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Wie wirkt sich Reichtum auf Armut aus?

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definitionen „Reichtum“

2. ReichtumsAspekte
2.1 WahrnehmungenvonReichtum in der Bevölkerung
2.2 KeinReichtum ohne Armut?

3. Einkommensentwicklungund Vermögen

4. BildungschancenundReichtum

5. GesundheitlicheSituation

6. Reichtum und politische Teilhabechancen

7. KritischeBetrachtungdesArmutsund Reichtumsberichts in Bezug auf Reichtum

8. Reflexionin Bezug auf In-und Exklusion

Einleitung

Blickt man in der Geschichte zurück, so stößt man auf viele Kriege und Verschwörungen, die wegen materiellen Werten, durch Armut und um Reichtum geführt wurden. Auch Karl Marx spricht von einem Klassensystem, das viele Konflikte auslöst aber auch so den gesellschaftlichen Wandel antreibt. Sein Modell der anfänglichen Bedürfnisbefriedigung der Menschen und dem daraus entstehenden Prozess des Besitzes von Grund und Boden, Energiequellen und Werkzeugen dessen Vermehrung und Neid oder dessen Nichtbesitz lässt Klassen entstehen die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse auch ihre Interessen entwickeln.1 In Deutschland wird zurzeit mehr den je über die Verteilung der Besitzstände . Kann man so Reichtum von vorneherein verurteilen oder unterteilen in jene Reiche die viel geleistet haben und in jene die sich an der Gesellschaft bereichern? Was sind überhaupt „die Reichen“ und wie wirkt sich der Reichtum auf die Armut aus? Wie sich dies in unserer heutigen Gesellschaft verhält werde ich in der folgenden Arbeit aufarbeiten. Da dieses Themengebiet sehr umfangreich ist habe ich mich auch einige Punkte beschränkt. Zuerst lege ich den Schwerpunkt auf die Definition und den Blickwinkel der Gesellschaft auf Reichtum. Im weiteren Verlauf der Hausarbeit vertiefe ich einige Punkte wie Gesundheit und Bildung im Bezug auf Reichtum und zur Abrundung werde ich meine meist verwendete Quelle, den Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesrepublik Deutschland, kritisch betrachten.

1. Definitionen von Reichtum

Über „reiche“ Menschen wird in Deutschland viel gesprochen, spekuliert und diskutiert. Doch wie definiert man eigentlich Reichtum? In der Literatur gibt es eine enorme Vielzahl an auf Reichtum bezogene Definitionen. Der Unterschied der Definition zeigt sich je nach, Schwerpunktthema, Vorerfahrungen und Gesellschaftsherkunft des Autors. Eine für mich Definition lautet „Das Wort Reichtum bezieht sich auf die Verfügbarkeit von immateriellen und materiellen Gütern, welche das Leben bereichern.“2 Laut dieser Definition bezieht sich Reichtum nicht nur auf die Tatsache des Besitzes von materiellen Gegenständen wie zum Beispiel Land oder Geld, sondern auch auf den Überfluss an geistigen Werten, an Verwirklichungschancen, Verfügungsgewalt, Teilhabegerechtigkeit und Chancengerechtigkeit, als immaterielle Güter. Zusätzlich muss natürlich gesehen werden, dass

„Reichtum“ sich genauso wie Armut am Durchschnitt der Gesellschaft orientiert, also überdurchschnittlich ist.

In der heutigen Gesellschaft werden das Einkommen und das Vermögen als Zentraler Punkt des Reichtums gesehen. Es ist aber auch nicht außer Acht zu lassen, dass der Begriff Reichtum in engster Relation zu ökonomischer und gesellschaftlicher Macht zu verstehen ist. Für Marx galten der Humanreichtum, der Mensch und die Entfaltung seiner Persönlichkeit als der »wirkliche Reichtum«.3 Somit ist Reichtum und Armut immer relativ und verändert sich je nach Auge des Betrachters. Also kann auch ein Mensch ohne materielle Güter geistigen, immateriellen Reichtum besitzen.

Laut dem Focus sind diejenigen reich, die von ihrem Vermögen gut leben können. Die einer Arbeit nachgehen können, aber nicht müssen. Focus Money hat dafür sogar eine Vermögensgrenze gesetzt. Sie setzen ein Guthaben von etwa drei Millionen Euro voraus, welches mindestens 110 000 Euro Zinsen im Jahr erbringen müsste.4 Von diesen Zinsen kann man luxuriös leben, ohne sein Eigentum antasten zu müssen.

Trotzdem ist zu beachten, dass „die Scheidung in Besitzende und Nichtbesitzende, das Verhältnis zum Eigentum in einer Gesellschaft also, die Klassen konstruiert. Innerhalb jener Klassen entstehen unter verschiedenen Bedingungen jeweils spezifische Subklassen.“5 So muss auch in der Gruppe der Reichen nochmals differenziert werden, in Menschen mit viel und Menschen mit noch mehr materiellem Reichtum. Bei Privatbanken gibt es für diese Gesellschaftsschicht den Begriff "Ultra High Net Worth Individuals".

Beschäftigt man sich mit dem Reichtum so wäre eine Information über die Quellen des Reichtums sehr interessant. Jedoch lässt sich schwer pauschalisieren aus welchen Quellen Reichtum entsteht. Das kann daran liegen, dass der Großteil dieser „Reichen“ eher ein Leben im Verborgenen als „Unauffällige“ führt. Die Reichen, die man „kennt“, sind die Filmstars, Spitzensportler und Top-Manager, die mehr oder weniger zwangsläufig im Rampenlicht stehen. Oder die Exaltierten, die Wohlstand und Lebensstil nur zu gern einem Publikum präsentieren. „Diese Gruppe macht höchstens zehn Prozent der Reichen in Deutschland aus“, sagt Volkswirt und Wirtschaftsethiker Espenhorst.

Ein großer Teil der Bevölkerung ist der Auffassung, dass man nur dann reich wird, wenn man über günstige Beziehungen und Ausgangsbedingungen verfügt. Als weitere Begründung werden individuelle Fähigkeiten und Begabungen oder harte Arbeit genannt. Mehr als die Hälfte der Befragten nennen harte Arbeit als Ursache für Reichtum. Allerdings nimmt ein großer Teil der Bevölkerung keinen oder nur einen geringen Zusammenhang Reichtum und persönlicher Leistung an. Die Hälfte der Befragten sehen Reichtum auf unehrliches Verhalten und das Wirtschaftssystem zurückgeführt.6

Somit ist die Reichtumsdefinition und Betrachtung immer eher auf Annäherung an die Wirklichkeit angewiesen als das sie diese zum Ganzen darstellen könnte.

Die Umgangssprachliche Floskel „Geld macht glücklich!“, also Reichtum, wird schnell in Frage gestellt. Laut Hirzel sind Reiche ihr Leben lang Stereotypen und Vorurteilen ausgesetzt sie fühlen sich immer auch moralisch zur Disposition gestellt. Eine große Furcht besteht davor, dass ihr Reichtum als soziale Ungerechtigkeit wahrgenommen wird.7 Vielmehr gibt es eher einen Zusammenhang von Glück und der Hoffnung auf Geld. Fast alle Menschen träumen davon, einmal reich zu werden. Und allein dieser Traum kann Glücksgefüh-le auslösen. Der Gegensatz dazu „Armut macht unglücklich“ und das liegt auf der Hand, denn sie ist mit Problemen verbunden, die schwer auf Menschen lasten.

Somit besitzt Reichtum ohne Zweifel eine hohe Attraktivität. In Deutschland wird mehrheitlich eine Gesellschaft favorisiert, in der es die Möglichkeit gibt, selbst einmal in irgendeiner Form reich werden zu können. Werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich vom ganz überwiegenden Teil der Bevölkerung als relativ groß und schwer überwindbar wahrgenommen. Dies kommt vor allem dann, wenn große Teile der Bevölkerung nicht an den Einkommenszuwächsen der Gesellschaft insgesamt teilhaben.

Auf den amerikanischen Philosophen John Rawls geht der Vorschlag zurück, Ungleichheit zu tolerieren, solange auch die Schwächeren im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung besser gestellt werden.8 Entscheidend ist deshalb, ob eine Wirtschaftsund Sozialordnung den Schwächeren erlaubt, sich besser zu stellen, unabhängig von der Position Reicher.

Wachsender gesellschaftlicher Wohlstand kommt jedoch nicht zwangsläufig auch den Ärmeren zugute. Es ist zu hinterfragen, inwiefern ein verantwortungsvoller Umgang mit Reichtum erreicht wird, der sich an sozial sinnvollen, dem Allgemeinwohl verpflichteten Maßstäben orientiert.

[...]


1 Stadlinger 2001, S.26

2 Diamond 2010

3 Diezinger/Mayer-Kleffe 2009, S.18

4 Hirzel 2008

5 Breckner 1989, S.31

6 Bundesregierung 2008, S.29

7 Vgl.Hirzel 2008, S. 27

8 Vgl.Diezinger/Mayer-Kleffe 2009, S.24

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656478010
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231568
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
1,0
Schlagworte
reichtum armut

Autor

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Titel: Wie wirkt sich Reichtum auf Armut aus?