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Methoden der Namenforschung

Eine umfassende Darstellung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 22 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terminologie

3. Quellenkritik als Methode der Namenforschung
3.1 Einführung
3.2 Die Geschichte der Quellenkritik als Methode der Namenforschung
3.3 Beispiel für die Quellenkritik als Methode der Namenforschung

4. Linguistische Methoden der Namenforschung
4.1 Textlinguistik als Methode der Namenforschung
4.1.1 Einführung
4.1.2 Beispiel für die Textlinguistik als Methode der Namenforschung
4.2 Soziolinguistik als Methode der Namenforschung
4.2.1 Einführung
4.2.2 Beispiel für die Soziolinguistik als Methode der Namenforschung: Namen als Standesmerkmal
4.2.2.1 Einführung
4.2.2.2 Mittelstand und Aristokratie
4.2.2.3 Sklavennamen
4.3 Areallinguistik als Methode der Namenforschung
4.3.1 Einführung
4.3.2 Die Geschichte der Areallinguistik als Methode der Namenforschung

5. Literarische Methoden der Namenforschung
5.1 Einführung
5.2 Intertextualität als Methode der literarischen Onomastik

6. Methodische Ergänzungen

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein wesentliches Merkmal des Menschen ist der Gebrauch von Sprache. Seitdem die Menschen dieses Kommunikationsmittel nutzen, verwenden sie auch Namen zum eindeutigen Bezeichnen von Personen, Tieren und Pflanzen, Orten und Gewässern.

In der heutigen Zeit interessieren sich immer mehr Menschen für die Herkunft und Bedeutung dieser Namen. Ein Beispiel aus unserer Region für diese gesteigerte Wissbegierde ist eine Rubrik in der Wochenendausgabe der „Volksstimme“, in der Dozenten der Magdeburger Otto-von-Guericke Universität Familiennamen erläutern.

Diese Arbeit möchte nunmehr die Frage beantworten, mit welchen Methoden neue Erkenntnisse in der Namenforschung gewonnen werden und die wichtigsten davon erläutern. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei unter anderem darauf, welche Forschungsergebnisse mit der entsprechenden Methode erlangt werden. Zum Teil wird zum besseren Verständnis für die Entwicklung einer Disziplin auch die Geschichte derselben dargestellt. Partiell werden ebenfalls die Mängel einer Methode erwähnt. Im Ganzen betrachtet, wird auf den deutschen Sprachraum eingegangen, auf Ausnahmen dementsprechend hingewiesen.

Als Methode gilt im Übrigen ein „System von Regeln, das dazu geeignet ist, planmäßig wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen, oder darzustellen oder die praktische Tätigkeit rationell zu organisieren“.[1]

Besondere Bedeutung erlangt die Namenforschung für die Sprachgeschichte. So ist es unter anderem möglich, indoeuropäische Ursprünge, lexikalische Besonderheiten, die Herausbildung von Einzelsprachen oder auch die Lautverschiebungen mit Hilfe der Namen zu belegen und zu erforschen.

Spätestens seit der Antike sind Namen Gegenstand von Untersuchungen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine wissenschaftliche Forschung im heutigen Sinn. Die methodische Namenforschung, welche die Bedeutung, Entstehung und Verbreitung der Namen erforscht, wird erst deutlich später begründet und geht in ihren Anfängen auf den Sprach- und Literaturwissenschaftler Jacob Grimm (1785 – 1863) zurück.

In der Folgezeit wurde die Onomastik allerdings zumeist als Hilfswissenschaft für die Sprachgeschichte und die Gesellschaftswissenschaften betrachtet, konnte sich aber im zwanzigsten Jahrhundert emanzipieren und wird nunmehr als eigenständige Wissenschaft anerkannt.

Für die Namenforschung gilt dabei, „dass kein einzelner Aspekt existieren kann, der den ganzen Komplex onymischer Erscheinungen in sich vereint“.[2] Daher wurden verschiedene Methoden entwickelt, mit denen die Erforschung des Namens erleichtert und systematisiert wird. Die wichtigsten werden nachstehend vorgestellt und erläutert.

2. Terminologie

Um ein größtmöglichstes Verständnis zu gewährleisten, sind vorhergehende terminologische Bestimmungen unumgänglich. Eine Fülle von onomastischen Begriffen, die oft unterschiedlich gebraucht werden oder zum Teil sogar gegensätzliche Bedeutung haben, macht eine Klärung der verwendeten Begrifflichkeiten notwendig. So bezeichnet zum Beispiel das „Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ die Namenkunde identisch mit der Namen(s)forschung als „die Wissenschaft, die die Herkunft, Geschichte, Bildungsweise und Bedeutung der Vor-, Familien-, Orts- und Flurnamen erforscht“[3], während neueste Untersuchungen von unterschiedlichen Wortbedeutungen ausgehen[4]. Ähnliche Differenzen gibt es ebenfalls bei dem Begriff Onomastik.

Daher wird im Folgenden der Begriff Namenforschung gleichbedeutend mit Onomastik als Oberbegriff betrachtet und dementsprechend unterteilt: Die Namenkunde behandelt dabei den Gebrauch und die Geschichte eines Namens, während sich die Namenstheorie mit dem allgemeinen Wesen des Namens befasst. Der Begriff Onomastiker ist demzufolge auch gleichbedeutend mit Namenforscher.

Der beschriebenen Terminologie folgend wird das Wort onomastisch gebraucht, um Begriffe zu erläutern, welche die Namenforschung beschreiben. In einigen Zitaten wird dafür das Wort onymisch genutzt. Beide Begriffe besitzen eine identische Bedeutung.

Eine überaus wichtige Unterscheidung ist auch jene zwischen Namen und Appellativ. Während der Name ein einzelnes Objekt, also ein Individuum, benennt, bezeichnet ein Appellativ, auch Gattungsbegriff genannt, zumeist eine gesamte Gruppe von Dingen mit ähnlichen Eigenschaften (Zum Beispiel: Tisch, Mensch, Birke). Weitere auftretende Fachbegriffe werden während ihrer Anwendung erläutert oder werden als bekannt vorausgesetzt.

3. Quellenkritik als Methode der Namenforschung

3.1 Einführung

Viele Wissenschaften nutzen Quellen um neue Informationen zu erhalten oder bereits vorhandene Theorien zu überprüfen. Dies gilt auch für die Onomastik. Eine Quelle wird notabene als „Ursprung, Ursprungsort, Ausgangspunkt, Herkunft“[5] definiert. Die dazugehörige Kritik ist „die wissenschaftliche Beurteilung der Zuverlässigkeit historischer Quellen“[6].

Obwohl Namen im Lauf der Zeit viele Veränderungen erfahren haben, sind sie sehr alt und enthalten historische Informationen. Diese sind insbesondere für die Wort- und Sprachgeschichte von Bedeutung. Uns bekannte historische Namen sind zwar Teil der schriftlichen Quellen der dazugehörigen Epoche, ihr Ursprung ist zeitlich aber meist deutlich früher anzusiedeln. Da dies bei einer onomastischen Untersuchung berücksichtigt werden muss, kommt einer quellenkritische Analyse eine besondere Gewichtung zu und daher ist die Quellenkritik eine wichtige Methode der Namenforschung.

Diese Methode bedient sich dabei zweier Quellenarten:

Zum Einen sind das Textzeugnisse, schriftlicher sowie mündlicher Art, da diese zahlreiche überlieferte Namen enthalten. Dazu zählen unter anderem Stadtbücher, Kirchenbücher und Urkunden, aber auch Münzen, Siegel und Inschriften. Zum Anderen bilden die Namen selbst eine wichtige Quelle.

Möchte man nun den optimalen Informationsgehalt aus einem Namen gewinnen, so gilt es, die ursprünglichste Form des Namens sowie „möglichst alle historischen Belege zusammenzutragen“[7]. Bei der quellenkritischen Untersuchung werden somit der Name und seine Belege verglichen. Es muss allerdings beachtet werden, dass dies für mündlich überlieferte Namen nicht möglich ist.

Ebenfalls muss berücksichtigt werden, ob es sich bei der schriftlichen Quelle um ein Original oder eine Kopie handelt. Beachtenswert ist dabei, dass zeitnahe Kopien vielmals weit mehr sprachgeschichtliche Informationen über lokale Namen enthalten als vereinheitlichte Originale, welche selten die regionalen Besonderheiten desselben beachten.

Weitere entscheidende Daten für eine onomastische Quellenkritik stellen die „Provenienz (Ausstellungsort) und die Pertinenz (Aufenthaltsort), [...] Qualität und Herkunft der Schreiber sowie die Datierung der Quellen“[8] dar. Jede dieser Informationen kann die Beurteilung über einen Namen entscheidend beeinflussen und bedarf daher einer genauen Betrachtung.

Aus den genannten Gründen und dem im Kapitel 3.3 gezeigten Beispiel ergibt sich, das es notwendig ist, nicht nur den Namen als solches, sondern ebenfalls möglichst umfangreiche Informationen über seine Belege und die Quellen, in denen er vorhanden ist, kritisch zu recherchieren, zu vergleichen und zu bewerten. Die Quellenkritik als Methode der Namenforschung nutzt, wie gezeigt, diese zahlreichen Erkenntnisse, um einen Namen, seine Entstehung, Verbreitung und Bedeutung genauer zu bestimmen.

3.2 Die Geschichte der Quellenkritik als Methode der Namenforschung

In der Namenforschung ist es mittlerweile erwiesen, dass eine gründliche Prüfung von Schriftquellen, die Namen enthalten, unumgänglich ist. Allerdings benötigten die Onomastiker nahezu ein ganzes Jahrhundert, bis sich diese Erkenntnis durchsetzte, da

zu Beginn der Namenforschung der kritischen Quellenbetrachtung kaum eine Bedeutung zukam. Namen wurden daher meist ungeprüft aus den vorliegenden Quellen übernommen und folglich kam es dann bei wissenschaftlichen Untersuchungen oft zu Fehlinterpretation und verfälschten Ergebnissen.

Einer der ersten Onomastiker, die dieses Problem erkannten und benannten, war Ernst Förstemann. Der Mitbegründer der systematischen Namenforschung forderte in dem 1863 erschienenen Werk „Die deutschen Ortsnamen“ die „Reinigung der urkundlich überlieferten Formen“.[9]

Obwohl Förstemanns Werke in der Fachwelt auf rege Resonanz stießen, wurde der Quellenkritik lange Zeit weiterhin eine untergeordnete Bedeutung beigemessen, da, wie bereits in der Einleitung erwähnt, die gesamte Namenforschung nur als Hilfswissenschaft angesehen wurde.

[...]


[1] Klappenbach/ Steinitz (1985), 2497

[2] Blanár (2004), 153

[3] Klappenbach/ Steinitz (1985), 2608

[4] Vgl. Hansack (2004), 51

[5] Klappenbach/ Steinitz (1985), 2916

[6] Ebd. 2917

[7] Debus (2004), 108

[8] Debus (2004), 109

[9] zit. nach ebd., 114

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656470076
ISBN (Buch)
9783656470526
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231086
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
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