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Glück als Erziehungsziel?

Über die Möglichkeiten und Grenzen einer glücksförderlichen Erziehung

Bachelorarbeit 2013 59 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problem und Fragestellung
1.2. Methode und Vorgehen
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Über das Glück
2.1. Begrifflichkeiten
2.1.1. Der Glücksbegriff
2.1.2. Subjektives Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit
2.1.3. Das gute Leben
2.2. Dimensionen von Glück
2.2.1. Zeit
2.2.2. Normativität
2.2.3. Alter
2.3. Hintergrund: Zur Relevanz des Glücks
2.4. Bedingungen von Glück
2.5. Über das Glück - Zusammenfassung

3. Erziehung zum Glück
3.1. Bewertungskriterien
3.2. Konzepte
3.2.1. Anton A. Bucher: Erziehung zum Glück?
3.2.2. Ernst Fritz-Schubert: Schulfach Glück

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die Schwierigkeiten des Schreibens einer Einleitung werden“, wenn man dem Erziehungswissenschaftler und Philosophen Jörg Zirfas glauben schenken will, „nur noch übertroffen durch die Schwierigkeiten, über das Glück eine Einleitung zu schreiben“ (Zirfas 1993:6). Zirfas begründet dies einerseits damit, dass Einleitungen überhaupt, egal welcher wissenschaftlichen Arbeit sie vorangehen, immer Gefahr laufen, entweder zu viel oder zu wenig zu versprechen (vgl. ebd.), und dass es andererseits „vermessen“ scheint, den Versuch zu unternehmen, das Glück überhaupt beschreiben, darstellen und definieren zu wollen. Dies stelle nämlich „nach der Meinung aller Laien und Fachleute, zumindest der neuzeitlichen, eine schlichte, aber absolute Unmöglichkeit dar [...]. Das Glück – was auch immer der je einzelne darunter verstehen mag – läßt [sic] sich nicht begreifen, nicht beschreiben, nicht aussagen, nicht vorstellen“ (ebd.). Glück, gemäß dieser Definition, scheint für die wissenschaftliche Betrachtung also vollkommen ungeeignet zu sein, denn wie ließe sich das vollkommen Subjektive objektivieren? Zusätzlich besteht, so Taschner, ein grundlegender „Zweifel, ob die Glücksthematik überhaupt einer pädagogischen Diskussion wert, ja, ob Glück überhaupt pädagogisch diskutierbar sei. Das Glück des Kindes ist zwar in aller Pädagogen[1] Munde, doch tut sich die Erziehungswissenschaft schwer mit einem Begriff, dessen Theoriefähigkeit immer wieder in Frage gestellt wird“ (Taschner 2003:14).

Tatsächlich ist das „Glück“ aber ein Motiv, das sich in praktisch allen pädagogischen Berufsfeldern wiederfinden lässt, denn „kein Pädagoge wird theoretisch wie praktisch das Unglück des Heranwachsenden ernsthaft erwägen oder gar in Kauf nehmen wollen“ (ebd.:7). Ist nun aber das Glück mit ausbleibendem Unglück gleichzusetzen? Und ist eine Erziehung, die auf die Vermeidung von Unglück hinarbeitet, als eine Erziehung zum Glück zu bezeichnen? Und ist das Glück wirklich unbestimmbar, weil unterschiedliche Menschen auch verschiedene Vorstellungen vom Glück haben? Diese und ähnliche Fragen werden im Zuge dieser Bachelor-Arbeit zum Thema „Erziehung zum Glück“ beantwortet werden.

Wie der Titel nahelegt, handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit aber keineswegs um eine philosophische Abhandlung zum Thema Glück allein, das Forschungsinteresse ist viel mehr erziehungswissenschaftlicher Natur: So liegt der Fokus dieser Arbeit vor allem auf dem Zusammenhang und der Verbindung von Erziehung und Glück.

1.1. Problem und Fragestellung

Der Pädagoge Frank Taschner kommt im Zuge seiner Analysen über den Zusammenhang von Glück und Erziehung zu der folgenden Erkenntnis: „Die gegenwärtige Pädagogik scheint nicht besonders weit über die zu Anfang des Jahrhunderts bereits erhobene Forderung hinausgekommen zu sein, daß [sic] sich Erziehung (auch) um das Glück der Kinder zu bekümmern habe“ (Taschner 2003:41). Zu beachten ist, dass Taschner sich hierbei auf den Anfang des letzten, also des zwanzigsten Jahrhunderts bezieht, und dementsprechend einhundert Jahre Stagnation in Bezug auf die Forschung darüber attestiert, wie Glück auf Wegen der Erziehung zu erreichen ist.

Insbesondere in den letzten Jahren erschienen jedoch zahlreiche Studien, welche sich mit Glück-verwandten Themen wie Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit oder auch gelingender Kindheit im Allgemeinen auseinandersetzen. Diese Studien sind oftmals aber eher deskriptiver Natur; sie geben mehrheitlich einen Überblick über statistische Durchschnittswerte bezüglich der Lebenszufriedenheit bestimmter Bevölkerungsgruppen[2]. Im Zuge dieser Studien wird zwar in der Regel auch der Versuch unternommen, unterschiedliche Zufriedenheitswerte mit verschiedensten Faktoren (bspw. Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss, Einkommen, Familienstand, etc.) zu erklären, dies gelingt aber nur mit mäßigem Erfolg, wie das nachfolgende Zitat aus der ersten Glücksstudie der Deutschen Post zeigt: „Befragt man beispielsweise ausschließlich Männer im Alter von 40 bis 50 Jahren, die verheiratet sind und ein Kind haben, die einen akademischen Abschluss haben, sich in guter Gesundheit befinden und über ein persönliches Nettoeinkommen zwischen 1500 und 2500 Euro verfügen, so erhält man ein Muster von Antworten, bei dem nahezu die gesamte Zufriedenheitsskala abgedeckt wird […]: Es gibt Männer die völlig zufrieden sind, und solche, die sehr unzufrieden sind, obwohl die äußeren Variablen […] gleich sind“ (Deutsche Post 2011:45).

Äußere, objektive Faktoren allein sind also nicht in der Lage, Zufriedenheitswerte vollständig zu erklären. Nichtsdestotrotz erlauben sie aber tendenzielle Aussagen darüber, wodurch das Glück der Menschen beeinflusst wird: So ist bspw. bekannt, dass sich eine gute Gesundheit, eine Partnerschaft bzw. Ehe oder auch das regelmäßige Treffen mit Freunden im Allgemeinen positiv auf die subjektive Lebenszufriedenheit auswirken (vgl. Deutsche Post 2012:48), und es ist auch bekannt, dass sich bspw. Krankheit, der Tod des Partners, Arbeitslosigkeit und auch soziale und kulturelle Isolation im Allgemeinen negativ auf die subjektive Lebenszufriedenheit auswirken (vgl. ebd.). Trotz alledem ist es nicht möglich, von den äußeren Variablen, also den Lebensumständen und -bedingungen einer Person eindeutig auf den Zufriedenheitswert dieser Person zu schließen. Zudem lässt sich die Zufriedenheit einer Person ohnehin nicht beliebig durch die Manipulation äußerer Faktoren steuern: So spiegelt sich zwar der Unterschied zwischen absoluter Armut und einer zumindest ausreichenden finanziellen Grundsicherung deutlich in den Zufriedenheitswerten vieler Menschen wider, doch sobald der individuelle Set Point erreicht ist, also der Punkt, an dem die existenziellen Bedürfnisse einer Person befriedigt sind, bzw. diese das Gefühl hat, „genug“ zu haben, geht ein Gewinn an (in diesem Beispiel) Geld keineswegs gleichermaßen mit einem Gewinn an Zufriedenheit einher (vgl. Deutsche Post 2012:119).

Denkbar wäre auch, dass manche Menschen für glückliche Momente schlichtweg „empfänglicher“ sind als andere Menschen, die eher das Negative in ihrem Leben wahrnehmen. Diese Vermutung legt zumindest die Erkenntnis nahe, dass Persönlichkeitsmerkmale einen deutlichen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden haben: So wurde in einer Vielzahl von Studien herausgefunden und bestätigt, dass bspw. extravertierte Menschen überdurchschnittlich glücklich, und Menschen mit neurotischen Charakterzügen unterdurchschnittlich glücklich sind (vgl. Bucher 2009:52). Gerade in einem Staat wie Deutschland, in dem per Recht Gleichberechtigung herrscht, in dem es vergleichsweise umfassende Sozialleistungen und Maßnahmen gibt, die existenzieller Armut entgegenwirken, „ist davon auszugehen, dass die inneren Persönlichkeitsmerkmale der Menschen bereits große Teile der Glücksunterschiede zwischen einzelnen Personen erklären“ (Deutsche Post 2012:46). Unter Berufung auf verschiedene Quellen heißt es in der Studie weiter, dass diese Persönlichkeitsmerkmale etwa zur Hälfte durch die Erbanlagen und zu weiteren Teilen durch Erziehung und Sozialisation bedingt seien (vgl. ebd.).

Die Erkenntnisse, dass die Zufriedenheit eines Menschen im Prinzip eher weniger mit den Umständen, unter denen ein Mensch lebt, zusammenhängt, sondern vielmehr damit, wie der jeweilige Mensch diese Umstände interpretiert und bewertet, welche Einstellung dieser Mensch generell zum Leben hat und auch, welche Persönlichkeitsmerkmale bei ihm mehr oder weniger ausgeprägt sind, führen zu der Frage, ob es möglich sein könnte, einen Menschen so zu erziehen, dass sich im Laufe seines Lebens ein glückliches bzw. gelingendes Leben automatisch einstellt[3].

Daraus ergibt sich die folgende Arbeitshypothese, die im Zuge dieser Arbeit verifiziert werden soll:

Arbeitshypothese (H¹):

Es besteht die Möglichkeit, durch eine Art der Erziehung, die sich durch bestimmte Inhalte und Methoden auszeichnet, überdurchschnittlich hohe subjektive Zufriedenheitswerte im späteren Leben herbeizuführen, d.h. eine „Erziehung zum Glück“ ist nachweislich möglich.

Diese Hypothese soll anhand der folgenden Fragestellung beantwortet werden:

1. Welche Theorien bezüglich einer „Erziehung zum Glück“ existieren?
2. Wie sind diese Theorien aus pädagogischer Sicht zu bewerten?

1.2. Methode und Vorgehen

Die vorliegende Arbeit ist prinzipiell theoretischer Natur, doch es soll, wo möglich, auf empirische Befunde Bezug genommen werden. Um Erkenntnisse über den Zusammenhang von Erziehung und Glück zu erlangen, soll Primär- und Sekundärliteratur zu den Themen „Glück“, „Glück und Erziehung“, „Glück und Bildung“ und zu sinnverwandten Themen darauf hin untersucht werden, welche Konzepte und Ansätze zur Erziehung zum Glück sichtbar werden und in welchem Verhältnis letztere zueinander stehen. Dabei soll das Verhältnis von Erziehung und Glück systematisch rekonstruiert werden, indem Widersprüche und Kohärenz zwischen den einzelnen Konzepten aufgedeckt werden. Das Ziel ist hierbei, ein allgemeingültiges Konzept für den Zusammenhang von Erziehung und Glück bzw. Erziehung zum Glück zu identifizieren beziehungsweise durch Verknüpfung und Erweiterung der bestehenden Konzepte zu konstruieren.

Die Literaturanalyse im Rahmen dieser Arbeit beschränkt sich aus Gründen des Verständnisses, der Literaturbeschaffung und des formalen Rahmens der Arbeit auf Quellen aus dem deutschen und englischen Sprach- und Kulturraum, weshalb das im Zuge dieser Arbeit zu erarbeitende allgemeingültige Konzept auch nur in selbigem Gültigkeit haben kann. Bezüglich des fachspezifischen Kontextes der Quellen findet eine weitere Einschränkung auf den Bereich der Erziehungswissenschaften, der Philosophie und der Psychologie statt. Obwohl auch andere Wissenschaftsdisziplinen, insbesondere die Theologie und die Wirtschaftswissenschaften, Werke zur Fragen des Glücks und der Zufriedenheit hervorgebracht haben, werden sie in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Dies liegt zum einen daran, dass 1.) beide Fachrichtungen nur sporadisch Überschneidungen mit den Erziehungswissenschaften aufweisen, dass 2.) die Inhalte der beiden Fachrichtungen nicht Bestandteil des erziehungswissenschaftlichen Studiums sind und dass 3.) theologische Betrachtungen des Themas „Glück“ meist mit einer starken moralischen Wertung verknüpft sind. Letztere soll jedoch, ebenso wie normative Setzungen, zugunsten einer objektiveren Betrachtung vermieden werden.

Von einer grundlegenden Annahme muss jedoch ausgegangen werden, denn mit dieser steht und fällt der Zweck dieser Arbeit: Das Glück ist etwas Erstrebenswertes, das Menschen, ungeachtet ihres Alters, ihrer sozialen Schicht und ihres Geschlechts als etwas Positives erachten und freiwillig zu erlangen versuchen. Diese Annahme wird selbstverständlich im Folgenden noch begründet werden. Des weiteren muss auch betrachtet werden, welche Berechtigung das Glück überhaupt hat, zum Erziehungsziel „emporgehoben“ zu werden, und in welchem Verhältnis es mit bestehenden Erziehungszielen steht.

1.3. Aufbau der Arbeit

Dieser Einleitung folgt zunächst ein Kapitel, das dem Glücksbegriff gewidmet ist, denn es macht nur Sinn, über das Glück als Ziel erzieherischer Bestrebungen zu schreiben, wenn auch Klarheit darüber herrscht, was überhaupt gemeint (und was nicht gemeint ist) wenn vom Glück die Rede ist. Dazu wird der Begriff des Glücks definiert (Kap 2.1.), verschiedene Dimensionen von Glück aufgeschlüsselt (Kap. 2.2.) und dargestellt, welche Relevanz dem Glück in ausgewählten Bereichen zukommt (Kap. 2.3.). Schließlich wird in Kap. 2.4. zusammengetragen, welche empirischen Befunde über die „Entstehungsbedingungen“ von Glück existieren und welche Faktoren für das Glück im Allgemeinen und das Glück als Ziel der Erziehung von Bedeutung sind.

Im dritten Kapitel wird das eigentliche Thema, die Erziehung zum Glück, behandelt und der Fragestellung nachgegangen. Dazu werden zunächst Bewertungskriterien erarbeitet (Kap. 3.1.), mit Hilfe derer die im nachfolgenden Kapitel dargestellten Konzepte bewertet und verglichen werden können (Kap. 3.2.). Die gesammelten Erkenntnisse werden schließlich im Fazit zusammengefasst (Kap. 4.).

2. Über das Glück

„Alle Menschen streben nach Glück, erklärte Aristoteles im 5. Jahrhundert v. Chr. am Beginn seiner Nikomachischen Ethik […]. Man darf hinzufügen: Ihr Streben richtet sich nicht auf etwas, das ihnen fern und nur vom Hörensagen bekannt ist; sie befinden sich nicht in einem Tal der Ahnungslosen, vielmehr können sie sich auf das Glück nur beziehen, weil sie Vorstellungen davon mitbringen“ (Thomä/Henning/Mitscherlich-Schönherr 2011:1). Der Begriff der Vorstellung weist wiederum darauf hin, dass das Glück etwas ideelles ist, etwas, dass kaum greifbar ist und dass sich deswegen für mannigfaltige Interpretationen anbietet. Dieses Kapitel wird sich also damit beschäftigen, das Glück, zumindest theoretisch, greifbar zu machen, indem es gängige Interpretationen darstellt und den Versuch unternimmt, zu definieren, was Glück ist, und was es nicht ist. Dazu wird zunächst der Begriff, also das eigentliche Wort und dessen Bedeutung beschrieben (Kap. 2.1.), woraufhin erläutert wird, welche Bedeutungen sich ergeben, wenn man das Glück mit anderen Begriffen in Verbindung bringt: Mit der Zeit, mit Normativität und letztlich mit dem Alter (Kap 2.2.). Darauf folgt ein kurzer Exkurs, welcher die Relevanz des Glücks in verschiedenen Bereichen beschreibt (Kap. 2.3.), schließlich werden dann die Bedingungen herausgearbeitet, die für das Entstehen von Glück von Bedeutung sind (Kap. 2.4.)

2.1. Begrifflichkeiten

„Das Wort ›Glück‹ wird auf unterschiedlichste Weisen verwendet. Im weitesten Sinn handelt es sich um einen Oberbegriff für alle Vorstellungen vom guten Leben. In dieser Bedeutung wird der Begriff oft synonym mit Ausdrücken wie ›Wohlbefinden‹ oder ›Lebensqualität‹ gebraucht und bezeichnet sowohl individuelles wie auch soziales Wohlergehen“ (Veenhoven 2011:1). Bellebaum fügt ergänzen hinzu: „Angesichts einer verwirrenden Vielfalt von Glücksbegriffen ist [sogar] vorgeschlagen worden, auf das Wort Glück zu verzichten. Dies ist bislang [jedoch] nicht gelungen, und es kann allein schon wegen der anhaltenden kulturellen Bedeutung dieses Wortes nicht gelingen. Es muss freilich nicht alle glücksbezogene Forschung mit dem Wort Glück arbeiten. In manchen Studien werden angrenzende oder verwandte Termini benutzt“ (Bellebaum 2002:9), von denen im Folgenden die in der wissenschaftlichen Literatur gebräuchlichsten Begriffe vorgestellt werden: Das „Glück“ selbst, die verwandten Begriffe „subjektives Wohlbefinden“ und „Lebenszufriedenheit“ und schließlich auch das „gute Leben“.

2.1.1. Der Glücksbegriff

„Die deutsche Sprache verfügt nicht über große Differenzierungsmöglichkeiten, wenn es um Bezeichnungen für Glückserfahrungen geht. Anders als das Altgriechische τέχνη (téchne), εὐδαιμονία (eudaimonia) und μακαριότηϛ (makariotes)[4], das Lateinische, das zwischen fortuna, felicitas und beatitudo[5], das Französische, das zwischen chance, bonheur, félicité, fortune und béatude[6] oder gar das Englische, das zwischen luck, happiness, felicity, chance, bliss und beatitude[7] unterscheidet, kennt das Deutsche nur das eine Wort »Glück«, um körperlich-sinnliche oder sinnerfüllte, intensiv-glühende oder transzendenzlastige[8], zufällig sich einstellende oder durch eigenes Streben errungene Glückszustände zu benennen“ (Hörisch 2011:1). Oftmals müssen also andere Begriffe zur Hilfe genommen werden, um verschiedene Nuancen des Glücksbegriffs zu beschreiben. Allerdings existiert auch in der deutschen Sprache ein gravierender Bedeutungsunterschied zwischen den Begriffen „Glück haben“ und „glücklich sein“. Ersterer beschreibt eine günstige Fügung, also einen unwahrscheinlichen und als positiv bewerteten Zufall, während letzterer einen emotionalen Zustand des Wohlbefindens, der (Bedürfnis- und Lust-)Befriedigung und der Erfülltheit oder auch Sättigung beschreibt. „Glücklichsein“ hat jedoch auch eine kognitive, weniger emotionale, Komponente: So kann beispielsweise die Reflexion insofern als glücklich machend empfunden werden, als sie es dem Menschen ermöglicht, sich (zuerst vor allem gedanklich) von der eigenen Lebenssituation, den eigenen Lüsten und Bedürfnissen und den eigenen Nöten zu distanzieren und gegebenenfalls zu lösen: „Dabei ist oftmals weniger der Gegenstand des Sehens [hier zu verstehen als: Reflektierendes Wahrnehmen; Anm. TB] beglückend, denn das Sehen selbst. Die Wahrnehmungen des Lebens sind deshalb schön und beglücken[d], weil sie in der Distanz zum wirklichen Leben gewonnen werden: Sie beglücken, weil sie Freiheit erfahrbar werden lassen, Freiheit von den eigenen unmittelbaren Bedürftigkeiten und Freiheit zum eigenen Entwurf von Selbst und Welt“ (Zirfas 2011:4). Durch die Unterscheidung in Glück durch Befriedigung und Glück durch Reflexion ist das Glück jedoch kaum hinreichend charakterisiert. Ganz im Gegenteil gibt es noch eine ganze Reihe von begrifflichen und semantischen Verknüpfungen, die dem Glücksbegriff eine neue Bedeutung verleihen.

Was hat es nun aber mit dem Wort „Glück“ in der deutschen Sprache auf sich? Die Wortherkunft betreffend, taucht das Wort erst in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts in Form der mittelhochdeutschen Wörter „gelücke“ und „gelucke“ auf, und zwar „plötzlich und ohne jede ahd. [althochdeutsche; Anm. TB] Vorstufe, scheinbar ohne nähere Verwandte und in seiner ganzen Art unerklärbar“ (Sanders 1965:1). Die Rekonstruktion der Wortherkunft- und entstehung gestaltet sich dabei aus verschiedensten Gründen als schwierig, wie Sanders in seiner Dissertation über den Glücksbegriff berichtet. Die Schwierigkeiten rühren daher, „daß [sic] Glück sich von einem Wortstamm herleitete, der zur Zeit seines ersten Auftretens bereits unaufhaltsam im Aussterben begriffen war; daß [sic] es in einem Teil des deutschen Sprachgebietes auftrat, dessen Überlieferung schlecht war; daß [sic] es als Begriff von lokal beschränkter Geltung unmittelbar nach seinem Auftreten in den mhd. [mittelhochdeutschen; Anm. TB] verpflanzt wurde, wo es unbekannt sein mußte [sic] und von vornherein Mißdeutungen ausgesetzt war und dergleichen mehr“ (ebd.:247). Dennoch ist bekannt, dass das Wort Glück über Jahrhunderte hinweg ausschließlich als Begriff benutzt wurde, um das Schicksal beziehungsweise den günstigen Zufall (Fortuna) sowie sein Gegenteil bzw., allgemeiner gesprochen, den Ausgang einer Sache zu beschreiben (vgl. ebd.:249). Erst im sechzehnten Jahrhundert n. Chr. wurde das Wort Glück dann synonym zum Begriff „gelingen“ verwendet, obwohl die beiden Begriffe etymologisch nicht verwandt sind (vgl. ebd:247).

Hörisch rekonstruiert die heutzutage gebräuchliche Bedeutung des Wortes wie folgt: „»Lücke« ist das nächstverwandte Wort zu »Glück«. […] Das Verb »glücken« verweist wie das verwandte »gelingen« […] auf ein Verschließen, Ausfüllen und Erfüllen von »Lücken«“ (Hörisch 2011:1). So lässt sich also das Glück als der Zustand beschreiben, der Eintritt, wenn eine „Lücke“, bspw. in Form eines Mangels oder einer Not, „gefüllt“ wird. Glück ist also, gemäß dieser Herleitung, ein Zustand der Befriedigung oder Zufriedenstellung. Jedoch konstituiert sich durch den Zusammenhang von „Lücke“ und „Auffüllen“ (oder von Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung bzw. Not und Linderung) eine Abhängigkeit: „Ohne die Lücken, ohne die Entsagungserfahrungen, ohne die zahlreichen Mängel, die unser Leben prägen, ist Glück nicht zu haben. Dennoch“, fügt Hörisch hinzu, „ist wahres Glück unendlich mehr als ein bloßer Lückenbüßer“ (ebd.:2).

Ohne an dieser Stelle näher auf die gegenseitige Bedingtheit von Glück und Unglück eingehen zu wollen, bleibt festzuhalten, dass der Glücksbegriff in der deutschen Sprache vieldeutig und dadurch missverständlich ist. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Zufalls-Glück und emotionalem Glück, wie sie in verschiedensten Sprachen vorzufinden ist (s.o.), existiert im Deutschen nicht. Daher kommt auch diese Arbeit nicht umher, sich mit sinnverwandten Termini zu behelfen.

2.1.2. Subjektives Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit

„Glück als Emotion lässt sich schließlich beschreiben als ein umfassendes Gefühl der Zufriedenheit oder auch des Wohlbefindens […], das sowohl die aktuelle Befindlichkeit wie die biographische Entwicklung umfasst“ (Zirfas 2011:11). Die Begriffe „Wohlbefinden“ wie auch „Lebenszufriedenheit“ weisen zugegebenermaßen viele Gemeinsamkeit auf und sie werden teilweise synonym verwendet: So werden bspw. in internationalen Glücks- bzw. Well-being-Studien beide Begriffe dazu verwendet, in Erfahrung zu bringen, wie Menschen ihre eine Situation bewerten und wie glücklich sie sich schätzen. Die Begriffe „subjektives Wohlbefinden“ und „Lebenszufriedenheit“ sind dabei als Konstrukte zu verstehen, die nicht endgültig definiert sind und sich fortwährend im Wandel befinden. So ist die Annahme (bzw. Erkenntnis), dass die Lebenszufriedenheit eines Menschen nicht allein von seinen Lebensumständen (z.B. Einkommen, Bildung, Gesundheit, Familienstand, etc.) abhängt, zeitgeschichtlich noch relativ jung. Die Erkenntnis, dass für die Lebenszufriedenheit vor allem von Bedeutung ist, wie ein Mensch seine Lebensumstände wahrnimmt und bewertet, spiegelt sich u.a. in den Begriffen „subjektives Wohlbefinden“[9] oder auch „subjektive Lebenszufriedenheit“[10] wider. Das Wohlbefinden und auch die Lebenszufriedenheit setzen sich in der Regel aus verschiedenen Komponenten zusammen. So sind für beide die Zufriedenheit mit bspw. der familären Situation, mit der beruflichen (bzw. schulischen) Situation, mit der Freizeitgestaltung, mit dem Freundeskreis sowie der Peer-Group und mit den eigenen Freiheiten (insbesondere bei Kindern) von Bedeutung, des weiteren aber auch die eigenen Ängste und Sorgen (vgl. World Vision Deutschland 2010:390 ff.) sowie die Gesundheit, der Familienstand und die soziale Eingebundenheit (vgl. Deutsche Post 2012:48).

Trotzdem die beiden Begriffe, Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit, praktisch gleichwertig und synonym verwendet werden, weist Zirfas auf einen grundsätzlichen Unterschied hin (welcher jedoch in den meisten Studien weder Beachtung noch Anwendung findet): „Während das Wohlbefinden stärker auf die emotionale Dimension der Erfahrung von mehr oder weniger umfassenden Zuständen und Entwicklungen des Glücks abhebt, zielt der Begriff der Zufriedenheit stärker auf einen kognitiven Faktor des […] [Glücks] ab, bei dem die Bilanz der Kongruenz von angestrebten und erreichten Lebenszielen im Mittelpunkt steht (Zirfas 2011:11). Die Zufriedenheit ist also, gemäß Zirfas, als Ergebnis eines Gedankenprozesses zu verstehen, und weniger als affekthaftes Gefühl (wenngleich auch aus der Zufriedenheit in der Regel eine Form von Wohlbefinden erwächst).

2.1.3. Das gute Leben

Das gute Leben (oder auch das gelingende Leben) ist zwar ein Begriff, der vor allem in Publikationen behandelt wird, die der Philosophie (und weniger den Gesellschaftswissenschaften) zuzurechnen sind, doch diese Thematik ist untrennbar mit dem Glück verbunden und somit von besonderer Bedeutung für die Glücksforschung und auch für jeden Diskurs über erzieherische Zielsetzungen.

Der Terminus wurde, so die deutsche Philosophin Ursula Wolf, ursprünglich mangels einer geeigneten Übersetzung des griechischen Ausdrucks eudaimonia eingeführt. Denn die „Übersetzung mit «Glück» […] die man auch häufig findet, ist nicht sehr befriedigend“ (Wolf 1999:15). Dies begründet Wolf damit, dass der Begriff „Glück“ „in der heutigen Umgangssprache eine ziemlich blasse Bedeutung hat, die ihn hedonistisch auf ein positives Gefühl oder utilitarisch auf maximale Wunscherfüllung reduziert“ (ebd.:67 f.). Als alternative Übersetzungsmöglichkeiten bieten sich die Ausdrücke „Wohl“, „Wohlbefinden und „Wohlergehen“ an, welche jedoch den Nachteil haben, „daß [sic] sie eher etwas Passives zu bezeichnen scheinen, während die eudaimonia das ganze Leben und daher auch das Handeln umfasst“ (ebd.:16). Daher bot es sich an, eine Formulierung zu wählen, die der eudaimonia am nächsten kommt. „Daimon bedeutet etwa «Leben», «Lebensgeist», und eu ist das Adverb von «gut», eudaimonia demnach «gute Weise des Lebens» (ebd.:68). Was ist nun aber konkret damit gemeint, wenn vom guten Leben die Rede ist?

Das gute Leben bezeichnet (in diesem Fall) nicht, wie man annehmen könnte, das moralisch Gute oder das, was kollektiv als „gut“ beurteilt wird, sondern einen Zustand des Lebens, in dem es einer Person, und zwar insbesondere der eigenen, gut geht (ebd.:69). Wodurch dieser Zustand erreicht wird, ist im Prinzip unwichtig, im Vordergrund steht die Annahme, dass jeder Mensch von Natur aus einen ebensolchen Zustand anstrebt. Wolf gesteht allerdings ein, dass es auch Menschen gibt, die ihr eigenes Wohl nicht zum höchsten Ziel ihres Lebens erklären und, ganz im Gegenteil, ihr persönliches Glück „opfern“, um ihr Leben an einem „überpersönliches Ziel“ wie etwa der „Wissenschaft, Gerechtigkeit oder Kunst“ auszurichten (vgl. Wolf 1999:69).). „So haben manche Menschen die Vorstellung, man müsse das persönliche Glück opfern zugunsten einer Pflicht, nicht weil das eine höhere Form von Glück ist, sondern so, daß [sic] sie darin selbst eine Opferung des Glücks sehen“ (ebd.; Hervorhebung TB). Diese Menschen streben also, entgegen der ursprünglichen Annahme, nicht nach der eudaimonia oder dem guten Leben. Trotzdem wäre es irreführend, anzunehmen, dass besagte Menschen ihr Leben ohne ein höheres Ziel führen und ihre Entscheidungen willkürlich treffen. Die Entscheidung, das eigene Leben nicht nach dem Ziel des guten Lebens auszurichten, lässt sich nämlich dadurch begründen, dass eine andere Zielsetzung für die einzelne Person mehr Sinn macht bzw. bedeutender ist.

Das gute Leben, also jenes Leben, das das eigene Wohlbefinden zum Ziel hat, ist folglich nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Frage nach dem Lebenssinn bzw. dem sinnvollen Leben zu beantworten. Dass Menschen durchaus auch dazu bereit sind, andere Dinge zu ihrem Lebenszweck- und ziel zu erheben, als das persönliche Wohlbefinden, illustrieren Menschen, die ihr Leben in den Dienst einer höheren Sache, wie insbesondere einer religiösen oder ideologischen Überzeugung, stellen, und dafür teilweise Strapazen, Entbehrung und Leid auf sich nehmen. Ebenso kann man kaum von politischen Aktivisten, die „für den einen guten Zweck“ in den Hungerstreik treten, von Menschenrechtlern, die für ihre Überzeugung ihr Leben aufs Spiel setzen, und von Märtyrern, die „ihr Leben für die gute Sache geben“, behaupten, dass nur ihr eigenes Wohlbefinden ihre Handlungen bestimmen würde. Allerdings sind auch auch solche Menschen, die auf gemäßigtere Art und Weise ein Leben führen, dass nicht der eudaimonia entspricht, also bspw. Menschen, die ihr Leben zu ihrem eigenen Nachteil (bezüglich ihres Wohlbefindens) in den Dienst von Wohltätigkeit oder Gemeinnützigkeit stellen, schon nicht mehr als eudaimones[11] zu bezeichnen, da das Ziel ihres Handelns dem eigenen Wohlbefinden übergeordnet ist.

Trotz allem hat es den Anschein, dass das gute Leben ein Lebensentwurf sowie Lebensziel ist, das von den meisten Menschen akzeptiert und auch angestrebt wird; denn schließlich sind die meisten Menschen weder Asketen, Märtyrer noch altruistische Gemeinnützige.

Die „Unbestimmbarkeit“ des guten Lebens

Bezüglich der genaueren Bestimmung dessen, was das gute Leben ausmacht, hat sich bisher nur herauskristallisiert, dass es einen von mehreren möglichen Lebensentwürfen darstellt, dass es dem Leben einen Sinn gibt und dass es das eigene Wohlbefinden zum Ziel hat. Für die Zielsetzung einer Erziehung zum Glück (bzw. hier: Erziehung zum guten Leben) ist dies in vielerlei Hinsicht unzureichend, denn Erziehung ist immer auch auf Methoden und Inhalte angewiesen. Ist nun aber der Inhalt des guten Lebens wirklich unbestimmbar, weil individuell und subjektiv unterschiedlich?

Tatsächlich „gibt es eine verbreitete Auffassung, dass es sich bei „Glück“ um eine vorwiegend subjektiv-private Angelegenheit handle“ (Bellebaum 2002:15), die sich nicht so recht in Worte fassen und definieren lässt; dies gilt natürlich gleichermaßen für die Vorstellung vom guten Leben. Und wenn „Alfred Bellebaum auf die ihm in zahlreichen Interviews immer wieder gestellte Frage, was eigentlich Glück sei, antwortet: „Glück ist das, was Menschen sich darunter vorstellen“, dann mag der eine oder andere darin einen Hinweis auf die Unmöglichkeit sinnvoller empirischer Glücksforschung sehen“ (Braun 2002:6). De facto ist letztere Annahme der Unmöglichkeit sinnvoller Glücksforschung aber ein Trugschluss, der davon ausgeht, dass jeder Mensch sich etwas anderes unter den Begriffen Glück und gutes Leben vorstellt, und dass deswegen kein „gemeinsamer Nenner“ aller Glücksvorstellungen gefunden werden könne. Faktisch existieren jedoch „Hinweise auf kollektive, also von mehreren Menschen geteilte […] Glücksvorstellungen“ (Bellebaum 2002:15). Dass solche quasi existieren müssen, erklärt sich vor dem Hintergrund, dass jeder Mensch, der im Kontext von Gesellschaft aufwächst und lebt, natürlich nicht unabhängig von Erziehung, Sozialisation und kulturellen Einflüssen ist. Über letztere werden entsprechend auch Vorstellungen von Glück, Umgangsweisen mit Glück und Wege zum Glücklichsein vermittelt, beziehungsweise zur Auswahl angeboten. Aus diesem „Angebot“ kann jeder Mensch zwar relativ frei wählen, doch „das Reservoir an Originalität begrenzt“ (Braun 2002:6) und „vieles spricht dafür, dass es ähnlich wie etwa bei Vorstellungen der „richtigen“ politischen Ordnung und vom „harmonischen“ Zusammenleben auch bei Glücksvorstellungen bestimmte Grundtypen gibt (ebd.:6). Die Individualität und Vielfältigkeit der Glückskonzepte, die Menschen haben können, finden also, erstens, in der Anzahl der denkbaren möglichen Vorstellungen vom guten Leben eine Begrenzung, und zweitens in der Anzahl der in der jeweiligen Gesellschaft angebotenen. Daraus folgt, dass eine genauere inhaltliche Bestimmung des guten Lebens möglich ist! Einen Versuch, dass gute Leben an konkrete Bedingungen zu knüpfen, unternimmt die Philosophin Martha C. Nussbaum mit ihrem Ansatz der sog. „starken, vagen Liste des guten Lebens“, welche im Folgenden dargestellt wird.

Martha Nussbaums „starke vage Liste des guten Lebens“

Die starke vage Liste des guten Lebens stellt das Ergebnis Nussbaums Versuch dar, eine „Konzeption des Menschen“ zu verfassen, also diejenigen Eigenschaften und Tätigkeiten zu beschreiben, die den Menschen eindeutig als ebensolchen identifizieren. Dazu stellt sich die Autorin zwei Fragen. Erstens fragt sie: „Welche Veränderungen oder Übergänge sind mit der Weiterexistenz dieses Lebenswesens als Mitglied der menschlichen Art vereinbar und welche nicht?“ (Nussbaum 1999:187) und begründet diese Frage damit, dass „[m]anche Fähigkeiten ausfallen [können], wobei wir es immer noch mit einem menschlichen Wesen zu tun haben; das Fehlen anderer scheint dagegen das Ende eines menschlichen Lebens zu signalisieren“ (ebd.:187). Die zweite Frage, die sie stellt, um den Menschen zu charakterisieren, ist: „Was muß [sic] unserer Ansicht nach vorhanden sein, damit wir ein gegebenes Leben als ein menschliches anerkennen?“ (ebd.:188). Ihre „Konzeption des Menschen“ verfasst sie mit den Hinweisen, dass sie „sowohl vorläufig als auch offen“ ist und dass sie einen Konsens darstellt (ebd.:189 f.).

Die menschliche Lebensform sieht Nussbaum durch die folgenden Aspekte gekennzeichnet: Das menschliche Leben ist durch Sterblichkeit geprägt und „alle Menschen [haben] eine Abneigung gegen den Tod“ (ebd.:190). Des weiteren ist die menschliche Existenz an die Existenz des menschlichen Körpers gebunden, weshalb auch die Körperlichen Bedürfnisse zum Wesen des Menschen gehören: Hunger, Durst, das Bedürfnis nach Schutz, sexuelles Verlangen und Mobilität (ebd.:191 f.). Der Mensch zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass er die Fähigkeit besitzt, Freude und Schmerz zu empfinden, dass er kognitive Fähigkeiten besitzt, dass er in seinem Leben Entwicklung (-sphasen) durchläuft, dass er über praktische Vernunft verfügt und dass er Verbundenheit mit anderen Menschen empfindet (ebd.:193 f.). Ferner ist die menschliche Existenz durch ihre Verbundenheit mit anderen Arten Tiere und Pflanzen) und auch durch Humor und Spiel charakterisiert (ebd.:194 f.).

[...]


[1] Aus Gründen der Lesbarkeit wird in dieser Arbeit vorwiegend das generische Maskulinum verwendet, gemein sind jedoch stets weibliche und männliche Personen.

[2] Vgl. hierzu: UNICEF 2007, World Vision Deutschland 2010, LBS-Initiative Junge Familie 2009, The Earth Institute 2012

[3] Trotz der Tatsache, dass sich diese Frage geradezu aufdrängt, sind bisher erstaunlich wenige Werke zu diesem Thema verfasst worden: Vgl. Riemen 1991, Zirfas 1993, Brumlik 2002, Hufnagel 2002, Taschner 2003.

[4] Übersetzungen (Griechisch): téchne: Kunst, Handwerk, das Wissen und die Fähigkeit, etwas zu bewältigen; eudaimonia: Glück, Glückseligkeit; makariotes: Glückseligkeit, Gelassenheit (alle Übersetzungen aus: PONS Wörterbuch)

[5] Übersetzungen (Latein): fortuna: Geschick, Zufall, Glücksfall; felicitas: Glück(seligkeit), Segen, Gelingen, Erfolg; beatitudo: Glück, Glückseligkeit

[6] Übersetzungen (Französisch): chance: glücklicher Zufall; bonheur: Glück; félicité: Glückseligkeit; fortune: Schicksal, Glück; béatude: Glücksgefühl

[7] Übersetzungen (Englisch): luck: Glück, Erfolg; happiness: Zufriedenheit, Fröhlichkeit; felicity: Glückseligkeit; chance: Zufall, Glück; bliss: Wonne; beatitude: Glückseligkeit

[8] Transzendenz (lat. für „Überschreiten“) beschreibt einen Zustand, in dem die Grenzen der bisherigen Erfahrung oder des Bewusstseins überschritten werden. Der Begriff findet bspw. zur Beschreibung von Zuständen, die während der Meditation auftreten, Anwendung.

[9] Der Begriff „subjektives Wohlbefinden“ ist in der wissenschaftlichen (Glücks-)Literatur sehr verbreitet, s. Hierzu: UNICEF 2007,LBS-Initiative Junge Familie 2009, World Vision Deutschland 2010, The Earth Institute 2012, u.a..

[10] Der Begriff „subjektive Lebenszufriedenheit“ findet sich bspw. im Deutsche Post Glücksatlas (Deutsche Post 2012)

[11] Eudaimones: Menschen, die das gute Leben anstreben (vgl. Wolf 1999:68)

Details

Seiten
59
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656488941
ISBN (Buch)
9783656492702
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231393
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
Glück Erziehung Glücksforschung Wohlbefinden Lebenszufriedenheit Zufriedenheit Subjektives Wohlbefinden Glückserziehung Bellebaum Bucher Fritz-Schubert Glücksunterricht Schulfach Glück Nussbaum Veenhoven Zirfas Gutes Leben Well Being

Autor

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Titel: Glück als Erziehungsziel?