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Johann Sebastian Bach "Das wohltemperierte Klavier". Analyse der Fuge in c-Moll, BWV 847

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte des Wohltemperiertem Klavier

3. Analyse der Fuge in c-Moll
3.1 Genereller Aufbau der Fuge
3.2 Analyse der ersten Durchführung
3.3 Analyse der zweiten Durchführung
3.4 Analyse der dritten Durchführung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Schrifttum
5.2 Musikalien

1. Einleitung

Johann Sebastian Bach hat kaum nach dem Prinzip eines Lehrbuches seine Stücke komponiert. Ein Beispiel hierfür dürfte die von mir analysierte Fuge in c-Moll sein, die aus dem ersten Band des Wohltemperierten Klavieres stammt. Alfred Dürr schreibt, dass die Fuge mehr einem Satz ähnelt, „in dem die Zwischenspiele fast ebenso viel Platz beanspruchen wie die thematischen Partien“[1]. Recht muss man ihm geben, weil die C-Dur Fuge z.B. gar kein Zwischenspiel beinhaltet und die c-Moll Fuge sogar fünf Zwischenspiele besitzt. Das Schöne an der c-Moll Fuge ist, dass die einzelnen Entwicklungen des Stückes einfach auf das Soggetto und den ersten Kontrapunkt zurückverfolgt werden können.

2. Entstehungsgeschichte des Wohltemperiertem Klavier

Die Entstehungsgeschichte des Wohltemperierten Klaviers besitzt bis heute viele ungeklärte Fragen. Denn Ort und Entstehungsdatum sind uns unbekannt. Zwar gibt es Dokumente, die auf einen bestimmten Zeitabschnitt verweisen, jedoch geben sie im Grunde genommen keine klare Antwort. Eine zuverlässige Quelle könnte die Nachricht von Ernst Ludwig Gerber sein, Sohn eines Schülers von Bach. Seinem Brief zufolge kann man darauf schließen, dass Bach das Werk an einem seiner traurigsten Lebensabschnitte geschrieben haben muss. Dieser muss sich vor dem Jahre 1722 befunden haben, weil dies das Entstehungsjahr der Reinschrift ist. So kommt die Zeit zwischen November und Dezember 1717 in Frage, weil der Herzog Bach nicht nach Koethen entließ. Jedoch muss man beachten, dass von diesem Zeitpunkt an nur von einer Entstehung der Rohfassung die Rede sein kann, weil das Werk mit jeweils 24 Präludien und Fugen für die kurze Dauer zu anspruchsvoll gewesen wäre. Das Stück hat zwei Funktionen; zum einen sollen wissbegierige Schüler ihr pianistisches Können an dem Wohltemperiertem Klavier erweitern, zum anderen sollen erfahrene Spieler einen erlesenen Zeitvertreib an diesen Stücken erfahren. Im Laufe der Jahre gab es mehrere Revisionseintragungen von Bach, jedoch beziehen sich diese nicht auf die hier thematisierte Fuge.[2]

3. Analyse der Fuge in c-Moll

3.1 Genereller Aufbau der Fuge

Die vorliegende Fuge besteht aus 31 Takten und steht im 4/4 Takt geschrieben. Das für drei Stimmen geschrieben Stück lässt sich hier in drei nichtgleichgroße Teile separieren. Die erste Durchführung befindet sich in den Takten Eins bis Elf, im letzten endet es auf der ersten Achtel. Diese erste Durchführung beinhaltet die Vorstellung des Soggettos (Takt Eins bis Drei), eine tonale Beantwortung des Dux in Form eines Comes (Takt Drei bis Fünf), ein Binnenzwischenspiel (Takt Fünf bis Sieben), welches auf den Dux zurückführt (Takt Sieben bis Neun), und einem Zwischenspiel. Die zweite Durchführung (zweite Achtel Takt Elf bis erste Achtel Takt 15) beinhaltet einen Dux auf der Tonikaparallelen in Es-Dur und das zweite Zwischenspiel. Die dritte Durchführung beginnt auf der zweiten Achtel in Takt 15 und endet im letzten Takt. Diese greift in Takt 15 den Comes in der Mittelstimme auf, umgeben von den Kontrapunkten Eins und Zwei a), bevor dieser in das zweite Binnenzwischenspiel überleitet. In Takt 20 erscheint der Dux das erste Mal im Sopran und läutet somit die Reprise ein, bevor in Takt 22 das längste Zwischenspiel beginnt. In Takt 26 wird der Dux nochmals in die Bassstimme geführt, bevor das letzte Zwischenspiel (Takt 28 bis 29), welches gleichzeitig auch das kürzeste ist, die Fuge in die Abschlusskadenz überführt (Takt 29 bis 31).[3]

3.2 Analyse der ersten Durchführung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie oben schon benannt, besteht die erste Durchführung aus der Exposition. Die Fuge beginnt mit dem Soggetto, welches allein in der Altstimme in c-Moll eingeführt wird. Charakteristisch an diesem Soggetto ist die Wellenbewegung auf der Wechselnote h‘. Es besteht zu dem aus drei Teilen. Der Erste Teil soll die These, der zweite Teil die Antithese und im dritten Teil soll die Synthese darstellen. Betrachtet man noch zusätzlich den allgemeinen Verlauf der Stimmen und die betonten Zählzeiten, so ist eine Abwärtsbewegung auf den Tönen a‘, g‘, f‘ und e‘ auffällig. Daraus kann man schließen, dass das Soggetto einen generellen abwärts verlaufenden Trend verfolgt. Das Soggetto wird im nächsten Schritt vom Comes im Sopran auf der Molldominanten in g-Moll tonal beantwortet. Vergleicht man den Achtelsprung in der These im Comes mit dem ersten Achtelsprung in der These des Soggettos, so stellt man eine Differenz in der Größe der Intervalle fest. Im Soggetto beträgt der Intervallabstand der einer reinen Quarte. Im Comes beträgt dieser Intervallabstand der einer reinen Quinte. Bach musste in diesem Fall einen Unterschied in der Größe aus tonalen Gründen eingehen, damit er weiterhin die Stimmen in g-Moll führen kann. Neben dem Comes wird in Takt Drei auch der erste Kontrapunkt im Alt eingeführt. Dieser besteht aus einer abwärtsverlaufenden sechzehntel Bewegung, der nach dem siebten Ton einen Sprung um eine große Dezime aufwärts macht und anschließend in einer Achtelwellenbewegung abwärts verläuft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vergleicht man den allgemeinen musikalischen Verlauf des Kontrapunktes mit dem Soggetto, so stellt man fest, dass der Trend der Abwärtsbewegung des Soggettos auf den Anfang des Kontrakpunktes Eins a) übertragen wird und die Rhythmik, anfangs sechzehntel dann achtel Bewegungen, aus dem Kopfmotiv des Soggettos übernommen wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im ersten Binnenzwischenspiel Kontrapunktiert der erste veränderte Themenkopf gegen den Binnenzwischenspielkontrapunkt. Der erste veränderte Themenkopf wird hierbei in halbtaktigen Wellen sequenzartig und stufenweise über die Töne es“, f“ und g“ aufwärts geführt. Auch hier lässt sich eine Herkunft aus dem Themenkopf nicht leugnen, wenn man die Zählzeiten und die Tonhöhe von dem veränderten Themenkopf Eins mit dem ersten Binnenzwischenspielkontrapunkt miteinander vergleicht.[4]

[...]


[1] Aus Dürr, S. 107, 2008.

[2] Vgl. Dürr, S. 67 – 73, 2008.

[3] Vgl. Czaczkes, S. 58 u. 61, 1985.

[4] Vgl. Czaczkes, 1985, S. 59.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656477976
ISBN (Buch)
9783656479529
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231343
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Institut für Musik und Musikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
johann sebastian bach klavier analyse fuge

Autor

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Titel: Johann Sebastian Bach "Das wohltemperierte Klavier". Analyse der Fuge in c-Moll, BWV 847