der verschiedene Funktionen wie E-Mail, Chat, Foto und Video miteinander kombiniert (Milz 2011:1). Diese medialen Angebote basieren dabei auf sozialer Interaktion und den technischen Möglichkeiten des sogenannten Web 2.0.. Der Austausch von Informationen und die Kommunikation zwischen den vernetzen Usern steht dabei im Vordergrund (Gabler Verlag 2011:1).

Im Verlauf der Ereignisse in der arabischen Region im Jahr 2011 bekommen die Social Media eine tragende Rolle im Werdegang der Revolution. Nicht nur die Anzahl der Nutzer sondern auch die Art und Weise, wie diese sozialen Netzwerke genutzt werden haben sich geändert. Vorerst dienten Social Media zur Unterhaltung und der Kontaktaufnahme, entwickelten sich aber dann zu Trägern der Mobilisation die im Kampf gegen das Regime genutzt wurden. (vgl. Dubai School of Government 2011).

3.1 Funktionen der Social Media

Durch die Verlinkung der einzelnen Social Media miteinander bot sich eine neue Debattenkultur im Internet (vgl. Perthes 2011:26). Jedem Internetnutzer war es fortan möglich im Internet aktiv zu werden und seine eigene kritische Meinung in Foren und Blogs zu verbreiten oder durch Tweets über das Mobiltelefon aktuelle Meldungen freizugeben (vgl. Dapp 2011:4). Nicht nur Männer, sondern auch Frauen engagierten sich in politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten und wurden außerdem zu Anführerinnen der kritischen Auseinandersetzung mit dem Regime (vgl. Dubai School of Government 2011: Statistik 2).

Aufgrund der Verknüpfungsmöglichkeiten der Social Media ist es binnen kürzester Zeit möglich Massen zu mobilisieren, Kontakte zu knüpfen (Perthes 2011: 27) und in Echtzeit selbst über die Landesgrenze hinweg Informationen auszutauschen (Milz 2011:1). Deshalb ist auch in Krisensituationen kein Medium so effektiv wie das Internet da Soziale Netzwerke eine enorme Reichweite und Direktheit haben, die den Menschen die Nähe erfahren lassen, hautnah am Ereignis teilzuhaben (von Rohr 2011:1).

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Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656481164
ISBN (Buch)
9783656480952
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231626
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Schlagworte
social media zeit arabischen frühlings beispiel ägypten

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Titel: „Social Media“ zur Zeit des Arabischen Frühlings