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Wahlbeteiligung in westlichen Demokratien

Diskussion des Forschungsstandes und Anwendung auf die Entwicklung der Wahlbeteiligung in der Schweiz seit 1995

Hausarbeit 2012 25 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskussion des Forschungsstandes
a) Verba und Nie 1972: Participation in America. Political Democracy
and Social Equality
b) Powell 1986: American Voter Turnout in Comparative Perspective
c) Jackman 1987: Political Institutions and Voter Turnout in the Industrial Democracies
d) Blais und Carty 1990: Does proportional representation foster voter turnout ?
e) Franklin 2001: The Dynamics of Electoral Participation
f) Karp und Banducci 2008: Political Efficacy and Participation in 27 Democracies:
How Electoral Systems Shape Political Behaviour
g) Blais, Singh und Dumitrescu 2011: Political Institutions, Perceptions
of Representation, and the Turnout Decision

3. Der „Sonderfall“ Schweiz
3.1 Entwicklung der Wahlbeteiligung
3.2 Hintergründe der Entwicklung der Wahlbeteiligung

4. Schlusswort

5. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kausalmodell von Karp und Banducci

Abbildung 2: Aufstellung der erklärenden Variablen nach Studien

Abbildung 3: Aggregierte Wahlbeteiligung 1971-2011

Abbildung 4: Wahrnehmung der efficacy durch die Schweizer 1999-2007

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die politische Partizipation der Bürger eines Staates wird von zahlreichen Studien der vergleichenden Demokratieforschung als zentrales Kriterium für die Beurteilung von Demokratien herangezogen.[1] Die Partizipation wird dabei als sowohl als konstitutives Merkmal der Demokratie, als auch als normatives Element und als Qualitätsindikator behandelt. Für Verba und Nie bestimmt die Partizipation die Ausgestaltung und das Verständnis von Demokratie in einem Staat: „If democracy is interpreted as rule by the people, then the question of who participates in political decisions becomes the question of the nature of democracy in a society“ (Verba/Nie 1972, 1). Sie definieren Partizipation als Handlung von Privaten, welche die Beeinflussung der Auswahl von politischen Repräsentanten oder deren Entscheidungen zum Ziel hat (Verba/Nie 1972, 2). Die Partizipation sorgt im besten Fall dafür, dass die Präferenzen der Bürger in die politischen Entscheidungen einfließen und eine repräsentative Demokratie tatsächlich die Repräsentation der Bevölkerung darstellt. Je nach Ausgestaltung des politischen Systems, den wirtschaftlichen und sozialen Kontextfaktoren und den normativen Ansprüchen, welche an die Repräsentationsfunktion gestellt werden, sind Staaten besser oder weniger gut in der Lage, ihre Bürger zu repräsentieren.

In dieser Arbeit soll die elementarste Form der politischen Partizipation im Vordergrund stehen: die Wahlbeteiligung. Die Wahl politischer Vertreter steht am Anfang der Repräsentationskette und beeinflusst in weiten Teilen die Ausgestaltung des Parteiensystems, die Regierungszusammensetzung und das Regierungshandeln. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Faktoren die Wahlbeteiligung beeinflussen. Nicht beachtet wird, wie die durch die Wahl ausgedrückten Präferenzen der Bürger in das Regierungshandeln übersetzt werden. Dies gehört zu einem Forschungszweig, der sich mit der Responsivität eines Systems beschäftigt und geht über die reinen Erklärungsfaktoren für die Wahlbeteiligung hinaus. Das Interesse dieser Arbeit richtet sich in erster Linie auf die Erklärungsfaktoren für die im internationalen Vergleich unterschiedlich hohe Wahlbeteiligung. Dazu werden in Kapitel 2 bedeutende Studien der vergleichenden Wahlbeteiligungsforschung diskutiert, die Stärke der Erklärungskraft der erklärenden Variablen präsentiert sowie die Wirkmechanismen zwischen den Variablen und der Höhe der Wahlbeteiligung zusammengefasst. Der Hauptfokus der Arbeit liegt auf der gründlichen und konzisen Diskussion des Forschungsstandes. Gleichwohl sollen im Anschluss in Kapitel 3 die Ergebnisse der Diskussion für die Erklärung der aktuellen Entwicklung der Wahlbeteiligung in der Schweiz fruchtbar gemacht werden. Diese kurze Untersuchung wird von folgender Frage angeleitet: Bieten die in den Studien zur vergleichenden Wahlbeteiligungsforschung verwendeten Variablen eine Erklärung für die seit 1995 steigende Beteiligung bei nationalen Wahlen in der Schweiz? In Kapitel 4 folgen alternative Erklärungsansätze für die Entwicklungen in der Schweiz und ein Schlusswort.

2. Diskussion des Forschungsstandes

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse bedeutender Studien zur vergleichenden Wahlbeteiligungsforschung in chronologischer Abfolge diskutiert. Die Auswahl der Studien richtet sich nach deren Innovationsbeitrag zum Forschungsstand. Die in den Studien zur Anwendung kommenden Variablen lassen sich grob in vier Kategorien einteilen: sozioökonomische Merkmale der Bürger, institutionelle Kontextfaktoren, Ausgestaltung des Parteiensystems und die Einstellungen der Bürger gegenüber dem politischen System und speziell gegenüber dem Wahlsystem. Zu beachten ist, dass in manchen Studien das Parteiensystem als durch die institutionellen Kontextfaktoren bestimmt betrachtet wird. Die Einstellungen der Bürger sind als intervenierende Variablen zwischen dem institutionellen Kontext, dem Parteiensystem und der Wahlbeteiligung zu verstehen.

Die früheren Studien konzentrieren sich hauptsächlich auf einzelne Faktoren und betrachten gesondert deren Effekt auf die Wahlbeteiligung. In den letzten Jahren hat sich demgegenüber die Untersuchung von Variablenkomplexen unter Zuhilfenahme eines größeren Kausalmodells durchgesetzt. So stellen die zwei jüngsten, hier vorgestellten Studien beide eine Kausalkette auf, die vom Wahlsystem und dem institutionellen Kontext über das Parteiensystem und die individuellen Merkmale der Bürger bis hin zur Wahlbeteiligung reicht und versucht, die in verschiedene Richtungen laufenden Mechanismen zwischen den Variablen zu verstehen.

a) Verba und Nie 1972: Participation in America. Political Democracy and Social Equality

Verba/Nie haben 1972 in ihrem vielbeachteten Buch „Participation in America. Political Democracy and Social Equality“ sechs Faktoren identifiziert, welche die politische Partizipation auf Aggregatebene in den USA beeinflussen. Sie verwenden den sozioökonomischen Status (Bildung, Einkommen und Beruf) als Grundmodell, das sie mit weiteren Erklärungsvariablen anreichern. Der sozioökonomische Status alleine zeigt vor allem für alternative Partizipationsformen hohe Erklärungskraft, während sein Einfluss auf die Wahlbeteiligung eingeschränkt ist. Als intervenierende Variable identifizieren Verba/Nie die civic orientation, die das Interesse an Politik und das politische Engagement zusammenfasst (Verba/Nie 1972, 130-134). Unter Konstanthaltung des sozioökonomischen Status besitzen das Alter, die Rasse, die Mitgliedschaft in zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Parteipräferenz und die Art des Gemeinwesens eines Bürgers einen starken positiven Effekt auf die Höhe der Wahlbeteiligung. Besonders die Art des Gemeinwesens, in dem ein Bürger wohnt und die Parteipräferenz sind von Interesse. Verba/Nie finden heraus, dass die Größe des Gemeinwesens hohe Erklärungskraft für die Höhe der Wahlbeteiligung in den USA hat. Sie führen dies darauf zurück, dass kleinere Gemeinden den Zusammenhalt zwischen den Bürgern stärken und die Auswirkungen der eigenen Stimmabgabe auf die lokale Politik einfacher zu durschauen sind. Beides sollte sich positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken (Ebd. 229-247). Ebenso erhöht eine starke Parteipräferenz die Wahrscheinlichkeit, wählen zu gehen und verringert gleichzeitig die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Klassen (Ebd. 209-228).

b) Powell 1986: American Voter Turnout in Comparative Perspective

Powell nimmt für seinen international vergleichenden Artikel Ausgang von Verba/Kim/Nie, die 1978 die Einflussfaktoren auf die Wahlbeteiligung in zwei Hauptgruppen eingeteilt haben: institutionelle Kontextfaktoren des politischen Systems und individuelle Charakteristika der Bürger (Powell 1986, 17). Als institutionelle Variablen testet Powell zum Einen die Kompetivität des Parteiensystems, die er über die Anzahl der Wechsel der Regierungspartei und über den Einfluss der einzelnen Gliedstaaten auf den Ausgang der nationalen Wahl misst. Zum Anderen interessiert er sich für die Stärke der Parteien und für das Vorhandensein einer freiwilligen Registrierung als Voraussetzung, um zur Wahl zugelassen zu werden (Ebd. 20-24). Powell geht davon aus, dass häufige Regierungswechsel den Ausgang der einzelnen Wahl weniger vorhersehbar machen und dadurch die Wahlbeteiligung erhöhen. Der Einfluss der Gliedstaaten auf die nationale Wahl bestimmt demgegenüber, wie stark die Parteien in den einzelnen Wahlkreisen mobilisieren. Je weniger Wahlkreise für die Entscheidung der nationalen Wahl von Bedeutung sind, desto stärker wird sich die Mobilisierung auf einige wenige Wahlkreise konzentrieren und die restlichen vernachlässigen. Powell erwartetet daraus einen negativen Effekt für die Wahlbeteiligung (Ebd.). Die Untersuchungen bestätigen seine Erwartungen (Ebd. 25). Im Hinblick auf die Stärke der Parteien vermutet er, dass der geringe Zentralisierungsgrad der amerikanischen Parteien und deren schwache Verknüpfung mit anderen sozialen und gesellschaftlichen Organisationen für die geringe Mobilisierungskraft verantwortlich ist (Ebd. 22-23). Powell stellt fest, dass sich, mit Ausnahme des häufigen Wechsels der Präsidentenpartei, alle institutionellen Kontextfaktoren negativ auf die Höhe der Wahlbeteiligung in den USA auswirken (Ebd. 25).

Die von Powell untersuchten individuellen Variablen sind Geschlecht, Alter, Beruf, Parteiidentifikation, Interesse an Politik, politisches Engagement, Vertrauen in die Regierung und die sogenannte efficacy, die auch in dieser Hausarbeit später eine Rolle spielen wird (Ebd. 26-29). Efficacy misst das Gefühl einer Person, dass die eigene Stimme einen Einfluss auf die Politik in ihrem Land hat. Powell findet heraus, dass die efficacy und die Variablen, welche die Einstellung der Bürger gegenüber dem politischen System einfangen in allen untersuchten Ländern einen starken positiven Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben, während die Bildung vor allem für die USA von Bedeutung ist (Ebd. 29-31). Alles in Allem lassen die individuellen Variablen eine höhere Wahlbeteiligung vermuten, als sie in den USA vorhanden ist. Dies lässt Powell zum Schluss kommen, dass die negativen Effekte des institutionellen Kontextes so stark wirken, dass sie den positiven Einfluss der individuellen Merkmale aufheben und für die im internationalen Vergleich niedrige Wahlbeteiligung in den USA verantwortlich sind (Ebd. 36).

c) Jackman 1987: Political Institutions and Voter Turnout in the Industrial Democracies

Jackman schließt mit seiner Analyse nahtlos an die von Powell an und stützt dessen Aussage, dass in erster Linie institutionelle Variablen die unterschiedliche Höhe der Wahlbeteiligung zwischen verschiedenen Ländern erklären können (Jackman 1987, 416-417). Wie Powell testet er den Einflusses der einzelnen Gliedstaaten auf die nationalen Wahlen, der auch bei ihm einen positiven Effekt auf die Wahlbeteiligung zeigt. Jackman misst den Einfluss der Gliedstaaten über das Wahlsystem und die Ausgestaltung der Wahlkreise. Das Vorhandensein großer Wahlkreise mit Verhältniswahl erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass in allen Wahlkreisen gleich stark mobilisiert und die Wahlbeteiligung erhöht wird (Ebd. 410). Eng damit verknüpft ist der Grad der Disproportionalität des Wahlsystems. Die Disproportionalität misst, wie genau die Anzahl der Stimmen, die eine Partei bekommen hat, in Parlamentssitze für diese Partei übertragen werden. Je proportionaler ein System ist, desto eher entspricht die Anzahl der Stimmen, die eine Partei in einer Wahl erhalten hat, dem Sitzanteil dieser Partei im Parlament. Jackman erklärt, dass die meisten Wahlsysteme in modernen Demokratien dazu neigen, große Parteien gegenüber kleinen zu bevorzugen. Doch unterscheiden sie sich darin, wie groß diese Bevorzugung ist (Ebd. 407-408). In sehr disproportionalen Systemen ist eine große Stimmenanzahl nötig, um überhaupt eine Chance auf den Einzug ins Parlament zu haben. Die Wahl von kleinen Parteien birgt somit immer das Risiko einer Verschwendung der eigenen Stimme an eine chancenlose Partei in sich. Anhänger kleiner Parteien haben damit weniger Anreiz, wählen zu gehen, was die allgemeine Wahlbeteiligung senkt. Auch hier wirken sich große Wahlkreise und die Verhältniswahl positiv aus und verringern die Disproportionalität. Jackman findet erwartungsgemäß eine negativen Zusammenhang zwischen dem Grad der Disproportionalität und der Wahlbeteiligung (Ebd. 412). Weiter untersucht er die Anzahl der Parteien im System, das Vorhandensein einer zweiten legislativen Kammer und ob in einem Land eine Wahlpflicht herrscht oder nicht (Ebd. 412). Die Anzahl der Parteien verwendet Jackman als Proxyvariable für die Wahrscheinlichkeit von Koalitionsregierungen. Je mehr Parteien in einem System vorhanden sind und zur Wahl antreten, desto stärker werden die Wahlstimmen gestreut und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine eine Mehrheit von 50% der Stimmen auf sich vereinen kann. Um bei einem solchen Wahlergebnis regieren zu können, sind die Parteien gezwungen, Koalitionen zu schließen. Koalitionsregierungen unterbrechen die Delegationskette von den Wählern zu den Gewählten und der Bürger kann sich bei der Stimmabgabe nicht sicher sein, welche Parteienkonstellation tatsächlich an die Macht kommt. Dieser Unsicherheit sollte mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung einhergehen und tatsächlich findet Jackman einen negativen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Parteien im System und der Wahlbeteiligung (Ebd. 408; 412). Ebenfalls von ihm untersucht werden die Effekte einer zweiten legislativen Kammer und der Wahlpflicht. Er verwendet in Anlehnung an Lijphart eine fünfstufige Skala, mit der er zwischen starkem und schwachem Bikameralismus unterscheidet und entdeckt einen relativ schwachen, negativen Zusammenhang einer zweiten legislativen Kammer mit der Höhe der Wahlbeteiligung (Ebd. 410-412). Jackman erklärt diesen Effekt mit der machtteilenden Wirkung des Bikameralismus. Wo eine zweite Kammer vorhanden ist, ist die Macht der Legislative auf zwei Organe verteilt. Damit bestimmen Wahlen zur ersten Kammer den legislativen Prozess nicht vollständig und die direkte Übersetzung der Wahl in Regierungshandeln ist unterbrochen (Ebd. 408). Der Mechanismus ist vergleichbar mit den theoretisch angenommen Auswirkungen von Koalitionsregierungen. Die Wahlpflicht hat den erwarteten stark positiven und hoch signifikanten Einfluss auf die Höhe der Wahlbeteiligung (Ebd. 412). Jackmans Ergebnisse sind insofern weniger robust als die von Powell oder Verba/Nie, da er nur institutionelle Variablen testet und damit den möglichen Einfluss der individuellen Charakteristika der Bürger ignoriert.

d) Blais und Carty 1990: Does proportional representation foster voter turnout ?

Blais/Carty kritisieren die Studien von Powell und Jackman: „These studies clearly establish that institutions have an impact on voter turnout. They are, however, unsatisfactory on at least three distinct grounds“ (Blais/Carty 1990, 168). Erstens vermischen sie die Effekte von formalen, als exogen gegeben zu behandelnden Institutionen und von kausal nachgelagerten Systemmerkmalen, die sich selbst erst aus den formalen Institutionen ergeben. So sind zum Beispiel die Anzahl der Parteien im System und der Grad der Disproportionalität Folgen der Ausgestaltung des Wahlsystems und müssen als intervenierende Variablen analysiert werden. Zweitens erlauben Powells und Jackmans Messungen des Einflusses der einzelnen Gliedstaaten auf den Ausgang der nationalen Wahl keine Unterscheidung zwischen dem Effekt des Wahlsystems und demjenigen der Wahlkreisgröße. Und drittens betrachten beide bloß eine relativ kurze Zeitspanne (Ebd.). Auf diese Kritik aufbauend testen Blais/Carty den Einfluss des Wahlsystems auf die Wahlbeteiligung und integrieren eine Reihe von intervenierenden Variablen: die Stärke des Parteienwettbewerbs, die Disproportionalität, die Anzahl der Parteien im System und ob das Wahlsystem Einparteienregierungen hervorbringt (Ebd. 169-174). Mit der letzten Variablen tragen Blais/Carty einer Schwäche von Jackmans Studie Rechnung. Während Jackman die Anzahl der Parteien im System nur als Proxyvariable für den Effekt von Koalitionsregierungen benutzt hat, erkennen Blais/Carty, dass eine höhere Anzahl von Parteien im System nicht zwangsläufig zu Koalitionen führen muss. Ist das Wahlsystem dergestalt aufgebaut, dass es nahezu immer zu Einparteienregierungen kommt, können noch so viele Parteien im System vorhanden sein und Koalitionen werden trotzdem die Ausnahme bleiben. Mit der Dummy-Variable „Einparteienregierung oder nicht“ können Blais/Carty den Einfluss von Koalitionsregierungen direkt messen. Weiter halten sie fest, dass eine größere Anzahl Parteien im System auch mehr Auswahl für die Wähler bedeutet, was sich positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken kann (Ebd. 167). Wie oben erwähnt, kritisieren Blais/Carty auch die Messung der Stärke des Parteiensystems von Powell und Jackman: die Betrachtung der Bedeutung der einzelnen Gliedstaaten für den Ausgang der nationalen Wahl vermischt die Effekte des Wahlsystems und der Wahlkreisgröße. Nach Blais/Carty müssen diese Variablen getrennt betrachtet werden (Blais/Carty 1990, 168). Sie entscheiden sich daher für eine alternative Messung der Stärke des Parteienwettbewerbs. Sie berechnen die Differenz der Stimmen und Parlamentssitze zwischen der stärksten und der zweitstärksten Partei und finden einen schwachen negativen Einfluss auf die Wahlbeteiligung, den sie mit der geringeren Knappheit der Wahl erklären: je größer der Abstand zwischen der erst- und der zweitplatzierten Partei ist, desto eindeutiger fällt ein Ergebnis aus und desto geringer ist die Motivation, wählen zu gehen. (Ebd. 172-173, 178).

[...]


[1] vrgl. u. A. Verba/Nie (1972), Powell (1986), Jackman (1987), Blais/Dobrzynska (1990), Lijphart 1999, Franklin (2001), Gerring/Thacker (2008).

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656465034
ISBN (Buch)
9783656467588
Dateigröße
897 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231262
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Wahlbeteiligung; Verba; Nie; Powell; Jackman; Blais; Carty; Franklin Karp; Banducci; Singh; Dumitrescu; Schweiz individuelle Variablen; institutioneller Kontext; Wahlsystem; SVP; Wahlerfolg; Direkte Demokratie

Autor

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Titel: Wahlbeteiligung in westlichen Demokratien