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Die Methoden der Stasi und deren mediale Thematisierung

Am Beispiel des Kurzfilms "Die Klärung eines Sachverhaltes"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung .

2. Filmdaten

3. Filminhalt

4. Der Hintergrund der Ausreiseanträge
4.1 Die Entstehung und Ausprägung des MfS
4.2 Die Methoden der Stasi

5. Die Darstellung der Stasi im Kurzfilm

6. Die Problem der medialen Thematisierung

7. Schlussfolgerung

8. Literaturverzeichnis

9. Internetverzeichnis

10.Filmverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der medialen Thematisierung der Stasi im westlichen Spielfilm. Als Beispiel soll dafür der Kurzfilm „Die Klä- rung eines Sachverhalts“ dienen, in dem die Ausreisean- träge und die Verhörmethoden der Stasi dargestellt wer- den. Nach kurzen Informationen über die Filmdaten und den Filminhalt, wird im nachfolgenden Kapitel zunächst die Frage geklärt was für Ausmaße und Folgen die Ausrei- seanträge in der DDR hatten und wie sich dieser Trend in den späteren Jahrzehnten entwickelt hat. Das nächste Kapitel soll klären, woraus das Ministerium für Stattssicherheit hervorgegangen ist und welche politische Prägung und Aufgaben es in der DDR hatte. Auch hier werden kurz die Strukturen und die personelle Entwicklung erläutert. Im letzten Kapitel vor der Filmanalyse, werden die verschiedenen Verhörmethoden der Stasi aufgegriffen und auch hier wird zunächst der Frage nachgegangen, wie sich die verschiedenen Methoden entwickelt und etabliert haben. Ob sie physischer oder psychischer Natur waren und welche Auswirkungen sie auf die Beschuldigten hatten. Nach der Erläuterung der wichtigen Strukturen und Verfahrens- weisen der Stasi, geht es im nachfolgenden Kapitel um die Darstellung der Stasi im Kurzfilm. Dabei wird geklärt in wie weit die Verfilmung „Die Klärung eines Sachverhalts“ der Wirklichkeit entspricht, ob der Filminhalt mit den vor- herigen Analysen übereinstimmt und welche Parallelen es zu der Lebensgeschichte der zahlreichen Stasi Opfer gibt. Im letzten Kapitel wird dann die Problematik der medialen Thematisierung beim Filmmedium aufgegriffen. Dabei wird geklärt in wie fern Spielfilme mit historischem Kon- text, dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht werden können und welche Auswirkungen sie auf das historische Verständnis des Publikums haben.

2. Filmdaten

Der im Jahr 2008 erschienene Kurzfilm „Die Klärung eines Sachverhalts“ ist eine der neueren Produktionen in der Tradition westlicher Spielfilme über die Arbeit der Staatssicherheit in der DDR. Mit seiner dramaturgischen Handlung ist es ein Film im Stile eines „Das Leben der Anderen“. Auch wenn der Schwerpunkt des Films ein Anderer ist und der menschliche Hintergrund der Stasi weniger durchleuchtet wird. Der Kurzfilm unterscheidet sich aber stilistisch deutlich von Komödien wie „Goodbye Lenin“ oder „Sonnenallee“ und besitzt einen dokumentari- schen Charakter. Wahrscheinlich auch ein Grund dafür, wieso der Film von den Bildungsbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR zur Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt wird und ihm zahlreiche Auszeichnung verliehen wurden. Unter anderem auch der Titel „Prädikat besonders wertvoll“ von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.1 Buch und Regie des Films stammen von Sören Hüper und Christian Prettin. Hauptdarsteller sind Josef Heynert (Jürgen), Horst-Günter Marx (Hauptmann Kühnel), Julia Brendler (Sybille), Joa- chim Kappl (Dr. Wetzel). Der Film erschien direkt im Ver- leih und wurde am 22.08.2009 auf 3Sat erstausgestrahlt.

2. Filminhalt

Die Handlung des Films konzentriert sich im wesentlichen auf das Verhörverfahren zwischen dem linientreuen DDR Wirtschaftsingenieur Jürgen Schulze und dem Hauptmann Kühnel von der Stasi. Schulze hat zuvor einen Ausreisean- trag gestellt, um für den pflegebedürftigen Schwiegervater zu sorgen, der im Westen wohnt und einen Schlaganfall erlitten hatte. Hauptmann Kühnel von der Stasi versucht dabei mit verschiedenen Mitteln ihn dazu zu bringen den Antrag zurückzuziehen. Die teilweise grotesken und ambi- valenten Druckmittel, die dort zum Ausdruck kommen, sollen die Methodik der Stasi veranschaulichen. Neben dem Verhör werden in einem zweiten Filmstrang verschie- dene Szenen aus der Vergangenheit eingeblendet, die sich zuvor abgespielt haben und den Verlauf bis hin zum Ver- hör verdeutlichen sollen. Die Szenen aus der Vergangen- heit sind mehrheitlich durch die Dialoge zwischen Schulz, seiner Frau Sybille und dem Anwalt Dr. Wetzel geprägt. Das fiktive Fallbeispiel des Ingenieurs zeigt dabei den wahren Hintergrund der Ausreiseanträge auf, die für viele Antragssteller mit erheblichen Folgen verbunden waren.

4. Der Hintergrund der Ausreiseanträge

Der Ausreiseantrag war für die DDR Bürger der einzige bürokratische Weg, um legal und dauerhaft die Republik zu verlassen. Dieser Weg stellte für die Antragssteller zwar keine direkte Gefahr dar, wie etwa die Grenzflucht, er war aber dennoch mit vielen Langzeitfolgen verbunden. So verloren die Personen ihre Partei- und Vereinsmitglied- schaft. Künstler und Journalisten verloren ihre Tätigkeit oder wurden sanktioniert. Dies verursachte bei den Antragsstellern erhebliche existenzielle Probleme für die Gegenwart und die weitreichende Zukunft. Die Anträge wurden sehr langsam bearbeitet und nur ein sehr geringer Teil der Antragssteller, bekam erst nach Monaten oder Jah- ren eine positive Rückmeldung. Viele wurden zudem ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung einer Dauerbespitze- lung unterzogen. Davon war oft das gesamte soziale Gefüge der Person betroffen.2 Dennoch haben statistisch gesehen nicht wenige versucht sich auch auf legalem Wege einen Ausweg aus der DDR zu suchen. Wenn man zunächst die Zahl der legal ausgereisten DDR Bürgern im Zeitraum von 1961 bis 1989 in Betracht zieht, so ist diese mit etwa 383.000 Personen nicht gering einzu- schätzen. Die Zahl derer ist damit auch höher als die Zahl der DDR Bürger, die versucht haben auf illegalem Weg, wie etwa durch die Grenzflucht, die DDR zu verlassen. Oder sich vom Westen freikaufen ließen. Hierbei geht man von circa 222.000 DDR Bürgern aus. Die Statistiken, die sich im speziellen auf die Ausreiseanträge beziehen sind ebenfalls ziemlich hoch und das, trotz der negativen Aus- wirkungen, die ein solcher Schritt mit sich brachte. Von 1977, 4 Jahre nach den KSZE Beschlüssen in Helsinki, bis 1989, beantragten etwa 381.000 DDR Bürger eine Aus- reise, von denen ca. 93.000 diesen wieder zurückzogen.3 Interessant dabei ist die Tatsache, dass die Zahl der Antragssteller von Jahr zu Jahr zunahm und im Jahr 1989 ihren Höhepunkt erlangte, obwohl die Zahl der genehmig- ten Anträge keinen Anstieg verzeichnete. Bis 1989 wurden 102.000 Anträge genehmigt.4 Der Anstieg der Anträge, könnte parallel mit dem steigenden Missstand in der Gesellschaft und Wirtschaft verlaufen sein. Die hohe Zahl der zurückgezogenen Anträge hingegen zeigt, wie effektiv die Staatssicherheit in ihrer Sache war. Es ist sehr wahr- scheinlich, dass die Antragssteller sich dazu gezwungen gefühlt haben, die Anträge zurückzuziehen.

[...]


1 Vgl. http://www.leitmotivfilm.de/page13/page8/ page8.html Außerdem eine Liste der gesamten Auszeichnungen

2 Vgl. Caspar, H.: DDR-Lexikon. Von Trabi, Broiler, Stasi und Republikflucht. Petersberg 2009. S.32.

3 Vgl. Helmut M. E.: Teil: 1 : Die zentrale Koordinierungsgruppe Bekä pfung von Flucht und Übersiedlung Henke, K. D. et al. (Hrsg.): Anatomie der Staatssicherheit, Geschichte, Struktur und Methoden, MfS-Handbuch. Berlin 1995. S.50.

4 Vgl. Eisenfeld, B.: Flucht und Ausreise, Macht und Ohnmacht. In: Eberhard K. (Hrsg.): Opposition in der DDR von den 70er Jahren bis zum Zusammenbruch der SED-Herrschaft. Opladen 1999. S.399.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656473305
ISBN (Buch)
9783656473602
Dateigröße
988 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231425
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Schlagworte
methoden stasi theamtisierung beispiel kurzfilms klärung sachverhaltes

Autor

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