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Julian und das Konzept der heidnischen Staatskirche

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 43 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Kaiser Julian und das ‚Konzept einer heidnischen Staatskirche’: eine Einführung
1.1 Thema und Fragestellung
1.2 Inhalt und Gliederung der Arbeit

II. Flavius Claudius Julianus (331-363): Eine biographische Skizze

III. Die religiöse Konversion Julians vom Christentum zum Heidentum: Bericht und Urteil

IV. Das Konzept Kaiser Julians von einer heidnischen Staatskirche
4.1 Julians Sendungsbewusstsein: die heidnische Restauration des Römischen Reiches
4.1.1 Der ‚Mustermythos’ als Begründung der intendierten heidnischen Restauration des Reiches
4.1.2 Die gesetzgeberischen Maßnahmen: das Restitutionsedikt
4.2 Julian als pontifex maximus: seine programmatischen Sendschreiben und Organisation der heidnischen Kirche
4.2.1 Einführung
4.2.2 Das Konzept der ‚heidnischen Staatskirche’
4.2.2.1 Julian als pontifex maximus
4.2.2.2 Der Oberpriester
4.2.2.3 Der heidnische Priester
4.2.2.4 Julians „heidnische Kirche“ und die Behörde
4.3 Konstanten des Aufbaus einer heidnischen Staatskirche durch den pontifex maximus: eine Zusammenfassung

V. Restauration einer heidnischen Kirche oder doch religiöse Utopie? Eine Bilanz

Anhang

I: Abkürzungen

II: Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Textausgaben und Übersetzungen
2. Literaturverzeichnis

I. Kaiser Julian und das ‚Konzept einer heidnischen Staatskirche’: eine Einführung

1.1 Thema und Fragestellung

„Ein Wölkchen und schnell zieht es vorüber“[1].

Mit diesen Worten des Rufinus von Aquileia soll ein Zeitzeuge Julians, Athanasius von Alexandria[2], das Reformvorhaben sowie das religiöse Restitutionsprogramm abgetan haben und degradierte es von vorne herein zur Episode[3]. Wegen der beabsichtigten Umsetzung der Restauration der alten heidnischen Kulte und Organisation einer heidnischen Staatskirche[4] ist Kaiser Julian[5], dessen Alleinherrschaft kaum zwanzig Monate (November 361 – Juni 363) dauerte[6], sowohl einer der bekanntesten als auch einer der umstrittensten Augusti in der Geschichte des Imperium Romanum. Für Hartwin Brandt[7], liegt dies zum einen an der außergewöhnlich guten Quellenlage[8], zu der Julian mit seinen zahlreichen Reden und Briefen[9] beitragen hat und zum anderen „an seiner gewaltigen politischen Energie und an seinen programmatischen Ansprüchen an sich selbst und seine Zeitgenossen“[10].

So war das Ziel des „Schiffbauer[s], der in einem Schiff, das das Steuerruder verloren hat, [und] ein neues installiert“[11], die „Wiederherstellung des Götterkultes das integrierende Zentrum“[12] seiner Politik. Mit dem Anspruch das Hauptziel in einer heidnischen Staatskirche, mit einer einheitlich, hierarchisch geordneten ‚Priesterschaft’ (Pontifex maximus, Oberpriester, Priester) zu erreichen[13], betrachtete Julian das seit Augustus mit dem Kaisertum verbundene Amt des höchsten Repräsentanten der römischen Staatsreligion, des Obersten Priesters , geradezu als die Schlüsselfunktion, mit deren Hilfe er die Rückkehr zur angemessenen öffentlichen Verehrung der Götter zu bewerkstelligen gedachte. Zu diesem Zweck bediente sich der an der Spitze der heidnischen Staatskirche stehende Pontifex maximus Julian des Mittels geistlicher Sendschreiben an die hierarchisch gegliederte heidnische Priesterschaft[14].

Neben dem Aufbau einer privilegierten heidnischen Staatskirche hatte sich der Kaiser freilich mehr vorgenommen, doch stellt sich die Frage, ob Julian sich nicht mit seinen Plänen ein utopisches Ziel setzte? Von Julian selbst stammte das folgende Wort: „Was in der Praxis möglich und was unmöglich ist, nicht vorher zu erkennen, ist ein Zeichen des äußersten Unverstandes.[15] Sprach er sich damit selbst ein Urteil? War der neuplatonische Intellektuelle ein Träumer, dessen hochfliegende Pläne an der Realität scheitern mussten? Kaiser Julian, der schon bald nach seinem Tod den Beinamen Apostata, der Abtrünnige[16], erhalten hatte, hat aufgrund seiner Vorhaben und Maßnahmen unterschiedliche Reaktionen ausgelöst[17], von begeistertem Lob bis zur völligen Verdammung[18]. So prophezeite schon Gregor von Nazianz, nachdem der römische Kaiser Julian im Kampf gegen die Perser[19] gefallen war: „Um die Tragödie, bzw. Komödie jener Zeit werden sich wohl noch viele kümmern, (…)“[20]. Der griechische Kirchenvater hatte Recht[21].

1.2 Inhalt und Gliederung der Arbeit

In der vorliegenden Untersuchung über Kaiser Julian und das Konzept der heidnischen Staatskirche wird es Gegenstand und Ziel der vorliegenden Arbeit sein, der Organisation der heidnischen Priesterschaft und die Art und Weise der Realisierung des Restaurationsprogramms um die Wiederherstellung des Götterkultes aus der Wichtigkeit der uns zugrunde liegenden Quellen eine angemessene Darstellung zu geben. Darum ist die vorliegende Untersuchung in die oben skizzierten vier Hauptkapitel gegliedert:

Erstens soll eine systematische Reflexion zu den Ereignissen aus dem Leben des Kaiser Julians (II.), das die Grundlagen des Themengebietes entfaltet, gegeben werden.

Zweitens sollen Überlegungen zur Hinwendung Julians zum Heidentum angestellt werden (III.), bei dem ein Blick auf das geschichtliche Erscheinungsbild, unter Einbindung der Quellen und Forschungsliteratur, geworfen wird.

Drittens kommt dem Kapitel über das „Konzept Kaiser Julians von einer heidnischen Staatskirche“ (IV.) eine bedeutende Rolle zu. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Religionspolitik, welche die Wiederbelebung der heidnischen Kulte und Religiosität zum Inhalt hat, sein politisch-religiöses Handeln und Sendungsbewusstsein zur Legitimierung seines Vorhabens über den so genannten ‚Mustermythos’ (4.1). Den eigentlichen Schwerpunkt der Arbeit bildet der Aufbau und die Organisation der heidnischen Kirche (4.2), bei dem die Rolle Julians als pontifex maximus und der Idee seines (idealen) Priesters anhand der uns zugrunde liegenden Briefe dargstellt wird.

Schließlich wird in einem Schlusswort (V.) aufgrund der vorangegangenen Ergebnisse nochmals Bilanz zum Gesamtergebnis gezogen, bei der vor allem der Frage nachgegangen werden soll, wie in der Forschung der Versuch Julians einer Restauration der heidnischen Kulte und Kirche beurteilt wird.

II. Flavius Claudius Julianus (331-363): Eine biographische Skizze und seine Hinwendung zum Heidentum

Flavius[22] Claudius Julianus[23] wurde als Sohn des Julianus Constantius, eines Halbbruders Constantins des Großen, im Jahre 331 in Konstantinopel geboren[24]. Wenige Monate nach seiner Geburt starb seine Mutter Basilina[25]. Im Jahre 337 fiel sein Vater Julianus Constantius zusammen mit weiteren Angehörigen der kaiserlichen Familie einem von Soldaten verübten Blutbad in Konstantinopel zum Opfer[26], „obschon er politisch nicht hervorgetreten war“[27]. Constantius II. beschloss daraufhin, Julian und dessen Halbbruder Constantius Gallus, die wohl wegen ihres jungen Alters verschont blieben, in die Obhut des Bischofs Eusebius von Nicomedia zu geben[28]. Allerdings hat sich der Bischof mit der Erziehung und Bildung Julians nicht selbst beschäftigt. Dieses überließ er einem Eunuchen namens Mardonios[29], der Julian die hellenische Bildung vermittelte und ihn im Rahmen der moralischen Erziehung mit der klassischen Literatur, vor allem für die Welt Homers[30], zu begeistern verstand[31]. Bis 342 hat er unter der Aufsicht seines Pädagogen Unterricht erhalten, bis er dann nach Macellum geschickt wurde[32]. Der von Kaiser Constantius angeordnete Zwangsaufenthalt Julians zusammen mit seinem Halbbruder Gallus auf der kaiserlichen Domäne Macellum in Kappadokien im östlichen Kleinasien dauerte von 342 bis 348[33]. Dort genoss Julian eine christliche Erziehung und betätigte sich als Lektor während des Gottesdienstes[34]. Zudem machte er Gebrauch von den Büchern, die ihm sein Lehrer, Bischof Georgius von Caesarea, aus dessen Bibliothek mitbrachte[35].

Nach dem sechsjährigen Aufenthalt in Macellum, konnte Julian seine Studien in griechischer Philosophie und Literatur in Konstantinopel, Pergamon und Nicomedia fortsetzen. Hier begegnete er einigen der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, wie z.B. dem berühmten Rhetor Libanios, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, dem neuplatonischen Philosophen Aidesios[36], einem Schüler des Jamblichos, und dem Theurgen Maximus von Ephesus[37].

Nachdem Constantius II. Ende 354 Gallus, der im Frühjahr 351 zum Caesar im Osten ernannt wurde, auf der Insel Flamona hinrichten ließ[38], wurde am 6. November 355 Julian zum Caesar erhoben[39] und wenige Wochen darauf mit Helena, einer Schwester des Kaisers, die er kurz zuvor zur Frau nehmen musste, zum Amtsantritt nach Gallien geschickt, wo er sich insgesamt fünf Jahre aufhielt[40].

Im Februar oder März 360 wurde Julian von den Soldaten in Gallien[41] zum Augustus ausgerufen[42]. Nach seinem Aufenthalt im Winterlager zu Vienne entschloss er sich zur Offensive gegen Constantius II. und zog mit seinem Heer in Richtung Osten. Bevor es jedoch zum Zusammenstoß mit den Truppen des Constantius II. kam[43], ereilte den Kaiser bereits in Tarsus ein Fieber, das sich im kilikischen Mopsukrene verschlimmerte. Er starb am 3. November 361 im Alter von 44 Jahren[44].

Am 11. Dezember 361 zog Julian in Konstantinopel ein[45] und hielt sich während des Winterhalbjahres 361/62 dort auf. Kurz bevor er nach Antiochia weiterreiste, um die notwendigen Maßnahmen für einen Feldzug gegen die Sasaniden einzuleiten, sorgte Julian mit dem sog. Rhetorenedikt vom 17. Juni 362[46], das christlichen Gelehrten die Unterrichtung der Grammatik und Rhetorik verbot, für Aufregung[47]. Am 18. Juli erreicht Julian dann das größtenteils christianisierte Antiochia am Orontes und lebte dort bis zum 4. März 363[48]. Einen Tag später brach er zu seinem Feldzug gegen die Perser auf[49], von dem er nicht zurückkehren sollte. Auf dem Rückzug durch Mesopotamien wurde er in einem Gefecht am 26. Juni 363 durch eine schwere Lanze tödlich verwundet[50] und starb in der darauf folgenden Nacht im Feldherrenzelt an seiner Verletzung. Julian wurde zunächst in Tarsus bestattet[51] und Jahrzehnte später in die Apostelkirche zu Konstantinopel überführt[52].

III. Die religiöse Konversion Julians vom Christentum zum Heidentum: Bericht und Urteil

Julian äußert sich gegen Ende des Jahres 362 in einem Brief an die Bürger von Alexandria[53] explizit zu seiner religiösen Entwicklung, in der er seine Konversion[54] in das Jahr 351 gesetzt hat:

„Ihr werdet den rechten Weg nicht verfehlen, wenn ihr einem Manne folgt, der bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr ebenfalls jenen (falschen) Weg gegangen ist und, siehe, nun mit der Gnade der Götter sich das zwölfte Jahr auf diesem (richtigen) befindet.“[55]

Da der Brief im Jahre 362 geschrieben wurde, lässt sich diese Bekehrung auf das Jahr 351 datieren, also in die Zeit seines Philosophiestudiums in Kleinasien[56].

Die Quellen sind sich einig, dass Julian eine streng christliche Erziehung durchlaufen hat, allerdings divergieren sie in ihrer Einschätzung der Wirkung. Gregor von Nazianz[57] sowie Ammianus tendieren dazu – mit entgegengesetzter Bewertung –, Julian als bloßen Namenschristen hinzustellen, der durch die strenge Observanz kultischer Akte seine eigentliche Religiosität verbergen wollte[58].

Libanios[59] stellt Julian in allen seinen Reden durchgängig als zunächst überzeugten Christen dar, der später durch die Philosophie zur Erkenntnis der Wahrheit des Heidentums und über die Götter kommt[60]. In dieser Richtung deuten schließlich auch Julians eigene Schriften – der Hymnus auf Helios, in welchem er darauf hinweist, dass er in seiner frühen Jugend eine völlig falsche Meinungen über die Götter vertreten habe, sowie schließlich seine klare Aussage im Brief an die Alexandriner, dass er zwanzig Jahre lang den falschen Weg gegangen sei[61]. So ergibt sich ein Bild von Julians ‚Bekehrung’, das auf einer festen Quellengrundlage zu ruhen scheint.

In der Forschung[62] scheint keine einheitliche Meinung über Julians Konversion zu herrschen. Die Begegnung mit der Philosophie wird als eine wichtige Schaltstelle in Julians Hinwendung zum Heidentum betrachtet, wobei dies unterschiedlich datiert und interpretiert. So lassen sich hierunter drei Typen der Interpretation feststellen:

1. Die Hinwendung zum Heidentum wird als Konversion interpretiert, die mit den klassischen Studien eingeleitet und schließlich in der Begegnung mit der Philosophie vollendet wird[63].
2. Bei der Entdeckung des Heidentums spielt die Philosophie eine wichtige Rolle, aber der Terminus ‚Konversion’ wird ablehnt[64].
3. Julians Entdeckung der Philosophie ist ein „über fast ein Jahrzehnt erstreckender Prozess von einer allmählichen Transition vom Christentum zum Heidentum“, der erst 361 mit dem Tod des Constantius II. zum Abschluss kommt[65].

[...]


[1] Rufinus, Historia ecclesiastica 10,35: „nubicula est et cito pertransit“ [Die lateinische Übersetzung des Rufinus, bearb. v. Theodor Mommsen (= Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte; 9,2), Leipzig 1908, 995, Z. 11f.]. Siehe deutsche Übersetzung bei Ferdinand R. Prostmeier, „Die Wolke der Gottlosigkeit”. Gültigkeit und politische Relevanz des traditionellen Wirklichkeitsverständnisses in der Polemik gegen das Christentum bei Kaiser Julian, Jahrbuch für Antike und Christentum 44 (2001), 33-57, hier 54.

[2] Athanasios der Große, (um 295 bis 2.5.373 in Alexandria) war ein christlicher Theologe, Bischof von Alexandrien (um 328) und Kirchenlehrer, der während des im 4. Jahrhundert entflammten Glaubensstreites um den Arianismus den nicänischen Glauben vertrat. Siehe hierzu auch Julians Weisung an den Präfekten von Ägypten, Ekdikios, zum Exilierungsbefehl Athanasius aus Ägypten, Iul., ep. 43, 376B/C (ed. Weis). Wenn nicht anders vermerkt erfolgt die Zitation der Briefe Julians nach der Edition von Bertold K. Weis, (= Tusculum-Bücherei; 41), München 1973.

[3] Vgl. Prostmeier, Polemik gegen das Christentum bei Kaiser Julian, 54.

[4] Staat und Religion hängen zusammen und an der Überzeugung, dass die Einheit von Staatsvolk und Kultvolk gleichsam eine Garantie für die Wohlfahrt des Reiches sei, änderte sich unter Julian nichts. Zum problematischen Begriff der römischen Reichsreligion, vgl. Jörg Rüpke, Römische Religion und ‘Reichsreligion’: Begriffsgeschichtliche und methodische Bemerkungen, in: Römische Reichsreligion und Provinzialreligion, hrsg. v. Hubert Cancik und Jörg Rüpke, Tübingen 1997, 3-23. Zum Verhältnis zwischen Kirche und Staat in spätantiker Zeit gibt es eine umfängliche Literatur, daher sei hier auf solche Werke hingewiesen, die die historische Entwicklung in den Blick nehmen (chronologisch angegeben): Arnaldo Momigliano (Hrsg.), The conflict between Paganism and Christianity in the fourth Century: essays, v., Oxford 1963; Friedhelm Winkelmann, Probleme der Herausbildung der Staatskirche im römischen Reich des 4. Jahrhunderts, Klio 53 (1971), 281-299; Gerhard Ruhbach (Hrsg.), Die Kirche angesichts der konstantinischen Wende, (= Wege der Forschung; 306), Darmstadt 1976; Kurt Aland, Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Frühzeit, in: ANRW II,23,1 Berlin/New York 1979, 60-246; Albrecht Dihle, Die Religion im nachconstantinischen Staat, in: Religion und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Kolloquium zu Ehren v. Friedrich Vittinghoff, hrsg. v. Werner Eck, (= Kölner historische Abhandlungen; 35), Köln/Wien 1989, 1-13; Gunther Gottlieb und Pedro Barceló (Hrsg.), Christen und Heiden in Staat und Gesellschaft des zweiten bis vierten Jahrhunderts. Gedanken und Thesen zu einem schwierigen Verhältnis, (= Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg; 44), München 1992 und Klaus Bringmann, Imperium und Sacerdotium. Bemerkungen zu ihrem ungeklärten Verhältnis in der Spätantike, in: Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Jörn Kobes, (= Frankfurter althistorische Beiträge; 6), Frankfurt a. M. 2001.

[5] Zum Leben des Kaiser Julians sei unter den zahlreichen Veröffentlichungen, auf eine kleine Auswahl hingewiesen. Siehe hier v. a. die erschienenen Sammelbände zu Julian Apostata, hrsg. v. Richard Klein, (= Wege der Forschung; 509) Darmstadt 1978; Giuliano Imperatore. Le sue idee, i suoi amici, i suoi avversari. Atti del convegno internazionale di Studi Lecce 10-12 dicembre 1998, (= Rudiae. Ricerche sul mondo classico; 10), Galatina (Lecce) 1998 und Kaiser Julian ‚Apostata’ und die philosophische Reaktion gegen das Christentum, hrsg. v. Christian Schäfer, (= Millenium-Studien; 21), Berlin/New York 2008. Siehe weiter (chronologisch erwähnt): Joseph Bidez, Kaiser Julian. Der Untergang der heidnischen Welt, Hamburg 1956; Robert Browning, The Emperor Julian, Berkeley/Los Angeles 1976; G. W. Bowersock, Julian the Apostate, Cambridge, Mass./London 1978; Polymnia Athanassiadi-Fowden, Julian and Hellenism. An Intellectual Biography, Oxford 1981; Ute Schall, Julian Apostata: Göttersohn und Christenfeind, (= Reihe Sozialwissenschaft und Kultur), Ulm 2000; Marion Giebel, Kaiser Julian Apostata: die Wiederkehr der alten Götter, Düsseldorf/Zürich 2002; Klaus Bringmann, Kaiser Julian, (= Gestalten der Antike), Darmstadt 2004 und Klaus Rosen, Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, Stuttgart 2006.

[6] Vgl. Dietmar Kienast, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1990, 318f.

[7] Hartwin Brandt, Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Diokletian bis zum Ende der konstantinischen Dynastie (284-363), (= Studienbücher. Geschichte und Kultur der Alten Welt), Berlin 1998, 49.

[8] Eine ausführliche Darstellung der Quellenlage in der Spätantike findet sich bei Alexander Demandt, Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr., (= Handbuch der Altertumswissenschaft; 3. Abt. 6. Teil), München 1989, 1-43.119 und Averil Cameron, Das späte Rom: 284-430 n. Chr., (= dtv. Geschichte der Antike), München 1994, 24-44.

[9] Die Alte Geschichte interessiert sich vornehmlich für die Vita und die schriftlichen Hinterlassenschaften Julians, was sich in der großen Zahl von Biographien und Editionen niederschlägt. Dazu mehr in Kapitel 4.3: Julian als pontifex maximus: seine programmatischen Schreiben und Organisation der heidnischen Kulte.

[10] Brandt, Geschichte der römischen Kaiserzeit, 49.

[11] Libanios, or. 18,129 (Libanios, Kaiserreden, eingeleitet, übersetzt und kommentiert v. Georgios Fatouros, Tilman Krischer u. Werner Portmann, (= Bibliothek der griechischen Literatur; 58: Abt. Klassische Philologie), Stuttgart 2002, 199).

[12] Hans-Ulrich Wiemer, Libanios und Julian. Studien zum Verhältnis von Rhetorik und Politik im vierten Jahrhundert n. Chr., (= Vestigia; 46), München 1995, 365.

[13] Julian hatte bereits im Sommer 362 sehr negative Einblicke in die Befindlichkeit der heidnischen Priesterschaft und Kulte erhalten (vgl. Iul. ep. 39,429C/432A; 47,453B/D). Vgl. Adolf Lippold, s. v. Iulianus I (Kaiser), RAC XIX (2001), Sp. 442-483, hier Sp. 460.

[14] Er regelt den Aufbau der Organisation in ausführlichen Berichten, die er als pontifex maximus an die Oberpriester der Provinzen richtet; Hervorzuheben sind folgende Briefe: An den galatischen Oberpriester Arsakios (Iul. ep. 49), an Theodora (ep. 45), an einen unbekannten Beamten (ep. 44), an den Oberpriester Theodoros (ep. 47), an einen Priester (ep. 48). Namentlich zielte er auf eine Reformierung des Priesterstandes, so dass er sich in seinen Schreiben hauptsächlich mit den Pflichten und dem Verhalten der Priester beschäftigt, aber daneben auch allgemeine religiöse Fragen und Strategien für die Verbreitung des Heidentums anspricht . Vgl. Hans Raeder, Kaiser Julian als Philosoph und religiöser Reformator, in: Julian Apostata, hrsg. v. Richard Klein, (= Wege der Forschung; 509), Darmstadt 1978, 206-221, hier 215.

[15] Iul. Fragment 10 (ed. Weis, 205).

[16] Gregor von Nazianz war einer der ersten, der dem Toten „Apostata“, Abtrünniger (τòν avποστάτην), nachrief, vgl. Greg. Naz. or. 4,1 (Grégoire de Nazianze, Discours 4-5. Contre Julien, par Jean Bernardi, (= Sources Chrétiennes; 309), Paris 1983, 86,532B). Die deutsche Übersetzung erfolgt nach der Ausgabe von Philipp Haeuser, Des heiligen Bischofs Gregor von Nazianz Reden 1-20, (= Bibliothek der Kirchenväter: [Reihe 1]; 59), München 1928, hier 71.

[17] Klärende Worte über die „Rezeptionsgeschichte“ eröffnet das zehnte Kapitel („Der Umstrittene“) von Klaus Rosen, Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, Stuttgart 2006, 394-462, auf das hier nicht näher eingegangen wird.

[18] Zum Lager seiner Anhänger und Verehrer gehören vor allem der Rhetor Libanios und die Geschichtsschreiber Zosimos und Ammianus Marcellinus. Sie preisen ihn oft überschwenglich als Wiederhersteller hellenischer Religion und griechischen Geistes. Die Christen, wie Gregor v. Nazianz, Sozomenus, Sokrates und Theodoret, haben hingegen ein oft verzerrtes Bild von ihm gezeichnet, weil er nach ihrer Sicht die Religion, in der er erzogen wurde, verraten hat. Vgl. Bringmann, Kaiser Julian, 11, 89, 98, 130.

[19] Zum Perserfeldzug Julians vgl. W. R. Chalmers, Julians Perserfeldzug bei Eunapius, Ammianus Marcellinus und Zosimus, in: Julian Apostata, hrsg. v. R. Klein (1978), 270-284.

[20] Greg. Naz. or. 4,79. (ed. Haeuser, 120).

[21] Vgl. Rosen, Julian, 7.

[22] Der folgende biographische Abriss soll lediglich die wichtigsten Stationen in Julians Leben wiedergeben. Auf umfangreiche Biographien ist bereits hingewiesen worden (vgl. Anm. 5). Hier herangezogen wurde Bringmann, Kaiser Julian, v.a. 17-42; Demandt, Spätantike, v.a. 119-124; Schlange-Schöningen, Kaisertum und Bildungswesen, 49f. und vor allem der kurze Überblick von Thorsten Fleck, Die Portraits Julianus Apostatas, (= Schriftenreihe Antiquitates; 44), Hamburg 2008, 19-26.

[23] Vgl. Kienast, Römische Kaisertabelle, 318. Siehe auch PLRE I, 477f. (Nr.29).

[24] Konstantinopel als Geburtsort Julians, Amm. Marc. 22,9,2 (ed. Seyfarth III). Zum Geburtsdatum vgl. Kienast, Römische Kaisertabelle, 318, freilich ohne Belege und Begründung. Für die Grundlage der oben vertretenen Datierung: Iul. ep. 61 (Brief Julians an die Bürger von Alexandria), 434D/435A und Julians Selbstzeugnis in Misop.. 352B (ed. Müller, 147). Nach Bringmann, Kaiser Julian, 205, Anm. 1 sind diese ein eindeutiger Beweis für eine Datierung für das Jahr 331. Siehe dazu die Ausführung mit weiterführender Literatur und der Begründung auf das Geburtsjahr 331 in ders., 205, Anm. 1.

[25] Iul. Misop. 352B (ed. Müller); Amm. Marc. 22,9,4. Zu Basilina, der Tochter des Julis Julianus (praefectus praetorio unter Licinius, Konsul unter Konstantin), vgl. PLRE I, 148.

[26] Das genaue Datum ist in der Forschung umstritten. Sie wird sich zu einem Zeitpunkt zwischen Ende 337 und Anfang 338 abgespielt haben.

[27] Demandt, Spätantike, 119.

[28] Sozomenus 5,2,7 spricht davon, dass Julian von Kindheit an in den christlichen Glauben eingeweiht und von Bischöfen und Klerikern umgeben gewesen sei: „Von gottesfürchtigen Eltern stammend, war er von klein auf in den kirchlichen Brauch eingeweiht, in der heiligen Schrift unterwiesen und unter Leitung von Bischöfen und Kirchenleuten erzogen worden.“ (ed. Hansen (2004) , 565ff.).

[29] Zu seiner Person siehe PLRE I, 558 (Nr. 1). Mardonios hatte bereits Julians Mutter in der Grammatik unterrichtet (vgl. Iul. M isop. 352C (ed. Müller, 147)). Zu Mardonios und dessen Erziehung vgl. vor allem Iul. Misop. 351A/354A; Ep. ad. Ath. 274D (ed. Wright II, 258); Lib. or. 18,11; Socr. 3,1,9 (ed. Hansen (1995)).

[30] Iul. Misop. 351D; 353B/354A.

[31] Zu den Inhalten dieses Verhaltensunterrichts erklärt Julian von Mardonios: „Dieses lehrte er mich in der Meinung, daß ich Privatmann bliebe; denn er sah ja auch nicht voraus, (…).“ (Iul. Misop. 354A/B). Eunap zufolge bestand die Aufgabe der Eunuchen vor allem darin, ihn zu einem sicheren Anhänger des Christentums zu machen (Eun. 473): „Nevertheless, eunuchs from the palace took charge of him, and were assigned to keep watch so that he might not waver from the Christian faith“ (ed. Wright, 428f)).

[32] Vgl. Schöningen, Kaisertum und Bildungswesen, 49f.

[33] Gefolgt wird hier der Chronologie von Norman H. Baynes, The Early Life of Julian the Apostate, The Journal of Hellenic Studies 45 (1925), 251-254. Die alternative Datierung auf 345-351, der Lippold, Iulianus, 445 zuneigt, ist von Wiemer, Libanios und Julian, 15 mit Anm. 10 zurückgewiesen worden.

[34] Ob Julian jemals getauft wurde, ist unsicher. Nach dem Zeugnis des Gregor von Nazianz hatte Julian die Taufe empfangen (vgl. Greg. Naz. or. 4,52).

[35] In einem Schreiben heißt es: „Georgios besaß eine reichhaltige, bedeutende Bibliothek von Werken der verschiedensten Philosophen, vieler Interpretatoren, besonders aber auch die verschiedenartigsten Schriften der Galiläer in großer Zahl“ (Iul. ep. 38, 411C). Julian las sowohl christliche als auch heidnische Schriften unterschiedlichsten Inhalts. Sicher ist, dass er bereits damals mit der neuplatonischen Philosophie in Berührung kam, die ihn den Rest seines Lebens begleiten sollte. In Brief 37 (378 B/C) an den Präfekten von Ägypten Ekdikios beschrieb er die Zusammensetzung der Bibliothek und die Umstände unter denen er sie als Heranwachsender kennen gelernt hatte.

[36] Zu Aidesios und seiner Schule s. Eun. 461-473 (ed. Wright, 376-427).

[37] Klein, Richard / Wendelstein, Julian Apostata. Ein Lebensbild, Gymnasium 93 (1986), 273-292, hier 278f. Über Maximus und seinen Einfluss auf Julian vgl. Eun. 473-481 (ed. Wright, 426-461). Inwieweit Julian sich bereits damals aufgrund seiner philosophischen Studien vom Christentum distanziert, lässt sich nicht sicher nachvollziehen und ist umstritten. Siehe dazu das folgende Kapitel: Die religiöse Konversion Julians vom Christentum zum Heidentum: Bericht und Urteil.

[38] Amm. Marc. 14,11; Eutr. 10,13 (ed. Müller). Zum Bruch des Gallus mit Kaiser Constantius, vgl. Amm. Marc. 14,1.7.9. Von den Höflingen mit dem Gerücht aufgewiegelt wurde, dass Gallus mit seinem Rang als Caesar unzufrieden sei und die Absicht hege, ihn zu stürzen vgl. Zos. 2,55,2f. (ed. Veh).

[39] Bevor er sein Amt zum Caesar des Westens angetreten hat, hatte Julian es nun der ihm wohl gesonnenen Kaiserin Eusebia zu verdanken, dass es ihm gestattet wurde, nach Athen zu reisen, um seine Studien sowohl bei christlichen als auch bei heidnischen Lehrern fortzusetzen (vgl. Iul. ep. ad. Ath. 273A; Amm. Marc. 15,2; Lib. or. 18,27).

[40] Amm. Marc. 15,8; Eutr. 10,14,1; Zos. 3,2,1. In den folgenden fünf Jahren gelang ihm die Sicherung der von den Alamannen und Franken heimgesuchten Gebiete am Rhein. die legendäre Schlacht bei Straßburg im Jahre 357 führte zur Gefangennahme des Alammanenkönigs Chnodomar (Amm. Marc. 16,12). Zu Helena vgl. PRLE I, 409f. (Nr.2).

[41] Lib. or. 12,58 (ed. Norman I); Amm. Marc. 20,4.

[42] Gemäß alter germanischer Tradition wurde Julian auf einen Schild gehoben und krönten ihn, da kein Diadem vorhanden war, mit dem Torques eines Soldaten (vgl. Iul. ep. ad Ath. 284D; Amm. 16,12,64. 20,4; Lib. or. 18,99; Eun. 476; Zos. 3,8,3-3,9,2. 4,40,8; Eutr. 10,5,1 (ed. Müller)). – Hinsichtlich des Ablaufs des Zeremoniells und seiner Rechtswirksamkeit siehe Klaus Rosen, Beobachtungen zur Erhebung Julians 360-361 n. Chr., in: Julian Apostata, hrsg. v. Richard Klein, (= Wege der Forschung; 509), Darmstadt 1978, 409-447, v.a. 434f.; Scholl, Reinhold, Historische Beiträge zu den Julianischen Reden des Libanios, (= Palingenesia; 48), Stuttgart 1994, 49-58.

[43] Amm. Marc. 21,13,6-8; Eutr. 10,15,2.

[44] Kienast, Römische Kaisertabelle, 316.

[45] Amm. Marc. 22,2,4; Zos. 3,2.

[46] CTh XIII 3,5 = CI X 53,7. Dass sich dieses Gesetz in erster Linie gegen christliche Lehrer richtete, zeigt der ohne Adresse überlieferte ep. 55 Julians; eine harte Kritik am Gesetz bei Amm. Marc. 22,10,7: illud autem erat inclemens obruendum perenni silentio (ed. Clark, 276); dazu aus christlicher Sicht Greg. Naz. or. 4,100-109; Sok. 3,12,7; Soz. 5,18; Thdt. 3,8 (ed. Parmentier). Über das Rhetorenedikt handelt die gesamte Julianliteratur ausgiebig; vgl. v.a. B. Cameron Hardy, Kaiser Julian und sein Schulgesetz, in: Julian Apostata, hrsg. v. Richard Klein, (= Wege der Forschung; 509), Darmstadt 1978, 387-408 und Richard Klein, Kaiser Julians Rhetoren- und Unterrichtsgesetz, in: Roma versa per aevum. Ausgewählte Schriften zur heidnischen und christlichen Spätantike, hrsg. v. Raban von Haehling und K. Scherberich, (= Spudasmata; 74), Hildesheim/Zürich/New York 1999, 128-155.

[47] Klein/ Wendelstein, Julian Apostata, 283f.

[48] Über Julians Aufenthalt in Antiocheia sind wir aufgrund einer günstigen Quellenlage – vor allem Julians Briefe, Werke und Konstitutionen, sowie Reden und Briefe des ihm eng verbundenen Rhetor Libanios, gut unterrichtet. Vgl. dazu v.a. Wiemer, Libanios und Julian, 189-355 in vorbildlicher Weise und in sorgfältiger Auseinandersetzung mit der älteren wissenschaftlichen Literatur. Vgl. auch Ders., Ein Kaiser verspottet sich selbst: Literarische Form und historische Bedeutung von Kaiser Julians „Misopogon“, in: Imperium Romanum. Studien zu Geschichte und Rezeption, FS für Karl Christ zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Peter Kneißl und Volker Losemann, Stuttgart 1998, 733-755 (mit der älteren Literatur).

[49] Kienast, Römische Kaisertabelle, 319. Dort versehentlich „Profectio aus Alexandria” anstatt aus Antiochia.

[50] Amm. Marc. 25,3,3-6.

[51] Amm. Marc. 25,9,12f. und Zos. 3,34,4.

[52] Kienast, Römische Kaisertabelle, 319. Amm. Marc. 25,3,22f.: „Als alle Anwesenden darüber in Tränen ausbrachen, schalt er sie mit noch ungeschwächter Würde. Es sei niedrig – so sagte – er, einen Kaiser zu betrauern, der sich mit dem Himmel und den Gestirnen vereinigt habe. Daraufhin wahrten sie Stillschweigen“ (ed. Seyfarth III, 167).

[53] Iul. ep. 61.

[54] In der Forschung umstritten ist die Anwendung der Begriffe von ‚Konversion’ und ‚Bekehrung’. Vgl. zum Begriff der Bekehrung A.D. Nock, s.v. Bekehrung, in: RAC II (1954), 105-118 und William H. C. Frend, s. v. Bekehrung I. Alte Kirche und Mittel, 1. Die altkirchliche Umwelt, in: TRE 5 (1980), 440-442, wo es heißt (S.440): „Der Begriff Bekehrung bezeichnet in der Antike und im frühen Christentum zwei unterschiedliche, aber doch verwandte Vorgänge. Einmal beinhaltet er eine moralische Besserung des Einzelnen, eine gesteigerte Selbsterkenntnis, die aus der Abkehr von unguten Einstellungen und einer vornehmlich von der Philosophie geprägten Entscheidung für eine gemäße Lebensführung erwächst, und zum anderen schließt er die Verwerfung eines ethisch-religiösen Wertsystems zugunsten eines anderen in sich. Das Heidentum kannte allein die erste Art der Bekehrung. (…) Menschen, die in die Orpheus- und Isismysterien eingeweiht wurden, durchliefen häufig eine regelrechte Bekehrungserfahrung und identifizierten sich für ihr weiteres Leben mit ihrer Kultgottheit.“ – Konversion dagegen, vom Verb ἐπιστρέφειν ([sich] umkehren, umwenden), bezeichnet nach griechisch-hellenistischem Verständnis einen ontologischen Prozess. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit conversio, das einen Religionswechsel bedeutet und ad hoc geschieht, also „nicht „Bekehrungserlebnis“, das unter dem Eindruck einer spontanen Erkenntnis (Erleuchtung) oder unter Zwang geschieht, sondern ist Entwicklung und als solche stets ein prozessualer Vorgang“ (Peter Gerlitz, s.v. Konversion. I. Religionsgeschichtlich, in: TRE 19 (1990), 559-563). – Die Konversion ist somit Neuorientierung und soll zu einer vita nova im neuen Glauben führen. Eine Bekehrung dagegen stellt sich ein, „wenn eine neue Wahrheit erkannt, eine neue Tiefendimension des Heiligen, des Gotteswillens erschlossen wird und zu einer inneren Umwandlung führt, wenn ein neuer Heilsweg gefunden wird, ein neues Leben beginnt ...“ (Kurt Goldammer, Die Formenwelt des Religiösen: Grundriss der systematischen Religionswissenschaft, (= Kröners-Taschenausgabe; 264), Stuttgart 1960, 454f.). Vgl. Gerlitz, Konversion, 559.

[55] Iul. ep. 61, 434D/435A: Ouvc a`marth,sesqe th/j ovrqh/j o`dou/ peiqo,menoi tw/| poreuqe,nti kavkei,nhn th.n o`do.n a;crij evtw/n ei;kosi( kai. tau,thn ivdou. su.n qeoi/j poreuome,nw| dwde,katon e;toj)

[56] Julian war 331 oder 332 geboren. Folglich scheint er den Glauben seiner Jugend 351 oder 352 abgelegt zu haben. Vgl. Ilinca Tanaseanu-Döbler, Konversion zur Philosophie in der Spätantike: Kaiser Julian und Synesios von Kyrene, (= Potsdamer altertumswissenschaftliche Beiträge; 23: Alte Geschichte Hochschulschrift), Stuttgart 2008, 71.

[57] Zu Gregor von Nazianz siehe Bernhard Wyß, s. v. Gregor II (Gregor von Nazianz), in: RAC 12 (1983), Sp. 793-863.

[58] Ammianus erwähnt in seiner Res gestae, die auf Julians Kindheit und frühe Jugend nicht eingehen, nur beiläufig, dass er seit seiner Kindheit schon zur Verehrung der Götter geneigt war und sich im Laufe seiner Adoleszenz immer stärker dafür begeisterte (Amm. Marc. 22,5,1). – Gregor von Nazianz’ vierte Rede kommt ebenfalls auf seine christliche Erziehung zu sprechen, die sie detailliert ausmalt. Er unterstreicht die Perfidie, mit der Julian seine ehemalige christliche Erziehung nach und nach verraten habe, die er auf dem kaiserlichen Gut in Macellum genossen hat. Er habe die christliche Lehre und Lebensweise kennen gelernt und sich anfänglich darin geübt. Die beiden Brüder hätten sich aus Glaubenseifer sogar in den Klerus aufnehmen und zu Lektoren weihen lassen (or. 4, 23.52-56.97). Theodoret, Sozomenus und Socrates sind sich darin einig, dass er christlich erzogen worden sei (Socr. 3,1,10-21; Soz. 5,2,7-14; Thdt. 3,2), und unterstreichen auch, dass er bereits in seiner Jugend dem Heidentum zugeneigt habe. Vgl. Hartmut Leppin, Von Constantin dem Großen zu Theodosius II. Das christliche Kaisertum bei den Kirchenhistorikern Socrates, Sozomenus und Theodoret, (= Hypomnemata; 110), Göttingen 1996, 72-74.

[59] Zu Libanios, vgl. Förster/Münscher, s. v. Libanios, in: RE XII/2 (1925), Sp. 2485-2551.

[60] Libanios gehörte spätestens zur Abfassung des Epitaphios auf Julian, einer panegyrische Biographie (or. 18 – Abfassung nach 363), zu Julians Vertrauten; so kann geschlossen werden, dass Julian mit der Darstellung einverstanden war. So heißt es in Lib. or. 18,19,245 (ed. Fatouros/Krischer, 157): „Er war nunmehr in seinen Überzeugungen ein anderer geworden, tat aber so, als ob er am bisherigen festhielte, denn er durfte sich nicht offenbaren. In seiner Lage hätte Aisopos eine Fabel gedichtet, in welcher nicht der Esel unter der Löwenhaut, sondern der Löwe unter der Eselshaut verborgen wäre. So hatte auch er gelernt, was zu wissen besser war, gab sich aber den Anschein zu wissen, was als sicherer galt.“ Ob sich Libanios hier auf eine mündliche Mitteilung Julians stützt ist unklar, allerdings stimmt die Angabe mit Julian, ep. 61,434D/435A überein, er sei bis zum 20. Lebensjahr Christ gewesen. Die Zurückhaltung Julians („der Löwe unter der Eselshaut“) bezeichnet Greg. Naz. or. 4,24 als Heuchelei.

[61] Es ist auffällig, dass Julian selbst in seinen Schriften seine ‚Konversion’ nur andeutungsweise thematisiert. Zu Beginn des Hymnus auf König Helios, die er während des Winterhalbjahres 362/363 verfasste und seinem Vertrauten, dem Praetorianerpraefekten Saturninius Secundus Salutius, widmete, rechtfertigte er seinen Sonnenkult mit dem Bekenntnis ab, ihn habe „schon von Kindheit an (…) eine ganz gewaltige Sehnsucht nach den Strahlen des Gottes eingeprägt” (or. 11(4),130C, Übersetzung nach Weight, Stieropfer, 160). Julian wollte damit sagen, dass er von seinem frühesten Bewusstsein bis zu seiner Konversion einer natürlichen religiösen Regung gefolgt sei, was immer ihn seine christliche Umwelt gelehrt hat. Julian dagegen wünschte sich in der Rede auf König Helios, das Dunkel seiner christlichen Vergangenheit möge in Vergessenheit geraten (or. 11 (4),131A, ed. Weight, 160): „Allein über jene Finsternis möge der Schleier der Vergessenheit gebreitet bleiben.“

[62] Zum Forschungsstand vgl. Tanaseanu-Döbler, Konversion zur Philosophie, 61-65.

[63] Eine solche Position vertritt die Darstellung von Joseph Bidez [ Kaiser Julian (1956)]. Nach dem Historiker habe „der erste Ruf der Götter“ (so die Überschrift zum 9. Kapitel) Julian in Nikomedien durch die Berührung mit Libanios und seinem heidnischen Freundeskreis erreicht (vgl. ebd., 40-44). Dieser erste Impuls habe dann Julian nach Pergamon zum Jamblichschüler Aidesios und dann nach Ephesos geführt, wo er in Maximus von Ephesos den lang gesuchten Lehrer gefunden habe. Der in Nikomedien begonnene Prozess komme damit zum Abschluss (vgl. ebd., 47-57). Dieser Ansicht folgt Bringmann [ Kaiser Julian (2004)], der die Verbundenheit der jamblicheischen Tradition mit dem Heidentum und der Begegnung mit Maximus als „das eigentliche Bekehrungserlebnis“ betont und Julian als ein „praktizierender Heide aus neuplatonischem Geist“ bezeichnet (Bringmann, Kaiser Julian, 35). Eine Konversion zum Heidentum durch die Begegnung mit der Philosophie nehmen auch Browning [ Emperor Julian (1975), 44] und Festugière [ Julian in Marcellum (Erstv. 1957/1978)] an. Festugière erklärt Julians Konversion psychologisch anhand eines Stufenmodells religiöser Entwicklung, die mit einer Abwendung vom Christentum in Macellum endet und schließlich in Kleinasien im Neuplatonismus die gesuchte Religiosität findet (vgl. Festugière, Julian in Marcellum (1978) , 253 und Browning, Emperor Julian, 44).

[64] Nach Athanassiadi (Julian. An Intellectual Biography, London/New York 1992, 14-38) erscheint der Einfluss des Mardonios, der Julian die heidnische Götterwelt nahebrachte, ausschlaggebend für Julian. „Die Entdeckung der neuplatonischen Philosophie sei somit keine Wende, sondern nur der Abschluss eines langen Suchprozesses, der mit Mardonius angefangen und sich über Naturbetrachtung und seiner Rhetorik- und Literaturstudien hin zur Begegnung mit der philosophisch-theurgischen Mantik in Nikomedien, die ihm den weiteren Weg zum Studium der Philosophie in Pergamon und schließlich zur Initiation unter den Anleitung des Maximus von Ephesus fortgesetzt habe“ (Tanaseanu-Döbler, Konversion zur Philosophie, 64). Die Initiation in ihre Mysterien habe ihm eine konkrete Antwort auf seine undeutliche Suche aus Macellum sowie das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe gegeben. Die Berufung auf psychologische Gründe ist jedoch spekulativ. Wir schon erörtert, muss eine Bekehrung, ein Übergang vom Christentum zum Heidentum, nicht notwendig mit starken emotionalen Umwälzungen verbunden sein (vgl. Anm. 53 und Tanaseanu-Döbler, Konversion zur Philosophie, 71 Anm. 99).

[65] Eine dritte mögliche Sichtweise vertritt Klaus Rosen (Julian (2006)/Julian auf dem Weg vom Christentum zum Heidentum, Jahrbuch für Antike und Christentum 40 (1997), 126-146). Er sieht die Konversion Julians erst 361 beendet. Das Philosophiestudium bei Maximus habe Julian nicht vom Christentum abgebracht; er habe sich lange Zeit in dieser Grauzone bewegt und sich nur allmählich den heidnischen Riten zugewandt (Rosen, Julian auf dem Weg vom Christentum zum Heidentum, 128 und 134f.). Dabei betont Rosen, dass Julian noch vor dem Zug gegen Constantius II. geschwankt habe, zunächst neben den heidnischen Riten noch die christlichen geprüft habe. Erst seine wunderbare Errettung durch den Tod des Constantius verschaffe ihm endgültig Gewissheit darüber, welche Götter anzubeten seien; erst dann könne man von einem Konversionserlebnis sprechen (Rosen, Julian auf dem Weg vom Christentum zum Heidentum, 143-146 sowie Rosen, Julian (2006), 229-232): „Nicht das Ephesos des Maximus, nicht das Paris der aufrührerischen gallischen Truppen, sondern Naïssus, die Wiege seines Geschlechts, wurde Julians Damaskus“ (Rosen, Julian (2006), 229). Der Ansatz von Rosen wird von Bringmann, Kaiser Julian, 36 kritisiert.

Details

Seiten
43
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656471875
ISBN (Buch)
9783656471943
Dateigröße
812 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231211
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Geschichts- und Kulturwissenschaft, Institut für Alte Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Kaiser Julian; Apostata; Staatskirche; heidnische Staatskirche; Mustermythos; heidnische Restauration; Flavius Claudius Julianus; 331-363; pontifex maximus; Restitutionsedikt; Sendschreiben; Restauration; Christentum; Heidentum; Neuplatonismus; Konversion; Helios;

Autor

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Titel: Julian und das Konzept der heidnischen Staatskirche