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Osteopathie bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale

Eine systematische Literaturübersicht

Bachelorarbeit 2013 47 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHER RAHMEN
2.1 Komplementärmedizin
2.2 Asthma bronchiale
2.2.1 Grundlagen
2.2.2 Definition
2.2.3 Epidemiologie
2.2.4 Asthmaformen
2.2.5 Symptome
2.2.6 Diagnostik
2.2.7 Schweregrade
2.2.8 Therapie
2.3 Osteopathie
2.3.1 Begriffsbestimmung
2.3.2 Teilgebiet der Osteopathie
2.3.4 Prinzipien der Osteopathie
2.3.5 Grenzen der Osteopathie
2.3.6 Akzeptanz und Forschungsstand
2.3.7 Gesundheitsmodell der Osteopathie

3. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESE

4. STUDIENDESIGN UND METHODE
4.1 Studiendesign
4.2 Recherchedurchführung
4.3 Studienauswertung

5. ERGEBNISSE
5.1 Ergebnisse der Literaturrecherche
5.2 Ergebnisse der Datenauswertung
5.3 Ergebnisse der Studien

6. DISKUSSION
6.1 Diskussion der Studienergebnisse
6.2 Diskussion der Methode

7. FAZIT UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne unerlaubte Hilfe angefertigt und andere als die in der Arbeit angegebenen Hilfsmittel nicht benutzt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus anderen Schriften (einschließlich elektronischer Quellen) entnommen sind, habe ich als solche kenntlich gemacht. Ich versichere außerdem, dass die vorliegende Arbeit noch nicht in gleicher Form oder auszugsweise im Rahmen einer anderen Prüfung oder als Modulleistung vorgelegt wurde.

Ort, Datum, Unterschrift

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Gesundheitsmodell der Osteopathie..13 Abbildung 2: Flowchart...19

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Schlagwörter

Tabelle 2: Suchergebnisse

Tabelle 3: Suchergebnisse in JAOA18

Tabelle 4: Zusammenfassung der Studienergebnisse

1. EINLEITUNG

Das Handeln und Denken in unserem Gesundheitssystem ist durch eine pathogenetische Sichtweise geprägt. Dementsprechend stehen Beschwerden, Symptome sowie Schmerzen im Fokus der Betrachtung und alle Anstrengungen des medizinischen Systems richten sich auf die Diagnose und die Beseitigung der Erkrankung (vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), 2001, S. 14). Aufgrund der verstärkten Technisierung verzeichnete die Schulmedizin in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckende Erfolge in der Therapie und Diagnostik zahlreicher Erkrankungen. Jedoch wird die sogenannte Apparatemedizin zunehmend kritisiert. Die Vorwürfe der primären Orientierung an den Symptomen, die Vernachlässigung der Ganzheitlichkeit des Menschen sowie der Kostenanstieg gesundheitlicher Versorgungssysteme verstärken sich zunehmend (vgl. BZgA, 2001, S. 14).

Aus diesem Grund konnte in den letzten zwei Jahrzehnten ein steigendes Interesse der Bevölkerung an alternativen Behandlungsmethoden beobachtet werden (vgl. Gruber, 2004, S. 395).

Inzwischen greifen fast 60% der Bevölkerung auf unkonventionelle Behandlungsverfahren zurück (vgl. Spielberg, 2007). Die Aufwendungen pro Jahr lassen sich auf rund neun Milliarden Euro schätzen. Davon werden fünf Milliarden Euro von den Patienten selbst getragen und vier Milliarden Euro von den Krankenkassen erstattet (vgl. Spielberg, 2007).

Insbesondere Menschen, die an Asthma und Allergien leiden, nehmen komplementärmedizinische Therapiemaßnahmen in Anspruch (vgl. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), 2010, S. 74).

Das Asthma bronchiale gilt gegenwärtig als die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Menschen unter 18 Jahren betroffen (vgl. BZgA, 2009, S. 17).

Aufgrund einer chronischen Entzündung der Atemwege, verursacht durch eine Vielzahl von auslösenden Faktoren, entstehen die typischen Symptome Husten und Atemnot. Infolge einer Überempfindlichkeit der Bronchien sowie einer Einengung der Atemwege durch Anschwellung der Schleimhäute sowie Absonderung von zähem Schleim wird während einer Asthmaattacke insbesondere die Ausatmung behindert (vgl. Müller, 2008, S. 81).

Das Leben pädiatrischer Asthma - Patienten1kennzeichnet sich zum einen durch symptomfreie Phasen und zum anderen durch solche, in denen die Asthmaattacken häufiger auftreten. Die Schulmedizin empfiehlt neben der Vermeidung der auslösenden Faktoren bei Bedarf oder auf Dauer die Einnahme von kortikoiden Medikamenten (vgl. Müller, 2008, S. 82).

In der medikamentenfreien Behandlung sieht die Osteopathie insbesondere bei der Therapie von Kindern ihren Vorteil (vgl. Müller, 2008, S. 102). Dabei erhebt die Osteopathie nicht den Anspruch, Asthma zu heilen, sondern eine Linderung der Beschwerden sowie eine Erhöhung der Abstände zwischen den Asthmaanfällen durch osteopathische Behandlungen des Brustkorbes, der Halswirbelsäule, der Lendenbeckenregion und des Kopfes zu erzielen (vgl. Müller, 2008, S. 82).

Aktuell bieten Krankenkassen, über den allgemeingültigen Leistungskatalog hinaus, Zusatzleistungen an, um explizit auf die Wünsche und Bedürfnisse versicherter Mitglieder eingehen zu können und sich wettbewerblich abzugrenzen (vgl. Preusker, 2010, S. 392). Neben der AOK Plus wirbt auch derzeitig die Barmer GEK medienwirksam mit einer Kostenübernahme osteopathischer Behandlungen und verstärkt die Diskussion über den Nutzen der Osteopathie.

Die vorgelegte Bachelorarbeit als systematische Übersichtsarbeit hat zum Ziel, durch Literaturrecherche und Studienanalyse die Wirksamkeit osteopathischer Behandlungsverfahren bei Kindern mit Asthma bronchiale zu beurteilen.

2. THEORETISCHER RAHMEN

2.1 Komplementärmedizin

„Die Medizin ist ein Wissenschaftsbereich und eine praktische Tätigkeit, die auf Erhaltung und Stärkung der Gesundheit der Menschen, auf Krankheitsprophylaxe und Therapie ausgerichtet ist.“ (Teverovski, 2006, S. 60)

Die gegenwärtige Entwicklung der Medizin ist gekennzeichnet durch ein kompliziertes und verzweigtes Wissensgebiet, bedingt durch unterschiedliche medizinische Wissenschaften mit eigenen Fachbereichen, Untersuchungsmethoden und Therapieansätzen (vgl. Teverovski, 2006, S. 60).

Im Allgemeinen kann eine Unterteilung in Schul- und Alternativmedizin vorgenommen werden. In der Abgrenzung zur Alternativmedizin basiert die Schulmedizin auf ärztlichen Erkenntnissen infolge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Auf der Grundlage durchgeführter Experimente überprüft die Schulmedizin empirische Kenntnisse und philosophische Ideen und entwickelt mittels erhobener Daten wissenschaftlich begründete Konzeptionen, Hypothesen und Theorien (vgl. Teverovski, 2006, S. 60).

Eine einheitliche Definition für Alternativmedizin ist derzeit nicht existent. In der Literatur, in den Medien und in der Bevölkerung werden unterschiedliche Begriffe, wie beispielsweise Erfahrungsmedizin, holistische Medizin, Ganzheitsmedizin, Naturheilverfahren usw. verwendet, allerdings scheinen sich die Bezeichnungen Komplementärmedizin oder Komplementär- und Alternativmedizin (Complementary and Alternative Medicine: CAM) durchzusetzen (Hermanns, Filler & Roscher, 2007, S. 242).

„Komplementärmedizin steht als Sammelbegriff für eine Vielzahl traditioneller Diagnose- und Therapieformen unterschiedlicher, nicht akademischer Herkunft auf materiell-stofflicher oder philosophisch-geistiger Grundlage. Die Verfahren werden vom Patienten selbst, von Ärzten oder anderen Berufsgruppen durchgeführt. Es wird in der Regel ein patientenorientierter, ganzheitlicher Ansatz verfolgt.“ (Jobst, Joost, Ernst, 2012, S. 124)

Zu dem Bereich der komplementären Medizin zählen unter anderem Akupunktur, Akupressur, Homöopathie und Osteopathie (vgl. Spranger & Hommel, 2009, S. 445).

Eine Grundlagenforschung über alternative Behandlungsmethoden von chronisch kranken Kindern in Deutschland lässt sich derzeit nur in Einzelstudien finden.

In einer deskriptiven Untersuchung an der Universitätskinderklinik Homburg/Saar wurden die Gründe für eine Inanspruchnahme komplementärmedizinischer Verfahren bei chronisch kranken Kindern analysiert (vgl. Schmitt, 2008, S. 13). Diese zeigte, dass auf der Suche nach einer bestmöglichen Behandlung für ihr Kind Eltern insbesondere auf die Stärkung des Immunsystems sowie auf die Erreichung der körperlichen Stabilität des Kindes achten (vgl. Schmitt, 2008, S. 54).

Die soziodemografische Analyse von Groenewold an dem Institut für Sozialmedizin der Universität zu Lübeck zeigte eine höhere Inanspruchnahme komplementärmedizinischer Behandlungsverfahren bei Kindern, deren Eltern ebenfalls Nutzer solcher Verfahren waren. Zusätzlich wurde in dieser Studie ein linearer Zusammenhang zwischen der Schulausbildung der Eltern und der Nutzung alternativer Verfahren beobachtet. So waren Eltern mit höherer Schulausbildung komplementärmedizinischer Behandlungsmethoden auch bezüglich ihre Kindern aufgeschlossener (vgl. Groenewold, 2006, S. 56).

2.2 Asthma bronchiale

2.2.1 Grundlagen

Für einen ungehinderten Gasaustausch in den Alveolen müssen die Teilfunktionen der Lunge, bestehend aus Ventilation (Belüftung), Perfusion (Durchblutung) und Diffusion, optimal aufeinander abgestimmt werden (vgl. Schmidt, 2013, S. 339). Entsteht eine Inhomogenität zwischen Perfusion und Ventilation durch Absinken des arteriellen O2- Partialdruckes mit gleichzeitiger Zunahme des arteriellen CO2Partialdruckes spricht man von einer Ventilationsstörung (vgl. Zalpour, 2002, S. 437).

„Eine Ventilationsstörung durch Erhöhung der Strömungswiderstände in den Atemwegen wird obstruktive Ventilationsstörung genannt.“ (Buddecke & Fischer, 1992, S. 389)

Zu den bedeutendsten obstruktiven Ventilationsstörungen, bei denen infolge der erhöhten Widerstände insbesondere die Ausatmung erschwert ist, zählt neben der chronischen Bronchitis das Asthma bronchiale (vgl. Zalpour, 2002, S. 437).

2.2.2 Definition

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) definiert in der S2- Leitlinie für Pädiatrische Pneumologie (2005) das Asthma bronchiale als eine „entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreaktivität und variabler Atemwegsobstruktion, welche meist im Zusammenhang mit einer atopischen Disposition steht.“ (AWMF, 2005, S. 1)

Dabei können die Beschwerden durch virale Infektionen, körperliche Aktivitäten, spezifische Inhalationsreize (kalte Luft, Zigarettenrauch) und Allergene ausgelöst werden (vgl. AWMF, 2005, S. 1). Die Folgen sind eine Hyper-/Dyskrinie, eine Verkrampfung der bronchialen Muskulatur, eine Schleimhautschwellung und unter Umständen ein Remodeling (fehlerhafter Umbau der Lungenstruktur) (vgl. Berdel, 2007, S. 231).

2.2.3 Epidemiologie

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) versteht das Asthma bronchiale als die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Menschen unter 18 Jahren betroffen (vgl. BZgA, 2009, S. 17).

2.2.4 Asthmaformen

Bei der Entwicklung des allergischen Asthmas im Kindes- und Jugendalter ist der stärkste prädisponierende Faktor die Allergie. Das internistische oder auch nichtallergische Asthma entsteht vorrangig aufgrund einer Infektion der Atemwege. Bei dieser Form können keine Allergien beziehungsweise Immunglobulin- E- (IgE-) Antikörper gegen Umweltallergene nachgewiesen werden. Infolge infektbedingter, rezidivierender, obstruktiver Ventilationsstörungen kann sich bei Kindern und Säuglingen eine Mischform des internistischen und allergischen Asthmas manifestieren (vgl. AWMF, 2011, S. 9).

2.2.5 Symptome

Die Leitsymptome des Asthmas bronchiale sind Atemnot mit Giemen, Kurzatmigkeit und Husten. In einigen Fällen zeigt sich ein persistierender, meist trockener, oft nächtlicher Husten oder eine Überblähung der Lunge mit vergrößertem ThoraxTiefendurchmesser (vgl. AWMF, 2005, S. 1).

2.2.6 Diagnostik

Zur Sicherung der Diagnose erfolgt eine ausführliche Anamnese bezüglich der auslösenden Faktoren (Allergenexposition, Atemwegsinfektionen), der Beschwerden sowie der Risikofaktoren (genetische Dispositionen) (vgl. AWMF, 2011, S. 12). Zusätzlich werden körperliche Untersuchungen und objektive Messungen durchgeführt. Eine Lungenfunktionsprüfung zur Diagnose eines Asthmas bronchiale wird in erster Linie über die Spirometrie nachgewiesen. Diese dient zur Darstellung des statistischen und dynamischen Lungenvolumens (vgl. Schmidt, 2013, S. 346). Aufgrund des mitarbeiterabhängigen Verfahrens empfiehlt die AWMF, zusätzlich weniger subjektiv geprägte Methoden hinzuzuziehen, wie zum Beispiel die Bodyplethysmografie (vgl. AWMF, 2011, S. 12).

Das wichtigste Messinstrument zur Einschätzung eines Therapieerfolges sowie zur Verlaufskontrolle ist der Peak-Expiratory-Flow-Meter. Dabei gibt der Peak-flow- Wert den maximalen Atemfluss bei einer forcierten Ausatmung nach einer maximal Einatmung an (vgl. Gruber, 2004, S. 180). Der Vorteil dieses Messinstrumentes liegt in der unmittelbaren Erfassung einer Obstruktion im häuslichen Umfeld sowie in der preisgünstigen Anschaffung. Der Nachteil besteht in der Subjektivität, Manipulation und Geräteabhängigkeit der Messwerte, sodass eine sorgfältige Anleitung des Patienten in der Anwendung notwendig ist (vgl. AWMF, 2011, S. 79).

Die häufigste Ursache von Asthma sind Allergien. Deshalb sollte in allen Altersgruppen eine allergologische Stufendiagnostik durchgeführt werden. Diese beinhaltet zum einen eine Allergieanamnese und zum anderen einen Nachweis allergenspezifischer, Immunglobulin- E- (IgE-) vermittelter Sensibilisierung (vgl. AWMF, 2011, S. 1).

2.2.7 Schweregrade

Das Asthma bronchiale kann in vier Schweregrade unterteilt werden. Diese Einteilung ist nur bei der Erstbegutachtung des Patienten sinnvoll. Da unterschiedliche Faktoren (Jahreszeit, Lebensumstände) zusätzlich den Schweregrad beeinflussen, hat sich diese Einteilung für eine Verlaufskontrolle nicht bewährt (vgl. AWMF, 2011, S. 87).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Vordergrund der Asthmabehandlung steht die Pharmakotherapie, wobei die medikamentöse Behandlung regelmäßig durch nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen zu ergänzen ist (vgl. AWMF, 2011, S. 17).

Die Pharmakotherapie unterteilt die Medikamente in Bedarfstherapeutika und Langzeittherapeutika mit dem Ziel, asthmatische Entzündungen zu hemmen und die bronchiale Hyperreagibilität und Atemweg S. 17).

Zu den Bedarfstherapeutika zählen inhalative raschwirkende Beta-2-Sympathomimetika (Fenoterol, Formoterol, Salbutamol, Terbutalin). Die Langzeittherapeutika bestehen aus inhalativen Corticosteroiden und inhalativen langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika (vgl. AWMF, 2011, S. 18).

Zu den nichtmedikamentösen Therapiemaßnahmen gehören insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine familienbezogene Patientenschulung, ein körperliches Training zur Verringerung der Asthmasymptomatik, eine physiotherapeutische Atemtherapie, eine passive wie auch aktive Tabakentwöhnung, eine therapeutische psychosoziale Therapiemaßnahme und eine Gewichtskontrolle (vgl. AWMF, 2011, S. 34 -35). Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften trifft in ihrer gegenwärtigen nationalen Versorgungsleitlinie für das Asthma bronchiale aufgrund unzureichender beziehungsweise fehlender Wirksamkeitsnachweise keine gesicherten Aussagen über komplementärmedizinische Therapiemaßnahmen (vgl. AWMF, 2011, S. 177).

2.3 Osteopathie

2.3.1 Begriffsbestimmung

Die Osteopathie wird definiert als „ein manuelles Diagnose- und Therapieverfahren, das von der Einheitlichkeit des Organismus ausgeht. Die physiologische Beweglichkeit aller Strukturen untereinander ist unabdingbare Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus.“ (Preuße & Roemer, 2010, S. 153)

Die Ziele osteopathischer Behandlungen sind, Bewegungseinschränkungen in der Struktur und Funktion zu korrigieren, um die psychische und physische Gesundheit wiederherzustellen. Aus diesem Grund werden strukturelle Störungen und Mobilitätseinschränkungen sowie deren Auswirkung mittels klinischer und osteopathischer Untersuchungsmethoden diagnostiziert, identifiziert und durch sanfte manuelle Techniken, entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Patienten, korrigiert. Die Voraussetzung osteopathischen Arbeitens sind umfassende Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, Pathologie und eine perfektionierte Palpationsfertigkeit (vgl. Kyrer & Populorum, 2008, S. 171). Das Wirkungsfeld der Osteopathie umfasst „alle Einrichtungen der ambulanten und stationären Krankenversorgung, der Rehabilitation und des Kurwesens sowie alle Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und -erziehung, des Sportbereichs sowie Geburtshäuser und Hospizeinrichtungen“ (BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie e.V.) & bvo (Bundesverband Osteopathie e.V.), 2012, S. 8).

Die Grundbegriffe werden in der Osteopathie wie folgt verstanden:

-Gesundheit
- Gleichgewicht, harmonischer Zustand
- abhängig vom normalen Fließen der Körperflüssigkeiten und Nervenaktivität
-Krankheit
- grundlegende multifaktorielle Ursachen
- Flussbehinderung der Körperflüssigkeiten und Nervenaktivität
- Umwelt, Verhalten, soziale und mentale Faktoren können zu der Entstehung vonKrankheiten beitragen
- Patientenfürsorge

- Beseitigung mechanischer Behinderungen und Berücksichtigung psychischer, mentaler und sozialer Faktoren

(modifiziert nach Hermanns, 2013, S. 6)

Die Entwicklung der Osteopathie wurde maßgeblich durch ihren Begründer Andrew

Taylor Still geprägt und darüber hinaus durch namhafte Wegbereiter, unter anderem John Martin Littlejohn, William Garner Sutherland und Jean-Pierre Barral, weiterentwickelt und ergänzt.

Als Gegner der damaligen vorherrschenden heroischen Schulmedizin (Quecksilberchloridgabe und Aderlass) begab sich der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still (1828 - 1917) auf die Suche nach einer neuen Heilmethode (vgl. Newiger, 2005, S. 16). Nach einem jahrelangen Selbststudium der funktionellen Anatomie und Physiologie erkannte er, dass die Funktionen des menschlichen Körpers erheblich vom Fließen der Körperflüssigkeiten abhingen und dass ein kausaler Zusammenhang zwischen anatomischer Fehlstellung, Flussbehinderung und Krankheit bestand (vgl. Hartmann, 2009, S. 2 ff.).

Die Grundlage seiner entwickelten Technik war eine Manipulation (Technik zur Lösung von Blockaden) der Knochen (griechisch: osteon) durch leichten Druck. Aufgrund der korrekten Positionierung kommt es zur Lösung von Zufluss- und Abflussstörungen. Diese Freisetzung aktiviert den Körper zur Selbstregulation, welches dem Leid (griechisch: pathos) entgegenwirkt. So gab Still seinem Konzept 1874 den Namen Osteopathie (vgl. Hartmann, 2009, S. 3).

2.3.2 Teilgebiet der Osteopathie

Obwohl sich die Osteopathie entsprechend ihren Zielstrukturen in folgende Teilgebiete charakterisieren lässt, werden diese für Diagnostik und Therapie nicht getrennt voneinander betrachtet (vgl. Bültmann, 2012, S. 23).

Der Fokus der parietalen Osteopathie liegt auf der Untersuchung und der Korrektur von Störungen des Bewegungsapparates (Knochen, Muskeln, Faszien und Gelenke). Zur Herstellung des physiologischen Gleichgewichtes benutzt der Osteopath gezielte Handgriffe und Impulse, um Bewegungseinschränkungen und Schmerzen zu beheben (vgl. Preuße & Römer, 2010, S. 154).

Die Verbreitung der Osteopathie in Europa und die Weiterentwicklung des parietalen Konzeptes wurden maßgeblich durch den in England geborenen John Martin Littlejohn (1866 - 1947) geprägt (vgl. Maasen, 2011, S. 2). Littlejohns Forschung konzentrierte sich auf die Biomechanik der Wirbelsäule. Er begriff, dass die Wirbelsäule in ihrer Funktionalität, Mechanik und Globalität als Einheit auf innere und äußere Einflüsse reagiert und bei der Entstehung von Krankheiten eine entscheidende Rolle spielt (vgl. Richter & Hebgen, 2011, S. 58).

Littlejohn entwickelte eine Behandlungstechnik, die das Gewebe um die Dysfunktion bei Korrektur der Wirbelsäule mit einbezog (vgl. Bültmann, 2012, S. 5).

Zurückzuführen ist die viszerale Osteopathie auf den Franzosen Jean-Pierre Barral. Er analysierte zusammen mit Jacques Weischenck die osteopathische Diagnostik und Behandlung von Organen (vgl. Hermanns, 2013, S. 16). Barral erkannte, dass gestörte Bewegungen im Viszerum zu Funktionsstörungen führen, welche sich durch Palpation und Bewegungstests aufspüren lassen. Sein viszerales Behandlungskonzept ist in Europa weit verbreitet und orientiert sich an der Bewegungsphysiologie von Organen (vgl. Bültmann, 2012, S. 6).

Spannungsveränderungen in der Eigendynamik (Motilität), im Befestigungssystem sowie in der Bewegung der Organe zueinander (Mobilität) werden durch den Osteopathen palpiert und mit verschiedenen Mobilisations- und Motilitätstechniken behandelt (vgl. Könneker & Reiter, 2010, S. 10).

Begründet wurde die kraniosakrale Osteopathie durch William Garner Sutherland (1873 - 1954). Aufgrund einer intensiven Erforschung des Schädelknochens kam er zu der Überzeugung, dass die Gelenkflächen des Schädels Bewegungen zulassen und dass diese Bewegungen durch die intrakraniellen Membranen koordiniert werden (vgl. Liem, 2010, S. 9 - 10).

Sutherland entwickelte daraufhin Behandlungstechniken zur Mobilisation von Suturen, Schädelbasis und Kreuzbein. Somit entstand die kraniosakrale Therapie, welche bis heute ihre Gültigkeit besitzt (vgl. Bültmann, 2012, S. 6).

Die kraniosakrale Osteopathie befasst sich mit Untersuchung und Korrektur aller Knochen und Gelenke im Bereich des Schädels, der Iliosakralgelenke und der Wirbelsäule. Ziel ist die Wiederherstellung der physiologischen Beweglichkeit und des kraniosakralen Rhythmus (vgl. Könneker & Reiter, 2010, S. 10).

2.3.4 Prinzipien der Osteopathie

Die folgenden Prinzipien der osteopathischen Vorgehensweisen dienen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit (vgl. BAO & bvo, 2012, S. 3).

[...]


1In der vorliegenden Arbeit wurde auf die zusätzliche Angabe der weiblichen Person verzichtet. Es sind dennoch immer beide Geschlechter gemeint.

Details

Seiten
47
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656488965
ISBN (Buch)
9783656493167
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231138
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Gesundheits-und Pflegewissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
osteopathie kindern jugendlichen asthma eine literaturübersicht

Autor

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Titel: Osteopathie bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale